Archiv für die Kategorie ‘simonejaeger’

Kommentar: Ein Tornado namens JOGU-StINe oder viel Wirbel um nichts?

Juni 19, 2008

Ab dem 1. Februar 2009 soll JOGU-StINe, das neue Internetportal für Studierende und Lehrende, an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz eingeführt werden. Momentan befindet sich das Portal noch in der Entwicklungsphase. Das hält JOGU-StINe jedoch nicht davon ab, viel zu versprechen. Können diese Versprechen eingehalten werden oder entpuppen sie sich im internationalen Vergleich doch eher als Versprecher?

Werbeflyer für JOGU-StINe in der InfoboxTest eins, zwei, drei…
Die Testphase hat begonnen: Seit dem 9. Juni 2008 können alle Interessierten einen ersten Blick mit ein paar Klicks verbinden und das neue Internetportal der Johannes Gutenberg-Universität Mainz vor seiner offiziellen Einführung am 1. Februar 2009 testen. In der Infobox neben dem ReWi gibt es noch bis Mitte Juli 2008 die Gelegenheit, JOGU-StINe – das JOhannes GUtenberg StudienInformationsNetz – bei einem Schluck Kaffee zur Freude seiner Gründer zu bewundern oder vor dem Bildschirm zu kritisieren.

Die Funktionen von JOGU-StINe basieren auf dem Programm „CampusNet”, das aktuell bereits von der Hamburger Universität verwendet wird. Das, woran zurzeit in Mainz viele kluge Köpfe arbeiten, ist die Ausgestaltung der Weboberfläche von JOGU-StINe. Bis zur Fertigstellung des Portals haben seine IT-affinen „Modellierer“ in den Bereichen Inhalt und Grafik alle Hände voll zu tun: Die Inhalte müssen vervollständigt werden. Das heißt, die Prüfungsordnungen aller Fachbereiche müssen im System abgebildet, Kurse und Module angelegt werden. Das Design muss noch übersichtlicher aufbereitet werden, wovon die Farben, lesbare Schaltflächen und weitere Teile des Layouts von JOGU-StINe betroffen sind. Der kleine Wirbelsturm namens JOGU-StINe ist demnach noch in seiner Wachstumsphase. Das ist ja legitim – doch sind dies auch die Versprechungen, welche vor der Endversion von JOGU-StINe auf dem Campus und darüber hinaus kursieren?   

Der Umbruch schlechthin? Ein erster Eindruck von JOGU-StINe am Bildschirm.
Der Trommelwirbel um das neue Internetportal war unglaublich groß – er kam schon einem Tornado gleich: Aus den unterschiedlichsten Richtungen und im Sinne eines Lobgesangs vorab wurde für JOGU-StINe geworben. Dement-sprechend wurden auch die Erwartungen hoch gesteckt. Doch der erste Kontakt mit dem neuen Portal ruft bei vielen Studierenden entweder Ernüchterung oder gar Enttäuschung hervor. Sätze wie „Bei den ganzen Ankündigungen habe ich da aber mehr erwartet.“ oder „Das Layout ist echt bedürftig – kann sich die Uni nichts Anderes leisten?“ ertönen von frustrierten Gesichtern vor den Bildschirmen in der Infobox. Der Beginn einer neuen Ära ist zumindest zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Sicht.

Was JOGU-StINe an Neuerungen anpreist, ist bekannt: Anmeldung zu Lehrveranstaltungen, Zugriff auf Lehrmaterialien, Erstellung eines Stundenplans, Anmeldung zu Prüfungen, Bewerbung, Übersicht über erbrachte Studien- und Prüfungsleistungen, Antragstellung auf Fachwechsel oder Beurlaubung und Verfügbarkeit von Studienbescheinigungen – alles online, versteht sich. Wer bislang nicht gerade mit Scheuklappen studiert hat, wird erkennen, dass dies kaum Innovationen sind. Vielmehr werden einzelne Portale wie das UnivIS aufgelöst und Funktionen von Reader Plus oder Ilias verschoben beziehungsweise durch JOGU-StINe ersetzt. Das Einzige, was neu ist, sind die Leistungsübersicht, die Antragstellung und die Studienbescheinigungen zum Ausdrucken. Na wenigstens etwas: Diese Neuerungen können sich sehen lassen und sorgen dafür, das JOGU-StINe im Zuge der Kritik nicht ganz den Boden unter den Füßen verliert - zumindest hier in Mainz. Wie sieht es außerhalb aus?

