Archiv für die Kategorie ‘lenabassermann’

„Zwei-Klassen-Mediengesellschaft“ oder Verlust der Meinungsvielfalt?

Juni 13, 2008

 

von Lena Bassermann

Die Öffentlich-rechtlichen: Mehr Freiheiten zur Sicherung der Grundversorgung und Qualität
In der deutschen Medienlandschaft wird dieser Tage heftig gestritten. Für Diskussionsstoff sorgen der Entwurf zur 12. Änderung des Rundfunkstaatsvertrages im Generellen und die Online-Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im Besonderen. Wie das bei Streitigkeiten bekanntlich so ist, gibt es zwei herausragende Positionen. Da sind zum einen die, die der ARD und dem ZDF viele Freiräume eingestehen wollen. Ihr großes Argument ist, dass die öffentlich-rechtlichen Anbieter ihrem Grundversorgungsauftrag nachkommen müssen. Grundversorgen mit Information, Bildung und Unterhaltung sollen sie die ganze Gesellschaft. Um das zu leisten sei in einer zunehmend konvergenten Medienlandschaft ein umfangreiches Internetangebot unverzichtbar – vor allem um die jüngere Zielgruppe zu erreichen. Genau das gelingt mit dem reinen Rundfunkangebot nämlich kaum noch.

Die Öffentlich-rechtlichen: Bangen um die jungen Zuschauer
Soll das belegt werden, bedarf es keiner großen Argumentationslinien, vielmehr lässt man am besten die Zahlen sprechen: Mehr als 90 Prozent der 14-29 Jährigen informieren sich regelmäßig im Internet. Bei einem Blick auf die Alterspyramide der öffentlich-rechtlichen Anstalten wird nachvollziehbar, was ARD und ZDF befürchten.  Der durchschnittliche ARD-Zuschauer ist 59 Jahre alt, der Durchschnitts-ZDF-Seher gar 61 – nah dran also am Mittel des Renteneintrittsalters (im Jahr 2006 lag das bei 63,3 Jahren). Sämtliche Versuche, das Programm krampfhaft zu verjüngen sind bislang kläglich gescheitert. Werde nun der Handlungsspielraum im Internet eingeschränkt, untergrabe das die Akzeptanz von ARD und ZDF bei jungen Menschen noch mehr. Außerdem seien die Angebote von ARD und ZDF ein Garant für Qualität. Die Befürchtung hier: Die Vielfalt des Internetangebots den privaten Anbietern zu überlassen führe zu einem Qualitätsverfall.

Politiker fürchten „Zwei-Klassen-Mediengesellschaft“
Schwer ist es nicht zu erraten, wer diese Position unterstützt. An prominenter Stelle zu nennen ist vor allen der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und SPD-Chef Kurt Beck. Der hat nämlich noch weitere Ämter inne. Als Verwaltungsratsvorsitzender des ZDF und Vorsitzender der Rundfunkkommission verwundert sein Engagement für einen Ausbau des dualen Systems auf den Online-Bereich nur wenig. Unterstützt wird das becksche Lager von sämtlichen Lobbygruppen und Regierungsmitgliedern. Sie sprechen gar von einer „Zwei-Klassen-Medienlandschaft“, wenn das öffentlich-rechtliche Angebot im Internet eingeschränkt würde, dem kommerziellen Rundfunk jedoch alles erlaubt sei.

Die Privaten: Wettbewerbsnachteile und Verstoß gegen die Grundidee der „Freien Presse“
An dieser Stelle kommt die Gegenseite ins Spiel. Gebildet wird sie - grob umrissen – von Oppositionsparteien, Interessensverbänden der IT- und Medienbranche, Verlegerverbänden und Privatsendern. Sie argumentieren vor allem mit der Gebührenfinanzierung. Durch diese seien die öffentlich-rechtlichen Anbieter nämlich komfortabel versorgt und müssten sich keine Gedanken ums Geld verdienen machen – ganz im Gegensatz zu den privaten Anbietern. Die fürchten ein Anwachsen der Meinungsmacht von ARD und ZDF und das kollidiere mit den Grundideen der freien Presse in Deutschland – die bewusst nicht den strengen Reglementierungen des Rundfunks unterworfen ist. ARD und ZDF sollen auf elektronische Presse verzichten, denn damit würden sie direkt mit den Angeboten der freien Presse in Konkurrenz treten und das bringe Wettbewerbsnachteile für die Verlage mit sich. Die Verlage verfügten schließlich nicht über GEZ-Gebühren, denn eine gebührenfinanzierte Presse gibt es schließlich nicht – und das mit Grund, nämlich der Sicherung der Meinungsfreiheit- und Vielfalt. Die parteiliche Besetzung der Rundfunkräte ist ein weiter Punkt, ebenso wie das Fehlen einer klaren Definition von „elektronischer Presse“. Hinzu kommt noch die Debatte um das EU-Wettbewerbsrecht.

