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Johannisfest in Mainz

Juli 11, 2008

Jedes Jahr im Juni findet in Mainz das Johannisfest statt. Als eines der größten Mainzer Feste lockt es wie immer auch viele Besucher von außerhalb in die Landeshauptstadt. Mit einer kleinen Gruppe von langjährigen Freunden wagte ich mich  ebenfalls auf das Festgelände.

Das alljährliche Johannisfest war auch in diesem Jahr wieder ein lang ersehntes Datum im Mainzer Stadtkalender. Als Mainzerin wollte ich mir dieses Ereignis nicht entgehen lassen und so war der altbewährte Treff am Bahnhof  wie jedes Jahr, so auch in  diesem, der Ausgangspunkt unserer üblichen Tour über den Markt.

Dom von Mainz beim Johannisfest

Mit vielen anderen Besuchern des Johannisfestes, alt und jung, wurden wir am Schillerplatz mit dem kleinen aber feinen Büchermarkt begrüßt. Dies sollte die erste Station unserer noch langen Tour durch die Stadt werden. Von CD´s, über Platten, alten und sehr alten Büchern, war im Laufe der Jahre für fast jeden Geschmack etwas dabei. Die lauten Klänge von der schräg gegenüber liegenden Bühne am Fastnachtsbrunnen nehmen zugegebener Maßen was von der romantischen Atmosphäre, lassen jedoch umso mehr das Gefühl eines Stadtfestes aufleben.

Kulinarische Genüsse und eine frische Brise

Auf der Ludwigstraße, die die Mainzer liebevoll „Lu“ nennen, fühlen wir uns vor allem kulinarisch versorgt. Vorbei an Crepe-Ständen, Würstchenbuden, Erdbeerbowle und Schwenkgrill, bleibt fast kein Wunsch offen. Unsere Devise heißt allerdings: Erst alles anschauen und dann genießen. Es will sich ja schließlich niemand gleich zu Anfang den Magen verderben.

Unser Weg führt uns weiter über Marktplatz und Fischtorplatz geradewegs zum Rheinufer. Hier finden wir eine große Anzahl von Fahrgeschäften, „süße Buden“ und das Riesenrad. Auf dem diesjährigen Johannesfest  war es wohl eine der größten Attraktionen. Obwohl wir noch nicht sehr lange auf dem Johannesfest waren, entschlossen wir uns kurzerhand für eine Fahrt auf dem Rad. Belohnt wurden wir mit einem wunderbaren Blick über die Stadt. Die Hitze zwischen den Buden wurde durch eine frische Brise abgelöst.

Riesenrad auf dem Johannisfest

Das gute Ende eines schönen Tages

Das Johannisfest war, so schien es uns schon nach einigen Stunden doch immer wieder dasselbe. Etwas Neues hatte dort niemand zu erwarten. Eine kleine Verschnaufpause ließ uns an jene Zeiten zu denken, als das Johannesfest noch zum Highlight des Jahres gehörte. Vielleicht war es der Überdruss an Mainzer Stadtfesten oder die Lageweile, die sich im Laufe der Jahre aufgebaut hatte. Doch letzten Endes löste bei allen eines ein noch schlimmeres Gefühl aus: nämlich die Vorstellung, gar nicht dabei gewesen zu sein. So blieb uns am Ende des Tages nur ein Fazit: Schön war´s.

Erholungsplätze in Mainz

Juni 6, 2008
Erholung hat für viele Menschen etwas mit Urlaub zu tun. Orte zum Ausspannen vor der eigenen Haustür zu finden, ist vor allem für Zugezogene oft schwierig. Mainz ist kein Kurort, bietet keine weißen, weichen Sandstrände mit Panoramablick. Was man in Mainz dennoch unternehmen kann, um in Sachen Erholung und Entspannung auf seine Kosten zu kommen: Hier ein paar Tipps: 

Eines der schönsten Dinge, mit denen ein Mainzer vor allem einen Samstagmorgen beginnen kann, ist der Besuch des Wochenmarkts, der sich zwischen Dom und Gutenberg befindet. Nachdem man an den unterschiedlichen Ständen entlanggeschlendert ist und sich mit frischen Vitaminen versorgt hat, laden die umliegenden Cafés der Innenstadt zu einem zweiten Frühstück ein.

