Auf lauten Schienen

Die Mainzelbahn verspricht Verkehrsentlastung und emissionsfreie Bewegung. Aber wie viel Gutes steckt in dem Mammutprojekt? Ein Kommentar über Kosten und Nutzen.

MAINZ. „Die Mainzelbahn kommt!“, steht auf einigen Fahrzeugen des Mainzer ÖPNV gedruckt. Freundlich soll die Werbung aussehen mit der stilisierten Bahn. Sie lächelt und trägt die für Mainzelmännchen typische, kleine Wollmütze. Soweit so gut. Aber als Studentin, die täglich einige der sich unmittelbar auf dem Campus befindenden Bushaltestellen nutzt, erscheint mir das kleine Grinsen der Bahn doch mittlerweile ziemlich hämisch. „Die Mainzelbahn kommt!“, das klingt nach ein bisschen Recherche eher wie eine Drohung als ein Versprechen. Denn sie kommt nicht auf leisen Sohlen, sondern auf teuren, lauten Schienen. Der ständig nach oben korrigierte Kostenplan beläuft sich auf mittlerweile 84 Millionen Euro, wovon der MVG 31, der Bund 44 und 9 Millionen das Bundesland übernimmt. Es wird betont, dass die Stadt Mainz finanziell nicht belastet sei. Dabei wird vergessen, dass Mainz keine autonom schwebende Wolke ist, sondern zugehörig einem Bundesland, das wiederum zugehörig dem Bund ist. Von Ersparnis kann hier also keine Rede sein. Das Konzept klingt veraltet. Null-Emissionen schön und gut, aber eine Straßenbahn ist das unflexibelste Gefährt, das man sich nur vorstellen kann. Es kann geradeaus, sehr langsam auch rückwärts und nur sanft rechts und links, wenn es auch die Schienen vorgeben. Und wenn dafür entlang der geplanten Trasse alle Bäume gefällt werden müssen, so klingt die grüne Strategie auch ziemlich bitter. „Die Mainzelbahn kommt!“, und sie will dem Campus an die Organe. Laut offizieller Seite des MVG soll der Campus weiterhin befahren werden, aber weitere Recherchen ergeben, dass die allseits beliebte Campuslinie 69 komplett wegfallen soll und von dem scheinbar freundlichen Gefährt nur noch die Haltestellen „Universität“ und „Friedrich-von-Pfeiffer-Weg“ angefahren werden. Wer sich auch nur ein bisschen auf dem Universitätsgelände auskennt merkt schnell, dass damit der Campus nur noch einseitig befahren wird. Zusätzlich darf man sich auf Baulärm und Staub bis 2016 (das sei zumindest das angestrebte Datum) freuen. Alles nur für einige teure, gelb bepinselte Wagons, die einen Streckenabschnitt von nur 9 Kilometern bedienen, weil dies angeblich die Lösung für das vermehrte Passagieraufkommen sei. Wie wäre es damit, den unansehnlichen Bahnhofsplatz schöner zu machen? Wie wäre es mit einer Buslinie, die Universität mit Uniklinik direkt verbindet? Wie wäre es mit mehr bezahlbarem Wohnraum? Die Mainzelbahn erscheint wie ein Prestigeobjekt, welches den Hauptbahnhof mit dem Thron des ZDF verbindet, eine kurze, unsinnige Fahrt, dessen Finanzierung für einige dringendere Projekte  hätte verwendet werden können.

Von Giulia Canzoneri

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