Archiv für die Kategorie ‘zappbrannigan’

Ich geh-o dann mal

Juni 13, 2008

Der GeoCup ist eine fußballerische Veranstaltung der Fachschaft Geographie, welcher jährlich auf dem Kunstrasen des SV 1912 Bretzenheim ausgetragen wird. Teilnehmer sind ausschließlich Professoren, Lehrende, Mitarbeiter und Studierende des geographischen Instituts.

Am Mittwoch, dem 11.06.2008 war es mal wieder soweit, das alljährlich Fußballturnier für Geographen war angesagt. Nun stellt sich die Frage, ob dies ein gut gewählter Zeitpunkt für solch eine Veranstaltung sei, denn für die fußballinteressierten Teilnehmer findet zeitgleich ein anderes großes Turnier statt - die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Zum Glück ist es einigen Geographie-Studenten gegönnt, sich als Wahlpflichtfach mit Publizistik zu vergnügen, so dass man hieraus eine Lösung in Form des Riepl’schen Gesetzes ziehen kann. Laut Riepl verdrängt eine neue Mediengattung eine ältere niemals gänzlich, zwingt diese aber dazu ihre publizistischen Formen und Funktionen zu ändern. Übertragen auf die aktuelle Problematik, besagt das Gesetz also, dass die EM keinesfalls die Teilnahmebereitschaft am GeoCup verringert, denn die Fachschaft veränderte den Auftritt des Amateurturniers gekonnt: ab 18 Uhr stand den Fußballfans ein Fernseher mit der Live-Übertragung des Kontinentalturniers zur Verfügung.

„Hol’ mir ma’ ’ne Flasche Bier“

Da auch der verrückteste Fußballanhänger irgendwo nur ein Mensch ist und dieser trotz Ausnahmezustand Europameisterschaft nicht nur von Live-Übertragungen leben kann, gelüstet es ihm natürlich nach Speis’ und Trank. In der Teilnahmegebühr von € 5,00 pro Person waren zwei Getränke und ein Essen beinhaltet. Bei erfreulichen Preisen ist dies natürlich ein kaum zu schlagendes Angebot. Neben dem für Amateurfußballer wichtigsten Getränk Bier, gab es noch Radler sowie die üblichen Verdächtigen Cola, Fanta und Wasser. Jeweils für € 1,50 pro 0,33l gab es keine Probleme den erspielten Durst adäquat zu löschen. Im Kontrast zur Flüssignahrung gab es diese auch noch in festerer Form. Frisch vom Grill wurden Würstchen und Steaks im Brötchen für € 1,50 bzw. € 2,50 angeboten. Für Beilagenliebhaber und unsere vegetarischen Freunde war zusätzlich kostenloser Kartoffelsalat im Essenssortiment zu finden.

Interessante Regelkunde für Interessierte der Erdkunde

Ach ja, Fußball wurde während des Turniers auch gespielt. SpielIn leicht abgewandelter Form wohlgemerkt. Absicht dieser Regeländerungen ist eine Verringerung der Verletzungsgefahr und mehr Spielspass für Nicht-Fußballer. Im Einzelnen machen sich die Änderungen wie folgt bemerkbar: Die wohl entscheidenste Abweichung vom ursprünglichen Regelwerk ist das Verbot des Laufens und Rennens. Gehfußball ist angesagt. Wie definiert man nun Gehen? Man bewegt sich gehend fort, solange immer ein Fuß auf der Erde ist. Manche Zeitgenossen interpretieren diese Regel in seltsamster Weise, weshalb es hier im Ermessensspielraum des Schiedsrichters liegt, was noch zu Gehen und schon zu Laufen zählt. Das Spielfeld ergibt sich aus dem 16m-Raum, die Tore sind jeweils an den kürzeren Seiten dieses Rechtecks aufgestellt. Gespielt wird mit fünf Feldspielern und einem Torwart, wobei zu jeder Zeit des Spiels mindestens ein Mädchen pro Mannschaft auf dem Platz zu stehen hat. Die Abseits- und die Rückpassregel sind aufgehoben, anstatt eingeworfen wird der Ball eingerollt.
Gerade die Regeländerung des Laufverbots wird von einigen als das störendste Element dieses Turniers angesehen. Kritiker sehen hier einen Verlust an Action und Tempo, was dann zur Langeweile und Desinteresse führt. Doch zum Glück gibt es für diese Damen und Herren zur Zeit ein hervorragendes Substitut, um ihre Lust an temporeichem und actiongeladenem Fußball zu befriedigen: die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz.

