Mainz. Tag & Nacht – Durch’s Schlüsselloch: Fankultur im Mainzer Gästeblock: Wie weit darf die Liebe zum Verein gehen ?

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Am letzten Spieltag der Hinrunde der Fußball-Bundesliga empfängt der FSV Mainz 05 den Tabellenführer FC Bayern München in der Coface Arena. Mit dem bayerischen Team reist wie immer ein gefestigter Fankreis, um die Mannschaft vor Ort mit einer guten Stimmung im Fanblock zu unterstützen. An der Eingangskontrolle im Mainzer Stadion fällt auf, dass die Personenkontrollen im Vergleich zu anderen Stadien sehr streng und vorbildlich ablaufen. Einbüßen muss ich eine kleine Cremedose, die als Wurfgeschoss deklariert wird, ebenso eine Plastik-Nagelfeile. Die Mitnahme eines zweiten Feuerzeuges muss ich hart bei den Sicherheitsdamen rechtfertigen.

Im Gästeblock angekommen stellt sich heraus, dass das Vorzeigen der Karten für den jeweiligen Block nicht unbedingt notwendig ist. So kommt es zu einem überfüllten Fanblock hinter dem Tor. Die Mitnahme von Getränken ist aus Platzgründen nicht machbar, auch der Ein-und Ausgang gestaltet sich wegen der Menschenmasse als praktisch unmöglich.

Bei Spielbeginn sorgt der Gästeblock mit lauten Fangesängen für eine würdige Begrüßung des Tabellenführers. Im Block kommt es zu leichten Unruhen. Für zwei junge Mädchen ganz unten am Zaun hört der Spaß bereits nach der fünften Spielminute auf. Sie verfallen in Panik und werden von den Sicherheitskräften durch das Gedränge nach oben getragen. Als der FSV mit dem ersten Tor die Führung übernimmt, werden Bengalos gezündet. Rauch breitet sich im Block aus und behindert die Sicht, die Stimmung im Block kippt. Einige versuchen fluchtartig über die Treppe nach oben zu gelangen, während die Masse bemüht ist, das Spiel weiter zu verfolgen.

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Zündelei im Mainzer Gästeblock Foto: Lisa Maria Christ

Der Ausgleich durch Bastian Schweinsteiger folgt noch in der ersten Halbzeit, Robben erzielt den Siegestreffer in der 90. Minute.

Nach dem Spiel treffe ich auf einige Mitglieder der Ultraszene in München, der „Schickeria“. Im Gespräch zeigen sie sich distanziert und verärgert über den Einsatz von Pyrotechnik im Stadion. Sie kritisieren die Einstellung mancher Fans, die den Verein mit verbotener Pyrotechnik in Schwierigkeiten bringen. Eine Legalisierung hingegen würden sie unterstützen. Wie man trotz strenger Kontrollen Pyrotechnik ins Stadion bringen kann, können sie allerdings erklären. „Die meisten tragen Bengalos eng am Körper, wo Sicherheitskontrollen oft keinen Zugang haben. Andere lassen sie sich nach dem Einlass ins Stadion an einer abgelegenen Stelle durch den Zaun reichen“, so ein Mitglied. Über den legalen, kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik im Stadion wird seit Jahren hitzig diskutiert.

Es war ein spannender Abend im Gästeblock der Coface Arena. Familienfreundlich sind Fankurven längst nicht mehr, jedoch sollte man sich fragen, ob derartiges Gedränge und illegales Zündeln nicht die Grenzen der Zuneigung zum Verein etwas übersteigt.

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