Schwarz-rote Leinwand im Capitol

Ein Bericht vom FILMZ

2001 wurde in Mainz das erste Langspielfilmfestival von Rheinland-Pfalz geboren: Das FILMZ.  Dort werden ausgewählte deutschsprachige Produktionen gezeigt und prämiert.
Dabei gibt es keine eigentliche Jury, sondern das Publikum vergibt die Preise in den Kategorien Langfilm, Kurzfilm, sowie Mittellanger Film und Dokumentation.

Eröffnet wurde das Festival des deutschen Kinos dieses Jahr am 25.11. mit Schönefeld Boulevard, einer Tragikkomödie der deutschen Regisseurin Sylke Enders. Es handelt sich um Enders‘ siebte Regiearbeit. Für ihren ersten abendfüllenden Film Kroko (2002) erhielt sie den Deutschen Filmpreis in Silber für den Besten Spielfilm.

Ich selbst habe die Vorstellung von Der Samurai im Capitol besucht, einem deutschen Psychothriller von Till Kleinert, der auch Anfang des Jahres auf der Berlinale gezeigt wurde.

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Kinostart 30.10.14 ©Salzgeber & Co. Medien GmbH

In Der Samurai begegnet der junge Polizist Jakob (gespielt von Michel Diercks, der zusammen mit Regisseur Kleinert anwesend war) nachts einem Mann im Kleid, der mit seinem Schwert die eher biedere Kleinstadt demoliert. Dabei sorgt er nicht nur für viel Verwüstung, sondern auch für ein paar recht blutige Auseinandersetzungen mit den örtlichen Raufbolden. So entspinnt sich ein psychotisch-düsteres Spiel um Jakob und den Samurai in dieser alptraumhaften Nacht, die Jakob sowohl an seine körperlichen, aber vor allem auch seine geistigen Grenzen stoßen lässt.

Der Samurai ist definitiv ein sehr dunkler Film. Seine Geschichte spielt sich fast nur nachts ab und auch die gesamte Stimmung hat etwas dunkles, aber gleichzeitig auch phantastisches an sich. Hauptdarsteller Michel Diercks verglich den Film in der anschließenden Fragerunde mit einem Märchen. Für Kinder ist der Film jedoch keinesfalls. Der Mix aus Psychothrill und Horror fährt an so mancher Stelle doch das ein oder andere Bild auf, in dem mit Kunstblut nicht gespart wurde. Der Mörder im Frauenkleid wird dabei verkörpert von Pit Bukowski. Regisseur Till Kleinert und er hatten bereits 2008 beim Kurzfilm Cowboy zusammen gearbeitet.
Der Samurai erfindet das Rad nicht neu. Oft fällt er in die Schienen, die man aus anderen Filmen des Genres gut kennt und nehmen dem Film damit ein wenig seine Besonderheit. Auch die Darsteller, insbesondere Pit Bukowski, passen dabei zwar sehr gut in den Ton des Films, bringen aber auch nichts hervor, was man als wirklich außergewöhnlich bezeichnen könnte. Zwar schafft es Der Samurai so nicht, dem Zuschauer etwas bahnbrechend Neues oder Herausstechendes zu zeigen, doch durch seine starken Bilder und die düstere Atmosphäre hält er den Zuschauer am Ball und weiß über seine (zugegeben recht kurzen) 79 Minuten durchaus zu unterhalten.
Besonders hervorheben möchte ich jedoch den Vorfilm Fröschli von Marie Habermann. Der 15-minütige Kurzfilm über den Waschmaschinen-Reparateur Wenzel und eine grüne Socke ist wirklich schön inszeniert und hat mit cleveren Ideen immer wieder überrascht.

Nach Der Samurai wurde noch der österreichische Horrorfilm Blutgletscher gezeigt, den ich leider nicht besuchen konnte. Wer ihn ebenfalls auf der großen Leinwand verpasst hat, kann ihn bereits zu hause nachholen. Seit März diesen Jahres ist er auf DVD und Blu-Ray erhältlich.

Das FILMZ läuft noch bis zum 30.11. weiter und zeigt neben Spiel- und Kurzfilmen auch ein interessantes Rahmenprogramm. Unter anderem kann heute Abend um 20 Uhr F.W. Murnaus Der letzte Mann in der Altmünsterkirche bewundert werden. Der Klassiker aus dem Jahr 1924 wird im Stummfilmkonzert gezeigt – zusammen mit einer Orgelimprovisation, die den Film live begleitet.

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