Noch viele Fragen offen
Eine Menge offener Fragen also, von denen wohl zuerst klar festgelegt werden muss, wo die Grenzen des Handlungsspielraums der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbieter sind. Am Donnerstag haben die Ministerpräsidenten vorläufig enge Grenzen für ARD und ZDF gesetzt. Die endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus – bis dahin zeigen sich die Öffentlich-rechtlichen optimistisch, diese Grenzen ausdehnen zu können.

Warum folgten die Deutschen dem NS-Regime?

Mai 22, 2008

 

Von Lena Bassermann

 

16960 Abhörprotokolle auf 53000 Seiten: Forscher der Uni Mainz haben begonnen, die Ergebnisse eines außergewöhnlichen Lauschangriffs aus dem Zweiten Weltkrieg zu analysieren. Dabei steht die Mentalität der Menschen im Mittelpunkt: Warum folgten große Teile der Bevölkerung dem menschenverachtenden System des Nationalsozialismus? Professor Sönke Neitzel und sein Team, das Historiker aus München und Rom unterstützen, suchen nach Antworten. 

 

Knappe Quellenlage erschwerte Mentalitätsforschung bisher

Problematisch war bisher die knappe Quellenlage. Zwar gibt es viele Quellen, doch geeignetes Material ausfindig zu machen war meist schwer: In offiziellen Dokumenten fehlen persönliche Informationen, Tagebücher – ohnehin nur spärlich verfügbar – schrieben in der Regel nur Menschen mit einem höheren Bildungsgrad und Feldpostbriefe – zwar zu Genüge vorhanden – spiegeln in vielen Fällen eine verzerrte Realität wieder, da viele Soldaten ihre Familien nicht noch mehr beunruhigen wollten und daher den Kriegsalltag beschönigt darstellten.

 

 

Außergewöhnlicher Fund gibt neuen Impuls

Daher ist der Fund, den Neitzel vor sieben Jahren im britischen Archiv in London machte, umso bedeutsamer. Der Historiker stieß dort 2001 auf umfangreiche Aktenbestände des so genannten Combined Services Detailed Interrogation Centre (CSDIC). Diese Organisation hatte ab 1939 für Luftwaffe, Heer und Marine Informationen von feindlichen Kriesgefangen gesammelt – auch von Deutschen. „Dieser faszinierende Quellenbestand stellt die Forschung zur Mentalität sowohl der Wehrmacht als auch der italienischen Armee auf eine neue Grundlage“, sagte Neitzel.

 

Lauschangriff zur Vorstellung des Kriegsalltags

Die Abhörprotokolle entstanden in verschiedenen Lagern in Großbritannien, Ägypten, Italien und Frankreich. Die Gefangen wurden dort zum einen ausführlich befragt, zum anderen wurden sämtliche Gespräche, die sie mit anderen Inhaftierten in ihren Zellen oder in den Aufenthaltsräumen führten, abgehört und aufgezeichnet. Um die Gespräche auf militärische Themen zu lenken, setzte das CSDIC gezielt Gefangene als Spitzel ein. Und das mit Erfolg: Bereitwillig unterhielten sich U-Boot-Fahrer über ihre Erlebnisse oder Waffen-SS-Männer diskutierten über den Krieg im Osten und im Westen. Da die Männer sofort nachdem sie gefangen genommen worden waren in die Abhörlage gebracht wurden, waren ihnen die Kriegserlebnisse noch stark präsent – schließlich waren viele beinahe ums Leben gekommen. Nachvollziehbar also, dass ihr Bedürfnis, sich mit Menschen, die ähnliches erlebt hatten, auszutauschen, entsprechend groß war. In den meisten Fällen wussten die Gefangenen nichts von dem Lauschangriff.

 

Referenzrahmenanalyse hilft bei der Analyse

„Dieser Quellenbestand ist eine einzigartige Grundlage, um zu erklären, wie Soldaten die Extremsituation des Krieges wahrnahmen und deuteten“, sagte Neitzel. Die Abhörprotokolle seien eine ausgezeichnete Datenbasis, um sowohl die individuelle, als auch die gruppenspezifische Kriegswahrnehmung nachzuempfinden, erläuterte er weiter. Der Historiker bedient sich dabei dem Verfahren der so genannten  Referenzrahmenanalye. Dabei handelt es sich um einen Forschungsansatz aus der Psychologie: Menschen reflektieren nur einen geringen Teil ihres Handelns bewusst, meistens handeln sie aufgrund äußerer Umstände, die ganz unterschiedlicher Art sein können.

