„Man muss sich seine Freiheiten selbst nehmen!“

Das Semester neigt sich dem Ende zu und als gestresster Ersti fragt man sich vielleicht, ob das Studium so bleibt, hofft, dass es besser wird, oder stellt fest, dass man vielleicht ein falsches Fach gewählt hat.

Was tun? In unserer Reihe „Erste Hilfe für Erstis!“ interviewen wir regelmäßig Studierende in höheren Semestern.

Heute: Eva Szulkovski. Sie ist 26, studiert Filmwissenschaft im Master und wir haben sie interviewt, um zu erfahren wie sich das Studium im Master entwickelt, und ob es sich lohnt, am Ball zu bleiben.
Außerdem: wie man die erste Hausarbeit angeht und erfolgreich sein Nebenfach wechseln kann.

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Du studierst Filmwissenschaft im Master; in welchem Semester bist Du jetzt?

(Lacht, überlegt) Im vierten Semester glaube ich…
Ich lasse mich jetzt nicht darauf festnageln aber ich behaupte das jetzt einfach mal.

Das ist also schon mal ein Unterschied zum Bachelor, dass man nicht mehr weiß wo man gerade ist?

Irgendwann verliert man den Überblick, aber auch im Bachelor habe ich das irgendwann nicht mehr gewusst. Wenn man nicht mehr so im Plan drin ist, dann weiß man’s plötzlich nicht mehr.
Ich habe schon 12 Semester studiert, das ist ganz schön viel.

Was würdest du sagen ist der größte Unterschied zwischen Bachelor und Master?

Es ist glaube ich so, dass die ersten Semester des Bachelors sehr anstrengend sind und man das höchste Arbeitspensum hat.

Der größte Unterschied… Bei uns gar kein so großer Unterschied.
Wir sind ein sehr kleines Institut und haben nur sehr wenige Studenten bei uns: in meinem Master-Jahrgang waren es 13 Leute. Das heißt, dass man nicht sehr viel Auswahl an Kursen hat.
Vom Prinzip her ist es das gleiche, was man im Bachelor Studium hatte: Man kann maximal zwischen zwei Kursen auswählen – wenn man Glück hat – und ansonsten hat man keine Wahl und muss bei dem Plan bleiben, der vorgegeben ist.

Manches bleibt also gleich, aber was sind die Unterschiede zwischen Master und Bachelor?

Also auf der organisatorischen Ebene bleibt es gleich, aber auf der inhaltlichen ändert sich schon einiges!

Das Verhältnis von den Studenten zum Dozenten; da ist es natürlich so, dass die Gespräche, die Interaktionen, im Master deutlich auf einem höheren Niveau stattfinden, weil mehr Leute da sind, die sich mit dem Thema besser auskennen. Die Gespräche mit den Dozenten sind auch besser.

Du hast ja gewechselt von Politikwissenschaft zu Filmwissenschaft.
Politikwissenschaft war dein erstes Nebenfach.
Woran hast du gemerkt, dass du wechseln solltest, oder könntest, und dass es dir nichts bringt das Studium durchzuziehen?

Woran man es natürlich ganz einfach festmachen kann, ist die Statistikklausur, da ich mit wehenden Fahnen durchgefallen bin. Im 2. Semester glaube ich… Und daraufhin habe ich auch jeglichen Elan verloren.
Ich weiß, wenn mir das Fach und das studieren des Faches am Herzen gelegen hätte, dann hätte ich das auch noch mal probiert.
Und ich habe dann festgestellt, dass es sich für mich nicht lohnt das Fach weiter zu studieren.

Im Endeffekt war es die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können, in der Retrospektive. Ich habe zwischen Filmwissenschaft und Komparatistik viele Wechselwirkungen erkannt, und viele Dinge die ich in Literatur gelernt habe, konnte ich in Filmwissenschaft anwenden. Das war für mich sehr wichtig, dass ich dann 2 Fächer hatte, die dann miteinander interagiert haben.

Also hat sich das dann auch positiv auf das Hauptfach ausgewirkt, und es hat dich nicht gebremst, sondern es hat dich ja insgesamt weitergebracht.

Wenn man ein Beifach studiert in dem man unsicher ist, dann überträgt sich das auch auf das gesamte Studium, weil man ja am Anfang eh unsicher ist, zumindest ging das mir so. Dann ist es gut, wenn man ein Fach hat, das einen beflügelt.
Natürlich auch anders laufen! Es ist natürlich nicht immer so, dass es dann so gut läuft.

Aber es ist doch gut mal ein gutes Beispiel zu haben, so als Ersti ist man ja doch häufig etwas unsicher – man traut sich noch nicht so recht seinem Gefühl zu folgen, sondern richtet sich eher nach dem was vorgegeben ist…

Eine Verschulung des Studiums ist auf jeden Fall vorhanden. Das führt glaube ich auch zu einer Verunsicherung, weil die Studenten denken, sie müssten sich an diesen Plan halten und genau das machen, was da drauf steht.

Jeder Student sollte selbst entscheiden dürfen, ob er ein „ordentliches“ Studium machen möchte oder nicht, bzw. ob er andere Verantwortungen hat, z.B ob er arbeiten muss, oder sich um seine Familie kümmern muss: das sollten Studenten und Dozenten unter sich ausmachen meiner Meinung nach, und nicht über irgendein Programm oder einen Plan.

Klausuren kennt man von der Schule, wie ist es denn mit Hausarbeiten, das ist ja für viele völlig neu. Wenn es auf die erste Hausarbeit zugeht, was wäre dein Rat um nicht völlig zu verzweifeln? Wie sollte man an die Hausarbeit herangehen?

