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Guts Pie Earshot - Was ein Cello mit Punk zu tun hat…

Juni 25, 2008

Das musikalische Duo “Guts Pie Earshot” schlägt Brücken über sämtliche Musikklüfte und vereint Stilrichtungen wie Hardcore, Drum’n'Bass, Punk und Techno. Vor gut einem Monat haben sie das Open Ohr 2008 beschallt, nun sind sie wieder in Mainz, diesmal auf dem AstA-Sommerfest.

Was kann man von einer Band erwarten, die über sich selbst sagt, sie spielen “Punk ohne Gitarre”, “Drum’n'Bass ohne Bass” und “Techno ohne Technik”? Was kann man von einer Band erwarten, die nur aus Drums und Cello besteht? Was kann man von einer Band erwarten, deren Name frei übersetzt “Mut zur Mischung außerhalb der Hörgrenzen” bedeutet? Zugegeben: Alle Beschreibungen der Musik von Guts Pie Earshot klingen zwar abenteuerlich und spektakulär, klingen nach Einzigartigkeit - aber einen Sound kann man sich doch nicht wirklich vorstellen.

Im Anfang war das Flowerhouse

Aber ganz von vorne: Guts Pie Earshot gründen sich 1991 in Köln als “Punkband mit Cello” - selbst in den musikalisch fragwürdigen 90ern ein Kuriosum! Anfangs noch unter dem Namen Flowerhouse bekannt, pflegt die Band schon seit ihrer Entstehung enge Kontakte zur Hausbesetzer- und Bauwagen-Kultur, spielen auf deren Partys und Festen und machen sich in der Szene schnell einen Namen. 1993 stößt die Sängerin Anneke Pohl zu den bis dahin vier Musikern. Im gleichen Jahr ändern sie auch ihren Namen: Aus Flowerhouse wird Guts Pie Earshot.

Die Kölner Band gilt schon bald als Ausnahme-Act und wird selbst von Fachzeitschriften wie der Intro als musikalisches Bonbon gehandelt. Dokumentationen und Hörspiele verwenden ihre Musik, die fünf experimentieren in vielerlei Richtungen. Sie veröffentlichen CDs, spielen auf Szene-Partys und werden zur gefeierten Subkultur-Band. Doch trotz ihres Erfolges locken tausend Möglichkeiten der Entfaltung die einzelnen Mitglieder und so verlassen erst der Keyboarder Gunther Steudel und später auch Anneke Pohl die Band. Damit ist vorläufig ein Schlusspunkt gesetzt.

5 - 3 = Mehr als nur zwei Musiker

Mehr als zehn Jahre nach ihrer Gürndung, in denen es auch wieder still wird um die Band, feiern Guts Pie Earshot 2004 ihre Rückkehr – von den fünf mit Bass, Sampler, Drums, Cello und Gesang sind nur noch Patrick Cybinski am Cello und Jean Jacobi an den Drums übrig geblieben. Wer nun aber glaubt, die Band hätte an Kraft und Ausdruck verloren, der irrt: Mit einer Energie, die ganze Clubs zum Explodieren bringt und mit Musik, die in einer düster-melancholischen Weise Gänsehaut zaubert, vermischen die zwei Punk, Hardcore, Drum’n'Bass zu einer Musik von unbekannten Ausmaßen. Die Breakbeats, die Jacobi in übermenschlicher Geschwindigkeit aus den Drums herausholt, verbinden sich in myseriöser Art und Weise mit den unbeschreiblichen Klängen des Cellos. Es scheint, als wäre völlig neue Musik geboren.

So sehr man sich bemüht, Worte können die Musik von Guts Pie Earshot nicht fassen. Nicht nur das: Es scheint, als würde jede Beschreibung die Cello-Drums-Klänge nur gefangen halten. Denn wie der Name schon sagt, liegt Guts Pie Earshot weit abseits konventioneller Hörgewohnheiten und gradliniger Stilkategorien. Was kann man also erwarten von dieser Band? Mein Tipp: Nichts! Denn jede Vorstellung wäre eine Beleidigung für etwas, was man sich nicht vorstellen kann. Deshalb am besten selber anhören und die Hörgrenzen mal ordentlich durchmischen lassen.