 

Drei Jahre Forschung auf dem Weg zu Antworten

Das Projekt des Mainzer Geschichtsinstituts wird voraussichtlich drei Jahre dauern. Während dieser Zeit wird das Forscherteam um Neitzel den umfangreichen Bestand an Abhörprotokollen erschließen, auswerten und interpretieren. Am Ende wollen sie beantworten können, warum so viele Deutsche bis Kriegsende dem nationalsozialistischen System folgten. „Weiterhin wird man wesentlich mehr darüber wissen, wie faschistisch die italienische Armee eigentlich gewesen ist“, beschreibt Neitzel ein weiteres Ziel der Untersuchung. Diese Frage gebe der Debatte über das Verhältnis der Deutschen und Italiener zum Nationalsozialismus neue Impulse.

Die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse: Der Abschied von Humboldts Idealen

Mai 15, 2008

 

von Lena Bassermann

 

 

Mehr Praxisnähe, internationale Mobilität und ein schnelleres Studium: Von der Umstellung der Studienabschlüsse auf Bachelor und Master können die Studierenden nur profitieren – glaubt man den Befürwortern der großen deutschen Hochschulreform. Eifrig bemüht sind die Universitäten des Landes, die Maßgaben, die 1999 mehr als 50 europäische Staaten im italienischen Bologna beschlossen haben, umzusetzen. Was früher Geschichte hieß, trägt nun mancherorts den Titel „General History“, Studienangebote werden eingedämmt und zusammengelegt – Umstrukturierung ist das große Stichwort. Und sie beeilen sich, die Verantwortlichen, denn der Zeitplan will eingehalten werden: 2010 soll der Bologna-Prozess abgeschlossen sein. Daran, dass dieses ehrgeizige Ziel erreicht wird, zweifeln jedoch mittlerweile nicht mehr nur noch die Kritiker.

 

Masterstudiengänge sind Mangelware
Vor allem die möglicherweise an ein Bachelorstudium anschließenden Masterstudiengänge wurden bislang stiefkindlich behandelt. Wer nach drei Jahren die Universität als Bachelor verlässt und sich für einen Masterstudiengang einschreiben möchte, dem begegnet eine klägliche Auswahl. Der Grund: Den Hochschulen fehlen die Mittel für umfassende Masterangebote.

 

“Untergang der deutschen Universität”
Nicht nur bei der Organisation der Reform werden Probleme deutlich. Es sind gerade Aufbau und Inhalt der Bachelor-Studiengänge, an denen sich die Verfechter des humboldtschen Humanismus stoßen. Als „Drama“ oder „Untergang der deutschen Universität“, als „Discount-Studium“ oder „kleine Rundreise durch die Uni“ bezeichnen Kritiker das Bachelor-Studium. Und ja, Wilhelm von Humboldt hatte sich das Studieren durchaus anders vorgestellt, als er 1810 die Berliner Universität gründete. Die stark reglementierten Bachelor-Studiengänge harmonieren nur wenig mit dem Ideal der Universität als Stätte der selbstständigen Wissensproduktion. Die Autonomie des Studiums muss wohl auf der Strecke geblieben sein – irgendwo in Richtung Bologna. Vom ersten Semester an zählen studienbegleitende Prüfungen für die Abschlussnote, da bleibt wenig Zeit um sich zu orientieren und sich mit dem Studentenalltag zu organisieren. Wer auf Bachelor studiert, muss wissen, was er will und das am besten vom ersten Tag an.

 

Humboldt’s Ideale adé 
Humboldt propagierte einst die Einheit von Forschung und Lehre. Zeit zum Forschen haben Lehrende in Zukunft kaum mehr, das bleibt einem elitären Kreis vorbehalten, der nicht den enormen Verwaltungsaufwand bestreiten muss. Berge an Bürokratie sind nämlich ein weiterer Nebeneffekt der Reform.
Europaweite Vergleichbarkeit soll mit den neuen Hochschulabschlüssen erreicht werden. Außensteuerung also, die den Studenten bessere Chancen auf dem europäischen Arbeitsmarkt ermöglichen soll. Auch Humboldt träumte von einer solchen Homogenität, doch nicht durch Abkommen zwischen Politikern, sondern durch den inneren Dialog der Wissenschaft sollte die erreicht werden.

