Kinder(mädchen) an die Macht

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“Alle Mann an Deck, Schiff in Sicht!”, ruft laut der kleine Joshua (3), der schon wieder dabei ist, Pirat zu spielen. Schwerte, Äxte und Kanonenkugeln sind im Einsatz und warten darauf, benutzt zu werden. Sein Gegner ist in Gefahr. Das Spiel zählt zu Joshuas Lieblingsbeschäftigungen. Heute ist er wieder der Kapitän und darf gleich angreifen. Das fremde  Schiff nähert sich, und der andere Pirat ist zu sehen. Es ist  sein Kindermädchen. Jetzt wird gekämpft. Wie es zu diesem Kampf  gekommen ist?

Ausschnitt eines Märchens

Es war einmal ein Mädchen, dass sich sehr einsam fühlte und die Welt erforschen wollte. Sie wollte etwas neues erleben und neue Länder kennen lernen. In einer Zeitung las sie folgendes: „Wir sind eine nette, liebevolle Familie mit zwei Kindern und suchen nach einem Mädchen, das kinderlieb ist und auf unsere beiden Schätze aufpassen kann“. Das Mädchen hielt diese Meldung in der Hand und überlegte sich kurz, ob es die richtige Entscheidung sein würde, wenn sie einwilligt. Lange musste sie aber nicht überlegen, weil mit dieser Meldung auch ihr Traum wahr werden könnte. So ein Zufall, dachte das Mädchen. Es hatte schon viele Filme gesehen, die ganz ähnlich wie ihre Geschichte waren. Das Drehbuch von einer Familie mit Kindern, ein Mädchen voller Träume und …das Ungewisse.

Aller Anfang ist schwer

Es ist eine große Herausforderung, einen neuen Schritt im Leben zu wagen, besonders, wenn dieser Schritt von jemandem fordert, schnell erwachsen zu werden.

Es ist eine große Herausforderung, eine neue Entscheidung zu treffen, wenn diese mit ungewissen Konsequenzen verbunden ist.

Es ist  eine große Herausforderung, als Kindermädchen zu arbeiten und die Rolle einer Mutter zu übernehmen. Die Rolle, die ihr nicht bekannt ist und nicht erlernt werden kann.

Jeder Anfang ist schwer. Da sind die kleinen Babys, die laufen lernen müssen. Da sind die kleinen Kinder, die mit der Zeit versuchen, die Regeln ihrer Eltern zu beachten. Da sind die Jugendlichen, die lernen, dass sie für ihre Handlungen Verantwortung tragen sollen. Da sind die Eltern, die sich an die neuen Lebensumstände gewöhnen müssen, wenn sie eine Familie gründen und Kinder großziehen. Da sind aber auch die Kindermädchen, die es lernen müssen, mit unbekannten, neuen, schwierigen Situationen umzugehen und dabei die Ausdauer nicht zu verlieren.

Um sich an die neue Lebenslage anzupassen, braucht man vor allem Geduld und Motivation. Jeder von uns weiß aus Erfahrung, dass Übung den Meister macht. Die größte Schwierigkeit liegt also daran sich sicher zu sein, dass die Zeit gekommen ist, ein neues, ungewisses Kapitel im Leben aufzuschlagen.

Auf Entdeckungsreise

Wenn wir uns was zutrauen, dann werden wir es auch schaffen. Weil uns kein Wunsch gegeben ist, ohne dass uns nicht auch die Kraft verliehen wird, ihn zu verwirklichen. Und wenn wir uns bewusst  sind, welche Wünsche wir haben und was uns glücklich macht, werden wir es schaffen, diese zu erfüllen. Nur wenn wir uns diese Wünsche vom ganzen Herzen erhoffen, werden sie auch in Erfüllung gehen. Weil alles, was aus dem Herzen kommt, mit Erfolg endet.

Die Frage besteht nur darin, was uns im Leben wichtig ist und was wir mit unserem Leben anfangen wollen.