Hochmut kommt vor dem Fall
Zu diesem Fall führt ein einfacher Blick über den Tellerrand. Schaut man sich eine renommierte US-amerikanische Universität wie die University of California in Los Angeles (UCLA) an, so fällt auf, dass diese auch ein Internetportal besitzt: URSA. Dieses Internetportal ist lediglich für Studenten der Universität bestimmt und bietet um so viele Längen mehr an Funktionen als das Mainzer Portal JOGU-StINe, dass einem die Tränen kommen können. Mit URSA sind die Studenten anhand ihres UCLA-spezifischen E-Mail-Benutzernamens und ihres Passworts in der Lage, neben den Funktionen, die JOGU-StINe bietet, den Registrierungsstatus für Anmeldungen sowie Noten einzusehen, sich fertige Scheine per Post zuschicken zu lassen, benötigte Bücher direkt im Uniportal zu kaufen, die Studierendenidentifikationskarte zu bestellen, Wohnunterkünfte zu organisieren, Parkplätze zu buchen, Krankenversicherungen abzuschließen, Fördermöglichkeiten und Stipendien zu beantragen und sämtliche Informationen rund ums Thema Campusleben einzusehen.
Das Internetportal URSA für Studierende an der UCLA.
Was JOGU-StINe dagegen als absoluten Fortschritt proklamiert, ist bei URSA nur ein Teil von vielen weiteren Möglichkeiten, die Studierende an der UCLA online wahrnehmen können. Das soll nicht heißen, dass JOGU-StINe gar keine Verbesserungen für die Mainzer Universität mit sich bringt. Es ist lediglich zu bemängeln, dass diese großen Versprechen in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Veränderungen im Frühjahr 2009 stehen. Dazu kommt noch, dass JOGU-StINe im internationalen Vergleich eher schlecht abschneidet. URSA stellt JOGU-StINe in mehr als nur einer Anwendung deutlich erkennbar in den Schatten.

Vom Tornado zur Brise
Da kann man sich nur fragen, ob der angekündigte Tornado seine Kreise überhaupt in Mainz ziehen wird, wenn er über See schon zur Brise abflacht. Der Beginn einer neuen Ära kann vielleicht in Mainz gefeiert werden – und das auch nur mit zwei zugedrückten Augen. Doch im internationalen Vergleich – also: über den Tellerrand hinaus – kann JOGU-StINe mit Sicherheit noch keine Preise abstauben. Denn hier liegt es meilenweit hinter anderen universitären Internetportalen wie dem URSA der University of California in Los Angeles. Dabei sollte Letzteres doch Maßstäbe setzten. Schließlich befinden wir uns in einem Zeitalter, in dem Globalisierung, internationale Standards und Austausch ganz weit oben auf der Themenagenda der Universitäten stehen. Ein Austauschsemester in Mainz würde zumindest den Studierenden der UCLA beim Anblick von JOGU-StINe ein Lächeln entlocken – und zwar in Kombination mit einem schüttelnden Kopf vor Erstaunen über die inhaltlich erschreckend einfach gestrickte und grafisch noch völlig unausgereifte Oberfläche des Portals.

„HAIR“ – Von ungepflegten Haaren zu Drogen, Androgynität und politischem Sex

Juni 5, 2008

Vom 23. Mai bis zum 3. Juni 2008 wurde das Musical „HAIR“ an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz aufgeführt. Anlässlich der Aufführung am 30. Mai gab Univ.-Prof. Dr. phil. Winfried Herget vor Beginn des Musicals eine Werkseinführung im Forum des Hörsaals P1. In seinem Vortrag sprach er über die Schock-Kultur der Hippies, ihre Wurzeln und Facetten sowie die politische Wirkung dieser Bewegung. 

Das Musical „HAIR“ steht für die Bewegung der Hippie-Kultur und verkörpert das Lebensgefühl der 1960-er Jahre in Amerika. Die Uraufführung von „HAIR“ fand 1967 in New York statt; am Broadway wurde es erstmalig 1968 aufgeführt. Danach verbreitete sich die Nachricht vom Musical mit dem kulturellen Schockpotential wie ein Lauffeuer und die Nachfrage nach Auftritten stieg rasant an. Das, wovon „HAIR“ handelte, war brandaktuell und der Stoff des Stückes war keineswegs fiktional, sondern so real wie das Leben der Protestkultur dieser Zeit.

Die Szenerie eines Generationenkonflikts: Protest, Drogen und Gewalt
Prof. Herget eröffnete seinen Vortrag „Die Protestkultur der Babyboomers – zwischen Bürgerschock und utopischem Potential“ mit einer kleinen Anekdote, die einen Einblick in die Situation der damaligen Zeit gab: Er hatte Karten zur ersten Aufführung von  „HAIR” in Boston. Diese wurde jedoch von der katholischen Kirche verboten – nicht zuletzt wegen der Aktszene am Anfang des Stückes und den „deutlich blasphemischen Zügen“, die sich durch „HAIR“ wie ein roter Faden ziehen. Die Anhänger der Hippie-Kultur protestierten gegen dieses Vorgehen und verriegelten am Harvard Square in Cambridge, Massachusetts, die Fensterscheiben mit Sperrholz. Von beiden Seiten gab es Gewalt, wobei die Polizei um einiges brutaler vorging. Aber nicht nur Protest und Gewalt standen auf der Tagesordnung, sondern auch ein Drogenmissbrauch in übertriebenem Maße: Auf dem Cambridge Common war schon aus großer Entfernung eine Dunstwolke zu erkennen und sobald man sich dieser näherte, war es unmöglich, den süßlichen Geruch von Marihuana, welcher in der Luft lag, nicht wahrzunehmen.
 
