Kirche mal ganz anders

By katharue
 
Junge Menschen gründen Kirche in Mainz

Im Sommer 2008 haben junge Studenten in Mainz eine Glaubensgemeinschaft gegründet und ihr den starken Namen KiA – Kirche in Aktion – gegeben. Ihr Ziel ist es, ein Stück Himmel auf unsere Erde zu bringen.

KiA-Team, Philip Zimmermann links außen

KiA-Team, Philip Zimmermann links außen

KiA ist anders als das, was wohl die meisten unter Kirche verstehen. Sie ist kein Gebäude, keine Institution im herkömmlichen Sinne und keine spezifische Veranstaltung. Sie ist umfassender, weil sie keinen starren Rahmen hat. Sie ist eine Kirche in Aktion, eine Kirche, die Gemeinschaft lebt. Sie ist eine Kirche, die wie Jesus sein möchte – dienend und nicht herrschend.

Philip Zimmermann, Hauptinitiator von KiA, erklärt: „Jesus möchte, dass wir es gut haben hier auf Erden.“ Daraus leitet er die Aufgabe der Kirche ab: Sie soll „gute Nachricht in alle Bereiche des Lebens bringen.“ KiA schafft dabei keine neue Glaubensrichtung, sondern ist im Urprinzip des christlichen Glaubens verwurzelt – der Nächstenliebe. Wie man auf der eigenen Homepage nachlesen kann, ist ihr Glaubensbekenntnis apostolisch und evangelisch. Demnach bietet die Bibel auch für sie Orientierung für Glauben und Leben.

KiA bietet Vielfalt

KiA-Event-Daten

KiA-Event-Daten

Das Programm der jungen Kirche in Aktion lässt sich in drei Bereiche untergliedern. Zum einen gibt es die KiA Events, die traditionellen Gottesdiensten ähneln. Sie finden jeden zweiten Sonntag im Haus am Dom in Mainz statt. Es wird gesungen, es gibt eine Predigt und es wird eine Kollekte für ein immer wechselndes Projekt angesetzt. Und es wird gegessen – gemeinsam.

Neben den KiA Events gibt es die KiA Home Gruppen. Im Vordergrund steht die Lehre. Einmal wöchentlich trifft man sich dazu in kleinen Gruppen. Man isst gemeinsam und diskutiert ein für die jeweilige Woche festgelegtes Thema. „Das Schöne ist, dass Gott zu allen Lebensbereichen eine Antwort hat“, so Philip. Entsprechend breit gefächert ist damit der Diskussionsstoff.

Die letzte Säule von KiA bilden die KiA Impact Gruppen. Sie üben Nächstenliebe praktisch aus. Philip erklärt die Unternehmungen wie folgt: „Wir stellen uns die Frage, was es bedeutet, wenn der Himmel zu uns auf die Erde kommt.“ Ergebnis dieser Meditation ist eine lange Liste gemeinnütziger Tätigkeiten. So verbringen die Gruppen Zeit mit alten Menschen im Altersheim, unterstützen Kinder bei ihren Hausaufgaben, helfen in Suppenküchen aus und wirken mit bei Aktionen für eine bessere Umwelt. Ihr Einsatz ist vielfältig und richtet sich sowohl an Bedürftige, als auch an solche Menschen, denen es auch so schon richtig gut geht.

Connect-Programm

Connect-Programm

Ein aktuelles Projekt ist das Connect-Programm: Vier Studentinnen aus Amerika besuchen KiA und bieten sechs Wochen lang Englisch-Unterricht für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis an. Geübt wird anhand von biblischen Texten. Jeder kann mitmachen, auch jetzt noch! Das Programm geht bis Mitte Juli – dann müssen die Mädchen wieder zurück in die USA. Toni, eine der Amerikanerinnen, beschreibt ihren Aufenthalt bei KiA in Deutschland wie folgt: „What they offer you is a sense of belonging and family. I will probably love it more tomorrow than I already do today.“

Ein bisschen Liebe hier auf Erden

Fasst man all das zusammen, bedeutet KiA nichts anderes als die Auseinandersetzung mit Gott und die Umsetzung seines Willens auf Erden. Jeder ist dazu eingeladen.

Fragt man Philip nach der Motivation, eine Kirche wie KiA zu gründen, beschreibt er einen Moment der Gotteserfahrung: „Während einer christlichen Freizeit in England sah ich einen Film von der Kreuzigung Jesu. Als ich ihn am Kreuz leiden sah, hörte ich plötzlich Gott durch ihn sprechen: So sehr liebe ich dich, dass ich am Kreuz mein Leben für dich lasse.“

Es sind Gott und die Liebe, die die Idee für KiA haben entstehen lassen – und genau das möchte KiA auch sein: Die Liebe Gottes auf Erden.

