Motivation und die letzte Uni Woche
Weihnachtsstimmung? Fehlanzeige. Einzig ein Blick auf das Thermometer zeigt einem, dass man sich dem Jahresende immer weiter nähert. Die Temperatur ist am fallen, genauso wie meine Motivation mich nochmals richtig auf die Uni zu konzentrieren. Es hilft alles nichts, es muss ja doch sein.
Also reiße ich mich zusammen und bereite brav das letzte Referat des Jahres vor. Am nächsten Tag, während meines Referates frage ich mich –wozu das eigentlich? Es hört mir ja doch keiner zu. In meinem normalerweise hart umkämpften und mit 28 Leuten bis auf den letzten Platz besetzten Geographie Kurs klafft gähnende Leere. Kaum die Hälfte ist anwesend, der Rest wohl schon zuhause bei den Eltern oder gar dem ganzen Weihnachtstrubel entflohen. Karibik? Südsee? Wer Weiß.
Die restlichen Kommilitonen sind zwar körperlich anwesend, gedanklich aber wohl auch schon beim Weihnachtsfest und Omas gutem Braten. Einer hat eine Weihnachtsmütze auf, ein anderer verteilt Spritzgebäck unter seinen Sitznachbarn – mist, ich will auch. Nach einer Stunde bin ich fertig mit meinem Vortrag. Nachfragen gibt es natürlich keine. Die Tüte mit dem Spritzgebäck ist mittlerweile leer.
Inzwischen ist es Freitag, 10.00 Uhr, letzter Uni Tag. Ich sitze pünktlich mit zwei weiteren Kommilitonen im Seminarraum und warte auf den Beginn der Veranstaltung. Kurz nach zehn kommt der Dozent händereibend die Tür hinein „hui, heute ist`s ja ne ganz kleine Runde. Wenn sonst keiner mehr kommt, können wir die Veranstaltung ausfallen lassen“. Tja, zu früh gefreut. Zwei weitere Kursmitglieder hatten genug Ehrgefühl hier heute zu erscheinen. Aber wo ist der Rest? Ob es wirklich an der frühen Heimfahrt zu den Eltern liegt oder doch an der gestrigen Uniparty im KUZ, ich weiß es nicht. Wie auch immer, der Kurs findet statt.
Es wird immer kälter. „Der Räum- und Streudienst ist sehr gut vorbereitet“, meldet heute morgen noch die Mainzer Allgemeine Zeitung. Scheinbar wohl doch nicht. Ab ca. 15 Uhr fängt es an zu schneien, ab 16:00 fängt der Straßenverkehr an in den Stop-And-Go Betrieb über zu gehen. Ab etwa 17 Uhr herrscht Stillstand in Mainz. Selbst auf den Hauptverkehrsstraßen geht nichts mehr. Die Räum-und Streufahrzeuge stecken im Stau fest. Ich bekomme eine SMS einer Freundin
die im Bus zum Bahnhof feststeckt und nun vermutlich ihren Zug verpassen wird. Zum Glück bin ich noch ein paar Tage hier. Während ich durch den Schnee zum Einkaufen stapfe, erfreue ich mich am immer dichter werdenden Schneetreiben. Langsam kommt so etwas wie Weihnachtsstimmung in mir auf.
Weihnachten - Geselligkeit und alte Freunde
Einen Tag vor Weihnachten treffe ich dann bei meinen Eltern ein. Keinen Tag zu früh, denn der alljährlich widerkehrerende Weihnachtsstress ist voll im Gange. Die Schwester findet die Christbaumkugeln nicht, der Vater wird bereits zum fünften Mal einkaufen geschickt weil wieder etwas in der Küche fehlt, die Mutter beschwert sich, dass ihr keiner hilft – alle Jahre wieder der gleiche Wahnsinn.
Erst auf dem Weg zur Kirche beruhigen sich langsam alle Gemüter und spätestens bei Beginn des feierlichen Gottesdienstes kommt es wieder – dieses Gefühl von Vertrautem und Familienbande. Vieles ändert sich über die Jahre. Man zieht aus, kommt nur noch alle paar Wochen nach Hause und sieht sich eher selten mal als ganze Familie etwas unternehmen. Bis auf Weihnachten, da kommen dann alle zusammen. Nach dem Gottesdienst gibt es zunächst das leckere Weihnachtsessen und anschließend die Bescherung. Früher war es einmal anders herum, aber mit dem Alter wird einem das gute Essen und vor allem das gesellige Beisammensein dann doch wichtiger als irgendwelche materiellen Dinge.
Am ersten Weihnachtsfeiertag geht es
fast schon traditionell auf die „Piste“. Treffpunkt ist kurz nach 20 Uhr in unserer Stammkneipe. Mit den guten Freunden verhält es sich ähnlich wie mit der Familie. Jeder studiert in einer anderen Stadt, die meisten der ehemals guten Freunde sieht man nur ein bis zwei Mal pro Jahr, daher ist Weihnachten auch jedes Mal wieder ein persönliches Highlight um bei ein paar Bier alte Geschichten auszutauschen oder einfach auch nur zu hören wie es einem so geht. Eigentlich komisch, früher hatte ich es nie wirklich nachvollziehen können, was der Pfarrer meinte, wenn er in seiner Predigt von „Geselligkeit“ und dem „Fest der Liebe“ sprach. Irgendwie wird man Erwachsen.
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