Bei einem anschließenden Spaziergang durch die malerische Altstadt, kann man ebenso einen ganz besonderen Flair genießen: eine Mischung aus Einkaufsvergnügen und unbekümmertem Schlendern. 

Ist man am Ende der Altstadt angelangt, sind es nur noch wenige Meter zur Rheinpromenade, die zu kleinen Spaziergängen, Picknicks oder einem Besuch in einem der Biergärten einlädt. Die in den letzten Jahren eingerichteten Strandanlagen bieten vor allem den im Sommer Daheimgebliebenen die Möglichkeit, ein wenig Urlaubsatmosphäre zu genießen.

Rheinufer in Mainz

Wo sich Rhein und Main die Hände schütteln
Hat man von Strand und Wasser genug, kann man sich ebenso gut an den Parkanlagen von Mainz erfreuen. Vor allem Stadt- und Volkspark bieten viele verschiedene Freizeitmöglichkeiten.

Der Volkspark zeichnet sich vor allem durch sein großes Angebot an sportlichen Aktivitäten aus – Basketball, Fußball, Tischtennis und Minigolf sind nur einige von ihnen. Er ist von der Stadt aus sowohl zu Fuß als auch mit den Buslinien 62 und 63 zu erreichen. Die Bushaltestelle nennt sich „Volkspark“.

Rosengarten in Mainz

Der Stadtpark, der sich in unmittelbarer Nähe des Volksparks befindet, kann mit anderen Attraktionen punkten. Der Rosengarten ist eine von ihnen: Hier verteilen sich etwa 7500 Rosenstöcke auf  rund 9500 Quadratmetern. Beim Anblick dieser Blütenpracht fällt es nicht allzu schwer, die Seele baumeln zu lassen. Auch für den einmaligen Blick auf die Mündung des Mains in den Rhein, den der Stadtpark bietet, lohnt sich ein Besuch. Zu erreichen ist der Stadtpark mit den Buslinien 60, 61, 64 und 65 (Haltestelle „Stadtpark“) und den Linien 62 und 63 (Haltestelle „Rosengarten“).

Rosengarten in Mainz

Der Gonsenheimer Wald – ein rheinhessisches Kleinod

Was der Mainzer oder der Rheinhesse an sich häufig vermisst, ist Wald. Viele Waldgebiete gibt es hier nicht. Der Gonsenheimer Wald ist nicht nur das bekannteste, sondern auch das beliebteste Waldstück in Mainz. Jährlich zählt es bis zu einer Million Besucher. Dass der Gonsenheimer Wald eigentlich Lennebergwald heißt, stört hier niemanden. Der Wald bietet schöne Laufstrecken für Sportler und Spaziergänger. Im Gegensatz zur Rheinpromenade und den Parkanlagen liegt er etwas außerhalb des Stadtkerns. Will man nicht mit dem Auto hinfahren, bringt den Besucher die Linie 64 zur Haltestelle „Kapellenstraße“, von der es nur ein paar Minuten Fußmarsch bis zum Waldesrand sind.

Die Erholungsplätze, die Mainz zu bieten hat, sind also nicht so rar, wie manch einer denken mag. Sie erschließen sich ihren Gästen auch sehr problemlos und einfach. Hat man den Entschluss gefasst, einen der Erholungsorte aufzusuchen, zeigt sich rasch, dass die Orte der Entspannung in Mainz oft nur eine kurze Busfahrt entfernt sind. Und plötzlich vergisst man ganz schnell, dass Mainz kein Kurort ist.

„Hier kenne ich mich aus“

Mai 30, 2008

Das Pendeln kann  ein „Nicht-Pendler“ oft  kaum nachvollziehen. Warum sollte man auch nicht in die Nähe des Arbeitsplatzes oder Studienortes ziehen?
Welche Gründe gibt es fürs Pendeln? Und welche Vor- und Nachteile bietet die lange Anfahrt? LeOn hat mit der Studentin Milena (23) über dieses Thema gesprochen. Sie pendelt seit drei Jahren fast täglich von Mainz an die Uni Frankfurt.

