Ich wollte doch nur leben…

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Man kann nach dem berühmten Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick bekanntlich nicht nicht kommunizieren. Manchmal habe ich das Gefühl, so viel in meinem Kopf zu haben, das einfach raus muss. Nur wohin damit? Meine Familie hört mir schon lange nicht mehr zu. Und finden Sie mal Freunde, wenn sie das Herz auf der Zunge tragen.Unmöglich. So versuche ich dem Inhalt meines zuweilen einer Rumpelkammer gleichenden Gehirns zu ordnen, ihm einen Sinn und gewissen Nutzwert zu geben. Das bedarf Zeit. Das muss schriftlich passieren. Mündlich rede ich mich regelmäßig um Kopf und Kragen! Es gilt also, ein anderes Ventil zu finden, um jenen Inhalt in die Außenwelt zu transportieren. Möglichst weit weg mit dem Zeug. Und falls sich herausstellen sollte, dass dies für irgendjemanden auf der Welt einen Wert haben könnte, würde ich alles dafür tun, dass diese Information beim Betreffenden ankommt.
Und um diesem mühsamen Vorgang eine Existenzberechtigung zu geben, nenne ich mich fortan Journalistin.

Doch mit dieser Bezeichnung kommt auch so einige Verantwortung. Plötzlich erwartet man ein gewisses Niveau von dem, was ich von mir gebe. So versuche ich so viel Information wie möglich in mein Gehirn hinein zu stopfen, dies mit dem bereits vorhandenen Inhalt zu vereinen, zu reorganisieren, auszusortieren, zu diskutieren, zu transferieren und etwas daraus zu machen, das sowohl neu, als auch einzigartig ist. Vorab: Das klappt nur selten. Aber ich bin stets der festen Überzeugung, dass es jeden Augenblick so weit sein kann, dass durch dieses Verfahren ein Geniestreich entsteht!

Es ist also offensichtlich; Journalistin zu werden war nicht etwa eine wohlüberlegte Entscheidung von mir. Ich wollte viel mehr schlichtweg verhindern, dass mein Gehirn irgendwann platzt.
Doch glaube ich mittlerweile, dass ich auf diese Weise zwar meinem Hirn Entlastung beschafft habe, es mir aber plötzlich Druck und Schmerzen in der Magengegend bereitet, meine neue Aufgabe und die damit zusammenhängende Verantwortung gebührend zu erfüllen! Der eben beschriebene Informationsstoffwechsel hat meinen eigenen sozusagen zum Erliegen gebracht, indem er mich ständig daran zweifeln lässt, nicht etwas vergessen, verpasst, nicht fertig gestellt oder nicht gut genug gemacht zu haben. Dabei habe ich das doch alles gar nicht gewollt! ICH WOLLTE DOCH NUR LEBEN!
fas.

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This entry was posted on November 11, 2009 at 2:39 pm and is filed under Allgemein. Du kannst den Antworten zu diesem Eintrag mit Hilfe des RSS-2.0-Feeds folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite schicken.

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