Archiv für die Kategorie ‘annelie’

Zurück in den Alltag

Juli 3, 2008

Jetzt ist sie vorbei – die Zeit der Europameisterschaft 2008. 23 Tage voller Höhen und Tiefen, voller Zittern und Jubeln. Die Leinwände werden abgebaut, die Fahnen aus den Fenstern entfernt und langsam geht wieder alles seinen gewohnten Gang.

Anfangs standen Zweifel – Kann das deutsche Team gegen die europäischen Topnationen bestehen? Erreicht Klose seine Turnierform? Wird man diesmal über die Vorrunde hinauskommen? Man erhoffte sich eine ähnliche Euphorie wie vor zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft.
Der 2:0-Sieg im Auftaktspiel gegen Polen sorgte für Jubelstürme. Alle waren sich sicher: Diesmal würde es besser laufen als bei der letzten Europameisterschaft! Man freute sich auf eine Zeit mit Public Viewing und Autokorso. Nach dem Spiel gegen Kroatien, das die deutsche Elf mit 1:2 verlor, sank die Stimmung bei den Fans auf den Tiefpunkt: Hatte sich die Mannschaft unbewusst auf dem Sieg ausgeruht? Würde man nun doch in der Vorrunde ausscheiden?

Flick im Rampenlicht

Rund 26 Millionen Zuschauer fieberten während des letzten Gruppenspiels gegen Österreich vor den Bildschirmen mit. Jogis Jungs zogen mit einem 1:0- Sieg ins Viertelfinale ein und sorgten so für Freudenschreie.
Geschrei gab es auch im Bezug auf den Schiedsrichter: Er verbannte die Trainer Löw und Hickersberger aufgrund mehrmaligen Verlassens der Coachingzone auf die Tribüne. Die Disziplinarkomission der UEFA entschied: Sperre des Trainers auch für das kommende Spiel! Und so stand Hansi Flick beim Match gegen Portugal ganz alleine am Spielfeldrand. Mit drei Toren schoss sich die deutsche Elf ins Halbfinale und in die Herzen der Fans.

Sechs Tage später kam es zum Spiel gegen die türkische Nationalelf. In Vorhinein wurde vor massiven Ausschreitungen gewarnt, die jedoch bis auf einige Ausnahmen ausblieben. In den meisten Städten feierten die Anhänger beider Teams friedlich miteinander. Die deutschen Fans zitterten: Einerseits aufgrund der dramatischen Schlussminuten, andererseits wegen technischer Probleme – zwischenzeitlich gab es weder Bild noch Ton. Trotz einer suboptimalen Leistung, konnte Jogis Elf das Spiel nach einem Rückstand drehen und gewann mit 3:2. Fans, Trainer und Mannschaft jubelten. Dann der Schock: Ballacks Wade machte Probleme. Würde der Kapitän im Finale spielen können?

Finaaaleee

Am Final-Sonntag drängten die Fans bereits vier Stunden vor Anpfiff zu den Public Viewing-Plätzen und diskutierten über möglichen Ersatz für den „Capitano“. Rund sechzig Minuten vor dem Spiel gegen Spanien dann die erlösenden Worte durch Oliver Bierhoff: Ballack wird spielen!

Das EM-Finale begann vielversprechend. Eine starke deutsche Mannschaft dominierte die ersten zehn Minuten das Geschehen. Doch dann kam langsam aber stetig die Wende: Fehlpässe und verpasste Chancen führten zu Unsicherheit bei der deutschen Elf und einem Aufleben der spanischen Mannschaft. In der 33. Minute dann der Schock: Torres traf zum 1:0. Das deutsche Team schaffte es in der ersten Halbzeit nicht mehr, ins Spiel zu finden. Nach der Pause musste Lahm raus – Fleischwunde am Fuß – und Löw setzte auf Offensivspieler. Ab der 60. Minute kam Jogis Elf nach einer Torchance von Ballack kurz zurück, schaffte es jedoch nicht, die Spanier zu bezwingen. Die letzten Minuten waren geprägt von Daumendrücken und kollektivem Atemanhalten. Am Ende jedoch half alles nichts: Deutschland verlor das Finale und wurde Zweiter. Was blieb, waren geknickte Fans und gemischte Gefühle.