Vergiss Händel – Feuerwerksmusik zum Rumzappeln und Abspacken!

Juni 20, 2008

Am Wochenende lockt in Mainz das Johannisfest mit seinem kunterbunten Musikprogramm. Doch auch Wiesbaden bietet - zumindest am Montag - eine Veranstaltung, die sich sehen lassen kann.

Wer noch nicht ganz von der SWR 4-Schlagerbühne oder der dreistündigen Salsaparty als Abschluss des Johannisfests am Montag überzeugt ist , sollte den Sprung über den Rhein wagen und die Reduit in Mainz-Kastel besuchen. Dort steppt nämlich ab 18 Uhr nicht nur der Bär, sondern hoffentlich auch jeder, dessen Herz im Rhythmus von Ska und Rock Steady schlägt. Bei freiem Eintritt und einem gewaltigen Feuerwerk über dem Rhein verwandelt sich die Reduit in eine wilde Partyfestung.

Ska up your life!

Los geht’s mit Skambiance, 11 Musikern aus Belgien, die sich mit Leib und Seele dem Ska verschrieben haben. Die Instrumentalband gründete sich 2002 und besteht viel Blech, vielen Saiten und einem kleinen, feinen Rest aus Draufhauen, Rumklimpern und Zwischenrein-Gröhlen. Unter dem Motto „Party and skanking“ - übersetzt soviel wie feiern und ska-tanzen - brachten die elf seit 2004 den Ska in die belgischen Clubs und heizten dem Publikum mit meist selbstarrangierten Stücken ein. 2006 veröffentlichten sie ihr erstes Album „Ska up your life!“. Diesen Sommer werden sie vor allem auf Festivals und Konzerten in Belgien zu sehen sein. Allerdings legen sie einen kurzen Zwischenstop in der Reduit ein.

Urgestein von der Insel

Weiter gehts mit The Riffs aus London. Die fünf Musiker beschreiben ihre Musik selbst als „Funky reggae, soulful ska, get-up-&-dance music - exactly what you need for a great night out!” Mit Bass, Trompete, Saxophon, Drums, Gitarre, Keyboard und Gesang liefern die Briten einwandfreien Two-Tone-Ska, der die Beine zum Zappeln und die Reduit zum Kochen bringen wird!

„Swingin‘ Sixties“ auf Spanisch

Zum Schluss liefern die Pepper Pots eine gemütliche Swing-Variante der Musik ab. Drei anschmiegsame Frauenstimmen trällern neben Klassikern wie „Be my baby“ Wohlfühl-Lieder, Songs, die noch nach echter Musik aus echten Instrumenten klingen mit Texten, die so naiv und doch zweideutig daher kommen wie schon in den „Swingin‘ Sixties“. Die Spanier, die bei einem baskischen Label gerade ihr neues Album veröffentlichen, wecken Erinnerungen an Haarspray-Frisuren, Peticoats und unaufgeklärte Teenager, die im Mondschein in ihren Autos kuscheln.

Mal reinschauen kostet nichts

Wer noch nicht genug hat von der Umsonst-Bespaßung während dem Wochenende, der sollte sich den Montag abend in der Reduit nicht entgehen lassen. Mitfeiern kostet nichts und – seien wir mal ehrlich – man muss nicht mal Mainz verlassen…

Mainzer Märchenstunde - Heute: Fußballliebe

Juni 13, 2008

Es war einmal… einer, der hieß Jürgen. Der lebte in Mainz, rannte hinter Bällen her, umarmte Menschen in roten Hemdchen, jubelte und verzweifelte über Sportergebnisse und feierte am Ende doch immer wieder. Jeder in Mainz kannte Jürgen, jeder freute sich, wenn er ihn traf und jeder nannte ihn liebevoll Kloppo.