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6 Antworten zu „Kirche mal ganz anders“

  1. Stefan Janol sagt:

    Da wird in einem Blog so einiges über eine neue Kircheninitiative geschrieben; wenn man das zurechtrücken wollte, käme man über eine leise Aggression nicht herum. Da werden also die guten Bürger von Mainz über einen Englischkurs in eine Gemeinschaft gelockt („connected“), die den Himmel auf Erden bringen möchte. Das ist doch im Prinzip eine andere Formulierung für eine uralte christliche Formel: „Wir müssen die Menschen missionieren und heilen!“ Ich möchte Herrn Zimmermann gerne fragen, welche Krankheit er mir denn eintrichtern möchte, von der ich dann geheilt werden muss? Die gute Nachricht in alle Bereiche meines Lebens? Gott hat zu allen Lebensbereichen eine Antwort? Das ist doch lächerlich.

    Wozu brauche ich denn Gott um mein Leben zu meistern? Ich hatte ein gutes Elternhaus, und meine Eltern haben mir viel mitgegeben, was wichtig ist. Den Rest habe ich durch eigene Erfahrungen gelernt, und ich komme wunderbar zurecht. Meine Lebensbereiche stellen mir keine Fragen, und darum brauche ich auch von Gott keine Antwort.

    KiA soll anders sein als das, was man sich unter Kirche vorstellt – das mag vielleicht äußerlich so verpackt sein. Aber es ist doch eindeutig, dass die Motivation der jungen Leute dieselbe ist, die die Kirche seit Jahrtausenden antreibt und zu Kriegsstiftern macht: die jungen Leute haben Angst vor dem Tod, deshalb klammern sie sich an die Illusion, dass es nach dem Tod womöglich weitergehen möchte. Nun, wenn es ihnen hilft ihr Leben zu leben soll es mir recht sein. Aber ich sehe darin keine Rechtfertigung, dass sie ihre Mitmenschen in Panik versetzen und zugleich das Lösungskonzept präsentieren.

    Letztendlich ist KiA nichts Neues: Die Kirche macht die Welt kaputt, die Religion heilt nicht, sie zerreisst. Ich wünsche mir, dass wir lernen einander leben zu lassen und uns nicht in die Angelegenheiten anderer einmischen. Sollen sie sich treffen in ihren Home Gruppen, aber bitte bleibt mir fern mit eurer Mission und Gehirnwäsche.

    • Thomas sagt:

      Schön Stefan,
      wenn Du Dich auf der Sonnenseite des Lebens und der Gesellschaft wiederfindest und vermutlich ist dann die Lösung sich nicht zu engagieren auch die bequemste.

    • Philip sagt:

      Hi Stefan,

      dein Kommentar liegt schon eine längere Zeit zurück, aber ich habe ihn gerade erst gelesen. Ehrlich und direkt ist er. Wenn du Lust und Zeit hast können wir gerne uns auf einen Kaffee treffen und drüber reden. Schreib mir mal ein email und wir können einen Termin ausmachen. Philip@kiamainz.de

      Philip Zimmermann

  2. simplizissimus sagt:

    es ist immer wieder interessant, wie schnell einige „mitbürger“, wenn das thema christliche kirchen irgendwo auftaucht, zumindest verbal aufmunitionieren. da ist von „aggression“ die rede, christen werden als „kriegsstifter“ beschimpft, man habe angst vor dem tod und neige deshalb zu illussionen.

    da, wo ich herkomme und vor allem wo ich lebe – in deutschland – gibt es einen grundgesetzlich garantierten respekt vor der religiosität des anderen. wenn jemand toleranz, hilfe für sozial schwache, einstehen für andere durch seinen glauben definiert, ist das für die gesellschaft absolut ok. wenn er diese werte durch einen humanitären ansatz erhält – auch gut, bitteschön.

    interessant ist jedenfalls, dass es in der anonymität des internet IMMER diejenigen sind, die angeblich so aufgeklärt, tolerant, gutmenschlich sind, die dann tatsächlich am härtesten gegen menschen, die gläubig sind, vorgehen bzw. argumentieren. warum ist das so?

    ein zitat von stefan: „Wozu brauche ich denn Gott um mein Leben zu meistern? Ich hatte ein gutes Elternhaus, und meine Eltern haben mir viel mitgegeben, was wichtig ist. Den Rest habe ich durch eigene Erfahrungen gelernt, und ich komme wunderbar zurecht.“ – nun ja, zumindest hat hier jemand keine gute kinderstube mitgegeben. und gelernt hat der kommentierende offensichtlich auch nichts.