Die Protestkultur der 1960-er Jahre hat ihre Wurzeln in der Generation der Babyboomers, die zwischen 1946 bis 1964 geboren wurde. Hierbei handelt es sich um ca. 46 Mio. Menschen, die in einer spezifischen Umgebung der Nachkriegsgesellschaft in Suburbs aufwuchsen. Als Werte hielten sie Anständigkeit, ein geregeltes Leben, Wohlstand der Eltern und Zufriedenheit hoch. Die Mutterrolle dominierte über die väterliche Rolle; der Vater war allenfalls zum Arbeiten bestimmt. Gegen diesen „Quasi-Wohlstand“ richtete sich die dort behütet aufgewachsene Generation: Die Bewegung der Hippies war im Grunde ein Generationenkonflikt – um nicht zu sagen, der Generationenkonflikt überhaupt. Denn etwas Vergleichbares gab es danach nicht mehr in der Geschichte der USA.

Die Elemente der Schock-Kultur und ihre Wirkung
Die Inhalte der Hippie-Kultur kreisten um zwei Pfeiler: Erstens, nicht wie die Eltern zu sein, und zweitens, nicht wie die Eltern zu leben. Diese Grundsätze fanden ihren Ausdruck in zahlreichen Verhaltensänderungen: Der ordentliche, junge Mann wurde abgelöst durch denjenigen, der langes und ungepflegtes Haar trug, dazu meist noch ein Haarband, was die Konventionen der damaligen Zeit völlig sprengte. Auch die Kleidung wurde bewusst unordentlich gewählt, frei nach dem Spruch: „Besser ein sauberes Gewissen als einen sauberen Hals zu haben.“ Die Frauen erfreuten sich an der Befreiung von Büstenhaltern und der Konsum von Bier wurde durch die Drogenkultur abgelöst. Die Mode veränderte sich auch weit unterhalb der Gürtellinie: Plötzlich fehlten die Schuhe – man lief stattdessen barfuß. Der Hang zur Androgynität führte zu einer Vermischung von ursprünglich männlichen und weiblichen Attributen in Kleidung, Aussehen und Verhalten. Außerdem trugen die Anhänger der Protestbewegung die kleine rote Bibel bei sich. Die Maoistische Bibel galt als Zeichen des Protests und richtete sich gegen alles, was die Gesellschaft damals hochhielt. Der Folk-Song erlebte seine Renaissance, wobei das Ganze durch das Medium Fernsehen unterstützt wurde. Als letztes bedeutendes Gesicht der Hippie-Kultur lässt sich die „Free Love“, die freie Liebe, herausstellen.

Die Bewegung der Hippies mündete in eine deutliche Veränderung der Sexualität: Herbert Marcuse deklarierte 1964 in seinem Buch „One Dimensional Man“, dass die Repression der Sexualität zur Repression in anderen Bereichen führen würde. In diesem Sinne galt die Sexualität zunächst als Trieb, der ohne jegliche Einschränkung ausgelebt werden sollte. Darüber hinaus glaubte man, dass in der Erfahrung der Sexualität die tiefere Erfahrung der Wirklichkeit läge. Unter dem Slogan „Make Love not War“ wurde die Sexualität als politischer Akt proklamiert. Ab 1965 wurde die Pille für Frauen allgemein zugänglich, was definitiv als ein Meilenstein dieser Zeit anzusehen ist.

Von der Politisierung zum utopischen Potential der Bewegung 
Bei einer reinen Schockwirkung blieb es allerdings nicht, sondern die Bewegung geriet in politische Bahnen und führte zu einem „erstaunlichen Engagement“ der Hippie-Anhänger, so Prof. Herget. Bislang galten die Amerikaner immer als Überflussgesellschaft – jetzt wurde publik, dass es auch eine breite Masse gab, die arm war. Bis 1960 wussten die meisten Amerikaner nicht, dass es hellhäutige Arme überhaupt gab. Zudem engagierten sich die Hippies in der Bürgerrechtsbewegung. „Weiße“ Babyboomers fuhren in den Süden, um den „Schwarzen“ Beistand zu leisten. Des Weiteren setzten die Protestanhänger die Befreiung vom Einzug in den Vietnamkrieg für Studenten durch. Doch es blieb nicht bei den politischen Einsätzen vor Ort, sondern es kristallisierte sich ein unglaublich starkes utopisches Potential in der Bewegung heraus: Man wollte eine gerechte und für alle Bürger freie Gesellschaft schaffen sowie ein neues Gemeinschaftsgefühl in einer neuen Gesellschaft – „Frei von Repression und Aggression“ – begründen. Die Unterdrückung jeglicher Art sollte in Zukunft weder möglich noch nötig sein.

