Abschluss Bachelor – Was kommt danach?

PantherMedia A17400162Was mache ich nach meinem Bachelorabschluss? Was für ein Bachelorthema wähle ich? Wie gehe ich mit dem Stress um?

Was kommt danach auf mich zu?

Das, und noch viele mehr, sind einige der Fragen, die sich ein Student mindestens ein mal in seinem Studienverlauf stellt. Doch wie findet man eine zufriedenstellende Antwort?

„Die kann dir keiner geben. Das musst du schon alleine herausfinden,“ so meint der 23-jähige Publizistikstudent Robin, der sich mittlerweile im siebten und letzten Semester seines Bachelorstudiums befindet.

Während unseres Gesprächs erzählt er von den Hürden und Aufgaben in seinen letzten Monaten als Publizistikstudent und gewährt mir einen Einblick in seine Zukunftsplanung.

Robin, was studierst du denn?

Ich studiere Publizistik und Filmwissenschaft im siebten Semester an der Johannes-Gutenberg Uni.

Wenn du an dein Studium der Publizistik denkst, welche Module haben dir da am Besten gefallen?

R: Puh, schwer zu sagen im Nachhinein. Was ich auf jeden Fall sehr interessant fand, war die Mediennutzungs- und Medienwirkungsforschung. Vor allem ein Seminar, das ich bei Herrn Stolz hatte, zum Thema Werbewirkung, das fand ich sehr interessant. Auch Vorlesungen zu Mediengeschichte und Übungen zu Mediengeschichte und Recht fand ich gut. Weniger gut waren so Sachen wie Statistikkurse oder SPSS. Einfach weil ich mir nicht vorstellen kann, dass das für mich später interessant und relevant ist.

Warum?

R: Weil ich mich gar nicht so sehr in die wissenschaftliche Richtung begeben will nach meinem Studium. Statistik habe ich gemacht, weil ich es machen musste, aber nicht weil ich es gerne gemacht habe (lacht).

Was glaubst du denn, wie viele und welche Optionen gibt es für die Personen, die sich nicht in die wissenschaftliche Richtung begeben wollen?

R: (schnauft) Also in der Berufswelt später muss man sich genau überlegen, wo man hin will. Was will man? Will man in den Journalismus gehen, will man PR machen, will man in die Werbung gehen? Und wenn man rechtzeitig Praktika macht und sich genug damit beschäftigt und weiß was man möchte, gibt es auf jeden Fall genug Chancen auf Berufsmöglichkeiten. Und natürlich dementsprechend genug Optionen.

Wie schaut es denn bei dir konkret aus? Hast du während deines Studiums herausfinden können, wo es für dich hingeht?

R: Um ehrlich zu sein (Pause) ja, schon. Ich habe durch mein Hauptfach festgestellt, dass mich PR auf jeden Fall interessiert. Aber vor allem durch mein Nebenfach hat sich ein bisschen mehr herauskristallisiert, was ich machen möchte. In Filmwissenschaft gab es nämlich ein Seminar zu Game Studies und dabei habe ich festgestellt, dass es da einen großen Bereich gibt, der mich interessiert. Privat war natürlich auch Interesse vorhanden. Und dann, in letzter Zeit hat sich für mich herausgestellt, dass ich gerne in der Branche arbeiten möchte! Entweder im PR-Bereich, für große Spielefirmen oder indem ich mich weiter fortbilde und z. B. Gamedesign studiere. Und dann direkt in die Branche einsteige bei einer Firma.

Würdest du dann dem Nebenfach im Studium eine große Relevanz zuteilen?

R: In meinem Fall, ja. Ich denke, das Beifach sollte immer etwas sein, was einem Spaß macht. Denn der Hauptfokus für die spätere Berufswahl wird natürlich durch das Hauptfach gelegt. Und wenn man im Hauptfach Aspekte hat, die einem nicht gefallen, dann sollte wenigstens das Nebenfach interessant und spaßig sein und gerade daraus können sich ja dann Anregungen ergeben, wie man die beiden Fächer dann später beruflich kombinieren kann.

Du hast vorhin gesagt, dass Studierende neben dem Studium Praktika machen und berufliche Erfahrungen sammeln sollten. Glaubst du dass neben einem Vollzeit-Studium möglich ist?

