Schmerz, Intrigen und ganz viel Amore

NEU_Durch's SchlüsselllochMainz Tag &Nacht – Durch’s Schlüsselloch: Vera Nemirovas Inszenierung von Guiseppe Verdis Oper „La Traviata“ begeistert die Zuschauer des Mainzer Staatstheaters

MAINZ. Bevor wir den Saal betreten, atmen wir noch einmal tief durch. Zweieinhalb Stunden italienischer Operngesang liegen vor uns. Mein Vater holt sich noch schnell ein Glas Wein, „damit er gleich besser einschlafen kann.“ Das Weihnachtsgeschenk für meinen Opa sollte dieses Jahr etwas ganz Besonderes sein; ein Ausflug ins Staatstheater Mainz zu seiner Lieblingsoper „La Traviata“. Und es wurde etwas ganz Besonderes. Gelegenheit zum Schlafen hatten wir nicht, dafür spielte vor Allem die Protagonistin ihre Rolle zu packend. Das Drama beginnt mit einer Feier, bei der die Hauptperson Violetta Valéry, eine Prostituierte, den jungen Alfredo Germont kennenlernt. Dieser umwirbt die hübsche junge Frau und nach einigem Sträuben gibt sie ihrer Liebe ebenfalls nach. Sie lässt ein Leben in Saus und Braus hinter sich und zieht mit Alfredo aufs Land. Dort sind beide glücklich, bis Alfredos Vater auftaucht. Er nimmt sich die inzwischen an Schwindsucht erkrankte Violetta zur Brust. Er verlangt von ihr, Alfredo zu verlassen, da dessen Schwester andernfalls nicht einen hoch angesehenen Mann heiraten könne. Dieser wolle seinen Ruf nicht zerstören, indem er eine ehemalige Prostituierte zur Schwägerin bekommt. Alfredos Vater redet so lange auf Violetta ein, bis diese schließlich einwilligt. Sie werde versuchen, Alfredo glauben zu machen, sie liebe einen Anderen. Also verlässt sie ihres und Alfredos Haus und kehrt zurück nach Paris. Dort geht sie mit ihrem angeblich neuen Liebhaber auf ein Fest.

Alfredo ist währenddessen auch zurückgekehrt, um nach Violetta zu suchen. Während es Violetta immer schlechter geht, bekommt Alfredos Vater ein schlechtes Gewissen. Auf der einen Seite sieht er die Kranke und auf der anderen Seite seinen Sohn, der nur noch von Eifersucht getrieben ist und sich völlig verändert hat. Alfredo ist ohne Violetta verzweifelt, doch als diese ihm gesteht, dass sie gezwungen wurde, ihn zu verlassen, ist es schon zu spät. Der Arzt gibt Violetta nur noch wenige Stunden Zeit zum Leben. Diese Zeit verbringt die Protagonistin im Gespräch mit ihrer allseits anwesenden Freundin und Dienerin Annina. Die Bühne ist im dritten Akt in zwei Hälften geteilt. Oben stehen Alfredo und dessen Vater an einem Grab, unten singt Violetta verzweifelt ihre letzte Arie. In dieser beklagt sie ihren jungen Tod und dass sie nicht mehr mit Alfredo zusammen sein kann.

Die Oper ist ein ständiges Auf und Ab zwischen Freude und Leid. Mal findet sich Violetta ganz in Alfredos Liebe und im nächsten Moment im Zwang der Gesellschaft, in der jeder Anforderungen an sie stellt, wieder. Das Stück ist modern inszeniert und doch bleibt es seinem Original treu. Alles ist auf Italienisch, die Übersetzungen werden rechts und links der Bühne auf eine Leinwand projiziert. Die Pause nach der Hälfte des Stücks tut gut und gibt Gelegenheit zum Verschnaufen. Obwohl die Sprache natürlich recht altmodisch klingt – Verdi schrieb die Oper Mitte des 19. Jahrhunderts – ist der Sinn des Stücks gut zu verstehen. Caroline fb II Und das hat auch mich überrascht: Eine Oper ist kein Hexenwerk, das nur für alte Leute geeignet ist. Sie ist vielmehr eine Art des Schauspiels, bei dem Gefühle und Emotionen mit unglaublicher Leidenschaft dem Publikum vermittelt werden. Und die Hauptaussage von „La Traviata“ besticht durch ihre immer währende Aktualität: Mach dich frei von den Fesseln der Gesellschaft und liebe, wen du eben liebst!

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