Mit 23 kam Kloppo das erste Mal nach Mainz. Es war Liebe auf den ersten Kick. Kloppo schenkte der Fußballtristesse der Landeshauptstadt unglaubliche 325 Zweitligaspiele voller Elan (übrigens ein Vereins-interner Rekord!) und Mainz schenkte ihm dafür mehr als 20.000 jubelnde Fans, die Kloppo zur Seite standen, in guten wie in schlechten Zeiten. Die gab es beide: Die schlechten, in denen der Verein als mittelmäßiger Zweitligist auf dem Feld herum dümpelte, und die guten, in denen er 52 Tore schoss (davon allein 4 in einem Spiel) oder in denen er nach Beendigung seiner aktiven Spielzeit zum Cheftrainer seiner großen Liebe befördert wurde.

Er gehört zu Mainz wie mein Name an der Tür

Kloppo plus Mainz gleich LiebeAls Trainer konnte Kloppo zeigen, was alles in ihm steckte: Innerhalb von drei Jahren erzog er die mittelmäßigen Spielfeld-Dümpler zu einer echten Profi-Mannschaft, die zwei Jahre in Folge nur knapp den Aufstieg verpasste, bis schließlich 2004 das Wunder wahr wurde - Die 05er zogen unter Jubelschreien und der Führung Kloppos in die erste Liga ein. Und nicht nur das, sie verteidigten dort standhaft ihren 11. Platz. Mit einem Spiel im UEFA-Cup-Wettbewerb 2005/06 war Höhepunkt der Beziehung Kloppo – 05 erreicht!

Von nun an war Kloppo in den Herzen nicht mehr zu ersetzen. Kein anderer Mainzer bekam je so viel Zuneigung und so viel Freibier. Was er dem Fußball gegeben hatte, gaben ihm seine Fans zurück. Und wenn er nicht gestorben ist, dann trainiert, feiert und trinkt er noch heute.

Time to say goodbye

Nun ja, leider enden so nicht alle Märchen, jedenfalls nicht die echten. Tatsächlich kam es vor wenigen Monaten zum Super-Größten Anzunehmenden Unfall (auch „Super-GAU“ genannt). Nachdem die 05er ihren Platz in der ersten Liga 2007 wieder verloren hatten, verkündete Kloppo in diesem Frühjahr, – nach 18 Jahren Mainz! - dass er, sollten sie nicht wieder aufsteigen, den Verein verlassen würde. Ein Aufschrei ging durch die Stadt. Trennung? Jetzt? Nach all den Jahren? Hatte man sich auseinandergelebt? Gab es eine andere (Stadt)? Nein, es war lediglich der Umstand, dass sein Vertrag auslaufe und es Zeit für einen Wechsel sei.

Und tatsächlich: Nach einem nervenzerreißenden Spiel, in dem Mainz am letzten Spieltag der Saison nur knapp den Aufstieg  verpasste, war das Ende der Beziehung besiegelt. Und so nahmen alle mehr als 20.000 Fans an einem lauen Sommerabend, in rot gewandet, von ihrem „Lieblings-Mainzer“ Abschied. Viele Tränen flossen, viele Stimmbänder wurden überstrapaziert und schweren Herzens sagte man Auf Wiedersehn.

We’ll be missing you

Alles hat eben einmal ein Ende. Und auch wenn von nun an ein anderer – wer eigentlich? - unsere Jungs in Zukunft trainieren wird, auch wenn Kloppo jetzt als fleißiges Bienchen in Dortmund arbeitet, so wissen wir doch alle: Kloppo bleibt in unseren Herzen und in unseren Erinnerungen der beste Mainzer, den es je gab!