Hier werden Sie angefeuert

Juni 5, 2008

Der vierte Teil der Serie über Sportkurse an der Hochschule behandelt das „Cheerleading“. Am Namen erkennbar stammt diese Sportart aus den USA und lautet sinngemäß übersetzt etwa „[das Publikum] zum Beifall führen“. Und genau das ist auch die ursprüngliche Aufgabe eines Cheerleading Squads (Gruppe). Anfeuerungsrufe und Tanzeinlagen sollen dem favorisierten Team zum Sieg verhelfen.

Die meisten Menschen haben ihre Erfahrungen bezüglich Cheerleading wohl aus amerikanischen Filmen und Serien gewonnen. Die „Anführerin“ (gerne blond und vollbusig) des Teams gilt hierbei als angesehenste weibliche Person im ganzen College und ist schon aus hierarchischen Gründen natürlich mit der angesehensten männlichen Person des Colleges zusammen: dem Quarterback des Footballteams (seine Stellung in der Mannschaft gleicht etwa der eines Kapitäns oder eines „10ers“ im Fußball).
Gutes Aussehen scheint dabei das Hauptkriterium zu sein, um in den privilegierten Kreis des Squads aufgenommen zu werden. Dies schließt natürlich hervorragende Fähigkeiten im Schminken, Kleiden, der Maniküre und in Ausnahmefällen auch im Tanz ein. Erfüllt man diese strengen Auflagen, erfolgt nach der Aufnahme nur noch ein leichter Charakterwandel zur Hochnäsigkeit sowie der Selbstverliebtheit und die Transformation zum Cheerleader ist perfekt.

Positionswechsel

Vollzieht man nun den Sprung über den „großen Teich“ in die beschaulichen Hallen der Johannes Gutenberg – Universität in Mainz, ergibt sich dem geneigten Zuschauer ein (fast) gegensätzliches Bild von der hiesigen Cheerleadergruppe. Denn hier trifft keines der oben genannten Kriterien zu. Hebefigur Wirklich keines? Doch, eines – gutes Aussehen ist auch hier zur Genüge anzutreffen. Aber beschränken lassen sich die Damen der Gruppe „Nikes“ auf dieses Attribut auf keinen Fall. Man(n) wird herzlich empfangen und fühlt auch schon nach wenigen Minuten, dass sich weder hochnäsige noch selbstverliebte Zeitgenossen in die Gruppe verirrt haben. Der Raum ist mit guter Laune und auch, neben den beiden Reportern, mit zwei männlichen Angehörigen der Cheerleadergruppe gefüllt. Ein Akt männlicher Emanzipation in einer von Frauen dominierten Sportart? Eher nicht. Die beiden gut gebauten Herren unterstützen das „schwache“ Geschlecht bei dem Bau von Hebefiguren. In Fachkreisen spricht man hier von einem „Mixed Stunt-Team“.

Training, Training, Training,…

Aktuell bereiten die Damen einen Tanz für einen Wettkampf vor. Dies ist neben dem Anfeuern einer Mannschaft das zweite Aktionsfeld einer Cheerleadergruppe. In Wettkampfmanier gilt es hier einen rund dreiminütigen Auftritt darzubieten, den die Juroren nach Schwierigkeitsgrad und Sicherheit bewerten. Die Aufführung der Nikes besteht grob gesagt aus zwei verschiedenen Elementen: Tanz- und Akrobatikeinlagen. Letztere lassen sich dann nochmals in „Toss-“ (engl. werfen) und Hebefiguren untergliedern. Hebefigur 2