Enttäuschung und Freude gehen die Tage Hand in Hand: Enttäuschung darüber, dass es nicht ganz zum Titel gereicht hat und die Freude überhaupt so weit gekommen zu sein. Deutschland hat den zweiten Platz belegt und eine Zeit voller Emotionen ist zu Ende. Fahnen, Trikots und Tröten werden in den Schrank verbannt. Der Alltag ohne Fußball, Fernsehanalysen und Fangesänge zieht wieder ein. Aber nur bis zum 15. August: Dann startet die neue Bundesligasaison!

Die Nacht der Nächte

Juni 19, 2008

Vom 20. bis zum 23. Juni 2008  ist es wieder soweit: Die Mainzer Innenstadt verwandelt sich in eine bunte Landschaft aus Bühnen, Fahrgeschäften und Imbissständen. Rund 500.000 Besucher werden zur 41. Johannisnacht erwartet.

Die Mainzer Johannisnacht ist eng mit Gutenberg und der Druckkunst verbunden. 1967 wurde das Fest erstmals von der rheinlandpfälzischen Landeshauptstadt veranstaltet. Hintergrund war es, die Person Johannes Gutenberg bei den Mainzern wieder in Erinnerung zu rufen.
Jährlich lockt das Fest mit seinem vielfältigen Programm zahlreiche Menschen von nah und fern nach Mainz.

Kabarett, Künstler und Konzerte

Auf sechs großen Bühnen in der Innenstadt zeigen Musiker und andere Künstler vier Tage lang ihr Können. Vom SWR4 Schlagerabend auf dem Liebfrauenplatz – dieses Jahr mit dem „Dschungelstar“ Bata Illic - bis hin zur Salsa Party wird dem Publikum ein breites Musikspektrum geboten.

Auf der Bühne am Ballplatz kommen Kabaratt-Fans auf ihre Kosten. Am Freitag startet hier die 5. Mainzer Kabarettnacht mit Comedian Sven Hieronymus und dem Mainzer „Fastnachter“ Christian Schier. Zu den diesjährigen Highlights zählen der Auftritt von Kalle Pohl und Ingo Appelts Show „Retter der Nation“.

Auch für die kleinen Mainzer wird einiges geboten: Es gibt Clownerie - Filous Seeräuberstreiche - sowie einen Kindernachmittag auf der SWR1-Bühne am Bischofsplatz. Hier erwartet die Kleinen am Sonntag ab 15.00 Uhr Kinderschminken, eine Malstation und der Tigerentenclub mit Günther Kastenfrosch.

Die Buchdruckertaufe

Für viel Aufsehen sorgt von jeher auch die Buchdruckertaufe, das so genannte „Gautschen“, vor dem Gutenberg-Museum. Es handelt sich um eine Tradition aus dem Buchdruckerhandwerk: Ehemalige Auszubildende der Branche werden in einen großen Wasserbottich eingetaucht – hierbei sollen Sünden und Bleistaub aus der Lehrzeit abgewaschen werden – und so in die Zunft der „Schwarzkünstler“ aufgenommen.

Rund um das Gutenberg-Museum, im zugehörigen Druckladen sowie am Ballplatz finden zudem diverse themenbezogene Aktionen statt: Drucktechniken werden demonstriert, Papier geschöpft und auf dem Johannis-Büchermarkt können Liebhaber antiquarischer Bücher nach wertvollen Schätzen stöbern.