Die Hippie-Kultur führte also eine politische Komponente mit einer idealistischen zusammen. Aus der heutigen Sicht blicken die damaligen Babyboomers nostalgisch auf die 1960-er Jahre zurück. Denn die Werte dieser Zeit wurden in der folgenden Dekade durch absolute Gegensätze abgelöst: Es galt nicht mehr „beautiful together“, sondern „jeder für sich, so schnell und so gut es geht“. In den 1970-er Jahren ersetzte der Karrieretyp die Gemeinschaft der Hippies. Das, was das Musical „HAIR“ macht, ist nicht mehr und nicht weniger als die Werte der Protestkultur der Hippies aufzuheben und in ästhetisch symbolischer Weise zu konservieren.

Am Anfang war es nur ein Spiel

Mai 29, 2008

Die Behauptung, dass Computerspiele wie World of Warcraft, Counter Strike & Co. ein hohes Suchtpotential für die Spieler haben, ist allseits bekannt. Was neu aufkommt, sind wissenschaftliche Therapiemöglichkeiten zur Behandlung der Spielsucht. Die Ambulanz für Spielsucht am Johannes Gutenberg-Universitätsklinikum Mainz behandelt erstmalig in Deutschland das Krankheitsbild „Computerspielsucht“.   

Diagnose: Computerspielsucht
Viele Freunde, gute Noten in der Schule, Baseball als Hobby, ein ausgeglichenes Verhältnis mit seinen Eltern – all das hatte Alex vor rund zwei Jahren. Heute ist das Leben des 16-jährigen Amerikaners aus New York kaum wieder zu erkennen: Mindestens 15 Stunden und in manchen Hochphasen etwa 20 Stunden am Tag verbringt Alex mit dem Computerspiel „World of Warcraft“ vor dem Bildschirm. Dieses Jahr wird er wegen mangelhaften Noten und zu vielen Fehlzeiten nicht in die nächste Klasse versetzt. Den Kontakt zu seinen Freunden hat er gänzlich abgebrochen. Denn jetzt braucht er alle Zeit des Tages für seine virtuelle Welt am PC – zumindest ist er davon überzeugt und das reicht in diesem Fall.  

Die Symptome sind eindeutig und das Krankheitsbild steht fest: Computerspielsucht. Das Problem, mit dem Alex zu kämpfen hat, lässt sich längst nicht mehr nur in Nordamerika verorten. Der Einzug der Egoshooter-Spiele und derjenigen mit Multiplayermodus in den deutschen Elektronikfachhandel und auch die Ausweitung der Kaufmöglichkeiten im Internet haben die Verhältnisse in Deutschland denen in Amerika nahezu angeglichen. Der einzige Unterschied besteht in verschiedenen Kaufversionen der Spiele. Dabei unterscheiden sich die deutschen Versionen von den amerikanischen Originalspielen in manchen Fällen drastisch: Hier sind die Szenen, in denen Blut spritzt, nicht oder nur minimal zu sehen und auch die Anwendung von Gewalt wird in einem beschränkten Maß gezeigt.

Kaum Behandlungsmöglichkeiten in Deutschland
Die Betroffenen wissen, was sie wollen: Je blutrünstiger, gewalthaltiger und gefährlicher die Missionen der Spiele sind, umso beliebter sind sie. Was auch zählt, ist die möglichst realitätsnahe grafische Gestaltung der PC-Spiele – damit es nicht nur mit Unmengen an Fantasie annäherungsweise echt aussieht, sondern sich beim ersten Blick auch sofort real anfühlt. Doch reicht das zum Leben? Im Ernstfall reicht es noch nicht einmal zum Überleben. In den Nachrichten kursierten bereits schockierende Fälle von Spielern, die sich zu Tode gespielt haben. Ja, richtig: Die von der Sucht befallenen Spieler vergessen neben vielen anderen Dingen die Nahrungsaufnahme.

Wenn die Süchtigen noch zu Hause wohnen, haben nicht nur sie mit ihrem Problem umzugehen. Auch Eltern und andere Angehörige sind emotional involviert und wissen oft nicht weiter. Die Nerven liegen blank. Das muss allerdings nicht so bleiben. Denn es gibt vielversprechende Behandlungsmöglichkeiten, die den Betroffenen wieder zurück ins richtige Leben verhelfen. Der Haken an der Sache ist nur, dass Deutschland bislang bei der Behandlung von Computerspielsucht eher im Schatten lag, anstatt sich als Vorreiter zu diesem Thema in Wissenschaft und Forschung zu positionieren.  

Neue Ambulanz für Spielsucht in Mainz
Aktuelle Entwicklungen lassen jedoch auf das Licht am Ende des Tunnels hoffen: Mit der Eröffnung der neuen Ambulanz für Spielsucht am Johannes Gutenberg-Universitätsklinikum in Mainz wird erstmalig in Deutschland neben der pathologischen Spielsucht auch die Computerspielsucht behandelt. Das Therapieangebot besteht aus ambulant durchgeführten Gruppensitzungen für jeweils acht bis zehn Personen. Psychologe Klaus Wölfling sieht zwei entscheidende Vorteile dieses Behandlungskonzeptes: Erstens werden die Süchtigen bei ambulanten Therapiestunden nicht aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen, was bei einer stationären Behandlung der Fall wäre. Zweitens bieten Gruppentreffen die Chance, sich über ähnliche Verhältnisse mit anderen Betroffenen auszutauschen und somit Einsicht in das eigene Problem zu gewinnen.