 

Verbesserungsbedarf auf dem “Weg nach Bologna”
Fernab von Humboldts Idealen nähert sich der Abschluss des Bologna-Prozess an deutschen Universitäten dem Ende. Die Schwächen werden immer deutlicher. Zu hoffen bleibt, dass die Verantwortlichen diese erkennen und an ihrer Verbesserung arbeiten – damit die deutsche Hochschultradition 2010 nicht gänzlich „General History“ sein wird.

 

 

 

Noch mehr exzellente Forschung an der Uni Mainz

Mai 15, 2008

Das Exzellenzprojekt „Material Science Mainz“ – kurz: MAINZ -  hat die zweite Runde der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder erfolgreich überstanden. Konkret bedeutet das: MAINZ erhält sechs Millionen Euro Fördergelder um den naturwissenschaftliche Nachwuchs der Uni Mainz in Zukunft international konkurrenzfähig werden zu lassen. Mitte Mai wurde das Graduiertenkolleg offiziell eröffnet. Lena Bassermann sprach mit Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur in Rheinland-Pfalz.

 

 

Lena Bassermann: Das Graduiertenkolleg der Uni Mainz ist nun offiziell in die Exzellenzinitiative der Bundesländer aufgenommen. Was bedeutet das für die Johannes Gutenberg-Universität?

 

Doris Ahnen:   Für die Uni wird exzellente Forschung noch deutlicher sichtbar werden. Im Mittelpunkt steht hierbei die Nachwuchsförderung, was sehr gut für die Studierenden ist. Durch die Aufnahme in die Exzellenzinitiative wurde die Uni Mainz zu einem noch attraktiveren Standort.
 
Lena Bassermann: Bis im Jahr 2010 soll an den deutschen Universitäten die Umstellung der Studienabschlüsse auf Bachelor und Master abgeschlossen sein. Auch die Uni Mainz arbeitet verstärkt daran, die Maßgaben der Ziele, die in Bologna vereinbart wurden, umzusetzen.
 
Doris Ahnen: Die Umstellung ist notwendig, damit die rheinland-pfälzischen Universitäten auch in Zukunft international konkurrenzfähig bleiben. Dabei wurde darauf geachtet, die Vorzüge aus dem alten System zu übernehmen. Den Hochschulen des Landes ist das bisher gut gelungen.
 
Lena Bassermann: Im Zusammenhang der Umstrukturierung der Studiengänge wird von vielen Seiten Kritik laut: Das System wandle sich von der Bildung zur Ausbildung, die Lehre werde zu verschult und der zunehmende Zeitdruck führe gar zu psychischen Erkrankungen. Wie denken Sie darüber?
 
Doris Ahnen:   Man sollte sehr vorsichtig damit sein, psychische Erkrankungen mit den Bachelor/Master-Studiengängen in Verbindung zu bringen. Es ist nicht einfach, eine vernünftige Balance zwischen der Struktur der Studiengänge und den konkreten Belastungen herzustellen. Meiner Ansicht nach ist uns das jedoch in Rheinland-Pfalz sehr gut gelungen.
 
 
 

 

Online Journalismus – Der Medienmix als journalistische Herausforderung

Mai 13, 2008

 

 

„Ich hoffe es. Ich glaube. Leicht wird es jedoch nicht werden“ – so hat David Shaw, Publizist und Medienkritiker der Los Angeles Times, Mitte der 90er Jahre auf die Frage geantwortet, ob der Journalismus im Zeitalter des Internets überleben wird. Diese  Frage ist heute aktueller denn je.  Der Grund: Die Konvergenz der Medien. Konvergenz bedeutet Annäherung, gemeint ist die Annäherung der verschiedenen Medienmärkte. Die jahrzehntelang klar gezogenen Grenzen verwischen, werden überschritten. Zeitungen erscheinen beispielsweise nicht mehr nur in gedruckter Form, sondern haben in der Regel einen Internetauftritt. Dort informiert nicht nur ein bloßer Beitrag in geschriebener Form – im besten Fall illustriert mit ein bis zwei Bildern - den interessierten Besucher. Nein, Videos, Tonmitschnitte, umfangreiche Bildangebote und Verlinkungen zu thematisch verwandten Beiträgen liefern eine Art Informations-Service, den kein anderes Medium bieten kann. Online-Journalisten können mit relativ wenig Aufwand schneller, aktueller reagieren und publizieren als Journalisten in anderen Medien.

