Der Ruf der Hirsche

Jedes Jahr im August findet in den grünen Tiefen des Odenwaldes ein Festival statt, das sich vom Einheitsbrei kommerzialisierter Großevents abspaltet und mit ausgewählten Acts und schöner Kulisse punktet. Ein Ausblick auf den Sommer während der grauen Januartage.

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                Um den Odenwald, ein circa 2500 Quadratkilometer erfassender Landstrich zwischen Darmstadt und der Grenze zu Bayern, ranken sich einige Mythen und Geheimnisse. So hat hier, zwischen grünen Wäldern und kleinen Dörfern, der Held Siegfried sein berühmtes Bad in Drachenblut genommen, und fand, durch eine kleine Nachlässigkeit in Form eines vom Blut unberührten Fleckes an der Schulter, den Tod am Siegfriedbrunnen. Wer Jahrhunderte später noch das Abenteuer sucht, der ist hier nach wie vor gut aufgehoben. Ungefähr 4000 Musik- und Naturliebhaber folgen seit 2009 dem Ruf der Hirsche an den Marbachstausee, nicht einmal zwanzig Minuten Fahrt von der Kreisstadt Erbach, zum Sound Of The Forest. Über gewundene Straßen führt der Weg an einen steilen, von dichten Tannen besiedelten Abhang und über die Staumauer. Vom See erblickt man das Festivalgelände, eine Mischung bunter Zelte und Bühnen. Die Organisatoren des Festivals, eine Gruppe junger, innovativer Odenwälder, haben hier erreicht,  dass es ein Event  voller Gemütlichkeit ohne schalen Biergeruch und verfilzte Tierkostüme gibt. Wer lauthals die mysteriös verschollene Helga suchen will oder auf stadienfüllende Headliner wartet, ist hier falsch. Das Programm des Sound Of The Forest ist ein kleiner, ausgewählter Mix aus Reggea, Rock, Folk, HipHop, Elektro und tanzbaren Balkanbeats. Tagsüber kann man sich am See an sanften Gitarrenklängen erfreuen, der Abend wird an der großen Bühne mit Reggea eingeläutet und Tanzwütige können die ganze Nacht an mehreren Stationen verteilt zuckenden Beats und tiefen Bässen frönen. Die Acts, Gruppen oder Einzelkünstler, die man normalerweise bei größeren Festivals eher weiter mittig oder weiter unten auf den Werbeplakaten findet. Aber welches Festival bietet Workshops in Limonade selbst machen oder  an? Welches Festival hat sein eigenes Getränk und eigene Hymne? Das Getränk, der „Wilde Hirsch“, kommt beim Publikum besonders gut an. Es passt zum Odenwald, denn es ist grün und besteht zum Großteil aus dem Nationalgetränk eines jeden Hessens, dem guten alten „Ebbelwoi“ (Hochdeutsch: Apfelwein). Auch das Aufräumen kommt hier nicht zu kurz. Nur wer am Ende einen randvollen Müllsack abgibt, bekommt seinen Pfand auch wieder. Das einzige Manko: Die drei Tage am See (meistens scheint sogar die Sonne), gehen viel zu schnell rum. Dann heißt es noch einmal in das kühle Wasser springen, ein Akoustikkonzert an der Seebühne genießen, Zelt abbauen, Müllpfand holen und gleich wieder die Karte für das nächste Jahr kaufen.

Das Sound Of The Forest findet dieses Jahr vom 22.-24-08.2015 statt.

Von Giulia Canzoneri

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