R: (lacht) Absolut, ja. Natürlich kann es sein, dass man in den ersten zwei Semestern nicht so die Kapazität oder die Zeit hat dafür. Für Praktika sind natürlich auch immer die Semesterferien da, man hat ja auch viele Pflichtpraktika in vielen Studiengängen, aber gerade in den späteren Semestern, so ab dem vierten Semester, geht wirklich die wöchentliche Stundenanzahl, die man an der Uni verbringen muss, stark zurück. So dass man da auf jeden Fall die Gelegenheit hat und nutzen sollte, irgendwie einen Nebenjob auszuführen während des Studiums. Einfach um mal in die Berufswelt reinschauen zu können.

Hast du da auch persönliche Erfahrungen, von denen du mir erzählen kannst?

R: Ich selbst habe seit meinem zweiten Semester ein Nebenjob ausgeführt. Fünfzehn Stunden die Woche. Der Job hatte jetzt nicht den größten Bezug zum Publizstikfach an sich. Ich habe als Editor bei einer Firma gearbeitet und Texte korrigiert. Der Bezug ist insofern da, als dass ich mich mit Sprache beschäftigt habe. Aber gerade Praktika sind enorm wichtig; dass man mal zu Agenturen hingeht und sich mal anschaut, wie das da abläuft. Es ist ja auch vom Studium so vorgesehen, dass man zwei Pflichtpraktika absolviert. Wie sonst will man sich ein Bild machen, in welche Richtung man gehen will? Es ist ja so ein weites Feld, das einem da offen steht, wenn man Publizistik studiert. Man muss einfach Erfahrung sammeln und schauen, was einen interessiert. Also gut über den Tellerrand schauen.

Du befindest dich ja nun in deinem siebten Semester. Bist du schon in der Bachelorabschluss-Phase, bei der du deine Bachelorarbeit schreibst?

R: Jein. Noch nicht ganz. Ich bin noch gerade dabei, das Thema zu finden und den Dozenten zu finden bei dem ich es schreiben möchte und das eben festzuklopfen. Aber ich will bald anfangen mit dem schreiben.

Hast du schon eine Idee für deine Bachelorarbeit?

R: (lacht) Jein. Ich hab ja schon erzählt, dass ich gerne in den Bereich der Computerspiele möchte und daher würde ich gerne eine Arbeit schreiben, die sich thematisch damit auseinander setzt. Da will ich den beruflichen Weg ein wenig ebnen. Ich könnte mir gut vorstellen, mich mit der Medienwirkung oder Mediennutzung auseinanderzusetzen im Bezug auf Computerspiele oder einfach mit der Kommunikation innerhalb der Computerspiele. Es muss ja auch einen direkten publizistischen Bezug haben. Aber ich will dir noch nicht zu viel verraten.

Was stellst du dir denn vor, wie viel Aufwand die Bachelorarbeit macht und wie viel Stress dadurch anfällt?

R: Stress ist ja etwas sehr Subjektives. Auch wie man sich das ganze aufteilt. Eine Bachelorarbeit ist auf jeden Fall großer Aufwand. Es soll ja eine wissenschaftlich fundierte Arbeit sein, mit der man eben zeigt, dass man empirisch arbeiten kann.

Es sind ja von vornherein zehn Wochen oder neun Wochen (Pause) ich weiß es jetzt nicht genau für die Bearbeitung der Bachelorarbeit angesetzt. Allerdings muss man vorher ja schon ein Exposé schreiben für den Dozenten, bei dem man die Arbeit schreiben will. Damit der Dozent eine Gliederung hat und man selbst einen Plan hat. Und dann hat man zehn Wochen, in denen man tatsächlich schreibt und da muss man sich auch jeden Tag hinsetzten und sich damit beschäftigen. Es geht ja nicht nur darum, dreißig Seiten zu schreiben, man muss sich auch Gedanken machen, wie man das füllt und dafür viele verschiedene Studien lesen, bearbeiten, zitieren, einfügen etc.
Und danach sind ja nochmal zehn Wochen Zeit, in denen die Arbeit dann korrigiert wird und man sich selbst auf seine mündliche Prüfung vorbereitetet. Das heißt, man muss schon mit einem halben Jahr Aufwand rechnen.

Und was bedeutet das für dich persönlich, die kommenden sechs Monate?