Wo Fortschritt und Veränderung stattfinden, ist meist die Kritik nicht weit – und die ertönt von vielen Seiten. Vor allem einen Qualitätsverlust des Journalismus befürchten die Kritiker. Beim Durchgehen ihrer Argumente tauchen zwei Befürchtungen besonders häufig auf. Zum einen führe die Schnelligkeit, mit der Redakteure ihre Beiträge dem Publikum anbieten können, zu einem Qualitätsverfall. Die Zeit für gründliche Recherche und sorgfältige Überprüfung der Fakten fehle. Zum anderen stelle die Vermarktung von Medieninhalten als Ware ein Problem dar. Die digital gespeicherten Inhalte, da nicht mehr nur an ein Medium gebunden sind, würden zur Ware. Diese Ware könnten ihre Besitzer – die Medienunternehmen – verkaufen oder mehrfach nutzen. Medieninhalte werden vermarktet und dienen nicht mehr nur dem Absatz des Mediums an sich, sondern von Produkten verschiedener Art.

Stress und Zeitdruck ist zweifellos für Online-Journalisten Alltag. Nicht vergessen dürfen sie dabei das journalistische Handwerkszeug. Die Recherche, den akkuraten Umgang mit Fakten und Meinungen. Gleichgültig ist dabei das Medium, denn die Journalistische Sorgfaltspflicht soll und darf in keinem Medium fehlen. Online-Journalisten muss es gelingen, den Medienmix zu bewältigen, denn dieser erfordert geistige Flexibilität. Sie müssen es schaffen, journalistische Fähigkeiten mit technischem Geschick zu vereinbaren. Die Geschwindigkeit des Internets ist gegenüber den anderen Medien sowohl Vorteil als auch Herausforderung. Gelingt es, diese Herausforderungen zu meistern ohne die journalistischen Grundsätze zu vernachlässigen, dann wird der Journalismus im Zeitalter des Internets überleben.

Warum werde ich Journalistin?

April 25, 2008

Journalist kann jeder sein. Das steht im Grundgesetz. Artikel 5 garantiert die Freiheit der Meinung in Wort, Schrift und Bild. Doch was tut ein Journalist? Als Auslandskorrespondent in der Tagesschau live zugeschaltet aus fernen Ländern über die aktuellsten Geschehnisse berichten? Für den Spiegel die großen Skandale aufdecken? Um die Welt jetten und seitenlange Reportagen verfassen?
So oder ähnlich stellen sich viele Menschen das Berufsbild des Journalisten vor. Klingt traumhaft, spannend und verlockend. Diese Vorstellungen könnten sicher schnell viele Zeitgenossen von der Zunft des Journalismus überzeugen – entsprächen sie der Realität. Die stellt sich jedoch eher so dar: Schlechte Bezahlung, unsichere Beschäftigungschancen, keine eindeutigen Ausbildungswege und unregelmäßige Arbeitszeiten sind nur einige Probleme, mit denen sich Journalisten oder die, die welche werden wollen, auseinandersetzen müssen. Die großen, aufregenden Jobs sind nur einem kleinen Kreis vergönnt, der Rest muss sich mit Zukunfts- und Perspektivängsten auf ständig wandelnden Medienmärkten auseinander setzen.
Warum dennoch Journalist werden? Für mich ist die Antwort einfach: Aus Leidenschaft. Aus der Leidenschaft am Schreiben. Dem Wunsch, die Welt zu beschreiben und Menschen über Ereignisse zu informieren. Journalisten lernen die unterschiedlichsten Menschen und deren Geschichten kennen, erhalten Einblicke in die verschiedensten Welten und sind kreativ. Journalismus ist vielfältig: Themen recherchieren, Informationen sammeln und für ein möglichst breites Publikum verständlich aufbereiten. Interviews führen, Meldungen bearbeiten, Nachrichten schreiben. Diese Vielfältigkeit an Einsatzgebieten, an Tätigkeiten und an Themen reizt mich. Journalismus lebt von der Aktualität und wird nie langweilig - diese Vielfalt und Abwechslung sind für mich die entscheidenden Gründe für eine Zukunft in diesem Berufsfeld. Nicht festgelegt zu sein auf ein festes Tätigkeitsfeld sehe ich nicht als Nachteil. Vielmehr sollte die unstetige Medienlandschaft als Chance begriffen werden, sich immer weiterentwickeln und weiterbilden zu können. Sich immer neuen Herausforderungen zu stellen, räumlich mobil zu sein und jederzeit neuen Arbeitssituation anzupassen – Flexibilität eben.
All das macht für mich das Journalisten-Dasein aus – auch ohne Leitartikel für die Süddeutsche Zeitung zu schreiben oder Radio-Sendungen bei der Deutschen Welle zu moderieren. Schön ist zwar die Vorstellung, aber nicht zwingend nötig, um die Leidenschaft für den Journalismus auszuleben. Journalist kann jeder sein. Ein guter Journalist wohl nur der, der von dem, was er tut, überzeugt ist.