PS: Übrigens war Dortmund nicht der einzige Verein, der Kloppo umworben hat. Hier ein Antrag aus dem Gästebuch der offiziellen Jürgen Klopp-Hompage:

„Hallo Herr Klopp, ich würde mich freuen, wenn sie der neue Trainer meiner Mannschaft werden. Ich spiele beim Tus Kappenstedt in der Bezirksliga A. Sie werden alle Freiheiten haben und können ein ganz junges Team neu aufbauen. Außer unsern Kapitän und Libero Jens Oetjen, der mit knapp 38 zwar der Dreh- und Angelpunkt unseres Team ist, aber jedoch seine Blütezeit schon hinter sich hat. Ich und meine Mannschaft würden uns sehr freuen. Wenn nicht können sie auch zum BVB gehen. Mit freundlichem Gruß Ingo Wietenschlecker“

Das Studiticket – Eine Liebeserklärung

Mai 28, 2008

Für alle, die ihr Studiticket lieben, so wie es ist.

Ich falle um 9 Uhr aus dem Bett, streife im Vorbeigehen das Bad und bin fünf Minuten später mit der ersten Tasse Kaffee an der nächsten Bushaltestelle. Linie 58 sei dank versacke ich eine Viertelstunde lang auf einem Sitz gleich neben einem anderen Studierenden, der in etwa so übernächtigt aussieht wie ich mich fühle, und kippe die warme braune Brühe in mich rein. Dass ich stattdessen nicht 40 Minuten lang zur Uni laufen muss, verdanke ich einem kleinen Papierfetzen „praktisch in Scheckkartengröße“, der ziemlich abgewetzt, zerknickt und schon ganz schön beschädigt tagtäglich in meiner Hosentasche steckt. Dieses kleine Ding – ich würde es zu gerne laminieren, damit es wenigstens einmal bis zum Semesterende hält – rettet mich Morgen für Morgen vor den unendlichen Qualen der Bewegung in der akuten Nachschlafphase und Nacht für Nacht vor dem trostlosen Weg allein durch die Neustadt.I love my \

Wehe dem, der meinen Papierfetzen ein teures unnötiges Ding schimpft! Teuer ist, jeden Tag eine Fahrkarte zu lösen oder literweise Sprit tanken zu müssen. Unnötig ist, sein Geld für die fünf Becher Kaffee im ReWi (Haus Recht und Wirtschaft) auszugeben, die man auch aus dem Pulver im heimischen Vorratsschrank kochen könnte. Tatsächlich ist es mit diesem Ding so: Vor- und Nachteile des Tickets halten sich nicht nur die Waage, nein, die Vorteile liegen klar auf der Hand: Insgesamt lassen sich durch das Zettelchen knapp 75% des Fahrpreises einsparen, es minimiert überfüllte Parkplätze auf dem Campus (liebe Autofahrer, ihr habt also auch etwas davon!), es schont die Umwelt und – dank Ticket und zumindest am Wochenende humaner Bus- und Bahnfahrpläne kommt auch der betrunkenste Studi sicher nach Hause. Vorausgesetzt er weiß, wann er aussteigen muss und schläft auf der Fahrt nicht ein.

Tatsache ist, dass nicht nur ich, sondern ein Großteil aller Studierenden ihren scheckkartengroßen Papierfetzen ziemlich gerne haben. Und wem die Solidarität als Grund für die Zahlung des Beitrags nicht reicht, sollte sich einmal Gedanken darüber machen, wem das Studiticket alles zu Gute kommt. Sich selbst wird er unter den Glücklichen bestimmt auch finden…

Das Semesterticket – Verkehrsrevolution in Deutschland

Mai 28, 2008

Täglich nutzen Studierende der Uni Mainz ihr Semesterticket. Doch was genau dahinter steckt, wie das Semesterticket funktioniert und das es regionale Unterschiede gibt, wissen nur wenige. Hier ein kleiner Überblick.

1991 stieg ein Studierender der Universität Darmstadt in ein öffentliches Verkehrsmittel und zeigte bei der Fahrkartenkontrolle das erste Mal sein Semesterticket. Was für uns heute alltäglich und völlig unspektakulär ist, war damals eine Revolution: Endlich bestand für Studierende, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind, eine Möglichkeit dies dank Solidarität der Studierendenschaft kostengünstig und umfassend zu tun. Das Darmstädter Modell – benannt nach dem Geburtsort – breitete sich äußerst erfolgreich an vielen Hochschulen Deutschlands aus und erreichte im Wintersemester 1994/1995 auch Mainz.