R: (Pause) Es bedeutet, dass ich mein Bachelorstudium dann endlich hinter mir habe. Nach dem Stress. Einen Abschluss in der Tasche habe und hoffentlich ein Thema wählen werde, dass mich interessiert, womit ich mich auch sechs Monate lang zufrieden geben kann. Um dann eben dran zu bleiben.

Ich glaube bei einem Thema, dass für einen selbst nur, sag ich mal, semi-interessant ist, da bleibt man auch nicht wirklich dran und die Arbeit fällt dementsprechend aus.

Da die Bachelorarbeit sehr Zeitintensiv ist, glaubst du, dass du dann auch Zeit haben wirst für andere Sachen wie Hobbys, Freunde oder Arbeit?

R: Werde ich auf jeden Fall haben. Man muss sich das ja so vorstellen, man hat ja in den letzten Semestern praktisch keine Uni mehr, um sich eben gerade im letzten Semester der Bachelorarbeit zu widmen. Die Zeit, die ich normalerweise an der Uni verbracht hätte, werde ich für die Bachelorarbeit nutzen. Im Schnitt habe ich ja vier bis fünf Stunden an der Uni verbracht, wenn man das auf die fünf Wochentage auslegt, und wenn ich mich jeden Tag ungefähr so viel damit beschäftige, dann müsste das reichen. Da bleibt auf jeden Fall Zeit für Hobbys und Nebenaktivitäten, genau so wie vorher auch.

Ist es schwierig, einen Dozenten zu finden, für die Thematik die man sich ausgesucht hat?

R: Am Institut für Publizistik eigentlich nicht. Es ist sehr leicht einen Dozenten zu finden, zu dem die Thematik dann auch direkt passt. Man kann sich ja online anschauen, was die Forschungsfelder und Forschungsgebiete der Dozenten sind. Es gibt auch, wenn man auf die Seite des Instituts für Publizistik geht, einen Link zum Teamweb, wo man eine Exceltabelle findet, in die sich alle Dozenten eingetragen haben mit ihren Themengebieten und noch eine weitere Tabelle, in der Themenvorschläge drin stehen. Die Dozenten selbst unterbreiten ja auch Vorschläge von Sachen, die sie gerne erforscht haben wollen und da kann man sich natürlich direkt bei ihnen melden und sagen: Ich möchte das Thema bearbeiten. Oder man denkt sich ein Thema aus, und weiß, das gehört ungefähr in diesen Bereich und wendet sich dann an den Dozenten. Es kann natürlich sein, dass die Kapazität erschöpft ist und sie dann sagen: Gehen Sie doch bitte zum anderen Dozenten, der das Gebiet auch abdeckt. Aber eigentlich ist es nicht schwer, die Dozenten sind sehr erreichbar in Publizstik. Zum Glück.

Du bist ja jetzt im siebten Semester. Der Normalfall sieht ja sechs Semester vor.

R: (lacht)

Warum hast du denn ein Semester dran gehängt?

R: Also es ist absolut möglich, das Studium in sechs Semestern durchzuziehen. Bei mir hat es den Hintergrund, dass ich nach dem ersten Semester mein Beifach gewechselt habe. Und da ich dieses Semester eine Veranstaltung im Beifach habe, dachte ich: Dann schreibe ich meine Bachelorarbeit im letzten Semester und habe weniger Stress mit anderen Veranstaltungen an der Uni.

Und ich denke auch nicht, dass es besonders schlimm ist, wenn man etwas länger braucht (pausiert)

Früher hat man für sein Magisterstudium zehn Semester gebraucht und dass das jetzt so eingedampft und verschult ist, ist nicht unbedingt positiv. Wenn man sich ein bisschen Zeit lässt und auch sein Leben genießt, sich klar darüber wird, was man will, anstatt einfach stur einem vorgegebenem Pfad zu folgen, denke ich ist das auch für die persönliche Entwicklung fürs spätere Leben viel, viel wichtiger als so schnell wie möglich fertig zu sein. Und auf ein oder zwei Jahre achtet auch später bei der Einstellung keiner.

Was findest du denn so kritisch an der Umstellung des Studiensystems?