LeOn: Wie kam es dazu, dass du pendelst?

Milena: Ich habe mich in Mainz für Pädagogik beworben. Nachdem es mit dem Pädagogik-Studium in Mainz nicht geklappt hat, kam die Zusage von Frankfurt. Damals habe ich mich riesig darüber gefreut. Meine Alternative wäre ein Studium der Geologie und Paläontologie in Mainz gewesen, worauf ich weniger Lust hatte.

LeOn: Warum bist du nach der Zusage nicht nach Frankfurt gezogen?

Milena: Ich hatte schon seit anderthalb Monaten in einer WG in Mainz gewohnt und recht viel Geld in die Renovierung meines Zimmers gesteckt. Da wollte ich nicht gleich schon wieder raus. Außerdem waren auch meine ganzen Freunde in Mainz und ich habe ja zunächst auch angenommen, dass ich nach einem Semester nach Mainz wechseln werde.

LeOn: Doch dann ist…

Milena: …alles anders gekommen. Ich hatte mich inzwischen an den Ablauf und die Uni gewöhnt und nette Leute kennen gelernt. Ich hab vielleicht befürchtet, dass der Kontakt abbricht und ich vielleicht zu viel aufgebe. Ein anderer Grund war, dass mir die Struktur des Studiums in Frankfurt um einiges besser gefällt: Wir können unsere Kurse freier wählen und müssen im Vordiplom auch keine schriftlichen Klausuren schreiben, sondern eine Vordiplomsarbeit abgeben. Es hat also einiges dafür gesprochen in Frankfurt zu bleiben.

LeOn: Hast du denn schon einmal daran gedacht nach Frankfurt zu ziehen? 

Milena: Wenn ich ehrlich bin: Nein. Ich finde Frankfurt im Allgemeinen nicht ganz so schön. Es gibt zwar schöne Ecken, aber im Großen und Ganzen zieht mich außer dem Studium recht wenig dorthin. In Mainz fühle ich mich einfach besser aufgehoben. Hier  kenne ich mich aus und fühle mich sicher.
Ein anderer Punkt sind die Mietkosten in Frankfurt: Wenn man in einer einigermaßen anständigen Gegend wohnen will, muss man sehr viel zahlen. Außerdem bin ich in Mainz inzwischen mit meinem Freund zusammengezogen und möchte daher erst recht nicht weg.

LeOn: Du bleibst also beim Pendeln. Gibt es Dinge, die du am Pendeln besonders schätzt oder nervig findest?

Milena: Am Anfang hat es mich total genervt: Die Züge kommen nie pünktlich und sind immer mindestens fünf Minuten zu spät. Genau in der Zeit als der große Bahnstreik war, habe ich meine mündlichen Vordiplomsprüfungen gehabt und bin aus Angst nicht pünktlich da zu sein, fast drei Stunden früher gefahren. Wenn normal Uni war, bin ich in dieser Zeit manchmal sogar gar nicht gefahren, weil ich nicht am Ende den ganzen Tag auf dem Frankfurter Hauptbahnhof stehen wollte. Man gewöhnt sich mit der Zeit aber auch an das Pendeln. Mittlerweile kann ich in der Bahn recht gut entspannen. Ich lese dann oder höre Musik. Gerade zum Lesen, fehlt im sonstigen Alltag oft die Zeit. Auf Fachliteratur kann ich mich allerdings recht wenig konzentrieren. Wenn ich lese, dann Romane.

LeOn: Würdest du denn mehr an der Uni sein, wenn du in Frankfurt wohnen würdest?

Milena: Ja, ich wäre bestimmt mehr an der Uni. Ich würde dann sicher auch Veranstaltungen um 8 Uhr belegen. Ich packe mir den Stundenplan an einem Tag immer recht voll, damit ich nicht jeden Tag nach Frankfurt fahren muss. Für eine einzelne Veranstaltung an einem Tag, fahre ich nicht extra nach Frankfurt. Da bin ich dann für anderthalb Stunden insgesamt drei Stunden unterwegs. Das lohnt sich für mich einfach nicht. So muss ich leider oft auf interessante Veranstaltungen verzichten.