Das Training dazu beginnt mit einer „Trockenübung“. Zunächst bekommt jeder Cheerleader die Startposition zugeteilt, bevor der Tanz einmal ohne Musik, in lockerem Tempo und ohne Ausführen der Hebfiguren durchexerziert wird. Dies dient dazu, sich die genauen Bewegungsabläufe nochmals in das Gedächtnis zu rufen. Anschließend erfolgt das im Sport notwendige Warmmachen, bevor es dann an das „Eingemachte“ geht. Der Tanz erfolgt mit Musikuntermalung und Ausführen sämtlicher Wurf- und Hebefiguren. Jetzt bekommt man vorgeführt, warum Aussehen alleine nicht viel hilft. Koordination, Kondition, Taktgefühl und Körperbeherrschung zählen hierbei zu den wichtigsten Fähigkeiten. Großen Respekt haben sich die Damen nicht nur für ihre tänzerischen Fähigkeiten verdient, sondern auch für das fehlerfreie Ausführen von Würfen über mehrere Meter und Figuren bis hoch an die Hallendecke. Toss Nervenkitzel pur bei solch spannenden und atemberaubenden Kunststücken der Akrobatik. Es bleibt einem gar nichts anderes übrig, als mitzufiebern, während die Damen diese waghalsigen Figuren fehlerfrei mehrmals hintereinander routiniert und professionell abwickeln.

Zugegeben, dies waren die kurzweiligsten und interessantesten 90 Minuten Sportkurs bis dato. Der scherzhaft gemeinten Aufforderung, man solle ja schreiben, dass hier professionell gearbeitet wird, hätte es gar nicht bedurft. Man kann nur den Hut vor diesen Damen und Herren ziehen und getrost alle Vorurteile über Bord werfen.
In diesem Sinne: Let’s go Nikes!

Nützliche Links zum Thema:

Kommentar: David “The Hoff” Hasselhoff

Mai 30, 2008

„Er kommt - Knight Rider - Ein Auto, ein Computer, ein Mann.
Knight Rider - Ein Mann und sein Auto kämpfen gegen das Unrecht.“

Das sind die Worte, die eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen jeden Sonntagnachmittag vor den Bildschirm zogen. Als es dann soweit war, als dieses Auto sich vom Horizont auf den Zuschauer zu bewegte, war Gänsehaut vorprogrammiert. Dieses Ritual sollte sich 90 mal wiederholen, ehe die Serie nach vier Jahren 1986 eingestellt wurde. Spätestens seit diesem Zeitpunkt weiß der Fan der Serie auch, wie sich hysterisch heulende Teenie-Mädchen nach Bekanntgabe der Trennung ihrer favorisierten Boy Band fühlen.

Knight Rider war mehr als nur eine Fernsehserie. Knight Rider war ein Stück Lebenseinstellung. Am Beispiel dieser Serie lässt sich verdeutlichen, warum die 1980er die beste Dekade der Menschheit war – zumindest für Jungs. Michael Knight (und auch Thomas Magnum) gaben den pubertierenden Jungspunden eine einzigartige Hilfestellung, um das größte Mysterium dieses Lebensabschnitts besser verstehen zu können - Mädchen. Wie lerne ich Mädchen kennen? Die zentrale Frage jedes Heranwachsenden. Ganz einfach, denn man brauchte im Grunde nur vier Dinge: 1. eine Dauerwelle; 2. Brustbehaarung (je mehr, desto besser); 3. ein Hemd, das höchstens bis knapp über den Bauchnabel schließbar ist und 4. ein absolut cooles Auto. Somit bekamen die beiden jede Frau. Wobei die beiden Herren besonders bei dem letzten Punkt die Meßlatte mit ihren Autos K.I.T.T. und einem Ferrari 308 GTS sehr hoch legten. Doch wer will zu Anfang schon jede Frau? Da reicht auch erst mal eine.

Diese Zeiten sind leider schon lange vorbei. Aber es gibt keinen Grund zur Verzweiflung, liebe Heranwachsende. Eure Situation ist dieser Tage nicht „Hoff-nungslos“. Denn ER kehrt zurück. David Hasselhoff wird im Herbst diesen Jahres wieder als Michael Knight im Fernsehen zu bestaunen sein. Der Pilot-Film zur 2008er Auflage der Kultserie lief bereits im Februar auf dem amerikanischen Sender NBC und erzielte dabei eine so hervorragende Einschaltquote, dass es zu einer Neuauflage der Serie kommen wird. Die menschliche Hauptrolle „Mike Traceur“ wird von Justin Breuning verkörpert, der den unehelichen Sohn von Michael Knight darstellt. An seiner Seite kämpft erneut K.I.T.T. (diesmal „Knight Industries Three Thousand“) in Form eines Ford Shelby GT 500 KR Mustang für Recht und Ordnung.