Winzerdorf & Spitzenköche

Erfischen und stärken kann man sich im Winzerdorf auf dem Domplatz oder auch beim Mainzer Culinarium. Die Gourmetmeile, auf der Spitzenköche die Gaumen verwöhnen, erstreckt sich entlang des Rheins vom Fischtor bis hin zum Weintor. Neben leckeren Speisen erfreuen ausgesuchte Weine und Winzersekt das Genießerherz. Den Programmhöhepunkt bildet der Auftritt des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz auf der RPR 1 Bühne am Rheinufer.
Angrenzend an das Mainzer Culinarium geht es dann eher rasant zu: Es lockt die Mainzer Messe mit Fahrgeschäften und anderen Attraktionen.

Wer sich trotz Essen weitertreiben lassen möchte, kann sich an einem der zahlreichen Imbissstände in der Innenstadt und am Rheinufer eine Kleinigkeit zum Mitnehmen holen. Der Duft von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln lädt zum Genießen ein.
Ihr Ende finden die Festlichkeiten am Montagabend in einem gigantischen Feuerwerk über dem Rhein.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass der Stargast – Johannes Gutenberg – rechtzeitig zum großen Fest wieder an seinem Platz steht…

Ein Meer aus Fahnen

Juni 12, 2008

Ein Team, 23 Spieler, 4 Trainer und 26 Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen: Am Sonntag besiegte die deutsche Nationalmannschaft im Rahmen der Europameisterschaft 2008 den Gegner Polen mit 2:0. Mehrere hundert Fans feierten den Sieg am Rheinstrand in Mainz.

Um 17.30 Uhr ist von der großen Fan-Menge noch nicht viel zu sehen. Vereinzelt sichtet man am Rheinufer Menschen in schwarz-weißen Trikots. Einige aalen sich in Liegestühlen und erfrischen sich mit einem kühlen Getränk.

Trotzdem sind die Sitzmöglichkeiten am Rheinstrand bereits erschöpft. Wer eine halbe Stunde vor Anpfiff des 18.00 Uhr-Spiels - Kroatien gegen Österreich - auftaucht, muss stehen oder sich mit einer geliehenen Decke (5€ Pfand) einen geeigneten Platz im feuchten Sand suchen. Die Leinwand steht – entgegen der Ankündigung – nicht im Wasser, sondern auf festem Grund. Dies trübt die Stimmung jedoch keineswegs: Eine Gruppe Kroaten singt aus voller Kehle und schwenkt die weiß-rot-blauen Fahnen. Die deutschen Fans diskutieren über das Spielverhalten der kommenden Gegner.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Während die Kroaten 1:0 gegen Österreich gewinnen, füllt sich die eingezäunte Sandfläche langsam und spätestens um 20.00 Uhr badet man in einem Meer aus schwarz-rot-goldenen Fahnen. Gespannt warten alle auf das Spiel zwischen dem deutschen und dem polnischen Nationalteam.

In der Zwischenzeit schallen Fußball-Lieder aus den Boxen. Comedian Sven Hieronymus verkündet die Aufstellung der deutschen Elf und unterhält das Publikum. Sowohl deutsche, wie auch polnische Fans stärken sich mit Pommes (2,50€), Cocktails (5€), Softdrinks (3,50€) oder Bier (4€). Vom eingefleischten Fußballfan mit Schal und Fahne bis hin zur temporären Fußballbegeisterten mit „Halbzeitschnittchen“-Top ist jeder dabei.

Tor, Tor, Toooor

Um 20.45 Uhr ist es endlich soweit: Anpfiff in Klagenfurt! Nun gibt es auch Ton zum Bild – statt Partymusik. Zunächst erklingt noch die Nationalhymne und die Fangesänge reißen auch den Letzten mit. Gebannt verfolgen die Fans am Rheinstrand wie Lukas „der Prinz“ Podolski zwei Treffer gegen die polnische Mannschaft versenkt. Bei jeder Torchance geht ein Raunen durch die Menge. Es folgt ein kollektives Atemanhalten, das schließlich in lautes Jubelgeschrei übergeht – Gänsehautfeeling pur! Auch ein kurzer Nieselregen kann die Stimmung nicht zerstören. Es wir gesungen, gefachsimpelt und gelacht.