Das Solidar-Modell

In Mainz folgt das Semesterticket dem Darmstädter Vorbild: Im Namen der vereinigten Studierendenschaft schließt der AStA mit den ansässigen Verkehrsunternehmen einen Vertrag, in dem die Kosten für das Semesterticket so festgelegt werden, dass die Verkehrsunternehmen den Studierenden eine günstige Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ermöglichen können. Das ganze funktioniert allerdings nur, wenn alle Studierenden solidarisch den Beitrag bezahlen - unabhängig davon, ob sie das Semesterticket nutzen oder nicht. Deshalb kann sich auch nur der von der Beitragszahlung befreien lassen, der entsprechende Gründe nachweisen kann: Wer beispielsweise ein Auslandsemester macht, kann in Rücksprache mit dem AStA die Ausgaben für das Ticket erstattet bekommen. Ähnliches gilt für Schwerbehinderte, die bereits eine Fahrberechtigung besitzen. Mit 118€ ist das Mainzer Ticket vergleichsweise teuer, hat andererseits räumlich eine relativ hohe Ausdehnung.
Dass nicht alle Studierenden mit dem Solidarbeitrag glücklich sind, hat sich in der Vergangenheit schon mehrmals gezeigt: 1999 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht die Solidar-Regelung des Semestertickets, nachdem schon 1992 die Klage eines Duisburger Studierenden eingegangen war. Eine folgende Verfassungsbeschwerde lehnte das Bundesverfassungsgericht ab: Die finanzielle Belastung des Einzelnen sei durchaus zu verkraften im Hinblick auf die individuellen Vorteile und die der gesamten Studierendenschaft.

Das Sockelbetrags-Modell

Jedoch ist das Semesterticket nicht an allen Universitäten und Hochschulen gleich geregelt. Das Solidar-Modell ist zwar weit verbreitet, in Baden-Württemberg und ausgewählten anderen Hochschulen ist das Ticket aber über einen Sockelbetrag organisiert. Wie beim Solidar-Modell muss dabei jeder der Studierenden einen gewissen Beitrag, den Sockelbetrag, zahlen. Dieser berechtigt jedoch noch nicht zur Nutzungen des öffentlichen Verkehrs. Es muss zusätzlich noch das eigentliche Semesterticket
erworben werden. Ein solches Modell lässt jedem Studierenden die Möglichkeit offen, auf das Semesterticket zu verzichten. Ein gewisser Geldbetrag muss aber auch hier bezahlt werden. An bestimmten Hochschulen berechtigt der Sockelbetrag zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu festgelegten Tageszeiten und am Wochenende. Der Sockelbetrag schwankt zwischen 11€ in Albstadt-Sigmaringen und 50€ an der Technischen Fachhochschule Berlin. Ebenso unterschiedlich fallen auch die zugehörigen Ticketpreise aus.

Mainz und Umgebung locken – zu jeder Tages- und Nachtzeit

Wer mit dem Solidar-Betrag hadert, weil er ein Auto besitzt oder lieber auf dem Fahrrad unterwegs ist, sollte das Studiticket trotzdem nicht unterschätzen: Gerade für die Autofahrer bietet sich dank reger Ticketnutzung anderer Studierender eine Entspannung der Parkplatzsituation. Außerdem sollte gerade in Zeiten von Klimadiskussionen und grüner Politik nicht außer Acht gelassen werden, dass der öffentliche Nahverkehr wesentlich umweltfreundlicher ist als das Auto. Für Radfahrer gilt: Fahrrad einpacken, mit dem Zug die Außenbezirke des Tickets ansteuern und dort die Umgebung erkunden. Die (fast) ausnahmslose Möglichkeit der Fahrrad-Mitnahme im gesamten Ticketbereich gestattet Fahrradtouren auch mal außerhalb des Bezirks Mainz-Wiesbaden und lädt im Sommer ein, diverse Badeseen – auch die entfernteren wie der Silbersee in Bobenheim-Roxheim – zu besuchen und dort die Sonne zu genießen.