Wer sich bis dahin gerne nochmal auf eine etwas andere Art und Weise mit der Original-Serie vergnügen möchte, dem sei unbedingt folgende Website an das Herz gelegt:

Was Bischofsstäbe auf den Sportplatz treibt

Mai 23, 2008

Der zweite Teil der Serie „Hochschulsport an der Universität Mainz“ widmet sich der Sportart „Lacrosse“. Ziel dieses Sports, welcher in Kanada zum Nationalsport avancierte, ist, den Ball mittels eines Schlägers im Tor des Gegners unterzubringen. Trotz seiner über 400-jährigen Geschichte ist Lacrosse außerhalb des nordamerikanischen und australischen Kontinents zu den Randsportarten zu zählen.

Vom Gottesdienst zur Olympischen Disziplin

Ursprünglich wurde Lacrosse von Indianern an der Ostküste auf dem Gebiet des heutigen Kanadas und der USA gespielt. Es diente unter anderem dazu, den „Schöpfer“ auf Probleme innerhalb des Stammes aufmerksam zu machen oder um Streitigkeiten zwischen Stämmen zu schlichten. Im Gegensatz zur heutigen Spielart, war diese bei den Indianern brutaler ausgelegt, so dass es häufig zu Verletzungen und Knochenbrüchen kam.

Erstmals namentlich erwähnt wurde der Sport um 1636. Ein französischer Missionar beobachte das Spiel der Indianer und nannte es wegen der Ähnlichkeit der benutzten Schläger mit einem Bischofsstab „La Crosse“ (franz. für Bischofsstab).
Rund 200 Jahre später fingen auch Weiße an diese Sportart zu betreiben, was zu einem regelrechten Siegeszug ihrer führte. Von Nordamerika aus wurde sie nach England, Australien, Neuseeland und Schottland exportiert. 1904 und 1908 erreichte Lacrosse bis dato seinen Höhepunkt, als es als olympische Disziplin ausgetragen wurde.

Doch seitdem verschwand der Sport in der Versenkung. Der Ruf als „Eliten-„ und „Upper Class“-Sport, sowie der Mangel an Experten auf dem Gebiet der Anfertigung von Lacrosse-Schlägern sind als Gründe dafür zu nennen.
Erst die Einführung des Kunststoffschlägerkopfes anstelle eines Holzkopfes führte zu einem Revival. Nach Deutschland kam Lacrosse Anfang der 1990er Jahre durch Austauschschüler aus den USA.

Regelkunde für Anfänger

Lacrosse vereint Elemente aus Football, Eishockey, Basketball und Fußball. Dabei ist das Spielfeld ähnlich einem Fußballfeld. Jeder Spieler führt einen Schläger in der Größe von einem Meter oder 1,80 m mit sich, an dessen Kopf mittels eines eingenähten Netzes eine Art „Tasche“ befestigt ist. Als Spielball dient ein Gummiball mit rund 20 cm Umfang. Dieser darf mit dem Schläger gefangen, geworfen, vom Boden aufgenommen und beliebig weit getragen werden. Die Tore (1,80 m x 1,80 m) stehen wie beim Eishockey nicht an den Außenlinien, sondern etwas in das Feld eingerückt. Nun gilt es durch Laufarbeit, Passspiel und guter Taktik den Ball im gegnerischen Tor zu versenken.