Direkt nach dem Spiel wird wieder auf Partymusik umgestellt. Wer sich die folgenden Interviews und Analysen des ZDF-Trios Kerner, Meier und Klopp anhören möchte, kommt somit nicht auf seine Kosten. Man lässt sich gutgelaunt von der grölenden Menge nach draußen treiben – vorbei an Liegestühlen, T-Shirt-Shop und Torwandschießen.

Ein gelungener Abend, der zeigt: Gemeinsam lässt es sich besser feiern als alleine vor dem Bildschirm! Deshalb auch die Aufforderung von Christina Stürmer in ihrem offiziellen EM-Song: „Wir haben Fieber, komm fieber mit…“

 

Kommentar: Suchst Du noch oder grillst Du schon?

Juni 5, 2008

Tag für Tag hetzen wir von einem Ort zum anderen, von einer Verpflichtung zur nächsten – von der Uni zur Arbeit, vom Haushalt zum Date. Ab und an gönnen wir uns eine kleine Verschnaufpause, doch wirklich stressfrei ist unser Studenten-Alltag selten.
Und wenn doch mal ein freier Tag winkt, hat der Stress noch lange kein Ende: Vieles will geplant sein. Um einen gemütlichen Grillabend mit Freunden zu verbringen, muss der geeignete Ort gefunden werden. Eigener Balkon oder Garten existieren für den gemeinen Studenten nicht. Wo also grillen? - Am Rhein!

Getränke und Fleisch werden in die Kühltasche befördert, Salate angerichtet. Auf der Wiese wird lachend der Grill zusammen geschraubt. Aus Männern werden kurzerhand wieder kleine Jungs, die Mädels sonnen sich. Über allen schwebt der Geruch von Kohle und Gegrilltem. 
Aber Moment, war da nicht was?

Richtig: Seit 2007 begegnet man nur noch auf einigen ausgewählten Uferabschnitten fröhlichen Grill-Fans. Die Stadt Mainz ist den Beschwerden der Anwohner nachgekommen und hat ein Verbot ausgesprochen. Grillen ist seitdem ausschließlich auf der Ingelheimer Aue und dem Winterhafendamm erlaubt.

Dies führt dazu, dass viele Mainzer immer häufiger unter Kühltasche, Bierkästen, Klappstühlen, Decken und Grill schwitzen und schnaufen – auf der Suche nach einem Stückchen freier Wiese. Irgendwann stürzen sie sich mit letzter Kraft auf ein verbleibendes Plätzchen um dann erschöpft niederzusinken. Eingekeilt zwischen liegenden, sitzenden und stehenden Menschen wird das Grillvergnügen schnell zur Qual. Erholungsfaktor? Sehr gering.

Und was ist jetzt mit uns Studenten? Wir sitzen den ganzen Tag in der Uni, kämpfen um die wenigen Plätze am Fenster mit exklusivem Luftzug, um dann in eine aufgeheizte Dachgeschosswohnung zu kommen (Mist, schon wieder vergessen die Rollos runterzulassen!) und rückwärts wieder rauszutaumeln. Doch wohin? Wo sollen wir uns vom Uni-Stress erholen? Die verbleibenden Grillmöglichkeiten sind abends schnell erschöpft. Also müssen neue Lebensräume erschlossen werden – Eisdielen und Kneipen, wir kommen!

 

Wir wollen Fußball, Tore, Bratwurst und ein Bier!

Juni 4, 2008

Public Viewing zur EM 2008 in Mainz

Langsam werden die Fans nervös… Alle nötigen Vorbereitungen sind schon getroffen: Die Fahnen ausgepackt, Balkons und Autos geschmückt, Lieder einstudiert und die Gegner analysiert.

Dank der Ausnahmeregelung zum Lärmschutz, die der Bundesrat am 23.05.08 bewilligte, ist es möglich: Während der gesamten Zeitspanne vom 7.- 29. Juni kann man vor diversen Leinwänden feiern, singen und mitfiebern.

