Inklusion – Gleicher Maßstab für behinderte Menschen auf der Bühne?

Staatstheater Darmstadt: In der Inszenierung von „Madame Bovary“ rast der querschnittsgelähmte Samuel Koch mehrmals um einen Misthaufen. Weiterhin versucht er, einen reglosen Kollegen in den Orchestergraben zu schieben. Das Publikum reagiert nur mit vereinzeltem Lachen. In Astrid Lindgrens Märchen „Mio, mein Mio“ spielt die 90 Zentimeter große Jana Zöll die Hauptrolle. Sie strahlt auf der Bühne eine immense Fröhlichkeit aus. Sie sind die ersten beiden Behinderten, die zum Ensemble eines deutschen Staatstheaters gehören.

Nun ergibt sich die Frage, wie man mit behinderten Darstellern auf der Bühne umgeht.

Im 19. Jahrhundert wurden behinderte und missgebildete Menschen auf Jahrmärkten bei sog. „Freak Shows“ zur Schau gestellt. Heutzutage hingegen geht es um die Integration von behinderten Menschen. Dies wird unter dem Begriff der Inklusion vollzogen. Inklusion bedeutet wörtlich übersetzt: Zugehörigkeit. Des Weiteren bezeichnet Inklusion ein Menschenrecht (UN-Behindertenrechtskonvention 2009).

Wer sich nun für die Inklusion ausspricht, kommt an einer Öffnung der Bühnen für behinderte Menschen nicht vorbei. In einem von mir geleiteten Tanzprojekt durfte ich mit behinderten Menschen arbeiten. Die von mir angewandte Didaktik unterschied sich stark von meiner Regulären. Die Auffassungsgabe, sowie die koordinativen Fähigkeiten der Teilnehmer waren eingeschränkt vorhanden. Unterliegen sie den gleichen Bewertungskriterien wie andere Tänzer?

Auf diese Frage gibt es keine exakte Antwort. Meiner Erfahrung mit behinderten Menschen nach muss ihre Beeinträchtigung berücksichtigt werden. Oftmals kann aufgrund ihrer Behinderung nicht derselbe Maßstab angelegt werden wie bei „gesunden“ Menschen. Jedoch kommt dies auf den Grad ihrer Behinderung an. Auf der anderen Seite steht Inklusion für Zugehörigkeit. Wenn behinderte Menschen als Teil des regulären Kurses gelten, muss der gleiche Bewertungs-Maßstab auch für sie angelegt werden, da alle das gleiche Recht auf dieselbe Behandlung haben.

Wie geht man mit behinderten Darstellern auf der Bühne um?
Als Befürworter der Inklusion sollen sie im Rahmen ihres Potentials ebenfalls kritischen Bewertungen unterliegen. Allerdings sollte ihre Beeinträchtigung berücksichtigt werden, da sich ihr geistiger oder physischer Zustand von den anderen Darstellern unterscheidet.

Wichtig ist das Schaffen einer Zugehörigkeit. Je nach Grad der Behinderung sollte die Bewertung variieren. Folglich sollten behinderte Menschen einem angepassten Maßstab auf der Bühne unterliegen.

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Quellen:

www.allgemeine-zeitung.de/lokales/kultur/theater/inklusion-auf-der-buehne-samuel-koch-und-jana-zoell-in-darmstadt_14911931.htm
Autor: Martin Eich (Rhein Main Presse vom 11.01.2014)

https://www.aktion-mensch.de/themen-informieren-und-diskutieren/was-ist-inklusion.html

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