Wer Fragen zum Thema „Semesterticket“ hat, ist mit der Homepage der MVG gut beraten. Auf http://www.studiticket.de sind alle Einzelheiten zum Mainzer Ticket aufgeführt und leicht zu überblicken.

Die Sonne scheint mir ins Ohr…

Mai 15, 2008

Alljährlich an Pfingsten verwandelt sich die Zitadelle in Mainz in ein kleines Hippie-Festival, das Open Ohr. Neben Musik, Fressständen und der festivaleigenen Shoppingmeile finden sich hier aber auch Workshops und Diskussionsforen, die das Festival zu einem der letzten politischen in Deutschland machen.

Es ist 22.32 Uhr. Meine Knie werden weich, mein Puls rast, in meinem Bauch kribbelt es vor Aufregung. Neben mir johlt und pfeift es, trotz der kühlen klaren Nacht schwebt eine Hitze über der Menge, die die Luft mit dem Geruch von Schweiß und Alkohol erfüllt. Und dann halte ich es nicht mehr aus: Die tiefen rollenden Bässe reißen mich mit und ich fange an wild und exzessiv zu tanzen. Mit geschlossenen Augen erahne ich, dass auch die anderen 1000 Menschen um mich herum angefangen haben, sich zu bewegen. Die Musik von Asian Dub Foundation erfüllt meinen Kopf und ich nehme einen tiefen Zug von der festivaldurchräucherten Luft. Röchel röchel-hust! Hilfe, was passiert denn jetzt? Offenbar können 1001 Menschen ganz schön was lostreten, zumindest wenn es um den Staub geht, der vor der Hauptbühne bis eben noch den Boden bedeckt hat -

Moment – Staub? Seit wann staubt es auf dem Open Ohr? In der kollektiven Erinnerung der meisten Festivalbesucher rutscht man hier im Schlamm aus, trägt vier Tage lang vom Regen durchweichte Klamotten und versucht mit aller Kraft, das undichte Zelt vor den anströmenden Wassermassen zu schützen, die jedes Jahr genau an Pfingsten aus dem Himmel fallen. Aber dieses Mal ist das anders. Die Sonne lacht über Mainz und brutzelt das gesamte Festivalpublikum gut durch.RockBuster auf dem Drususstein

Gleichbleibendes Wetter, ständig wechselndes Programm

Mit dem Duft von Sommer in der Nase lässt es sich fantastisch übers Festivalgelände schlendern, vorbei an kulinarischen Hochgenüssen und Shoppingständen voller unbrauchbarer, aber irgendwie verlockender Gegenstände, und wo es gefällt, fläzt man sich ins grüne Gras und genießt. Oder man quetscht sich in das – zu Recht – völlig überfüllte Zelt, wo Jess Jochimsen einen Spruch nach dem andren raushaut, über “Onganieren” (das Aufbauen schwedischer Möbel verbunden mit Rückenmarksschmelze) und seinen Nazi-Opa philosophiert, und eine Stunde lang das Publikum Tränen lacht. Oder man setzt sich auf die lauschige Lichtung oben am Drususstein und genießt den Filmklassiker „Das große Fressen“. Egal, was man tut, dieses Wochenende lässt sich einfach in vollen Zügen leben.

Politik zum selber machen und Interesse wecken

Allerdings kann man auf dem Open Ohr nicht nur – wie das Thema „Geld Gut Güter“ glauben machen könnte – sorgenfrei konsumieren und vier Tage lang alle halbwegs intelligenten Gedanken ausschalten. Das besondere am Open Ohr ist seine nach 34 Jahren ungebrochene Vielfalt an künstlerischem, aber auch politischem Angebot. Es schafft einen eigenen kurzzeitigen Mikrokosmos, wo über mögliche andere Welten philosophiert und diskutiert wird und wo man kritische, aber auch liebevolle Blicke auf unsere Gesellschaft wirft. Hier trifft man nicht auf politische Elite, Leute, die ohne Lernwert für den Konsumenten Dinge von sich geben. Hier sitzen Menschen, die man gestern noch hinter der Kasse an der Tankstelle oder beim Müll-raustragen getroffen hat, und reden über Dinge, die sie für wichtig halten. Denn hier zählt der Mensch und seine Meinung.