Obwohl wissenschaftliche Befunde nur von 6-9% der Fälle sprechen, die das auffällige Verhalten eines Computersüchtigen aufweisen, ist die Tendenz zur Erkrankung stetig steigend. Immer mehr Menschen schaffen sich PCs an – und damit die Möglichkeiten für ausgiebiges Spielen in der Freizeit. Auch die Verbreitung des Internets nimmt rasant zu – und somit auch die Vernetzung mit anderen Spielern und das gemeinsame Spielen auf bestimmten Servern. Die täglichen Anfragen bei der Ambulanz für Spielsucht bestätigen, dass das Thema gefragt ist und an Bedeutung zugenommen hat. Die Homepage der Mainzer Ambulanz www.verhaltenssucht.de gibt Betroffenen und deren Angehörigen einen ersten Einblick in die Facetten der Computerspielsucht sowie ihre therapeutischen Behandlungsmöglichkeiten und verweist auf Ansprechpartner für weitere Fragen.

Kommentar: Die Medien - Jochbein der Wissenschaft?

Mai 21, 2008

Die Mediatisierung der gesellschaftlichen Teilbereiche hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. Die Medien behaupten auch im Hinblick auf die Wissenschaft eine richtungsweisende Position. Das, was wissenschaftliche Befunde tatsächlich belegen, findet in die Medien nur Eingang, wenn es im Gewand eines tragödienartigen Negativismus erscheint. Eines von vielen Beispielen für dieses medienspezifische Phänomen der Realitätsverzerrung sind der Klimawandel und seine Folgen.

Ein Blick in den Spiegel: Medien als Spiegel der Realität?
Ein Blick sagt manchmal mehr als tausend Worte. In diesem Fall ist es der Blick in den Spiegel: Betrachten wir einmal das Jochbein. Am seitlichen Rand der Augenhöhlen formt dieser  paarige Gesichtsknochen einen Teil der Augen- und der Nasenhöhle. Das Jochbein ist somit ein essentieller Bestandteil des menschlichen Schädels und ist ausschlaggebend für die formmäßige Ausprägung der Wangenstruktur. Diese kleine Erkenntnis sollten wir uns bewahren, denn wir werden sie im Folgenden für ein Thema auf einer anderen Ebene noch brauchen. Wenden wir nun unseren Blick von unserem Spiegelbild ab und lenken ihn auf den Spiegel der Realität: die Medien. 

Der Hype um die Medienkonvergenz hat in den letzen Jahren rapide an Intensität zugenommen. Der Schwerpunkt „Medienkonver-genz” soll im Rahmen einer aktuellen Forschungsinitiative in der Medienhauptstadt Mainz in Rheinland-Pfalz eingerichtet werden. Die Theorie der Medienkonver-genz besagt, dass die öffentliche sowie die nicht-öffentliche Wirklichkeit größtenteils durch die Medien konstruiert werden. Demnach spiegeln die Medien spiegeln nicht 1:1 die Realität wider, sondern sie verzerren die Fakten und passen die Ereignisdarstellung an ihre eigenen Erfolgskriterien an. Diese Entwicklung wird generell mit dem Schlagwort „Mediatisierung“ betitelt und betrifft alle möglichen Bereiche unserer Wirklichkeit: die Politik, die Kultur und sogar die Wissenschaft.

Aristoteles und die Mediatisierung der Wissenschaft
Auch wenn die Mediatisierung der Wissenschaft auf den ersten Blick unmöglich erscheint, so treten immer mehr Indizien zu Tage, die gerade diese Annahme zunehmend bestätigen. Ist die Wissenschaft ein Bereich der gesellschaftlichen Wirklichkeit, der zukunftsweisend und absolut unabhängig von anderen Einflussgrößen ist? Nein, das ist wohl eher eine naive Wunschvorstellung, die praktisch nicht umsetzbar ist! In ihrem Artikel „Der Einfluss der Medien auf die Klimaforschung“, erschienen im Forschungsmagazin „Natur & Geist“ (Ausgabe 1/2008), greifen Univ.-Prof. Dr. phil. Hans Mathias Kepplinger und Senja Post diese Problematik auf.
Die Mediatisierung kennt keine Grenzen mehr: Sie macht sogar vor der Wissenschaft nicht halt und führt damit langsam aber sicher zu einem Autonomieverlust der Wissenschaft.  Kepplinger und Post stellen heraus, dass die Medien als ein relativ autonomes Teilsystem moderner Gesellschaften die Voraussetzungen für die Funktionsfähigkeit anderer Teilsysteme schaffen. Infolgedessen orientieren sich andere Systeme an den Erfolgskriterien der Medien und es kommt zu einer Außensteuerung durch die Medien. In der Eigenrationalität der Medien ist die Größe eines Schadens entscheidend, nicht jedoch seine Eintrittswahrscheinlichkeit. Die Berichterstattung über BSE oder SARS dürfte das belegen. Denn in diesen Fällen unterschied sich die tatsächliche Ansteckungsgefahr mit den Erregern von dem in den Medien hochgepuschten Infizierungsrisiko um einen auffällig hohen Faktor, der sich nicht einfach unter den Tisch kehren lässt. Dramen verkaufen sich eben besser als bloße Faktenauflistungen. Im Idealfall sollten es dann noch negative Nachrichten sein. Pure Tragödien, also? Das wussten schon die alten Griechen - Aristoteles schrieb es bereits in seiner Poetik. Allerdings verfolgten die Griechen mit den Tragödien die Katharsis und bestimmt nicht den negativen Nachrichtenwert.  

