Warum ich Journalistin werden will…

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Wieder ist ein Tag vorüber. Seit drei Jahren zähle ich jeden einzelnen Tag, jede Woche und jeden Monat – ich warte darauf, wieder nach Hause zu kommen.

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem ich mein Busticket nach Deutschland gekauft habe. Es war ein sehr heißer Sommertag in Bulgarien und ich saß an der Bushaltestelle und habe darüber nachgedacht, wie aufregend alles für mich sein würde. Es begann schließlich ein neues Leben für mich – für das kleine Mädchen aus dem fernen Osten.

Ich war froh, sogar stolz auf mich selbst, weil ich zum ersten Mal eine richtig gute Entscheidung getroffen habe. Ich wollte mich selbst finden, mich weiterentwickeln. Ich wollte nach Deutschland fahren, um zu studieren und damit ein neues, ungewisses Kapitel in meinem bis zu diesem Tag behüteten und sicheren Leben zu öffnen.

Der Bus fuhr los. Ich sah meine Familie, sah, wie sie sich von mir verabschiedete. Ich konnte ihre Tränen sehen und mich in sie hineinversetzen. Sie sahen zwar auch die meinen, aber nachvollziehen, warum ihre starke Tochter plötzlich so traurig und einsam aussah, konnten weder sie, noch ich.

Als ich einen Tag später in Frankfurt ankam, fühlte ich mich so alleine wie nie zuvor. Zwar sah alles bildschön aus, aber unbekannt und fürchterlich fremd. Ich habe beschlossen, stark zu bleiben und hatte im Hinterkopf die Worte meiner Mutter: „Du wirst es schaffen und denke immer daran, dass Du Deinen Traum nicht aufgeben sollst. Glaub mir, dass Du diese Entscheidung nie bereuen wirst.“

Sie ist immer davon ausgegangen, dass das Leben aus Ursachen-Wirkungszusammenhängen besteht und hat es geschafft, mich zu überzeugen, daran zu glauben, dass die Schwierigkeiten in der Gegenwart irgendwann belohnt werden.

Die ersten Monate waren sehr schwierig für mich, weil ich niemanden kannte und ich auf mich selbst gestellt war. Ich habe jeden Tag an meine Familie und an meine Freunde gedacht und mir dabei oft die Frage gestellt, ob meine Einsamkeit gerechtfertig ist und warum das Leben so kompliziert sein muss. Meine Gedanken habe ich immer aufgeschrieben und mit der Zeit wurde meine Sammlung von Gedichten, Geschichten und Erzählungen immer größer – genau wie mein Heimweh…

Heute ist wieder ein Tag vorüber, erneut ein Tag, an dem ich eine wichtige Entscheidung getroffen habe: Mein Studium ist endlich beendet und ich werde wieder nach Hause fahren. Ich nehme viele Erinnerungen, Erlebnisse und einiges an Lebenserfahrung mit – aber auch all meine Aufsätze, die ich über die Jahre geschrieben habe.

Letztendlich habe ich auch den Sinn in meinem Leben gefunden: Durch meine Erfahrung als Ausländerin und mit Hilfe meines Publizistik-Studiums möchte ich anderen, bestenfalls der Gesellschaft, nützlich sein, indem ich als Journalistin arbeite, meine eigene Sichtweise darstelle und dabei anderen Menschen die Möglichkeit gebe, ihre Meinung zu bilden und zu äußern. Ich möchte dazu ermuntern, sich Gedanken darüber zu machen, worin der Sinn des eigenen Lebens besteht und was einem selbst am wichtigsten scheint.

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