Es ist 22.34 Uhr. Ich tanze immer noch wild und exzessiv – allerdings fünfzig Meter weiter hinten. Raus aus Staub und Enge genieße ich jetzt die Musik, die mich noch viel mehr berauscht als die zwei Gläser Rum-Cola, die seit einer halben Stunde in meinem Blut-Kreislauf zirkulieren. Der Bass, der von der Bühne in meinen Körper fließt, lässt nichts anderes zu als Energie und spätestens jetzt weiß ich: Hier ist es schön, ich bleib für immer!

Mein Blog

Mai 9, 2008

Es ist 18:32. Das heißt, es ist höchste Zeit für eine Revolution. So sieht das auch 7Whistles, Blogger aus Leidenschaft und Kämpfer für seine Meinungsfreiheit. Deshalb sitzt er am 27. Mai um 18:32 in seinem Studentenzimmer und diskutiert und blogt, was das Zeug hält.

Offiziell steht zwar jedem von uns das Recht zu, seine eigene Meinung frei zu äußern – aber wer hat schon die Möglichkeit, sich bei anderen Gehör zu verschaffen. Außer vielleicht bei den Nachbarn, die dank Wänden aus Papier sowieso jedes Wort mithören. Also, Zeit für eine Revolution! Und dank Internet und einer kleinen, nicht ganz so neuen Errungenschaft namens Weblog sind den Revolutionären auch alle Werkzeuge für den Siegeszug der neuen Pressefreiheit gegeben.

Bisher bedeutete Journalismus Recherchieren, Schreiben, Redigieren und am Ende kommt hoffentlich etwas dabei raus, das als Text, Ton oder Bild was her macht. Online-Journalismus dagegen hat seine ganz eigenen Blüten getrieben: Neben den altbewährten Formen von journalistischen Hinterlassenschaften kommt seit geraumer Zeit eine neue Kategorie dazu, mal als Tagebuch eines einsamen Teenagers, mal als Erfahrungsbericht aus Krisengebieten der Erde. Der Weblog avanciert sowohl unter Journalisten als auch unter Normal-Sterblichen (und auch bei allen Zwischenmenschen) langsam aber sicher zum Ausgangspunkt multimedialer Revolution, zum Ort der real existierenden Meinungsfreiheit. Und damit wird der Blog, zumindest aus Sicht einer jungen, noch unetablierten Journalistin zur großen Chance des Online-Journalismus: Er gibt jedem, der einen Internetzugang und einen PC besitzt, die Möglichkeit journalistisch tätig zu werden, ohne auf Qualifikationen, Erfahrungen oder redaktionelle Linie zu achten. Vor dem Blog sind alle gleich.

Natürlich darf man eins nicht übersehen: Auch der Neonazi und die krankhaft Magersüchtige, die Gleichgesinnte suchen, sind vor dem Blog gleich. Mit den Chancen, die uns der Online-Journalismus bringt, steigen auch die Gefahren. Denn wo jede Meinung ungefiltert verbreitet wird, bleiben auch extreme und beängstigende Meinungen nicht fern. Doch aufgrund von Ängsten seine eigene Freiheit zu beschneiden, widerspricht jeder Logik: Was entkräftet eine gefährdende Meinung mehr als die breite Öffentlichkeit, die sich ihr mit Mut und geistiger Überlegenheit gegenüberstellt?

Vor 176 Jahren sind 30.000 Revolutionäre für das Recht der Meinungs- und Pressefreiheit auf ein kleines Schloss in meiner Heimatstadt gezogen. Heute ziehen weit über 20 Millionen Menschen ins Internet und bloggen für die gleichen Rechte. Und ihre Zukunft sieht viel versprechend aus.

