Die Bildungsaktivisten – ein Blick hinter die Kulissen.

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Ant – Student-Hochsemestler und Mitwirkender beim AK Protest.

Ob man durch den Uni-Campus auf seinem Fahrrad zu einer Vorlesung rast oder sich in die Stadt zum Einkaufen begibt, sieht man diese Woche überall wo man hinguckt ausdrucksvolle Protesttransporente und Leute mit Stapeln von Flyers in den Händen, welche die umherziehende Passanten anzusprechen versuchen. Wer sind diese Leute?
Die Antwort auf diese Frage bekommen wir aus der ersten Hand und zwar von einem der Bildungsaktivisten namens Ant. Er ist 24 Jahre alt und macht gerade seinen Hochschulabschluss. Und obwohl er bald mit seinem Studium fertig wird und die neuen Studienregelungen ihn eigentlich nicht mehr betreffen, setzt er sich trotzdem für die Rechte der Studierenden ein, dazu noch als Mitwirkender beim Arbeitskreis  “AK Protest“.

LeOn: Was bringen deiner Meinung nach solche Protestaktionen wie der aktuelle Bildungsstreik bzw. die Besatzung der alten Mensa einem Durchschnittsstudenten an der Uni Mainz?

Ant: Also ein Durchschnittsstudent bzw. eine Durchschnittsstudentin, ob sie jetzt Philosophie und Physik und gleichzeitig auf Lehramt oder sonst was studieren, werden vom Streik auf jeden Fall mitbekommen. Es ist einfach unmöglich die rumhängende Transparente und das, was sich am Tage auf dem Campus abgespielt, zu übersehen. Auf die Frage, ob jeder sich dadurch auch angesprochen fühlt, kann ich mit Ja und Nein antworten. Immer wieder kommen Leute her, die über den Protest durch ihre Freunde erfahren haben. So wollen sie sich das noch mal mit eigenen Augen anschauen und werden eigentlich auch überrascht. Es sind also immer gut gelaunte nette Menschen mit denen ich ins Gespräch komme und sie zu informieren versuche. Es gibt hier aber auch Leute, die ganz normal reguläre Vorlesungen besuchen, und wenn die aus dem Hörsaal kommen oder dahin gehen, zeigen sie sich nicht so interessiert. Vielleicht ist es so, weil sie gerade andere Sachen im Kopf haben, wie zum Beispiel einfach raus an die frische Luft zu gehen und schnell eine Zigarette zu rauchen, oder so schnell wie möglich nach Hause zu fahren, um zu lernen. Bei der einzelnen Ansprachen entwickeln sich je nach Vermittlungsart entweder gute Gespräche mit  positiven Äußerungen und Nachfragen, ob die Forderungen, die man hier sich überlegt hat, so wichtig sind,  oder die Leute umgehen uns einfach und meinen keine Lust bzw. keine Zeit dafür zu haben. Aber gerade bei solchen Leuten, die meinen sie hätten keine Zeit, kann man den Zeitmangel gleich damit argumentieren, dass die Einführung von Bachelor und Master einen Ungleichgewicht von Studienzeit und Stoffmenge aufweist und einen gewissen Zeitdruck zu Folge hat, den die Studenten massiv spüren und solche durch unsere Ansprechungen verursachten Zeitbremsungen verweigern. Ich denke mal, dass jeder Student  mehr Zeit für die Sachen haben soll, die einen selbst interessieren und sich nicht nur damit beschäftigen, was man vom Dozent bzw. von Prüfungsamt vorgeschrieben bekommt. Genau darüber wollen wir den Leuten erzählen. Darum geht es auch in einem Gebiet des Streiks.

LeOn: Wie hast du die gestrige Vollversammlung erlebt?  Welche negative oder positive Bilanz kannst du ziehen?

Ant: Ich selbst war gestern nicht dabei, aber weiß, dass es nur mehrere Hunderte und kein Tausend Menschen daran teilgenommen haben. Es ist also mit Sicherheit ehe ein schwaches Ergebnis für die Studierendenschaft der Uni Mainz insgesamt, die zur Zeit ungefähr 34 000 Studenten zählt. Gefragt wurde, ob die Vollversammlung sich mit der Forderung der Studierenden und mit dem Anliegen von AK-Protest einverstanden erklärt. Diese beiden Fragen wurden in gewisser Weise mit Ja beantwortet, was uns sehr erfreut. Allerdings kann so etwas nur mit der Rückhaltung der Studierenden funktionieren. Dank ihnen hatten wir wirklich die Möglichkeit und Argumentationsmasse bei der Verhandlung mit dem Komitee einen richtig starken Eindruck zu machen, einen Nachdruck aufzustellen, und uns dadurch dem erwünschten Ziel zu nähern.

LeOn: Hast du an der Demonstration teilgenommen? Wenn ja, wie fandest du die?

Ant: Ja natürlich. Heute bei der Demonstration waren sehr viele Schüler dabei, ich denke sogar mehr als Studenten. Und insgesamt bei der Studierendenschahft habe ich das Gefühl, dass es immer nur Vertreter der Kreisen von Bildungsaktivisten bzw. Gremien sind, die sich zu den Demos zusammenfinden. Am sonnten sieht man dort nur noch vereinzelte Gruppierungen und tolerante Menschen. Die breite Masse und vielleicht die bereits erwähnten Durchschnittsstudenten versammeln sich am wahrscheinlichsten anderswo, aber nicht bei der Veranstaltungen, in den es um den Bildungsstreik geht und nicht direkt bei den Aktionen aus dem Streikprogramm, die hier stattfinden.

LeOn: Was glaubst du wie die Situation sich in der Zukunft weiter entwickeln wird? Hast du da ehe ein optimistisches oder pessimistisches Gefühl?

Ant: Ich wüsste nicht was mir ein pessimistisches Gefühl bringen sollte. Grundsetzlich bin ich der Meinung, dass die Einführung von Bachelor und Master die allgemeinen Erwartungen nicht erfüllt hat. Die Umsetzung und Koalition des Bildungsstreiks zeigt, dass Bachelor und Master-Studiengänge in ihrer jetzigen Form nicht tragbar sind und geändert werden müssen. Es ist deswegen wichtig , dass man nicht sagt: “Ich will die   alten Diplom und Magisterstudiengänge zurück“, obwohl einige das sich vielleicht wünschen, sondern sich mit der Studiengangsneuerungen hauptsächlich auseinander setzt und sie irgendwie so verändert, dass sie studierbar sein werden. Da muss noch viel gemacht werden. Zugleich bin ich überzeugt, dass man jetzt vor allem die inhaltliche Arbeit in den Vordergrund stellen sollte. Dabei ist es unmöglich ohne solchen organisierten Strömungen wie AK Protest auszukommen, die sich den Kampf für die Rechte der Studenten und gegen das Reformenchaos zur Aufgabe gemacht haben.

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