Im Gegensatz zu den meisten Sportarten gibt es bei Lacrosse einige Unterschiede zwischen der Männer- und der Frauenvariante. Dies fällt auch schon rein optisch auf. Frauen tragen neben einem Gebissschutz und Handschuhen, welches beides nicht zwingend vorgeschrieben ist, keinerlei weiteren Schutz. Ein Verzicht auf weitere Schutzausrüstung wird durch das Verbot von Körperkontakt ermöglicht. Bei Männern hingegen geht es richtig zur Sache! Die Ausrüstung besteht zusätzlich aus einem Helm sowie Schulter- und Ellenbogenschützern. Dies ist auch von Nöten, denn Bodychecks und Schläge auf den Unterarm sind erlaubt.
Ein weiterer Unterschied ist die Anzahl der eingesetzten Spieler. Frauen starten mit zwölf Feldspielerinnen und haben drei Auswechselspielerinnen. Bei Männern stehen dagegen nur zehn Spieler in der Startformation. Der Kader kann insgesamt aus bis zu 23 Spielern bestehen. Gewechselt wird „fliegend“, so dass ein Spieler nach seiner Auswechslung wieder eingewechselt werden kann. Neben den Spielern nehmen in der Regel noch vier Schiedsrichter teil, welche die Möglichkeit haben, Zeitstrafen oder den Spielausschluss eines Akteurs für Fouls auszusprechen.
Nach 4 x 20 min bei den Herren und 2 x 30 m bei den Damen endet eine Partie Lacrosse.

An der Universität Mainz wird die gemischte Variante von Lacrosse angeboten. Es besteht also die Möglichkeit für beide Geschlechter an dem AHS-Kurs teilzunehmen, wobei natürlich ganz „gentleman-like“ nach den Regeln des Damen-Lacrosse gespielt wird.

Interview über den Sportkurs “Kendo”

Mai 15, 2008

Interviewt wurde dazu Mathias Schmitt, Obmann für den Kurs des Allgemeinen Hochschulsports (AHS). Der 26-jährige ist aufgrund seiner vorhandenen Erfahrung, die dieses Amt fordert, zum dritten Mal zum ersten Ansprechpartner für den Sportkurs gewählt worden. Schon seit seiner Jugend wollte er Kendo betreiben, jedoch ließen dies die fehlenden Trainingsmöglichkeiten an seinem Wohnort nicht zu. Erst mit Beginn seines Biologiestudiums (aktuell 9. Fachsemester) konnte er anfangen, den Sport zu betreiben. Mittlerweile trainiert er seit vier Jahren und ließ sich innerhalb von drei Semestern als Anfänger-Trainer zum Übungsleiter ausbilden. Zurzeit leitet er neben seiner aktiven Teilnahme das Kendo-Training am Freitagmorgen.

Sascha: Mathias, für wen ist Kendo geeignet?

Mathias: Prinzipiell ist Kendo für Personen jeder Altersgruppe geeignet. Man sollte allerdings, wie bei den meisten Sportarten, so jung wie möglich mit dem Sport beginnen. Weltweit üben sowohl Frauen als auch Männer den Sport gleichermaßen aus. In Deutschland überwiegt allerdings der Männeranteil, wenn ich mich nicht irre.

S: Warum ist Kendo als Hobby empfehlenswert?

M: Gute Frage, damit habe ich mich selbst noch nicht eingehend auseinandergesetzt. Also, aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass Kendo sowohl den Körper als auch den Geist schult und einem hilft, seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Im Training wird von einem Disziplin, Durchhaltevermögen und Selbstüberwindung gefordert. Das überträgt sich auch auf andere Lebensbereiche. Ein Nachteil sind mit Sicherheit die relativ hohen Anschaffungs- und Unterhaltungskosten für die Ausrüstung. Ein „shinai“, ein Übungsschwert aus Bambus, kostet beispielsweise ab 25 Euro und hält je nach Qualität zwischen einer Trainingseinheit und mehreren Monaten.


S: Wie ist die Resonanz auf Kendo an der Uni?

M: Die Resonanz auf Kendo ist in den letzten Jahren mit teilweise über 20 Anfängern pro Semester relativ gut gewesen. Allerdings sind die Anfängerzahlen in den letzten beiden Semestern eher rückläufig gewesen. Viele Leute können sich unter Kendo nicht viel vorstellen und möchten den Kampfsport einfach mal ausprobieren. Dadurch haben wir eine relativ hohe Abbrecherquote. Aus meinem Anfängerkurs, der aus über 20 Anfängern bestand, trainieren heute noch aktiv zwei bis drei Personen.

S: Nimmt die Kendo-Gruppe an Wettkämpfen und Meisterschaften teil?