Der bedeutende Unterschied in Sachen Spiegel
Übertreibungen in Sachen Klimawandel rechtfertigen die Medien dadurch, dass durch dieses Vorgehen ein Bewusstsein in den Köpfen der Menschen geschaffen wird, das potentielle Gefahren abwenden kann. Doch ist das wirklich so? Wer fragt die regelmäßigen Leser des Spiegels oder des Sterns, ob sie weniger Auto fahren, nachdem sie durch die Nachrichten eine schockierende Vision in Sachen Klimawandel erfahren haben? Die Wissenschaft beruft sich ihrerseits auf ganz andere Argumente: Sie schiebt der falschen Darstellung der Realität durch die Medien keinen Riegel vor, weil die Medien wissen, wie man Publizitätsrekorde bricht. Mehr Publizität von Themen des Klimawandels bringt mehr Forschungsgelder für die Wissenschaft. Dass die Medien somit aber auch die Richtung der Klimaforschung bestimmen, wird dabei nicht bedacht.

Das Wichtige bei allen Betrachtungen ist das, was am Ende im Kopf des Beobachters hängenbleibt. In unserem Fall heißt das: Die Seifenblase ist zerplatzt! Wissenschaft ist nicht das, was sie einmal war. Ihre einstige Vorreiterrolle in der Gesellschaft weicht einem zunehmenden Autonomieverlust. Die Medien sind zum Jochbein der Wissenschaft avanciert. Sie lenken die Richtung der Wissenschaft und bestimmen damit letztlich ihren Verlauf. Es sind eben doch nicht alle Spiegel gleich – manche verzerren mehr als dass sie reflektieren.

Das Herz für Polymerforschung schlägt in Mainz

Mai 14, 2008

Die Graduiertenschule der Exzellenz „MAterials Science IN MainZ“ (MAINZ) wurde am Mittwoch, den 30. April 2008, offiziell an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz eröffnet. Der thematische Schwerpunkt von MAINZ liegt bei Polymeren - hochgradig verketteten, einheitlichen Stoffen. Ziel ist das Design neuer funktionaler Materialien auf der Basis von Polymeren, biologischen und anorganischen Substanzen.

Zur Realisierung eines beeindruckenden Vorhabens
Schon in ihren Anfängen erstrahlt die Graduiertenschule im Licht ihres unübersehbaren Erfolgs: In edler Aufmachung fand am Mittwochnachmittag im Atrium der Alten Mensa die Eröffnungsfeier von MAINZ statt. Spätestens dann wurde klar, dass mit MAINZ ein weiterer Meilenstein in der Forschungstradition der Mainzer Universität gesetzt wurde. In wissenschaftlicher Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz und dem Bereich der Physik der Technischen Universität Kaiserslautern will die Graduiertenschule alle anderen forschungsorientierten Einrichtungen in Deutschland übertreffen.
Vor einem halben Jahr hat die „Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder“ erfolgreich abgeschnitten. Jetzt forschen in MAINZ 75 hochqualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler mit Herkunft aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt. MAINZ ist international positioniert und umfasst Seminare, Exkursionen, Summer Schools, Laborkurse, Workshops mit internationalen Konferenzen, gemeinschaftliche Publikationen und Soft Skills-Training. Die Promovenden erhalten ein Stipendium zur vollständigen Finanzierung ihres Studiums, eine hervorragende Ausbildung sowie einen eigenen Mentor aus Wissenschaft oder Industrie zur individuellen Betreuung und Karriereplanung.