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, müssen wir genau wissen, wo unsere Fähigkeiten liegen. So unterschiedlich wir Menschen auch sind, so unterschiedlich sind auch unsere Ideologien und Interessen. Und nicht jeder ist dazu fähig, sich mit Situationen zu konfrontieren, die bis jetzt unbekannt für ihn waren. Das Leben selbst ist voller Überraschungen und ungewissen Seiten, die darauf warten, entdeckt  zu werden.

Tief in die Röhre schauen

Jeder von uns hat die Fähigkeit, Entscheidungen für sein eigenes Leben zu treffen. Jeder von uns hat auch die Pflicht, die Konsequenzen zu tragen, die sich daraus ergeben.

Das Mädchen aus meiner Geschichte hat sich dazu entschlossen, ein neues Leben zu beginnen. Voller Hoffnungen und Träume waren ihre Vorstellungen für die Zukunft. Für die Zukunft als Kindermädchen. Allerdings wusste sie nicht viel darüber, was ihr diese Zukunft anbieten wird. Wie konnte sie es auch wissen? Sie war sich nur bewusst, dass sie diese Erfahrung machen will und bereit dafür war. Welche Fähigkeiten von ihr verlangt werden, wusste sie damals nicht. Sie wusste nur, dass sie sehr gern Kinder mag.

Und so begann ein Abschnitt ihres Lebens, der voller Ungewissheiten war. Sie war motiviert und wollte es einfach versuchen, obwohl sie kein “Rezept” dafür hatte, wie sie alles  richtig machen soll.

Kinderbäckerei

Haben sie schon mal einen Kuchen gebacken? Wenn sie zu denjenigen gehören, die es noch nie versucht haben, müssen sie eins wissen. Es ist nicht so einfach, den besten Kuchen zu backen, aber einen Versuch ist es wert. Es ist auch nicht immer leicht, sogar einen einfachen zu backen, besonders wenn man dafür über kein Rezept verfügt. Normalerweise ist es aber immer das gleiche Prinzip. Die von ihnen benötigten Zutaten sind: Eier und Schmand, Zucker und Salz, Milch und Mehl und natürlich Backpulver.

Stellen sie sich aber vor, dass sie das folgende Rezept kriegen: Eine Dose mit Familienstimmung, zwei süße kleine Kinder, ein motiviertes, junges Mädchen aus einem fremden Land, dazu noch eine kleine Prise Geduld, eine Messerspitze Ausdauer und ein Teelöffel Liebe. So kriegen sie bestimmt den besten Kuchen der Welt hin. Dabei müssen sie nur darauf achten, mit den wichtigsten Zutaten richtig umzugehen, nämlich den Kindern.

Was Kinder sind?…

Die Kinder sind unsere Zukunft. Sie sind ein Traum, den alle von uns haben. Ein Traum, der uns so glücklich macht, wenn er in Erfüllung geht. Ein Traum voller Geheimnisse und Überraschungen. Kinder sind einfach traumhaft.

Sie schaffen es immer, uns in eine gute Stimmung zu bringen, ein Lachen auf unsere Gesichter zu zaubern und uns das Gefühl geben, dass die Kleinigkeiten im Leben die wichtigsten sind. Wie sie es schaffen, bleibt aber ihr Geheimnis.

Oft lassen sie sich Sachen einfallen, die wir Erwachsene nicht nachvollziehen können. Oft sind es die kleinen Gesten von ihnen, die uns dazu bringen, etwas über das Leben nachzudenken und zu verstehen. Wie schön jeder Tag und jeder Moment sein kann. Oft zeigen uns genau die Kinder, wie man aus einem kurzen Augenblick  eine unvergessliche Erinnerung zaubern kann.

Es wäre so einfach, wenn wir die Kinder verstehen könnten. Es wäre ganz anders und ganz langweilig.

Die Kleinen sehen oft wie Engel aus und lassen uns glauben, dass ein gemeinsames Leben mit ihnen mit einem Traum vergleichbar ist. Manchmal ist es auch so, manchmal aber nicht.

