Guts Pie Earshot - Was ein Cello mit Punk zu tun hat…
Juni 25, 2008Das musikalische Duo “Guts Pie Earshot” schlägt Brücken über sämtliche Musikklüfte und vereint Stilrichtungen wie Hardcore, Drum’n'Bass, Punk und Techno. Vor gut einem Monat haben sie das Open Ohr 2008 beschallt, nun sind sie wieder in Mainz, diesmal auf dem AstA-Sommerfest.
Was kann man von einer Band erwarten, die über sich selbst sagt, sie spielen “Punk ohne Gitarre”, “Drum’n'Bass ohne Bass” und “Techno ohne Technik”? Was kann man von einer Band erwarten, die nur aus Drums und Cello besteht? Was kann man von einer Band erwarten, deren Name frei übersetzt “Mut zur Mischung außerhalb der Hörgrenzen” bedeutet? Zugegeben: Alle Beschreibungen der Musik von Guts Pie Earshot klingen zwar abenteuerlich und spektakulär, klingen nach Einzigartigkeit - aber einen Sound kann man sich doch nicht wirklich vorstellen.
Im Anfang war das Flowerhouse
Aber ganz von vorne: Guts Pie Earshot gründen sich 1991 in Köln als “Punkband mit Cello” - selbst in den musikalisch fragwürdigen 90ern ein Kuriosum! Anfangs noch unter dem Namen Flowerhouse bekannt, pflegt die Band schon seit ihrer Entstehung enge Kontakte zur Hausbesetzer- und Bauwagen-Kultur, spielen auf deren Partys und Festen und machen sich in der Szene schnell einen Namen. 1993 stößt die Sängerin Anneke Pohl zu den bis dahin vier Musikern. Im gleichen Jahr ändern sie auch ihren Namen: Aus Flowerhouse wird Guts Pie Earshot.
Die Kölner Band gilt schon bald als Ausnahme-Act und wird selbst von Fachzeitschriften wie der Intro als musikalisches Bonbon gehandelt. Dokumentationen und Hörspiele verwenden ihre Musik, die fünf experimentieren in vielerlei Richtungen. Sie veröffentlichen CDs, spielen auf Szene-Partys und werden zur gefeierten Subkultur-Band. Doch trotz ihres Erfolges locken tausend Möglichkeiten der Entfaltung die einzelnen Mitglieder und so verlassen erst der Keyboarder Gunther Steudel und später auch Anneke Pohl die Band. Damit ist vorläufig ein Schlusspunkt gesetzt.
5 - 3 = Mehr als nur zwei Musiker
Mehr als zehn Jahre nach ihrer Gürndung, in denen es auch wieder still wird um die Band, feiern Guts Pie Earshot 2004 ihre Rückkehr – von den fünf mit Bass, Sampler, Drums, Cello und Gesang sind nur noch Patrick Cybinski am Cello und Jean Jacobi an den Drums übrig geblieben. Wer nun aber glaubt, die Band hätte an Kraft und Ausdruck verloren, der irrt: Mit einer Energie, die ganze Clubs zum Explodieren bringt und mit Musik, die in einer düster-melancholischen Weise Gänsehaut zaubert, vermischen die zwei Punk, Hardcore, Drum’n'Bass zu einer Musik von unbekannten Ausmaßen. Die Breakbeats, die Jacobi in übermenschlicher Geschwindigkeit aus den Drums herausholt, verbinden sich in myseriöser Art und Weise mit den unbeschreiblichen Klängen des Cellos. Es scheint, als wäre völlig neue Musik geboren.
So sehr man sich bemüht, Worte können die Musik von Guts Pie Earshot nicht fassen. Nicht nur das: Es scheint, als würde jede Beschreibung die Cello-Drums-Klänge nur gefangen halten. Denn wie der Name schon sagt, liegt Guts Pie Earshot weit abseits konventioneller Hörgewohnheiten und gradliniger Stilkategorien. Was kann man also erwarten von dieser Band? Mein Tipp: Nichts! Denn jede Vorstellung wäre eine Beleidigung für etwas, was man sich nicht vorstellen kann. Deshalb am besten selber anhören und die Hörgrenzen mal ordentlich durchmischen lassen.