Frau Univ.-Prof. Dr. Claudia Felser bei der Eröffnungsfeier im Atrium der Alten Mensa an der Johannes Gutenberg-Universität MainzEin klares Ziel vor Augen
Univ.-Prof. Dr. Claudia Felser, Direktorin von MAINZ, stellte heraus, dass das wissenschaftliche Ziel der Graduiertenschule das Design neuer funktionaler Materialien auf der Basis von Polymeren, biologischen und anorganischen Substanzen sei. Das heißt, durch die Vereinigung von Molekülen zu einem neuen Stoff sollen Materialen mit neuen Eigenschaften und Funktionen geschaffen werden. Zudem sollen Synergieeffekte zwischen verschiedenen Bereichen der Naturwissenschaften gezielt genutzt werden. In MAINZ ziehen Chemiker, Physiker und Biologen gemeinsam an einem interdisziplinären Strang. Der Forschungsansatz in MAINZ führt die Theorie über Polymere, Kolloide, magnetische Materialien und ultrakalte Quantengase zusammen, um daraus in Kombination neue entscheidende Erkenntnisse zu gewinnen.

Ein großes Projekt
Das Angebot der Schule enthält zwei Promotionsprogramme, die sich über drei Jahre erstrecken: MATCOR (MATerials with CORelations) und POLYMAT (POLYmers in advanced MATerials). Bei POLYMAT und MATCOR steht die Synthese und Beschreibung neuer Materialien – insbesondere von Polymeren – im Vordergrund. Mithilfe von Computersimulationen und Experimenten sollen neue Materialien designt und die Korrelation von Materie untersucht werden. Des Weiteren bietet MAINZ das einjährige Programm IMPRS-PMS (International Max Planck Research School for Polymer Materials Science) an. Im Mittelpunkt dieses Austausch- und Trainingsprogramms steht der gesamte Bereich der Polymerforschung. Hier werden Polymere, theoretische Modelle und Simulationen entwickelt.

Die Powerfrau, eine internationale Karriereschmiede und der Glaube an Erfolg
Auf der Eröffnungsfeier würdigte Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, die Graduiertenschule der Exzellenz als „internationale Karriereschmiede in einem hoch innovativem Forschungsfeld“. Sie sprach von „verdienter Anerkennung“ für MAINZ und bezeichnete Professor Felser als „echte Powerfrau“. Die Nachwuchsförderung bedeute Zukunfts-, Forschungs- und Leistungsförderung für die Gesellschaft auf höchstem Niveau.
Im Rückblick auf die lange Tradition der Mainzer Chemiker erklärte Univ.-Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz: „Wir sind davon überzeugt, dass die Graduiertenschule der Exzellenz ein Erfolg sein wird.“ Für die nächsten fünf Jahre wurden der Graduiertenschule der Exzellenz elf Millionen Euro Fördergelder von der Landes- und der Bundesregierung sowie der Mainzer Bank zugesagt. Faktisch gesehen werden allerdings vier bis sechs Millionen Euro jährlich in den Bereich der Materialwissenschaften einfließen, versicherte Professor Krausch. Damit dürfte sich das große Projekt verwirklichen lassen.
Schenkt man den Worten der Direktorin, der Ministerin und des Präsidenten Glauben, dann drängt sich ein Gedanke unwiderruflich auf: Mit der Eröffnung der Graduiertenschule MAterial Science IN MainZ hat das Herz für Forschung, Ausbildung und Austausch im Bereich der Materialwissenschaften inmitten von Mainz zu schlagen begonnen.

 

 

Über die Grenzen eines Autors hinaus - Der Job eines Online-Journalisten hat es in sich

Mai 7, 2008

Was einst noch unerlässlich war, um qualifiziert in das Berufsfeld eines Online-Journalisten einzusteigen, ist heute schon wieder Schnee von gestern: Früher waren fundierte Kenntnisse in HTML ein absolutes Muss - jetzt dagegen ist es viel wichtiger, den Umgang mit Content Management Systems zu beherrschen. Diese geben dem Journalisten den Freiraum, sich gezielt auf die Ausarbeitung seiner Beiträge zu konzentrieren, anstatt an der eigenen Sprache von HTML zu verzweifeln. Diese Entwicklung spiegelt gerade das wider, was das noch recht junge Berufsbild des Online-Journalismus im Grunde ausmacht: ein kontinuierlicher Wandel.

Webblogs, Podcasts & Co. – der Online-Journalist erlebt hautnah, wie neue Kommunikationsformen aufkommen und im Internet verbreitet werden. Das bedeutet zugleich, dass er sich damit auseinandersetzen muss, damit er diese neuen Wege der Informationsvermittlung für seine eigene journalistische Arbeit einsetzen kann. Über das Internet werden zudem tägliche Veränderungen schneller kommuniziert und begünstigen damit wiederum das Neue.

Auch das Rollenbild eines Online-Journalisten hat sich seit seinen Anfängen entscheidend weiterentwickelt. Heute wird einem Online-Redakteur viel mehr abverlangt als früher: Er muss nicht mehr nur Schreiben, sondern auch Gestalten. Was in Verlagshäusern großer Zeitungen im Schema der Arbeitsteilung zur klassischen Aufgabe eines Layouters gehört, übernimmt der Online-Journalist selbst. Er ist verantwortlich für die grafische Ausgestaltung seines Artikels. Sogar das Bearbeiten und Editieren von Fotos oder das Schneiden von Filmbeiträgen kann in den Aufgabenbereich eines Online-Journalisten fallen. Egal ob es um die Gestaltung von Text-, Bild-, Ton- oder Filmmaterial geht, die Aufbereitung liegt meist in der Hand eines Einzelnen.