8. Juni: Jogis Truppe gegen die Nationalmannschaft aus Polen

Wer keine Lust hat, sich das Spiel zu Hause anzusehen, kann am Rheinstrand (zwischen Theodor-Heuss-Brücke und Hilton Hotel) zusammen mit rund 4000 anderen Fußballverrückten dem Spielverlauf folgen. Auf einem großen Fernsehwürfel (6,7m x 8,7m) mitten im Rhein werden alle EM-Spiele live übertragen. Wer einfach „mitgeschleppt“ wird, kann sich die 90 Minuten aber auch mit Sonnenbaden, Cocktails und Beachvolleyball vertreiben.

Etwas überschaubarer, aber nicht weniger spannend wird es im KUZ (Dagobertstr. 20b) mit bis zu 400 Gästen. Hier steigt am 8. Juni die DASDING-EM-Party mit Bratwurst, Bier und einigen Specials. Auch die anderen EM-Spiele werden live auf einer Großleinwand übertragen.

Und wer Fußball pur erleben möchte – ohne Sand und DJs – kann dies u.a. im Domsgickel (Grebestr. 16), im Sixties (Große Langgasse 11), direkt auf dem Campus im Kulturcafé oder in diversen anderen Sportsbars.

Egal, wo der Wettkampf verfolgt wird: Spannend wird es auf alle Fälle. Es heißt also Daumen drücken und hoffen, dass es diesmal besser läuft als 2000 und 2004…

 

Verflucht und zugerollt - Römische Geschichte sehen, hören und erleben

Mai 21, 2008

Zwischen BiBA und Subway, fünf Meter unter der Römerpassage, versteckt sich ein Stück römischer Geschichte: Die Taberna archaeologica.

„Es ist Abend geworden in Mogontiacum. Euer Kalender nennt diesen Tag den 21. Dezember 69 n. Chr. […]“ So beginnt die Geschichte des Claudius Secundus, der man in der Taberna archaeologica in regelmäßigen Zeitabständen lauschen kann.
Damals, zur Zeit Vespasians, hieß Mainz noch Mogontiacum und die Römerpassage war noch lange nicht erbaut. An ihrer Stelle, nahe der damaligen Hauptstraße, befand sich ein Heiligtum zu Ehren der Göttinnen Isis und Magna Mater.

Der römische Götterkult

Den Vorsitz im damaligen Götterhimmel hatte Jupiter Optimus Maximus, zusammen mit seiner Gemahlin Juno und seiner Tochter Minerva. Dieses Dreiergespann nicht zu ehren, wurde schwer bestraft. Ansonsten stand es jedem frei, seine eigenen Schutzgötter zu wählen. Auch andere, fremdländische Gottheiten waren mit der Zeit Teil der römischen Kultur geworden. So wurde der Magna Mater- Kult anlässlich des Zweiten Punischen Krieges (205 v. Chr.) in Rom eingeführt. Man erhoffte sich von der Fruchtbarkeitsgöttin aus dem kleinasiatischen Raum Hilfe, die man Jupiter nicht zutraute.

Jedes Kaiserhaus hatte zur damaligen Zeit seine eigenen Schutzgötter. Als Vespasian  an die Macht kam, wählte er Isis zu seinem persönlichen Schutze. Die Göttin, welche als „Mutter der Pharaonen“ gilt, hatte er zuvor während eines Aufenthalts in Ägypten kennen gelernt.

Ihr und Magna Mater zu Ehren errichtete eine freigelassene Sklavin das Heiligtum – finanziert oder vielleicht sogar im Auftrag von Kaiser Vespasian.

1930 Jahre später: Die Wiederentdeckung

Im Verlauf von Umbauarbeiten an der damaligen Lotharpassage (heutige Römerpassage) stieß man unerwartet auf die Überreste des Heiligtums, sowie auf einen darunterliegenden Bestattungsplatz aus der Hallstattzeit (ca.700 v.Chr.).