M: Wir nehmen regelmäßig an Turnieren und Wettkämpfen teil, sowohl national als auch international. Ein Überblick über unsere Erfolge kann unserer Homepage entnommen werden (www.kendo-mainz.de->Dojo->Erfolge). Einige unserer Kenshi haben auch schon mehrmals an der Deutschen Einzel- und Mannschaftsmeisterschaft teilgenommen.

S: Macht die Gruppe auch Vorführungen, wie zum Beispiel „Show-Kämpfe”, auf dem Campus oder richtige Wettkämpfe für die Öffentlichkeit?

M: Wir werden aller Wahrscheinlichkeit nach eine Vorführung auf dem AHS-Tag Ende Mai machen. Einige unserer Kenshi haben letzten Freitag eine Vorführung auf der Landesgartenschau gegeben. Vor Kurzem gab es einen Bericht vom SWR über Kendo und wir hatten ein Fernsehteam bei uns zu Gast.
Die Turniere in Deutschland sind immer öffentlich und jeder, der Interesse hat, kann diese besuchen.
Meines Wissens finden auf großen Veranstaltungen, wie dem Japantag in Düsseldorf, Vorführungen statt, bei dem der Sport der Allgemeinheit vorgestellt wird.
Show-Kämpfe gibt es, soweit ich weiß, nicht. Man muss hierbei auch beachten, dass es sich bei Kendo um einen Kampfsport handelt. D. h. es gibt bei den Kämpfen feste Regeln, wie bei anderen Sportarten auch, beispielsweise Judo oder Taekwondo, ganz im Gegensatz zu Kampfkunst- und Selbstverteidigungsarten wie „Wing Tsun“ oder „Krav maga“.

S: Vielen Dank!

„Quality first“, bitte

Mai 13, 2008

„Web first“ hallt es seit Anfang 2007 durch die Hallen des Axel Springer-Verlags. Und wieder einmal preist uns die „Welt“ eine Revolution an. Nachdem seit 2004 die „Welt kompakt“ im Tabloid-Format erscheint, ist das ein weiterer Schachzug des Verlagshauses Leser an sich zu binden. Klingt neu, ist es streng genommen aber nicht. Bereits 2005 schwappte diese Devise aus Amerika über den großen Teich nach Großbritannien über. Jedoch muss man eingestehen, dass dieses Motto für den phlegmatischen deutschen Pressemarkt auch über ein Jahr später noch keine Selbstverständlichkeit geworden ist. Verständlicherweise, denn durch die vorzeitige Veröffentlichung der Inhalte im Internet würde man die Auflagenschwäche der Printausgaben nicht entgegenwirken. Im Gegenteil. Aber Revolutionen fordern nun mal Opfer.
Dabei ist Online-Journalismus eine logische Konsequenz aus dem Verhalten der jungen Generation. Das Internet ist das Informationsportal unseres Zeitalters. Hier kann der Journalist die strengen Fesseln des sterilen Schreibstils, des Platzeinhaltens und des absoluten Redaktionsschlusses ablegen. Ein „unkonventioneller“ Stil, wie Herr Mayer, Leiter des Seminars „Lehrredaktion Online“, diese „neumodischen“ Artikel nennt, gilt hier nicht weiter als freundlich ausgedrückte Abwertung des eigenen Schreibstils. Gerade das, neben neuen Möglichkeiten der Illustration durch Videos und Bilder, lockt die junge Leserschaft auf die Internetportale der Zeitungen. Es ist also nur logisch die Internetaffinität der Zielgruppe für sich zu nutzen.
Doch wo viel Licht, da auch viel Schatten. Die abgelegten Fesseln können auch zu einer Bequemlichkeit des Journalisten führen. Unter anderem wegen dem neuerlichen Druck die Nachrichten als erster auf der Website zu präsentieren, erscheint eine Abart der journalistischen Praxis um sich zu greifen: der „Copy & Paste“ - Journalismus. So können Agenturmitteilungen oder Informationen aus anderen Internetquellen mit wenigen Mausklicks in das eigene Nachrichtenrepertoire übernommen werden. Schlimm wird die Sache erst dadurch, wenn die publizierten Themen dabei ohne kritisches Hinterfragen und eigener Recherche gutmütig übernommen werden. „Na und?“, denkt sich der findige Autor. Falls sich die Story im Laufe des Tages als falsch herausstellen sollte, füge ich noch das Dementi der Agentur dem Artikel bei oder ich ändere ihn so lange, bis er richtig ist.