R: Also das ist ja auch ein bisschen länger her, dass das umgestellt wurde, nicht? Und es hat ja auch viele Meinungen dazu gegeben und es haben sich ja auch genug Leute drüber geäußert. Und was viele sagen, dem ich auch zustimme: Die Flexibilität geht verloren. Man kann sich das Tempo des Studienrens nicht selbst einteilen und auch nicht den eigenen Schwerpunkt, früher gab es auch viele verschiedene Wahlfächer, die man sich selbst aussuchen konnte. Heutzutage gibt es die vorgegebenen Module, die man belegen muss. Darin gibt es vielleicht ein paar Unterschiede bei den Kursen, aber viel mehr Wahlmöglichkeiten hat man da nicht. Und es ist im Prinzip von den Universitäten und von der Wirtschaft vorgegeben und scheint erwünscht, dass man das in den sechs Semestern schafft. Und da bleibt einfach nicht viel Raum für eigene Kreativität, Selbstfindung und Entwicklung.

Rückblickend, würdest du sagen, dass du zufrieden mit deinem Studium bist?

R: Ja, auf jeden Fall.

Was würdest du, als alter Hase, einem Studien-Neuling erzählen, wenn er dich über dein Studium befragen würde?

R: (lacht) Lass dich nicht von deinen Kommilitonen stressen. Publizistik erscheint erst mal als ein sehr elitärer Studiengang, bei dem erstmal alle sehr auf Leistung getrimmt sind und das durchziehen wollen. Wenn du merkst, dass du mal ein Semester länger machen willst, ein Semester weniger Kurse und dafür ein Semester ein interessantes Praktikum machst oder Nebenjob anfängst, deine Hausarbeiten verschiebst, weil du eine interessante Reise machen willst, dann mach das! Das ist nicht schlimm, lass dich nicht stressen. Du bist noch jung, dein Leben liegt noch vor dir (lacht). Es macht schon Sinn, früh verschiedene Erfahrungen zu sammeln und nicht einfach aufs Studium fixiert zu sein.

Und wenn dich irgendwann so Lebensentscheidungsfragen treffen, wie, keine Ahnung (Pause) „Was mache ich bloß nach meinem Studium?“ Die Antwort wird dir keiner geben. Das musst du schon alleine herausfinden. Aber keine Sorge, das kommt dann auch irgendwann.

Und da du jetzt fast fertig mit deinem Studium bist, was für eine Vorstellung hast du denn jetzt vom Berufsleben, was kommt jetzt auf dich zu?

R: Konkret habe ich noch nicht den Durchblick. Ich kann mir auch nicht vorstellen ,was jetzt beruflich auf mich zukommt. Ich möchte gerne auch erstmal ein bis zwei längere Praktika machen, um in die Berufswelt hineinzuschnuppern. Sofort anfangen zu Arbeiten möchte ich trotzdem nicht. Ich würde auf jeden Fall gerne noch ein Master drauf machen und mir mit der Arbeit noch ein wenig Zeit lassen.

Und ich denke, dass ist auch in Ordnung so. Aber jeder muss da seinen Weg finden. Es hilft ja auch, wenn man sich mit seinen Kommilitonen unterhält, also austauscht. Da ist es auch ganz gut, sich inspirieren zu lassen und womöglich auch seine Kontaktkreis auszubauen.

Was meinst du damit, wenn du sagst, dass man seine Kontakte ausbreiten soll?

R: Na ja, dass was ich vorhin meinte, eben über den Tellerrand schauen. Es wird ja nicht jemand in die Uni kommen und mir ein Jobangebot machen oder ein super Praktikum anbieten. Da muss ich schon selbst dafür sorgen, dass ich da irgendwie ran komme. Und es kann sehr gut helfen, Freunde oder Mitstudienerde zu haben, mit denen man sich austauschen kann. Sei es privat oder auch auf beruflicher Ebene.

Was denkst du denn, auf was Arbeitgeber bei Bachelorabsolventen achten?

R: Ich denke, das ist sehr unterschiedlich. Ich denke dass die Entwicklung dahin geht, dass ein Bachelorabschluss alleine vollkommen in Ordnung ist. Direkt nach der Umstellung war es ja so, dass viele einen Masterabschluss gefordert haben, weil sie diesen mit dem Magister vergleichbar sahen, aber als Bachelorabsolvent kann man auch sofort ins Berufsleben einsteigen, gerade wenn man Volontariate macht oder genug Praktika gesammelt hat.

Noten sind auf jeden Fall wichtig. Aber noch wichtiger gerade in unserer Branche sind Erfahrungen, der persönliche Eindruck, ja.

Okay, dann bedanke ich mich recht herzlich bei dir, für das Gespräch.

R: Immer wieder gerne.

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