Die Ausgrabungen dauerten etwa 17 Monate und endeten Anfang 2001. Ursprünglich war geplant die Funde zu entfernen und an einem anderen Ort auszustellen. Doch aufgrund einer Unterschriftenaktion der Initiative Römisches Mainz e.V. wurde das Heiligtum lediglich um einige Meter versetzt. Es folgte die Umbenennung der Lothar-Passage in „Römerpassage“. Am 30. August 2003 wurde die Taberna archaeologica mit einem großen Fest eröffnet.

Der Eingang befindet sich im Erdgeschoss der Römerpassage. Über einige Stufen gelangt man in einen abgedunkelten Raum, in dessen Zentrum sich die Überreste des Heiligtums befinden. Auf Glasstegen können die Besucher die Mauerreste umrunden. An den Wänden befinden sich mehrere Schaukästen und Vitrinen mit kleineren Fundstücken: Vom Öllämpchen über Weihgaben bis hin zu Tonfiguren gibt es allerhand zu bestaunen.

Das Interesse ziehen vor allem die Fluchtäfelchen auf sich. Es handelt sich um Bleitafeln, die mit Bitten an die Götter beschriftet und anschließend zusammengerollt wurden. So wünschte ein Römer einem seiner Mitmenschen „[…] bösen Sinn, bösen Tod, solange er leben wird damit er sieht, daß er mit dem ganzen Körper stirbt – außer den Augen […]“ Die Verfasser der Schriften wollten generell unbekannt bleiben, da Verwünschungen nach römischem Recht untersagt waren.

Die Präsentation, ein Erlebnis der Sinne

Multimediale Technik ermöglicht den Besuchern des Isis-Heiligtums in das Leben der damaligen Zeit einzutauchen: Ein Hörspiel über die Saturnalien – ein römisches Fest zu Ehren des Gottes Saturn - und eine Filmproduktion über Zauberpuppen, sowie Diaprojektionen der Göttin Isis ermöglichen eine Reise der Phantasie.
Thomas Engelbert besucht das Heiligtum bereits zum zweite Mal: „Es ist toll hier, weil es von der Aufmachung her nicht wie ein normales Museum ist. Durch die verschiedenen Elemente der Präsentation entsteht ein Eindruck, der wirklich ein Gefühl für die Zeit von damals vermittelt.“

Lenkt der Besucher den Blick nach oben, so sieht er den Sternenhimmel aus dem Jahre 69. Mit hunderten von Lämpchen wurde er originalgetreu nachgebildet. Die Informationstafeln, welche im Raum verteilt sind, geben Auskunft über Kulte, Mythen und Riten der damaligen Zeit. Während sich die Älteren mit der römischen Geschichte befassen, können die jüngeren Besucher an einem Computerterminal spielerisch lernen. Unter anderem ist es ihnen möglich die Schwierigkeiten von Ausgrabungsarbeiten mit Hilfe von einigen Klicks nachzuempfinden.

Plötzlich ertönt dann wieder der Monolog des Claudius Secundus, in dem er von den Saturnalien erzählt. Er spricht von den Festlichkeiten und den damit verbunden Opfergaben: „Keiner nimmt an diesem Tage ohne zu geben.“ Und so halten es auch die meisten der rund 100 Besucher am Tag: Sie nehmen viele neue Eindrücke und Informationen mit und geben dafür am Ausgang eine freiwillige Spende - der Eintritt ist kostenlos – für die Initiative Römisches Mainz e.V., um so unter anderem den Erhalt des Heiligtums zu sichern.

„OpenOhr ist im Verein am schönsten!“

Mai 14, 2008

Dieses Motto begleitet die inzwischen 60 Mitglieder des OpenOhr-Fördervereins. Seit 1995 kämpfen sie Jahr für Jahr für die Erhaltung des Festivals. Auch diesmal waren sie wieder aktiv an der Ausrichtung des OpenOhr beteiligt.
Karl Schlieker, 1. Vorsitzender des Fördervereins, sprach mit Annelie Schneider über Aufgaben, Ziele und sein persönliches Highlight.

Annelie Schneider: Was macht das OpenOhr-Festival so besonders und unterstützenswert?