    fazit: ich finde den artikel informativ, interessant – und das thema für eine lehrredaktion, die sich mit den geschehnissen an der mainzer universität beschäftigt, angemessen.

    weiter so!

    simplizissimus

  3. Margarete II sagt:

    Welche negativen persönlichen Erfahrungen stecken dahinter, wenn jemand sagt: „…aber bitte bleibt mir fern mit eurer Mission und eurer Gehirnwäsche“?
    Unbestritten kann Kirche die Welt kaputt machen, kann Religion Menschen zu Kriegsstiftern machen und zerreißen statt heilen – das können wir über Jahrtausende zurückverfolgen und das wird uns täglich in den Nachrichten vor Augen geführt. Muss es aber deshalb immer so sein? Was ist mit den vielen Menschen, die Nächstenliebe praktizieren – uneigennützig und ohne Anspruch auf Missionierung, nur aus dem Bedürfnis heraus zu helfen? Nicht wenige von Ihnen sind im christlichen Glauben verwurzelt.

    Warum diese von Grund auf ablehnende Haltung einer Gruppe junger Menschen gegenüber, die offensichtlich nichts anderes versuchen, als ein bisschen Menschlichkeit in den Alltag zu transportieren?
    Gott als Allheilmittel und mit einer Antwort auf alle Fragen – nichts liegt mir ferner als eine solche Einstellung. Die Institution Kirche und die Dogmen des christlichen Glaubens haben definitiv nicht meine uneingeschränkte Zustimmung. Ich lebe im Heute und nicht in der Hoffnung auf das Jenseits.
    Aber es gibt – und auch das wird uns täglich vor Augen geführt – in unserer Wohlstandsgesellschaft Menschen, die nicht den nötigen Rückhalt haben, ihr Leben problemlos allein zu meistern. Und da sind doch gerade die, die sich, wie Thomas sagt, auf der „Sonnenseite des Lebens und der Gesellschaft wieder finden“, gefragt. Egal ob kirchlich organisiert, religiös orientiert oder nicht.

    In unserer westlichen, demokratischen Welt, in der die Religionsfreiheit gesetzlich garantiert ist, ist umgekehrt auch niemand gezwungen, sich gegen seine Überzeugung einer wie auch immer gearteten Initiative anzuschließen.
    Also: Bevor wir verurteilen, beobachten wir doch erst einmal, wie KIA sich entwickelt und ob Herr Zimmermann in die Reihe unbestritten gefährlicher charismatischer „Führer“ einzuordnen sein wird.
    Ohne naiv oder blauäugig zu sein: Ich sehe in KIA ein eher positives Potential. Ehrenamtliche Hilfe und Unterstützung ist etwas, das in einer Welt der Selbstverwirklichung und des Egoismus relativ kurz kommt.
    Dass diese jungen Leute die Kraft für ihr Engagement aus ihrem Glauben schöpfen, was ist daran falsch?
    Und selbst wenn die „guten Bürger von Mainz“ sich über einen Englischkurs locken lassen, ob sie sich unkritisch und entgegen ihrer eigenen Überzeugung dieser Gemeinschaft anschließen, sei dahingestellt…

    Der Artikel der Lehrredaktion ist sachlich informativ und ohne Wertung.
    Die „Informationsverarbeitung“ bleibt jedem mündigen Bürger selbst überlassen.

  4. Andrew Graham sagt:

    Da ich selbst aus den USA komme, sind die Sorgen, Zweifeln und vielleicht auch Befürchtungen von Stefan Janol sehr nachvollziehbar. In Amerika, wie vermutlich Sie alle bereits wissen, haben die „Evangelical“ Christen einen unheimlich großen Einfluss auf die Politik und demzufolge Gesetze im Land. Die beträchtlich große Unterstützung, die George W. Bush bekam, während zwei Präsidentschaftswahlen, haben diese Tatsache ganz klar demonstriert. Diese Leute sorgen sehr dafür, daß Frauen keine Abtreibungsrechte haben, dass Homosexuelle nicht heiraten dürfen, dass weder Sexualkunde noch Evolutionstheorie in den öffentlichen Schulen unterrichtet wird, dass es keine Stammzellenforschung gibt. Ich habe gehört, dass KiA ihre Wurzeln in den USA hat. Stimmt das tatsächlich? Der Artikel über KiA ist zwar sehr interessant, und sie scheinen sehr humanitär für die Gesellschaft engagiert zu sein. Es wäre, jedoch angebracht, zu wissen, was genau Phillip Zimmerman und das KiA-Team sich vorstellen unter „Himmel auf Erde.“

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