LeOn: Was schätzt du an der Studentenstadt Mainz besonders?

Milena: Ich kann hier zum Beispiel als Externe das Sportprogramm der Uni nutzen. Das ist auch um einiges vielfältiger als das Frankfurter. Hier kann ich beispielsweise Jazztanz für Anfänger machen und verschiedene Kampfsportarten. Außerdem sind die Sportangebote oft abends. Und nach dem Sport noch von Frankfurt nach Mainz zu fahren wäre mir dann doch zu viel. Hier bin ich in 10 Min. zu Hause. Das Gute ist ja, dass ich das Semesterticket der Uni Frankfurt auch in Mainz benutzen kann.

LeOn: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Sima Paydar.

 

Ablassbriefe am laufenden Band

Mai 22, 2008
Die 4.  Mainzer Museumsnacht lockte auch in diesem Jahr viele Besucher in die Innenstadt. Was gab es zu sehen und welche Programmpunkte haben sich die Museen für den nächtlichen Besucheransturm einfallen lassen? Ein Resumeé des Abends:
Museumsnacht, das bedeutet vor allem eins: viel Kunst und wenig Zeit. Für insgesamt 30 Museen und Galerien, die sich an der Museumsnacht beteiligen, kommt es am Samstagabend zwischen 17  und 1 Uhr darauf an, die Neugierde der  Besucher zu wecken und für ihre Kunst zu begeistern.

Mainzer Museumsnacht

Was den Besucher wohl erwarten mag? Lauter kunstinteressierte Mainzer, die sich auf den Straßen treiben lassen und hier und da ein Museumsbesuch einbinden? Riesige Schlangen vor den Eingängen? Gedränge? Geschuppse? Geschreie? Nichts von alledem. Das Stadtbild ist völlig normal für einen Samstagabend. Die Museumsnacht scheint sich nur wenig auf den Straßen abzuspielen. Womöglich soll die Museumsnacht nicht einem Volksfest gleichen. Und das tut sie auch keineswegs.

Großer Ansturm im Gutenbergmuseum

Was das Programm der Nacht angeht, hatten die Beteiligten wohl unterschiedliche Vorstellungen: Während das Schiffsmuseum sich, mit seinen eher mittelmäßigen Besucherzahlen, mit einer aktiven Programmgestaltung eher zurückhielt, sah es im Gutenbergmuseum schon anders aus. Wie erwartet war der Ansturm hier am größten. Klar, dass die Veranstalter darauf vorbereitet sein mussten. Es wäre eine große Blamage, wäre es nicht so gewesen. Musikprogramme und die Möglichkeit zur Herstellung eines eigenen Drucks, brachten Leben in den Museumsbesuch. Doch da auch diese Nacht irgendwann ein Ende haben würde, wurde im Akkord gedruckt. „Ablass- Drucke“ am laufenden Band. Doch am Ende zählte nur eins: die glücklichen Gesichter der Besucher, die sich nach ein paar Sekunden an der Druckerpresse sieben Jahre Fegefeuer ersparten.

Das Landesmuseum brilliert mit vollem Programm 

Ein ähnliches Bild bot sich dem Besucher im Landesmuseum. Hier war der Empfang - anders als in vielen anderen Museen – besonders herzlich. Gleich am Eingang wurden dem Gast ein Programmheft zur “Hundertwasser”-Ausstellung und eine Tüte für den Schirm überreicht. Nicht schlecht – fing es doch am späten Abend an zu regnen. Alles in allem zeigte dem Museum auf der Großen Bleiche ein Musterbeispiel an Programmgestaltung. Musikdarbietungen, Theaterstücke und ein Gewinnspiel – was sollte man mehr erwarten? Mit einem solchen Aufgebot konnten die kleinen Galerien natürlich nicht mithalten. Ihr Programm schien ohnehin auf nur wenige Besucher eingestellt gewesen zu sein.