Karl Schlieker: Das OpenOhr ist als politisches Kulturfestival ein Lichtblick in der kommerzialisierten Festivallandschaft. Mit der einzigartigen Verbindung von Musik, Theater, Kabarett, Film, Diskussionen und Workshops an vier Tagen zu einem aktuellen Thema ragt das Festival wie ein Leuchtturm in der kulturellen Einöde auf.

Wie und wann kam es zu der Idee einen Förderverein zu gründen?

Freunde des OpenOhr haben sich im September 1995 zu einem gemeinnützigen Verein zusammengeschlossen, um das Überleben des Festivals zu sichern, nachdem es politisch zur Disposition gestellt wurde.

Was sind die Aufgaben und Ziele des Fördervereins?

Der Verein unterstützt derzeit das Festival vor allem finanziell. In diesem Jahr flossen 4.500 Euro für verschiedene Veranstaltungen wie „Konsum Skurril“ mit Rolf Schwendter (Wort), Jess Jochimsen (Kabarett), Kleingeldprinzessin & Die Stadtpiraten (Musik) und das Theater GegenStand – „Die meisten Selbstmorde geschehen sonntags“. Aber auch die Beratung der Projektgruppe (soweit möglich und gewünscht), die politische Unterstützung durch Kontaktpflege mit Mandatsträgern und die Mitgliederwerbung zählen zu den Aufgaben des Vereins. Der Verein will das Open Ohr als politisches Kulturfestival erhalten, die Autonomie der Programm gestaltenden Projektgruppe verteidigen und die Zitadelle als Festivalort sichern.

Was empfanden Sie beim diesjährigen OpenOhr-Festival als besonderes Highlight?

Highlights waren für mich persönlich „Konsum skurril“ mit Rolf Schwendter und „Turbostaat“.

 

Megabit trifft Semikolon

Mai 8, 2008

Weblogs, Wikis, Podcasts - Tag für Tag verbringen tausende von Journalisten damit diese Begriffe mit Inhalten zu füllen. Vom hauptberuflichen Journalisten bis hin zur mitteilungsbedürftigen Hausfrau bietet das Internet jedem die Chance, Beiträge zu verbreiten.

Heute, im Zeitalter der Technik möchten wir alles schnell, zu jeder Zeit, an jedem Ort und am Besten ohne große Kosten und Aufwand. Genau diese Eigenschaften machen das Internet so interessant für den Journalismus. Das Web bietet den Rezipienten ein weit verzweigtes Netz von Informationen jeglicher Art. Sein Charakter gewährleistet es jedem, umfassende Inhalte aus verschiedensten Quellen zu schöpfen. Gleichzeitig ermöglicht es Interaktion und Kommunikation.

Viele Arbeitsvorgänge wie Recherchieren, Schreiben und Redigieren decken sich mit denen einer herkömmlichen Redaktion. Allerdings verschafft das World Wide Web ungeahnte Möglichkeiten - sowohl den Journalisten, als auch den Usern. Im Gegensatz zu Printmedien und Rundfunk können online Daten aller Art veröffentlicht werden: Texte, Fotos, Videos, Audíodateien – den Redakteuren sind keine Grenzen gesetzt. Sie können eine multimediale Welt schaffen. Hyperlinks erlauben es den Rezipienten zudem, sich selbst durch das Angebot zu navigieren. Aktive Teilnahme ist den Usern auch durch das Veröffentlichen eigener Beiträge in Blogs und Chaträumen ermöglicht. Im Internet lassen sich nahezu unbegrenzt Beiträge veröffentlichen und das immer aktuell und von jedem Ort aus.

