Mainz. Tag & Nacht – Durchs Schlüsselloch: Streitpunkt Mainzelbahn- erste Gleise verlegt

NEU_Durch's Schlüssellloch

Mainz. Die umstrittene „Mainzelbahn“ nimmt nach vier Jahren der Planung Gestalt an: in der Landeshauptstadt sind am 24. November die ersten Schienen auf dem Gelände der Johannes-Gutenberg-Universität verlegt worden. Ende 2016 soll die neue Straßenbahnlinie jährlich etwa eine Million Fahrgäste vom Hauptbahnhof über die Universität bis zum Lerchenberg transportieren.

Das Großprojekt erweitert das Mainzer Straßenbahnnetz um 9,2 Kilometer auf etwa 30 Kilometer. Es soll gezielt den stark frequentierten Busverkehr zwischen dem Hauptbahnhof West und der Universität entlasten: dort sind heute an einem Werktag bereits 1.200 Busse unterwegs. Damit wird sie vor allem Studenten, aber auch Bürgern in Bretzenheim, Marienborn und Lerchenberg nutzen.

Für den Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) ist der Netzausbau eine Frage von Weitsicht und Vernunft, „weil die Mobilität der Menschen in Großstädten (…) auf lange Sicht stärker von öffentlichen Verkehrsmitteln und weniger vom Auto abhängen wird“. Laut Infrastrukturminister Roger Lewentz benötige eine größer werdende Stadt wie Mainz auch ein mitwachsendes Verkehrssystem, um den Ansprüchen seiner Bürger gerecht zu werden.

Neben der Entzerrung des Verkehrs sprechen auch ökologische Aspekte für die Tram: weniger Individualverkehr bedeute eine bessere Energie- und Schadstoffbilanz, so die Verkehrs- und Umweltdezernentin Katrin Eder. Denn die elektrisch betriebene Mainzelbahn wird nach Angaben der Mainzer Verkehrsgesellschaft emissionsfrei fahren und als Generator die Bremsenergie in Strom umwandeln.

Doch das Projekt ist nicht unumstritten. Grund für die Kritik waren vor allem die Baukosten: das rund 84 Millionen Euro teure Projekt wird zu etwa 31 Millionen Euro von der Stadtwerke Mainz AG getragen. Zusätzlich fördert Rheinland-Pfalz den Bau mit 9 Millionen Euro, der Bund steuert ganze 44 Millionen bei. Der öffentliche Schuldenberg wächst dadurch erheblich. „Hier wird einfach unser aller Geld versemmelt“, wird ein Mainzer in der Allgemeinen Zeitung zitiert.

Zudem fürchten viele Anwohner eine starke Lärmbelästigung. Nicht nur der Geräuschpegel während der dreijährigen Bauarbeiten, sondern auch der zukünftige Bahnbetrieb selbst bereiten viele Sorgen. Die Betroffenen seien nicht ausreichend über Protestmöglichkeiten aufgeklärt worden, hieß es. Mittlerweile sind die Klagefristen lange abgelaufen.

Aller Kritik und Unstimmigkeiten zum Trotz ist für Universitätspräsident Georg Krausch eines gewiss: die Mainzelbahn werde ein ganz besonderes Merkmal der Stadt Mainz. Denn immerhin gebe es vermutlich keinen anderen Campus in Deutschland, der über eine Straßenbahnlinie verfügt.

Kathrin

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