Besonders spannend sind die Momente, in denen sich die lieben “Teufelchen” etwas einfallen lassen, was uns zum staunen bringt. Und wenn sie es schaffen, uns zu ärgern, sind sie doppelt so glücklich wie vorher.

Die Streiche, die sie anrichten, können wir nicht vorhersagen. Sie tuen diese einfach und bereiten sich dadurch große  Freude. Was für uns bleibt, sind die Gedanken, wie wir damit umgehen sollen.

Zwei Welten stoßen aufeinander

Besonders schwierig  ist es dann, wenn die Kinder zu Hause die Grenzen austesten wollen. Besonders kompliziert ist es dann, wenn auf sie nicht die Eltern, sondern das Kindermädchen aufpasst.

Wenn sich jemand dazu bereit erklärt, als Kindermädchen zu arbeiten, bereitet er sich viel Freude und viele Schwierigkeiten zugleich. Die Verhältnisse zwischen den Kinder und das Mädchen können manchmal einem Kampf ähnlich aussehen. Da ist das Kind, das seine Wünsche hat und seinen Kopf durchsetzen will und da ist auch das Kindermädchen, das liebevoll und geduldig  mit ihm umgehen soll. Was der kleine als Waffe benutzen kann, sind seine Ideen, die nie unterschätzt werden sollen. Die kleinen Engelchen sind sehr schlau und können es nur in einem Augenblick schaffen, uns um ihre Fingerchen zu wickeln. Was als Waffe für ihre Dompteurin bleibt, sind nur die Selbstbeherrschung und die Ausdauer.

Die Kinder haben einfach ihre Trotz-Phasen, in welchen sie versuchen, ihre Grenzen auszutesten. Dabei stehen nur die Nerven des Kindermädchens auf dem Spiel. Der kleine Joshua ist genau in diesem Alter, in dem  er schon versucht einen Nervenzusammenbruch bei seiner Ersatzmama zu schaffen. Ob er darüber nachdenkt, warum er überhaupt in dieser Phase  ist, bleibt fraglich. Ob er weiß, was ihn überhaupt geärgert hat und wieso er ihr gerade  das Leben so kompliziert macht? Eher nicht. Was er weiß sind die Konsequenzen, die danach gezogen werden. Aber darüber denkt er nicht nach. Im schlimmsten Fall wird er, wie gewohnt, auf sein Nachtisch verzichten müssen.

Alltagsdurcheinander

Jede neue Situation, die auf uns zutrifft, scheint uns am Anfang fremd und kompliziert. Mit der Zeit gewöhnen wir uns aber an alles. Zumindest an die meisten Ereignisse, die für uns bis zum diesen Zeitpunkt nicht bekannt waren.

Ein Kindermädchen hat jeden Tag mit neuen Überraschungen zu rechnen. Wenn sie schon auf dem “Kampfgebiet” wohnt, muss sie jederzeit zur Verfügung stehen, und für diese bereit sein. Es sind leider nicht die Ereignisse selbst, die ein Problem darstellen. Die Schwierigkeiten treten dann auf, wenn das Kind in seinem  Wochenprogramm auch eine ´häufige Stimmungsänderung´eingeplant hat.

Die meisten Kinder sind daran gewöhnt, alles zu bekommen, was sie sich wünschen. Wenn sie es nicht kriegen, treten die Stimmungsattacken auf. Damit wird das Kindermädchen sehr konfrontiert, weil es nicht über viele Waffen verfügt, die den Kampf beenden würden. Hier geht es nur darum, wer die beste Position auf dem Schlachtfeld bekommt und oft ist es  das Kind selbst.

Frisch gebackene Kindermädchen sind in so einer Lage zu bedauern. Eine Nanni verfügt in diesem Fall nicht über die Art von Macht, welche die richtige Mutter hat. Sie muss liebevoll und aufmerksam mit mit dem kleinen Kämpfer umgehen. Und es wird ihr nicht leicht fallen, ihn zu einem Waffenstillstand zu überreden.

