„Sich an die Regeln des Netzwerks anpassen“

Teil 3 der Serie Wahlkampf im Web: CDU

Dr. Stefan HennewigKeine zwei Monate mehr bis zur Bundestagswahl und so langsam haben sich die Parteien für den Onlinewahlkampf aufgewärmt. Die CDU nutzt mittlerweile die ganze Bandbreite des Web 2.0: So kann man sich bei StudiVZ oder Facebook mit Angela Merkel befreunden. Mit einem CDU-Handyportal bekommen Anhänger unterwegs Vorschläge, um selbst im Wahlkampf aktiv zu werden und der youtube-Channel wird mehrmals die Woche mit neuen Videos gefüttert. Dr. Stefan Hennewig ist Leiter des Internen Managments und verantwortlich für den Onlinewahlkampf der CDU. LeOn hat mit ihm über Obama, virales Marketing bei twitter und das Parteinetzwerk „teAM Deutschland“ gesprochen.

LeOn: Welche Rolle spielt der Online-Wahlkampf im Jahr 2009?

Hennewig: 1998 haben wir mit Helmut Kohl den ersten Bundeskanzler im Chat gehabt, wir sind also schon lange online aktiv. Seitdem ist das Internet immer wichtiger geworden. In Zahlen kann man die Rolle des Online-Wahlkampfs im Vergleich zum gesamten Wahlkampf aber nicht ausdrücken.

LeOn: Vergleicht man den deutschen Online-Wahlkampf mit dem von Barack Obama letztes Jahr, so muss man feststellen: Im Vergleich zu den amerikanischen Parteien schaffen es die deutschen Parteien nicht so recht, die Internetnutzer zu mobilisieren. Warum?

Hennewig: Die deutschen Parteien mobilisieren schon! Aber die Tradition hier ist eine ganz andere. In den USA herrscht eine völlig andere Kultur des politischen Bekenntnisses. Viele Menschen sprechen sich ganz unbefangen öffentlich für eine Partei aus. Aber auch in Deutschland verändert sich das: Immer mehr Menschen sind bereit, sich zu einer Partei zu bekennen und das vor allem kurzfristig, aktionsbezogen. Das finden viele attraktiver als eine Parteimitgliedschaft. Und darauf setzen wir auch mit unseren Online-Angeboten im Wahlkampf.

Viele Gesichter für Angela Merkel: Unterstützerplattform teAM Deutschland

Viele Gesichter für Angela Merkel: Unterstützerplattform teAM Deutschland

LeOn: Zum Beispiel mit Ihrem internen CDU-Netzwerk, dem „teAM Deutschland“. Werden Sie die Mitglieder aber auch mobilisieren, offline aktiv zu werden, für die CDU von Haustür zu Haustür zu gehen?

Hennewig: Zunächst einmal: So eine Art von „stillem Wahlkampf“, also der Wahlkampf mit Hilfe von Freiwilligen, die auch mal ihre Nachbarn zum Wählen mobilisieren, ist überhaupt nicht neu. Und natürlich werden wir unser teAM Deutschland-Netzwerk auch dazu nutzen. Wir werden dafür abfragen, wer sich wie intensiv im Wahlkampf selbst einbringen möchte, um so das Engagement jedes Mitglieds einschätzen zu können. Wir werden die User in Newslettern direkt anschreiben und Aktionen vorschlagen. Von etwa 94% der angemeldeten User haben wir dafür auch die Email-Adressen. Eine Pflicht zum Handeln erwächst aus der Mitgliedschaft im Netzwerk aber natürlich nicht.

LeOn: Ein anderes Netzwerk, in dem die CDU aktiv ist, ist twitter. Wie nutzt Ihre Partei dieses vergleichsweise junge Medium?

Hennewig: Wir twittern zum Beispiel Hinweise auf Dinge, die man sich online ansehen soll. Wir nutzen twitter also auch im Stil eines viralen Marketings. Und natürlich verschicken wir auch Links zu spiegel online-Artikeln oder ähnlichem. Ein eindeutiger Vorteil von twitter für eine Partei ist auch die Schnelligkeit dieses Dienstes.

Der youtube-Channel der CDU: schick und gut gefüllt

Der youtube-Channel der CDU: schick und gut gefüllt

LeOn: Gibt es interne Empfehlungen Ihrer Partei für den Umgang mit twitter?

Hennewig: Man muss natürlich wissen, wie twitter sinnvoll einsetzbar ist. Manch einer twittert über sein Mittagessen oder wo er im Stau steht. Wer will denn sowas wissen? Wir hatten vor kurzem ein Kandidatenseminar, bei dem unseren Kandidaten die Möglichkeiten aufgezeigt wurden, die es in diesem Online-Wahlkampf für sie gibt. Die Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler, die selbst sehr viele dieser Anwendungen nutzt und auch intensiv twittert, hat den anderen Kandidaten Tipps für den Umgang mit Web 2.0 gegeben. So sollte Politik bei den twitter-Aktivitäten immer Vorrang vor dem Privaten haben. Natürlich kann man auch über Persönliches twittern, aber das sollte nicht Überhand nehmen. Außerdem sollte man sich an die Regeln und Gepflogenheiten des Netzwerks anpassen: Man sollte die Reply-Funktion nutzen und authentisch sein. Wir machen die Kandidaten mit den Anwendungen bekannt, letztlich muss sich das aber jeder selbst ansehen und entscheiden, was zu ihm passt.

LeOn: Angela Merkel twittert auch. Das könnte man zumindest denken, wenn man auf die gleichnamigen twitter-Accounts stößt. Dabei handelt es sich aber nur um Fake-Profile, von denen geradezu satirische Nachrichten verschickt werden. Wie gehen Sie mit solchen Fake-Profilen bei twitter um?

Hennewig: Die meisten Leute erkennen doch, dass es sich dabei um ein Fake-Profil handelt. Wenn aber ein Profil auftauchen würde, bei dem das nicht klar erkennbar ist, würden wir reagieren.

Twitter-Satire mit Fake-Profilen wie dem von Angie_Merkel

Twitter-Satire mit Fake-Profilen wie dem von Angie_Merkel

LeOn: Wird denn die „richtige Angela Merkel“ noch anfangen zu twittern?

Hennewig: Angela Merkels Kalender ist prall gefüllt, sie muss Deutschland gestärkt aus dieser schwierigen Zeit führen – ich bezweifle, dass da noch Zeit für twitter bleibt. Aber followen Sie sich doch @teamdeutschland und informieren sich über alles, was die Bundeskanzlerin in den kommenden Wochen unternimmt.

Ein Gedanke zu „„Sich an die Regeln des Netzwerks anpassen“

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