Ah ja. Im Grunde kann man dieser Methode etwas Gutes abgewinnen – unter dem Strich steht ein Artikel mit richtigem Inhalt (oder passendem Dementi) auf der Seite. Dass diese Arbeitspraxis aber zu einem Vertrauensverlust der Leserschaft führt, sollte sich jeder vor Augen halten. Gerade im Online-Journalismus, denn da ist die Konkurrenz nur einen Mausklick entfernt.

Uni Mainz – Geographie-Studenten werden Journalisten

April 25, 2008

„Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten“, so lautet ein Sprichwort.
Sprichwörter gelten als Sätze, die in kurzer, prägnanter Form (Lebens-)Weisheiten ausdrücken.

Doch dieser Tage scheint der Geographie-Student dieses Sprichwort mindestens kritisch zu beäugen. Getrieben vom Interesse an der „Erdkunde“, in Ausnahmefällen auch die einfachste Antwort auf die „Was mache ich eigentlich nach dem Abi?“-Frage, freut man sich sein Wissen über den Raum des menschlichen Lebens und dessen physische Eigenschaften zu vertiefen.
Schon zu Studienbeginn macht sich leichte Ernüchterung breit. Neben dem Hauptfach Geographie muss man noch zwei Wahlpflichtfächer belegen. Gesagt, getan. Eines davon soll Publizistik sein. Und zugegeben – Publizistik gefällt. Vor allem die oftmals praktische Auslegung lässt die Frage „Wozu brauche ich das eigentlich?“ nur noch selten aufkommen.
Apropos Praxis. Ebenfalls auf der studentischen „To Do“-Liste befindet sich das Seminar „Journalistische Praxis“. „Nun gut“, denkt sich der Geographie-Student, „der praktische Teil deines Wahlpflichtfaches war bisher recht spaßig und interessant, auf ins Seminar „Lehrredaktion Online“!“.
Zu Beginn der Veranstaltung erfährt man, dass der Dozent für das ZDF arbeitet. Eine wertvolle Erfahrung. Für den angehenden Journalisten. Der Geograph hingegen bemerkt, dass, oh Wunder, er hier wirklich journalistische Arbeit leisten muss. Bestehend aus Redaktionskonferenzen, Themenfindung und –bestimmung, sowie der Vorortrecherche und dem Anfertigen eines Artikels. Das ist der erste „Hallo-Wach-Moment“. „Wie? Ich soll durch die Gegend wetzen und auf Journalist machen?“. Eine Mischung aus Verwirrung, Verunsicherung und Hilflosigkeit macht sich breit. „Bin ich hier überhaupt richtig?“, „Brauch ich den Schein wirklich?“, sind nur einige Fragen, die einem in diesem Moment durch den Kopf schießen. Ja, Geographie-Studenten mit dem Wahlpflichtfach Publizistik brauchen den Schein in „Journalistische Praxis“ um das Studium abschließen zu können.
Kaum berappelt kommt es dann auch schon zum zweiten „Hallo-Wach-Moment“ des Seminars. Die erste „Hausaufgabe“ steht an. Eine in 2500 Wörtern gefasste Antwort auf die Frage „Warum werde ich Journalist?“.
Da haben wir sie ja, die „dumme“ Frage. Eine nicht zu beantwortende direkt zum Einstieg in die Veranstaltung zeigt unweigerlich auf, wie sinnfrei dieser Schein für aufkommende Geographen ist. So deckt der Inhalt kaum brauchbare Erfahrungen für die spätere Berufssparte und man muss zu allem Überdruss dem Niveau von einigen Kommilitonen mit absolvierten Praktika im medialen Berufsfeld standhalten. Geschweige denn den Ansprüchen des Dozenten.

So hoffe ich doch für spätere Generationen von Geographie-Stundenten, dass man hier den Lehrplan nochmals überdenkt. Somit bliebe auch den, durch das Aufkommen von „user generated content“ und der „blogosphere“, ohnehin Leid geprüften Journalisten eine weitere Gruppe von „Möchtegern-Reportern“ erspart.