Das wichtigste, was von einer  Nanni zu beachten ist, sind die Regeln, an welche sich das Kind halten soll. Diese sollen immer geachtet werden, und falls sie überschritten werden, müssen die Konsequenzen gezogen werden. Es ist nicht immer leicht, einem Kind zu erklären, was dieses  nicht machen darf. Wie soll auch ein dreijähriger nachvollziehen können, warum er nicht immer die Tür aufmachen soll, wenn es klingelt; warum er keine Schokolade nach dem Abendessen haben darf oder warum er ins Bett muss, wenn es bereits “nur” 20:30 Uhr ist. Das darf ihm ruhig seine Ersatzmutter erklären, die für ihn immer da ist und dafür sorgt, dass es ihm gut geht. Und die Erklärung wird ihr nicht immer erfolgreich gelingen.

Gebrauchsanweisung für Kindermädchen

Ein Kind kann es in nur einem Augenblick schaffen, seine Nanni aus der Ruhe zu bringen. Meistens gelingt es ihm, in dem es sich so anstellt, als wäre  nichts passiert, als hätte es nichts gehört. Diese ist die Lieblingsstrategie von den meisten “Räubern”, die ihre Kindermädchen ärgern wollen, und zwar mit Erfolg.

Manchmal helfen passende, glaubwürdige Ausreden auch sehr: “Ich war es nicht. Da war ein Gespenst, der es vergessen hat, die Kühlschrankstür zu schließen”,  erklärt oft der Joshua und guckt dabei so unschuldig, wie nur er das kann.

Ein Kindermädchen sollte in solchen Situationen ohne Zweifel konsequent bleiben und seinem inneren Gefühl vertrauen. Eins sollte sie dem kleinen beibringen, dass die Regeln dafür da sind, um gehalten zu werden. Und nur mit vorgeschriebenen Regeln, die der kleinen kennt, kann die Nanni einen kleinen Kampf gewinnen und den kleinen Löwen bändigen. Sie muss ihm nur beibringen, welche Rolle sie im Haus hat; welche Verantwortunge  sie übernimmt und wo der Bereich ist, in dem die Grenzen von ihr gesetzt werden.

Die Waffen, die ein Kindermädchen zur Verfügung hat sind nicht materiell und obwohl manchmal eine Tüte Gummibärchen  in der Lage ist, die Welt wieder in Ordnung zu bringen, zählt sie nicht dazu. Es sind eher die ästhetischen “Schätze”, nach welchen wir in diesem Fall suchen und welche sich als Lösung eignen.

Viel leichter ist es, einem Kind zu erklären, wie lieb Du ihn hast anstatt mit ihm anfangen zu streiten. Die klugen Kindermädchen kennen sich aber mit ein paar Tricks aus, aus ihrer Erfahrung. Viel schlauer ist es, dem kleinen “Räuber” beizubringen, dass Du ihn verstehst und Du Dich auch kindlich verhalten kannst. Viel besser ist es, wenn Du Dich mit ihm verbündest und ein Teil von seiner Bande wirst. Ja, er wird der Kapitän bleiben aber vielleicht bekommst Du die Stelle des Quartiersmeisters, wenn Du mit ihm verhandelst. Das liegt nur an Dir.

Joshuas Kindermädchen hat diese Entscheidung auch schon getroffen und bereut sie nicht. Heute darf sie wieder mit ihm Pirat spielen und dabei auch Spaß haben, weil sie nämlich auf dem gleichen Schiff fährt wie er. Warum? Ganz einfach. Sie hat beschlossen, dass es ihr wichtig ist, einen Freund zu gewinnen und nicht mehr einsam zu sein, wie früher. Joshua gibt auch heute noch die Anweisungen und freut sich, denn “zusammen sind wir stärker. Ja, zusammen macht es Spaß”, sagt der kleine Kapitän.

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2 Antworten zu „Kinder(mädchen) an die Macht“

  1. deniseha sagt:

    suuuper süße Bilder!!!

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