Im Gegenteil zu den Mainzer Galeristen, waren die Veranstalter der Museumsnacht auf einen regelrechten Besuchersturm eingestellt. Mit den extra für die Museumsnacht eingesetzten Shuttlebussen sollte die Menschenmenge von einem Museum zum nächsten gekarrt werden. Schade nur, dass von den Bussen nicht viel zu sehen war. Keinerlei Beschilderung machte auf Haltestellen der Sonderbusse aufmerksam. So blieb ausgerechnet der Weg des gerade erst eröffneten Museums am Zollhafen manch einem Besucher verschlossen.

Wer was sehen will muss sich sputen

Die Museumsnacht - so scheint es - eine Nacht der Kompromisse. Alles kann der Besucher sich mit Sicherheit nicht anschauen, die große Auswahl kann einen unerfahrenen Museumsgast schnell überfordern. Die Frage, ob der Ausflug in die Kulturszene der Stadt ein zuvor nie entdecktes Interesse am Künstlerischen mit sich gebracht hat, mag sich manch einer an diesem Abend gestellt haben. Und was versprechen sich die teilnehmenden Aussteller? Natürlich mehr Besucherzahlen, alles andere wäre jenseits jeder Logik. Wenn man es jedoch in die Ausstellung geschafft hatte, hieß das noch lange nicht, dass man wirklich viel Zeit hatte sich in ausgiebiger Ruhe mit den Kunstwerken und Ausstellungstücken zu beschäftigen. Ein Museumsbesuch reihte sich an den nächsten. Zudem macht es eine große Menschenmenge vor wenigen Ausstellungsstücken nur schwerlich möglich einen Blick auf die wirklich interessanten Glanzstücke zu werfen.

Warum sollte man die Museumsnacht trotzdem eine gelungene Veranstaltung nennen können? Die Museumsnacht als solches ist mit Sicherheit nicht als Möglichkeit zu verstehen, sich 30 Museen und Galerien für einen Spottpreis von gerade mal 7 Euro anzuschauen. Auch diejenigen, die sich erhofften, zwischen Popcorn und Bratwürstchen das ein oder andere Hundertwassergemälde anzuschauen, wurden bitter enttäuscht. Das was die Mainzer Museen in dieser Nacht unbestritten geschafft haben, ist eines: einen Einblick in die Kunstschätze der Stadt, mit denen sich Mainz durchaus sehen lassen kann.

Onlinejournalismus und die Zeit

Mai 15, 2008

Es ist schon einige Monate her, da saß ich mit vielen weiteren Studenten in der Alten Mensa. Eine Verköstigung der Studenten findet hier schon lange nicht mehr statt. Stattdessen lauschten etliche Interessierte den Worten des Chefredakteurs der „Zeit“ und seinen Ausführungen über den „Qualitätsjournalismus im digitalen Zeitalter“. Was er wohl zu sagen hat? Das digitale Zeitalter?… Ist das nicht Internet und so? Doch genau bei diesen Fragen, die die Internetpräsenz der „Zeit“ betreffen, scheint der Chefredakteur immer auszuweichen. Seine Begründung: „Die Online-Präsenz hat ihren eigenen Chefredakteur.“ Ja, warum ist der dann heute nicht da? Die Zeitung werde überleben, hatte er beteuert. Doch was ist mit dem Onlinejournalismus? Überlebt er auch? Hat auch der Onlinejournalismus Qualität, die sich durchsetzt?

Was überhaupt ist Online-Journalismus? Zunächst einmal bietet Onlinejournalismus eine besondere Möglichkeit: Er gibt dem Leser die Gelegenheit, dem Journalisten ein direktes Statement zu seinem Artikel zu geben und seine eigene Meinung an derselben Stelle zu äußern, wie der Journalist selbst. Der Journalist wiederum bekommt möglicherweise das, was ihm im normalen Redaktionsalltag fehlt – eine zeitnahe und unzensierte Rückmeldung des Publikums. Eine Interaktion entsteht, die sonst in dieser Form in  den traditionellen Medien wahrscheinlich nicht möglich wäre.

Doch was macht den Onlinejournalismus sonst noch aus? Das Internet und damit auch der Onlinejournalismus bietet vor allem eins: Es ist  in ihrer seiner Aktualität nur schwer zu überbieten. Was bedeutet das für den Journalisten? Er ist seinen Lesern verpflichtet, nah am Tagesgeschehen dran zu bleiben und möglichst schnell die wichtigsten Informationen zur Verfügung zu stellen.