„W-a-r-u-m w-e-r-d-e i-c-h J-o-u-r-n-a-l-i-s-t-i-n-?“

April 25, 2008

bonny2punkt0 denkt nach

Es ist 12.13 Uhr, Freitag. Meine Haare sind nach dem Waschen ziemlich fusselig und kitzeln mich im Nacken. Draußen bauschen sich schmutzigweiße Wolken am Himmel. Vor meiner Zimmertür wuselt jemand durch den Gang, ab und an heult der Staubsauger vor sich hin, ich sitze an meinem Schreibtisch, umgeben von dreckigen Tellern und vier Gurkengläsern, in denen nur noch grünlich-braunes Wasser schimmert. Tick-tack, tick-tack, tick-tack klickert der Zeiger meiner Uhr und sagt mir, dass mit einer unbarmherzigen Beständigkeit die Zeit magerer wird.

Vor sieben Tagen und ungefähr zwanzig Stunden hat das Unheil angefangen: Ich soll schreiben, warum ich Journalistin werde. Schon beim Lesen der Aufgabe breitet sich in meinem Hirn eine Leere aus, die mich ein bisschen an eine gotische Kirche erinnert – massive Mauern, unendlich hohes Gewölbe und darin geschätze 100.000 Kubikmeter staubfreier, gegenstandsloser, absolut leerer Raum. Ich setze mich also zu Hause hin und das schneeweiße Monster glotzt mich an. „W-a-r-u-m w-e-r-d-e i-c-h J-o-u-r-n-a-l-i-s-t-i-n-?“ 31 Zeichen, wunderbare Leistung – nur noch 2469 vor mir. Und immerhin hat das Monster jetzt schon mal Augenbrauen. Leider hat ihm das in den letzten sieben Tagen und ungefähr 19 Stunden nichts von seiner Grauenhaftigkeit genommen. Aber jetzt müssen die 2469 Zeichen raus. Und so, klumpig und zäh wie schlecht gerührter Teig, tropfen die Wörter aufs Papier. Tick-tack, tick-tack. Denk nach, warum wirst du Journalistin? Tick-tack, tick-tack. Eigentlich gibt es doch viele Gründe… tick-tack, tick-tack. So, jetzt reicht’s! Mit einem sauberen Kick befördere ich meinen Wecker durch das Fenster nach draußen. Nach ein paar Sekunden höre ich vier Stockwerke tiefer auf der Straße ein leises Splittern und ich weiß, dass das Monster sein erstes Opfer erlegt hat.

Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht, ob ich Journalistin werde, noch ehrlicher, ich weiß auch gar nicht, ob ich Journalistin werden will. Aber dafür wussten meine Eltern schon, als ich zwei Jahre alt war, dass ich am schnellsten einschlafe, wenn man mir Geschichten erzählt. Geschichten, Gedichte, Novellen und Tragödien – nichts nimmt mich so gefangen wie die Sprache und nichts gibt mir so ein warmes, wohliges Gefühl wie die Eleganz der Worte. Ich könnte mich stundenlang suhlen in den literarischen Ergüssen von Max Frisch und Simone de Beauvoir. Die Welt um mich herum zu beschreiben, macht sie für mich erst greifbar. Unter einem Baum zu liegen und die Sonne zu spüren, wie sie durch die grünen Blätter auf meine Haut fällt und alles so frisch riecht, wird für mich erst dann vollkommen, wenn ich in meinem Kopf die angemessenen Worte dafür finde.

Vielleicht sollte ich lieber Hartz-IV-Empfängerin werden und den ganzen Tag Bücher lesen. Aber wer weiß schon mit zwanzig, was man sollte? Ich weiß nur, dass ich jetzt schnell zur Uni sollte, um mein Seminar nicht zu verpassen. Und vielleicht sollte ich unten vor meiner Haustür noch mal anhalten und meinem Wecker Sterbehilfe leisten…