Shell entschädigt nigerianisches Dorf mit 70 Millionen Euro

2008 erleben tausende Dorfbewohner in Nigeria einen scheinbar nicht enden wollenden Alptraum: Tausende Barrel Öl verseuchen den Nigerdelta mehr als 2 Monate lang und zerstören damit den Lebens- und Arbeitsmittelpunkt von 30.000 Fischern, Bauern und ihren Familien. Nun zahlt Shell rund 70 Millionen Euro an Kläger und Betroffene aus.

6 Jahre hat es gedauert, bis Ölkonzern Shell im Rechtsstreit mit der nigerianischen Kommune Bodo-Creek seine Bewohner entschädigt. Nun einigt er sich mit Ihnen mit 70 Millionen Euro auf einen Vergleich.

Hintergrund sind die Ölkatastrophen im Jahre 2008, bei denen aus einer beschädigten Ölpipeline des Shell-Konzerns nach Angaben von Amnesty International insgesamt mehr als 300.000 Liter Öl in den Nigerdelta gelangten, an dem Bodo-Creek und seine Einwohner fischen, Landwirtschaft betreiben und leben.

Die Umweltkatastrophe kam den dort ansässigen Menschen deshalb durch die wirtschaftliche Abhängigkeit von einem sauberen Fluss einer Vernichtung ihrer Existenz gleich. Hinzu kommt, dass das ausgelaufene Öl zu massiven Zerstörungen von hochempfindlichen Mangrovenwäldern in der Umgebung geführt hat.

Gerechtigkeit für Ölpest-Opfer?

Die Einwohner am Niger-Delta forderten ursprünglich mindestens 380 Millionen Euro, stimmten dem Vergleich jedoch letztendlich zu. Nach jahrelangem Rechtsstreit ist ein Großteil der Bewohner des dahingerafften Fischereihafens nur froh, dass ihre Proteste überhaupt etwas bewirkt haben und ihr Anliegen ernst genommen wurde.

Der Fall zeigt Signalwirkung, weil er als Blaupause für etliche andere Rechtsstreitigkeiten zwischen Shell und anderen afrikanischen Kommunen gilt, welche in ähnlichen Lagen sind: Die Bewohner fordern Entschädigung für ausgelaufenes Öl aus Lecks in den Pipelines und folgenreiche Umweltverschmutzung.

„Höchst bedauerliche betriebsbedingte Lecks“

Der Versuch der Deutschen Welle, Shell zum Vorfall für ein Interview zu kontaktieren, versandete in einem Hinweis auf die schriftliche Stellungnahme zur außergerichtlichen Einigung. Dort werden die „höchst bedauerlichen betriebsbedingten Lecks“ an den Pipelines angesprochen. Die Schuld schiebt Shell schnell auf Öldiebe, die Pipelines mutwillig beschädigen und illegal abzapfen.

Dies ändert nichts an der Tatsache, dass die Einwohner von Bodo-Creek die Ölpest im Nigerdelta noch lange zu spüren bekommen werden: Denn die biologische Selbstreinigungskraft eines Flusses ist begrenzt, wenn er derart massivem Ölaufkommen ausgesetzt ist. Zwar können erdölabbauende Bakterien den Fluss auf lange Sicht reinigen – dies dauert bei derartigen Mengen jedoch entsprechend lange.

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