2015 – Die Fortsetzung einer Fortsetzung?

Neues Jahr und schon wieder dasselbe alte Lied – oder besser gesagt: der selbe alte Film. Die Kinolandschaft des kommenden Jahres bietet vor allem wieder eines im Überfluss: Fortsetzungento_be_continued The Avengers 2, Star Wars: Episode VII, Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2… So lauten die Titel von drei der aussichtsreichsten Blockbluster 2015 hinsichtlich des alljährlich ausgetragenen Wettbewerbs um die Krone an den Kinokassen. Diesen konnte im vergangenen Jahr Michael Bays Krawall-Orgie Transformers: Ära des Untergangs mit einigem Abstand für sich entscheiden. Es bedarf keiner prophetischen Begabung um hieraus den Schluss zu ziehen, dass der Neuaufguss in Hollywood zu den vielversprechendsten Erfolgsgaranten überhaupt gehört. Kein Wunder, ist man doch scheinbar wo man nur hinsieht mit altbekannten Titeln konfrontiert, denen entweder eine weitere Zahl, oder ein äußerst kryptischer Untertitel beigefügt wird. Über die Handlung verrät das meist wenig bis absolut gar nichts, aber man erkennt wenigstens äußerlich, dass es sich um einen anderen Film handeln soll. Hierbei gibt es grob unterteilt drei Vorgehensweisen – man könnte es auch Fortsetzungstypen nennen -, zu deren Erläuterung der Blick auf die zuvor genannten Neuerscheinungen 2015 genügt.

1. Die Erfolgsfortsetzung: The Avengers 2: Age of Ultron

Das Obligatorische zuerst: Man hat einen Film, der alle Erwartungen an den Kassen übertroffen hat? Da ist es doch nur legitim, diese Erwartungen auch ein zweites mal hinter sich zu lassen. Die Handlung interessiert dabei niemanden mehr großartig, Hauptsache man hat den Titel und die altbekannten Gesichter des geliebten Vorgängers wieder vor Augen. Die wohl häufigste Art der Fortsetzung – So alt wie Hollywood selbst und mit Filmen wie Ted 2 oder Taken 3 auch dieses Jahr wieder mit genügend Zuwachs. Dass auch die Filmindustrie hierzulande dieses Prinzip verstanden hat, beweist Fack ju Göte 2. Es wäre doch ein Unding, wenn der größte deutsche Kassenschlager seit Schuh des Mannitu bei einer abgeschlossenen Handlung bliebe…

2. Das Reboot: Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht

Apropos abgeschlossene Handlung: Diese kann auch dann wiederaufgegriffen werden, wenn der Vorgänger bereits über 10 Jahre zurückliegt. Warum auch nicht? Es hat doch schon einmal wunderbar geklappt. Zwar stieß die neue Star Wars-Trilogie bei vielen eingefleischten Jedi-Rittern auf wenig Gegenliebe, jedoch sprachen die Zahlen an der Kasse eine deutliche Sprache. Folglich wird dieses Spiel mit der Nostalgie der Fans in diesem Jahr nicht bloß mit dem Star Wars-Franchise sondern mit Mad Max: Fury Road sowie Jurassic World auch noch mit zwei weiteren großen Filmreihen vergangener Tage fortgeführt. Zwar kann man einer derartigen Wiederbelebung eines geliebten Filmes weitaus optimistischer entgegentreten als einem bloßen Remake, jedoch lässt sich auch hierbei ein flüchtiges Augenrollen nur schwer verkneifen.

3. Die Teilung: Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2

Verkneifen? Bei diesem Fortsetzungstyp kommt man aus dem Augenrollen nur schwer wieder heraus. Seit der Aufteilung des letzten Harry Potter-Bandes hat es sich in Hollywood eingebürgert, eine Buchvorlage (insbesondere wenn es sich um den letzten Teil handelt) in zwei oder mehr Filmen auf die Leinwand zu bringen. Die bisherige Spitze dieser abstrusen Vorgehensweise stellt Peter Jacksons Hobbit-Trilogie dar: Drei jeweils ca. 3-stündige Filme aus einer gut 300-seitigen Buchvorlage – Zum Vergleich: Der kürzeste Band der Herr der Ringe-Trilogie hat bei etwa gleicher Filmlänge über 400 Seiten. Das Argument, so werde es ermöglicht, sich enger an der Buchvorlage orientieren zu können, verliert beim Schauen der einzelnen Filme schnell an Glaubwürdigkeit. Die versprochene Nähe zur Vorlage konnte auf diese Weise bislang noch nicht erzeugt werden. Im Gegenteil: Die meisten dieser Werke wirken entweder zäh und ereignislos, oder paradoxerweise sogar viel zu hastig erzählt und enthalten oft unnötige Ergänzungen. Erfolgreich waren sie trotzdem alle, weswegen es verwunderlich, ja beinahe schon tatsächlich wie ein Wunder wirkt, dass es in diesem Jahr bei bloß einem Vertreter dieser Gattung bleibt.

Zwar gibt es tatsächlich auch gelungene Filmfortsetzungen, oder sogar welche, die ihren Vorgänger noch übertreffen können. Jedoch ist die Anzahl der hierbei erzielten qualitativen Fehlschläge alarmierend hoch, wofür wir als treudoofe Kinogänger leider auch mitverantwortlich sind. Selbst ich als Autor dieser Ablehnung gegenüber dem Fortsetzungswahn muss gestehen, voraussichtlich 2/3 der im Text aufgeführten Filme dieses Jahr im Kino sehen zu werden. So sehr man Hollywood für sein Vorgehen auch anprangern möchte, eine gewisse Vorfreude kommt doch auf, wenn man im Trailer sieht wie die Averngers wieder über die Leinwand fliegen und der Welt das neue Laserschwert präsentiert wird. Für all diejenigen, die sich dem standhaft zur Wehr setzen möchten gibt es aber auch Entwarnung. Es gibt sowohl Multi-Millionen-Dollar-Blockbuster wie Jupiter Ascending als auch Oscar-Anwärter à la The Imitation Game, die in diesem Jahr auch gänzlich ohne Zahl am Ende des Titels auskommen. Ein besonderes Schmankerl könnte dabei Quentin Tarantinos neuer Streifen The Hateful Eight werden – Zwar auch wieder mit Nummerierung, aber definitiv ohne Vorgänger.

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