Ich weiß nicht, wie man das hinkriegt nicht völlig zu verzweifeln!
ich verzweifle jedes Mal.
Aber Hausarbeiten sind ja doch meine große Leidenschaft.
Das ist das, was mir im Studium am meisten Spaß macht.

Man muss wirklich versuchen sich auf das Positive daran zu konzentrieren.

Wichtig ist: man muss sich genug Zeit einplanen.
Manchmal muss man in der Zeit 2 oder 3 Hausarbeiten schreiben. Oft ist es so, dass man überrascht wird: „Scheiße, das Semester ist zuende!“ oder wenn noch ein Referat am Ende des Semesters ansteht, und dann macht man das Referat und dann die Hausarbeit und dann ist plötzlich die halbe Zeit der Hausarbeit rum. Man muss versuchen, sich die Zeit zu nehmen, und dann muss man erst mal eine schöne Literaturliste machen. Alles dazu lesen was einem wichtig erscheint zu dem Thema.

Ich mache das so, dass ich direkt beim Lesen Notizen mache. Und was verdammt wichtig ist: sich direkt klar und deutlich aufzuschreiben wo was steht!
Am besten gleich, wenn du ein Zitat hast, direkt hinschreiben wo es steht, damit man hinterher nicht suchen muss.

Wenn es ans Schreiben geht, ist es ganz wichtig nicht zu viel Angst vorm Schreiben selbst zu haben!
Sondern einfach drauflos schreiben, möglichst viel Text produzieren und sich nicht zu oft zu hinterfragen.

Du hast immer noch die Möglichkeit es danach umzuschreiben.
Nichts was du schreibst muss so stehenbleiben.
Manchmal schmeiße ich seitenweise noch raus, weil mir doch noch eine andere Idee gekommen ist.
Wenn man sich so dran setzt und denkt, „Ich weiß ja eigentlich gar nichts darüber, ich habe viel zu wenig darüber gelesen, ich weiß gar nicht was ich für eine Meinung habe darüber!“ Dann muss man das zur Seite schieben und einfach anfangen zu schreiben.

Vieles ergibt sich erst aus dem Schreiben heraus. Man muss dem Text die Möglichkeit geben, selbst zu arbeiten, und nicht Angst kriegen, dass man nicht das machen kann, was man eigentlich machen wollte.

(Überlegt) Jetzt haben wir bestimmt noch was wichtiges vergessen…

Vielleicht das Thema? Dass man vielleicht etwas wählen sollte, worüber man auch Lust hat zu schreiben und viel darüber zu lesen.

Das ist das A und O! Das ist das allerwichtigste!
Ich hatte das große Glück oder auch ein bisschen Verstand, dass mich jedes Thema, mit dem ich mich befasst habe, auch irgendwie interessiert hat.

Ich verstehe eigentlich niemanden, der in einer Geisteswissenschaft, oder in den Kulturwissenschaften, über ein Thema schreibt, dass ihn nicht interessiert. Denn auch in den abwegigsten Themen, die man z.B. im Seminar hat, kann man immer noch was finden, das einen interessiert.
Und ja, man darf sich natürlich nicht zu viel vornehmen mit einem Thema.
Es darf nicht zu umfangreich sein: man soll lieber klein ansetzen.

Hast du vielleicht am Ende noch was zu sagen für die Erstis, die jetzt geschlaucht sind vom ersten Semester und denken: „Oh Gott, geht das jetzt so weiter..?“

Also, es geht nicht so weiter, es wird schon entspannter, aber man muss sich selbst auch zugestehen, (überlegt) wie sagt man das denn..

Erstmal ist es natürlich wichtig, sich zu sagen, dass es meine Entscheidung ist; ich studiere das, weil ich Bock darauf habe, das zu studieren und der Stress ist eben ein Nebenprodukt davon. Das ist anstrengend aber im Endeffekt habe ich immer noch die Kontrolle darüber.

Und dann muss man sich natürlich auch einfach manchmal zugestehen: „Ich schaffe diese Prüfung nicht!“ Das schlimmste was passieren kann, ist, dass du einen Fehlversuch bekommst. Dann musst du im nächsten oder übernächsten Semester die Prüfung wiederholen. Und wenn du das Gefühl hast, du schaffst es nicht, du willst das lieber beim nächsten Anlauf richtig machen, dann mach das so!

Die Frage ist natürlich immer wie das mit dem BAföG ist. Ich habe ja sowieso kein BAföG bekommen, daher war das für mich nie eine Frage.
Es kann natürlich passieren, dass man dann BAföG Probleme kommt, daher will ich mit solchen Ratschlägen nicht um mich werfen, weil ich nicht weiß wie das mit den Leuten ist, die BAföG bekommen.

Aber generell bringt es nix, sich irgendwie durch ein Studium durchzuhetzen und am Ende schlechtere Noten zu kriegen, als man es eigentlich könnte, nur weil man dieses Pensum nicht schafft.
Denn dieser Plan ist ein Optimalplan – es ist quasi der Plan, „wenn alles 100% so läuft wie wir uns das vorstellen, dann sollte man so studieren.“
Der Plan wird von Leuten gemacht, die selbst nicht studieren und die selbst auch nicht dieses Pensum kennen. Die Dozenten sind natürlich auch dran beteiligt diesen Plan auszuarbeiten, aber die wissen ja oft selbst auch nicht was die Studenten wirklich für Realitäten haben.

Und daher muss man sich seine Freiheiten selbst nehmen und nicht zu sehr einschränken lassen.

Vielen Dank, Eva, ich glaube da waren viele gute Hinweise drin.
Ich bedanke mich für das Gespräch.

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