Flammen schießen aus der Kinoleinwand, senken scheinbar die Haare der armen Seelen im Parkett an. Eine blutige Axt fliegt drehend auf die Zuschauer zu, ein CGI Dinosaurier streckt neugierig seinen schuppigen Kopf in den Saal um den Besuchern direkt ins Gesicht zu brüllen.
Mit solch eindrucksvollen Bildern wurde seit Mitte 2009 das “3D-Jahr” beworben. Nie zuvor wurden so viele Filme in 3D herausgebracht wie in diesem. Die Kinoindustrie versuchte sich aus der Krise zu retten und glaubt man den Zahlen der ersten beiden Quartale, so wurde dieses Ziel erreicht.
Old School 3D
Aber seinen Ursprung hat das 3D-Kino noch viel früher: Nach vereinzelten Experimenten um das Jahr 1915 kamen die ersten 3D-Filme erst in den Fünfzigern in die Kinos, damals als Reaktion auf die drohende Abwanderung der Zuschauer zu den heimische Fernsehern, die immer populärer wurden. Einer der bedeutendsten 3D-Filme dieser Zeit ist der Horror-Streifen “The House Of Wax” (1953), der als der erste Film mit 3D-Effekt gilt, der von einem großen Hollywood-Studio produziert wurde. Zur Visualisierung des 3D-Effekts waren damals noch 2 parallel laufende Projektoren notwendig, welche ein Doppelbild kreierten. Doch die Technik war noch unausgereift und so kam es unter den Zuschauern oft zu Kopfschmerzen und Übelkeit. Der große Erfolg der Technik blieb darum aus und 3D-Filme verschwanden schnell wieder aus den Kinosälen.
In den 70er und 80er Jahren wurde erneut versucht, 3D als Kinoerlebnis zu pushen. Anreiz damals waren die stark fallenden Besucherzahlen aufgrund der Einführung von VHS und dem damit verbundenen Home Video Entertainment. So war es möglich, dem Killerhai aus „Der weiße Hai“ mittels rot/grüner 3D-Brillen ganz nah zu sein. Doch eben diese Brillen verfälschten leider das Farbbild des Films erheblich und so konnte auch diese Technik die Zuschauer nicht lange begeistern.
Mit den damaligen Methoden der 3D-Darstellung hat die heutige nur noch wenig gemein. Haupt-Unterschied ist wohl die Aufnahme mit einer speziellen „Dual-Lens Digital Camera“, die durch zwei Objektive hindurch digital aufzeichnet. Im Kinosaal wird der Film dann über einen Digitalprojektor von Festplatte (Terrabyte-Bereich) abgespielt. Der Projektor ist (bei der weit verbreiteten RealD-Technik) mit einem Filter ausgestattet, der die Bilder für jedes Auge einzeln auf eine Silberleinwand wirft. Brillen müssen die Zuschauer zwar immernoch tragen, allerdings sind die Bilder ruckel- und flimmerfrei, hell, kontrastreich und farbecht. Dieses neue Verfahren liefert beeindruckend räumliche Bilder.Sehr wohl ähnlich zu dem früheren Auftreten der Attraktion 3D hingegen ist der Grund. Der Zuschauer-Rückgang aufgrund technischer Weiterentwicklungen (1950 TV, 1970/80 VHS). Qualitativ hochwertige Home Entertainment-Ausstattungen und nicht zuletzt die massive Zunahme von Videopiraterie und Online-Verteilung lassen die Besucherzahlen der Kinos sinken.
Kirmeskino
Tendenzen zu dieser Technik-Spielerei gab es leider auch bereits in der neuen 3D-Ära. David R. Ellis’ “Final Destination 4 – Death Trip 3D” (09/2009) führte dem Zuschauer über 90 Minuten wieder einmal vor, auf welch abstrusen Wegen Menschen den Tod finden können, diesmal nun aber in 3D. So fliegt dem Zuschauer von Autoreifen bis zu Körperteilen alles entgegen, was irgendwie schocken kann. Auch der erste 3D-Horrorfilm hierzulande, Patrick Lussier’s “My Bloody Valentine 3D” (05/2009), nutzte solche Schockelemente, allerdings war hier die Story nicht so lieblos, sondern wesentlich ausgereifter.
Prädestinierter für die 3D Technik ist allerdings ein anderes Genre, nämlich das der Animationsfilme. Vorreiter dabei war der dritte Teil der Ice-Age Reihe, der im Juli dieses Jahres in die deutschen 3D-Kinos kam. Vorteil der Animationsfilme ist die leichtere und wesentlich billigere 3D-Umsetzung, da die Filme komplett am Computer entstehen. Nach “Ice-Age 3″ kamen in diesem Jahr noch zahlreiche weitere Animationen wie “Oben”, “Coraline”, “Planet 51″ und “Disney’s Eine Weihnachtsgeschichte” in 3D in die Kinos.
Die beiden größten US-Animationsstudios “DreamWorks” und “Pixar” kündigten an, ab dem nächsten Jahr alle ihre Filme restlos in 3D zu produzieren. Die Industrie geht sogar soweit, dass alte Animationsklassiker mit der 3D-Technik neu herausgebracht werden. So wird Pixar kurz vor dem Release von “Toy Story 3″ (vorauss. 18.6.2010) die beiden Vorgänger ebenfalls in 3D auf die Leinwand zurück schicken.
Abgesehen von Tim Burton’s “Alice im Wunderland” (vorauss. 04.03.2010) sind solche ernstgemeinten 3D-Verfilmungen jedoch rar gesät. In den Ankündigungen der Verleiher für das nächste Jahr finden sich sonst nur die “klassischen” 3D-Genres Horror und Animation.
Wie geht es weiter?
In absehbarer Zeit wird es also auch für uns zu Hause die Möglichkeit geben, unseren Kino-Helden ganz nah zu sein. Und wenn wir nach dem Film die Brille auf der Nase vergessen, ist es ja auch nicht schlimm, Ray Ban –Optik sei Dank.