Und was heißt das nur für den Chefredakteur der „Zeit“? Muss er sich Gedanken machen um sein geliebtes Blatt? Lesen wir die Zeitung nur noch aus Nostalgie-Gründen? Wohl kaum, denn genau das, was beim Onlinejournalismus ein Vorteil sein kann, kann sich auch als Nachteil herausstellen. Zeitdruck und Ausrichtung der Berichterstattung auf den Leser, sind das, was dem Onlinejournalismus zum Verhängnis werden könnte. Artikel werden möglicherweise überstürzter und unreflektierter verfasst und das Wissen darum, dass die eigene Arbeit öffentlich in unzähligen Kommentaren verrissen werden kann, könnte manch einen Journalisten dazu bringen dem Publikum ausschließlich gefallen zu wollen.

Was der Onlinejournalismus in der Zukunft auch bringen mag, die Zeitung wird überleben. Wird es der Onlinejournalismus auch?

Fähigkeiten und Voraussetzungen des journalistischen Berufes

April 25, 2008

Wer einen Blick auf die Homepage des „Deutsche Journalisten-Verbands (DJV) riskiert, findet unter der Rubrik „Journalist/in werden“ folgenden Satz: „Eigentlich müsste es ganz einfach sein, Journalist/in zu werden. Dazu ist nicht einmal eine spezielle Ausbildung nötig.“ Wie der Journalisten-Verband ganz richtig formuliert, ist dies jedoch nur „eigentlich“ der Fall. Denn auch wenn für diesen Beruf keine spezielle Ausbildung vor-geschrieben wird, wäre es jedoch nicht für jedermann empfehlenswert das nächste Regionalblättchen aufzusuchen, um sich als neuer Mitarbeiter vorzustellen.

Da ich mich noch nicht entschlossen habe, ob ich Journalistin werden möchte, werde ich mich in diesem Artikel der Frage widmen, warum sich jemand für den Beruf des Journalisten entscheiden sollte und welche Fähigkeiten und Voraussetzungen meines Erachtens dafür notwendig sind.

Welche romantischen Vorstellungen ein angehender Journalist auch haben mag, und welche Vorbilder und Mentoren ihn auch leiten mögen, bestimmte Fähigkeiten für diesen Beruf sind - auch bei dem innigsten Wunsch Journalist werden zu wollen - einfach unerlässlich. Natürlich sind auch meine Vorstellungen von dem Beruf des Journalisten möglicherweise zu romantisch und an einigen Stellen in hohem Maße idealistisch. Es handelt sich hierbei jedoch lediglich um eine sehr persönliche Annahme.

Formale Voraussetzungen für den angehenden Journalisten sind zunächst einmal sprachliches Geschick und gute grammatikalische Kenntnisse. Besitzt er diese Fähigkeiten, ist der erste Grundstein für eine journalistische Laufbahn gelegt. Doch derjenige, der diesen Berufzweig lediglich wählt, weil er fehlerfrei ein Diktat schreiben kann, ist hier wohl fehl am Platz. Auch andere Charaktermerkmale und Kompetenzen sollten vorhanden sein. Neugierde ist wohl eine von ihnen. Die Fähigkeit sich geradezu für jedes Thema begeistern zu können, ist fast täglich unter Beweis zu stellen, denn es wird sehr wahrscheinlich jedem Journalisten mal passieren, dass er für Themen recherchieren muss, die nicht im geringsten zu seinen bevorzugten Interessen gehören. Sind die Recherchetätigkeiten abgeschlossen, ist es von großer Bedeutung, dass er in der Lage ist, seine Informationen so zu Papier zu bringen, dass sie dem Leser verständlich erscheinen.

Bei einigen der Fähigkeiten würde ich mir sicher sein, diese nicht erfüllen zu können, andere wiederum würde ich mir jedoch durchaus zutrauen. Daher kann ich nicht vollkommen ausschließen, dass auch ich mich eines Tages in diesem Berufszweig versuchen werde.