American goes JGU

Ein amerikanischer Austauschstudent über sein Studentenleben 10687467_10202821865609503_591493119460210339_o
Wenn man Robby Baine über den Campus schlendern sieht, hält man ihn für einen ganz normalen Studenten der Johannes Gutenberg-Universität. Bis man mit ihm ins Gespräch kommt und ein bisschen amerikanischen „smalltalk“ macht. Dann kommt nämlich der amerikanische Akzent und die typische Offenheit eines Südstaatlers zum Vorschein.
In einem Interview vom 02.12.14 erzählt uns der 21–jährige mehr über sein Auslandsjahr in Mainz:
1. Was studierst du an der JGU und wie gefällt dir das Studium ?
Mein Kernfach ist Musik und ich bin Teil des American Studies-Programms. Ich liebe den Fachbereich der Musik hier. Wie auch an meiner Uni, sind die Leute sehr freundlich und wir teilen alle eine Gemeinsamkeit: die Liebe zur Musik. Musiker können wirklich eine eigenartige Gruppe Menschen sein! Auch besuche ich einige Amerikanistik-Vorlesungen. Allerdings sind diese oft ein bisschen langweilig!

2. Warum hast du dich entschieden Deutsch zu lernen und dein Auslandsjahr gerade hier in Mainz zu verbringen?
Für meinen Bachelor bzw. den amerikanischen „major“ musste ich 2 Semester Deutsch belegen. Später habe ich dann von dem Austauschprogramm zwischen dem Mississippi College und der JGU erfahren. Im Ausland wollte ich schon immer studieren, aber das kann teilweise sehr teuer sein. Das Programm der JGU war komplett umsonst und ich habe ein Stipendium erhalten, weswegen es für mich nicht mehr viel zu überlegen gab.
Die deutsche Sprache finde ich sehr interessant und die Aussprache fällt mir nicht so schwer, wie bei anderen Sprachen. Es ist nicht immer leicht, denn ich kann meine R’s nicht rollen!
Und die Grammatik?
Die Grammatik frustriert mich sehr! Mit 4 verschiedenen Fällen und 3 verschiedenen Artikeln fühlt es sich an, als ob ich diese Sprache niemals beherrschen werde! Manchmal fühle ich mich sehr hilflos, weil ich viele Vokabeln kenne, aber meine Grammatik grauenhaft ist!

3. Was ist für dich typisch deutsch? Hattest du Vorurteile gegenüber Deutschen und haben sich diese als wahr bzw. falsch herausgestellt?
Typisch deutsch… Meine Vorurteile haben sich überwiegend bewahrheitet! Alle sind immer sehr pünktlich und Deutsche sind oft sehr ernst. Ich weiß, dass sie auch sehr freundlich sind, aber nicht so freundlich wie die Menschen in Mississippi! Jemand aus Mississippi würde eher eine Lüge erzählen, als unfreundlich zu sein. In Deutschland sind alle immer sehr ehrlich und direkt. Viele sagen, dass Deutsche sehr hart arbeiten. Das tun sie auch, aber sie bekommen dafür auch viel mehr Urlaub! In Amerika ist es normal, nur 14 Tage bezahlten Urlaub pro Jahr zu bekommen!

4. Wie reagieren die Studenten, wenn du ihnen erzählst, dass du Amerikaner bist?
Jeder möchte direkt wissen, aus welchem Staat ich komme. Wenn ich ihnen erzähle, dass ich auch Mississippi bin sagen sie „oooooh!“, als ob es ein großartiger Staat ist. In Realität ist er alles andere als das… Sie denken alle mein Staat ist wichtig und interessant wegen des Mississippis, dem Fluss! Das finde ich sehr amüsant.
Was mir hier gefällt ist, dass alle mich ganz normal behandeln, wie jeden anderen Studenten! Außer die Amerikanistikstudenten – die lieben mich!

5. Was hälst du von der JGU?
Der Campus ist HÄSSLICH. Amerikanische Universitäten versuchen immer, sehr ansprechend zu sein, weil ihre Einnahmen mit der Studentenzahl steigen. Deswegen sind sie immer sehr modern ausgestattet und die Gebäude alle sehr gepflegt.
Zum Thema Ausbildung habe ich festgestellt, dass die Vorlesungen größtenteils umsonst sind, oder? Man bekommt Credits und muss dafür nicht einmal anwesend sein…

6. Wie gefällt dir das Studentenleben hier in Mainz?
Ich liebe es! Es gibt so viele verschiedene Studenten hier und auch so viel zu unternehmen. Zu Hause hat meine Universität nur 3000 Studenten. Das kann manchmal echt langweilig sein. Auf einem Campus mit 20 000 Studenten ist immer etwas los!

7. Was vermisst du an Amerika?
Eigentlich nicht besonders viel, außer natürlich meine Freunde und Familie. Manchmal fühle ich mich hier sehr angewiesen, wie ein Kleinkind. Ich vermisse die Freiheit, einfach in mein Auto zu hüpfen und in 5 Minuten oder weniger am Ziel zu sein. Was mir auch fehlt ist mein Alltagsleben. Also meinen Nebenjob oder auch meine Mitgliedschaft im Fitnessstudio, die ich mir hier leider nicht leisten kann.

8. Was ist der größte Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Universitäten?
Es gibt so viele. Der größte wahrscheinlich, dass die Universität in Deutschland kein Geld kostet. Auch die Vorlesungssituation, die ich bereits erwähnt habe. Was auch anders ist, ist, dass man in Amerika für einen qualifizierten Uni-Abschluss mindestens 4 Jahre braucht und man hier seinen Bachelor in nur 3 Jahren machen kann.

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