Der Übergang vom Einzelwerk zur Interaktion mit anderen Internetnutzern erfolgt dann in der Kommentierung der Artikel, Bilder, Filme oder Tonaufnahmen. Nicht in allen Bereichen des Online-Journalismus steht solch ein Feedback auf der Tagesordnung. Doch zumindest lässt sich festhalten, dass der Vernetzung zwischen Journalisten und ihren Rezipienten online kaum Grenzen gesetzt sind.

In Abgrenzung zu anderen journalistischen Genres ist der Online-Journalismus die jüngste Entwicklung. Er steht nicht in Konkurrenz zum Hörfunkjournalismus - denn das Internet ist kein „Nebenbei-Medium“. Pragmatisch gesehen, haben Online-Journalisten mehr Platz für ihre Beiträge als ihre Kollegen bei Zeitungen oder Zeitschriften. Sie können bei bestimmten Themen in die Tiefe gehen, da sie nicht an die oberflächliche und kurze Präsentationsweise, wie sie im Fernsehen vorliegt, gehalten sind.

Was bedeutet das nun für den Online-Journalismus? Ein Beruf für freiheitsliebende Multitalente! Den beinahe grenzenlosen Möglichkeiten für die Ausgestaltung der eigenen Beiträge tritt ein hoher Maßstab gegenüber: Online-Journalisten müssen viel beherrschen – egal ob als Autoren, Fotografen, Filmemacher, Grafikdesigner oder Editoren – und sich fortwährend an neuen Darstellungsformen ihrer journalistischen Arbeit messen. Denn das Internet wird sich weiter wandeln. Wer dem gewachsen ist: Hut ab!

Warum werde ich Journalistin?

April 25, 2008

Lange, kupferrot schimmernde Haare, schwarz getuschte Wimpern, eine dunkelblaue Jeans, eine weiße, sportlich-elegante Jacke, ein melonenartiger, frischer Duft von Duschgel auf der Haut – das war ich an jenem Herbsttag 1999. Ich erinnere mich noch ganz genau an diesen einen besonderen Moment: Eine meiner Freundinnen hatte Geburtstag und wir saßen in einem kleinen Kinosaal in Hofheim am Taunus. Während die anderen Mädels sich offensichtlich nicht entscheiden konnten, ob sie lieber den Film sehen, Chips essen oder tuscheln wollten, starrte ich mit glasigen Augen auf die Leinwand und verfolgte den Film „Ungeküsst“. Mein Interesse galt allein Drew Barrymore alias Josie Gellar: Wie würde ihre ultimative Story der Selbstfindung als Journalistin in Chicago wohl ausgehen? Dann fielen die Worte, die ich bis zum heutigen Tag nicht vergessen habe: „Jemand hat mir mal gesagt: Wenn du gut schreiben willst, dann schreibe über das, was du weißt.“

Ich weiß Folgendes: Ich bin 23 Jahre alt und kann auf eine Kindheit zurückblicken, in der ich mit großen Enthusiasmus geschrieben habe – egal ob das Hausaufgaben, Briefe, eigene Geschichten, Gedichte oder Liedtexte waren. Damals wie heute liebe ich es, mit Worten zu spielen, zu sehen und zu fühlen, was mit Sprache alles ausgedrückt werden kann. Auch die künstlerische Ausgestaltung von Layouts ist eine meiner Leidenschaften. Innere Berufung, kreative Ader, unabwendbarer Schreibdrang – Worte gibt es viele für das Gefühl, das ich mit dem Journalismus verbinde. Bis zum Ende meiner Schulzeit ist in mir der Wunsch gereift, dass ich Auslandkorrespondenten in den USA werden will. Dabei reizt mich sowohl die Arbeit als Redakteurin in einer überregionalen Zeitung, als auch der Job einer Moderatorin vor der Kamera.

Doch in jedem Fall will ich als Journalistin an der Darstellung der Wirklichkeit in den Medien mitwirken und den Menschen vielleicht jene Wahrheiten nahebringen, die sie so noch nicht kannten. Ich will den Menschen die Ereignisse in einer sich ständig wandelnden Welt zeigen sowie die Reaktionen der Politik auf diese täglichen Veränderungen am Puls der Zeit miterleben. Ich möchte Details aufdecken, von denen bis dato keiner etwas wusste. Ich will wichtige Persönlichkeiten vor die Kameras bringen und ihnen Worte entlocken, welche die Welt besser machen können. Denn wie sagten die Klassiker einst? Es geht letztendlich nur um das „Schöne, Wahre, Gute“. Was meine Arbeit anbelangt, so liegt mein Fokus dabei vielmehr auf der Wahrheit, der Aktualität und der Wirkung der Berichterstattung auf die Mediennutzer - aber das ist dann ein anderes Thema.

Von Simone Jäger