17 Meter unter der Erde: Himmelsklänge und Vodka-O

Schier endlos viele Treppen hinuntersteigen. Das bunte Poltern von Schuhen auf 73 steinernen Stufen. Dieser Geruch von frischer Wandfarbe. Und das alles 17 Meter unter dem Bürgersteig der Mainzer Innenstadt. Ein neues Geheimlabor für brutale Experimente an mutierten Kreaturen? Nein. Was gestern, am Donnerstag, dem 26. November feierlich eingeweiht worden ist, steht auf der Coolness-Skala noch viel weiter oben.

Denn das Studiotheater U17 unter dem Kleinen Haus des Staatstheater Mainz ist nun ganz champagnerkronkorkenknallerigoffiziell eröffnet! Die Ehre erweisen dem alkoholgetränkten Eröffnungsabend Oberbürgermeister Michael Ebling, Dr. Michael Coridaß von der Stiftung Mainzer Theaterkultur, architektonischer Schöpfer Harald Faerber, Intendant Markus Müller und Andere mit bedeutungsschwangeren Reden. Zum Ausgleich umspielt der frisch aus Hamburg gelieferte Pianist Samuel Hogarth die Worte mit jazzigen Sounds, dramatisch belichtet im Hintergrund.

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Dramatisch, dunkel, dupersupermusikalisch: Pianist Samuel Hogarth aus Hamburg auf der Bühne im U17

Die Damen und Herren des edlen Personenkreises aus Spendern und Unterstützern tauchen kurz ins Blitzlichtgewitter der beiden Fotografen, ehe es losgeht.

Als Intendant Markus Müller dann ans Rednerpult tritt, erstirbt das verhaltene Getuschel. Er heißt alle Besucher ganz herzlich willkommen, freut sich „endlich feiern“ und eine neue Spielstätte „für sehr viele junge Menschen“ verkünden zu dürfen. Besondere Danksagungen gehen hierbei an die Sponsoren, denn: Die Finanzierung des außergewöhnlich schnell fertiggestellten 7-Wochen-Baus der U17 wurde nur und ausschließlich durch Spendengelder eingeholt. Sage und schreibe 250.000€ konnte Intendant Markus Müller mit vermutlich meisterlicher Schauspielerei den Geldgebern entlocken.

Man fühlt sich im U17 wie in einer schwarzen Schuhschachtel, die von innen mit einer Lichterkette ausgeleuchtet wird. Das Studiotheater ist fast ausgefüllt von einem riesigen, mit zahllosen Lichtanlagen bestückten Bühnengerüst aus solidem Stahl, das es möglich macht, Theaterproduktionen endlich bis zur Perfektion hin zu inszenieren. Perfekt ist es übrigens auch, dass das Kinder- und Jugendtheater „justmainz“ endlich eine neue Heimat gefunden hat, wo es sich ungestört mit neuen Stücken austoben kann. Sich mit einen Loch in den Bauch freuen tut das Ensemble des Tanz- und Musiktheaters, das nun auch 17 Meter darüber in Räumen des Glashauses proben darf. Intendant Markus Müller erklärt stolz wie Oscar: Die verglasten Proberäume gehören zu den weltweit schönsten auf der ganzen Welt.

Durch das Erschließen einer neuen Spielstätte im Kleinen Haus des Staatstheaters Mainz können sich nun 50% mehr Leute am munteren Mienenspiel ergötzen. Und zwar ganz nah, denn die Tribüne nimmt die Hälfte vom U17 ein und es gibt kaum Distanz zum Publikum.

Apropos ganz nah: ganz nah an den Tränen sind Besucher des Eröffnungsabends, als Kristina Gorjanowa „Someone Like You“ von Adele zum Besten gibt. Mit klarer, reiner Stimme hypnotisiert Kristina vom Ensemble das Publikum, das kollektiv in diese Körperhaltung rutscht, wenn man sich unbewusst an etwas festgestarrt hatte. Normalerweise erwacht man nach ein paar Sekunden aus dieser Paralyse. Diesmal erst, als der Applaus am Ende aufwallt. Aus Israel bringt Ensemble-Mitglied Gili Goverman ein bisschen Schwung in die Schuhschachtel: „Royals“ von Lorde performt sie spielerisch mit einem flotten Schnipsen und ihrer kräftigen Stimme. Mit unverkennbarem Opernfeeling und dem Lied des Torreros aus „Carmen“ beendet Brett Carter die Performancereihe.

Zum Schluss gibt es Alkohol und aufwendig dekoriertes Essen. Prost!

Tipp: Mainzer Studenten können innerhalb von 3 Tagen vor der jeweiligen Vorstellung kostenlos Karten zu jedem gewünschten Stück im Staatstheater anfordern. Doppel- und Dreifachprost!

 

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