Mainz. Tag & Nacht – Geheimtipp: Ein Bierchen für unterwegs… Oder auch zwei?

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Ein Bierchen für unterwegs… Oder auch zwei?

Der Hype um das Bierbike lockt Besucher aus ganz Deutschland an.

„Motivatiooooon!“, schreit die Fahrerin des Glühweinbikes uns zu und bimmelt wie verrückt an ihrer Motivationsglocke. Wir strampeln so schnell wir können, doch mit steigendem Alkoholpegel wird das zunehmend schwerer. Wir befinden uns irgendwo in der Mainzer Innenstadt und gegen Ende der Tour schwindet nach und nach die Koordinations- und Leistungsfähigkeit.

Das sonst als „Bierbike“ bekannte Gefährt bietet nämlich auch etwas für die kalte Jahreszeit: statt kaltem Bier gibt es heißen Glühwein, dazu Lebkuchen  und Spekulatius. Das Prinzip bleibt aber das Gleiche: Ein auf vier Autoreifen fahrender Kneipentresen befördert bis zu 16 partywütige Menschen durch die Mainzer Stadt. Zehn Personen sind für das Treten zuständig, die anderen fünf sitzen auf ihren Hockern und können sich zurücklehnen… Jedenfalls so weit, wie es die schmalen Sitze ohne Rückenlehne erlauben. Obwohl in dem „Bierbike-Kodex“ (es gibt ihn wirklich!) ausdrücklich geschrieben steht, dass es sich nicht um ein „Abschuss“-Bike handelt, fällt es manch einem Biertrinker doch schwer, sich zwei Stunden lang auf dem Hocker zu halten. Der „Zapfer“ dürfte damit weniger Probleme haben: Dieser steht in Mitten der Trinkfreudigen und zapft eigenhändig das Bier bzw. den Glühwein.

Da das fahrradähnliche Partybike nur maximal 6 Studenkilometer schnell fahren kann, kommt es des Öfteren zu Behinderungen und Hupkonzerten im Straßenverkehr. Wenn die Radelnden dann noch die Autofahrer angrölen, steigt deren Laune nicht gerade. Unter anderem deshalb, aber auch wegen der betrunkenen Verkehrseilnehmer wurde der Partyspaß schon in einigen deutschen Großstädten, u.A. Dresden und Düsseldorf, verboten. 2012 entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass jedes Bierbike eine Sondergenehmigung der Stadt braucht und im öffentlichen Straßenverkehr sonst nicht erlaubt ist. Die Mainzer Bierbike-Firma bekam ihre Sondergenehmigung durch die Stadt schon nach wenigen Wochen. Seitdem wird wieder munter geradelt, jetzt aber nur noch auf bestimmten Straßen und von der Stadtverwaltung festgelegten Routen. Es gibt einige Specials, unter Anderem ein Fastnachtsspecial, bei dem man für schlappe 640 Euro (zzgl. Bierkosten!) beim Rosenmontagsumzug mitfahren darf.

Nachdem Anfang des Jahres in Köln ein junger Mann beim Urinieren vom Bierbike von einem Auto erfasst und tödlich verletzt wurde, ist die Sicherheit der fahrenden Kneipe wieder in die Diskussion geraten. Trotz gewisser Sicherheitsstandards kommt es hin und wieder zu brenzligen Situationen. Schon vor Beginn der Fahrt angetrunkene Menschen dürfen bspw. nicht an der Tour teilnehmen. Des Weiteren wird das Partybike nach jeder Tour durchgecheckt, um technische Mängel auszuschließen.

Ach ja, und die Fahrerin darf natürlich nicht mit trinken. Vielleicht schreit sie uns deshalb so an.

Caroline

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