Allerdings bringt das Medium „Internet“ nicht nur Vorteile mit sich, sondern stellt die Redakteure ebenso vor neue Herausforderungen: Theoretisch ist einer Online-Redaktion kein Redaktionsschluss gesetzt, in der Realität sieht das anders aus. Gerade die Möglichkeit der absoluten Aktualität verpflichtet die Journalisten, wichtige Ereignisse sofort oder möglichst zeitnah zu veröffentlichen. Auch der Leseprozess am Bildschirm unterscheidet sich von dem der Printmedien: Er ist ermüdender, die User scannen die Beiträge anstatt sie komplett zu lesen. Diese Umstände zwingen Online-Redakteure dazu kürzere, prägnantere Sätze zu formulieren. Neben journalistischen Fähigkeiten sind nun auch Computerkenntnisse gefragt. Das Bereitstellen von Inhalten im Web ist ohne grundlegendes Wissen über Software genauso wenig möglich wie das Rezipieren derselbigen.

In den letzten Jahren hat sich das Internet zu einem gleichberechtigten Medium entwickelt. Täglich nutzen Millionen von Menschen weltweit ihren Computer um Beiträge zu lesen, zu hören, zu sehen oder um eigene Inhalte zu veröffentlichen. Der Online-Journalismus hat sich als wichtiger medialer Zweig etabliert und ist aus der heutigen Medienwelt nicht mehr wegzudenken.

“Weil es mir Spaß macht…“

April 25, 2008

Warum will ich Journalistin werden? Eine gute Frage, mit der ich mich bislang noch nicht intensiv auseinandergesetzt habe. Irgendwann in meinen jungen Jahren habe ich das wohl spontan für mich entschieden. Vielleicht, weil das Schreiben schon immer zu meinen Leidenschaften gehörte; Möglicherweise, weil mein Vater für eine Zeitung arbeitet- ich weiß nicht mehr, was der Auslöser war.

Momentan weiß ich auch nicht genau, ob ich überhaupt in den Journalismus möchte, oder doch lieber in die Öffentlichkeitsarbeit oder Werbung. Augenscheinlich befinde ich mich in einer Orientierungsphase. Davon habe ich bereits unzählige hinter mir. Zeiten, in denen ich plötzlich gar nichts mehr weiß: Schreiben? Fotografieren? Oder doch etwas ganz Anderes? Irgendwie klingt dann immer Alles interessant - und doch Nichts richtig gut. Ich habe schon mit einer Grafikdesign- Ausbildung geliebäugelt, wollte kurzzeitig Maskenbildnerin werden.

Bisher bin ich allerdings immer wieder zum Journalismus zurückgekehrt. Sei es, weil ich auf ein Thema gestoßen bin, über das ich gerne berichtet hätte - sei es, weil ich einen Artikel gelesen habe, der vor Fehlern strotzte und ich es besser machen wollte. Oder lediglich, weil ich Journalisten auf einer Pressekonferenz gesehen habe und gerne einer von ihnen gewesen wäre.

Es ist ein außergewöhnliches Gefühl kontinuierlich neue Informationen zu recherchieren und zu beobachten, wie sich jedes noch so kleine Teilchen langsam - wie in einem Puzzle – zu einem Ganzen fügt. Am Ende steht dann schließlich der vollständige Artikel mit all seinen Zusammenhängen und Hintergründen. Bildungsreform und Bundeshaushalt, Modenschauen und Musicals, Glücksgefühle und Genialitäten: Als Journalistin habe ich die Möglichkeit interessante Themen aus unterschiedlichsten Bereichen zu recherchieren und sie in Wort und Bild darzustellen. Ich kann Artikel schreiben, die den Leser informieren und gleichzeitig Spaß machen - mal ernsthaft und informativ, dann wieder humorvoll und unterhaltend.

Mit dem Journalismus interessiere ich mich für ein Berufsfeld, das es ermöglicht, abwechslungsreich zu arbeiten, interessante Menschen zu treffen und nahe am aktuellen Geschehen mitzuwirken. Als Schnittstelle zwischen Ereignissen und Lesern stehe ich täglich vor der Herausforderung aus jedem Thema das Beste herauszuholen.

Warum ich Journalistin werde? Eine gute Frage. Nachdem ich darüber nachgedacht habe, weiß ich: Weil es das ist, was mir Spaß macht!

von Annelie Schneider