Innenansichten der Akademie
Christoph ist 26 Jahre und weiß, wo‘s lang geht. Bestimmt in seinem Leben, zumindest aber in der Akademie für Bildende Künste in Mainz, denn dort studiert er auf Lehramt. Und da er sich so gut auskennt, soll er doch mal erzählen, wie das „Biotop Akademie“ nun so funktioniert. Die Akademie? Christoph, wo ist die nochmal? „Ach ja, direkt gegenüber dem Arbeitsamt!“
Aller Anfang ist schwer
Christoph studiert Kunst im neunten Semester und ist Teil der größten Gemeinschaft an der Akademie für Bildende Künste, der sogenannten Klasse für Metallbildhauerei. Für ihn war schon früh klar, dass die Kunst sein späteres Leben prägen wird: „Meine Eltern haben mir immer viel Kultur vermittelt und so hatte ich Kunst auch als Leistungskurs in der Schule. Mir hat das immer viel Spaß gemacht und die Lehrer waren auch toll.“ So kam er schließlich zum Kunststudium.
Die Bewerbung an der Akademie erfolgt dabei mit einer Mappe: In ihr müssen 20 Arbeiten vorliegen, in ihren Themen frei, von Photographie über Zeichnungen bis Filme. Wenn diese Mappe überzeugen kann, wird man zu einer zweitägigen Prüfung eingeladen, in der man nochmals zeichnet, malt, Plastiken fertigt und eine freie Arbeit vorführt. „In meinem Semester wurden 13 von 120 Bewerbern ausgewählt“, erinnert sich Christoph, ein Beweis für die hohen Anforderungen.
Ist man aber erst einmal drin, dann macht es viel Spaß: „Ich finde es gut, dass alles in Klassen aufgeteilt ist. Alle sind sehr offen und arbeiten zusammen. Wir haben einfach die Möglichkeiten, das zu machen, was wir wollen und werden dabei immer unterstützt“, beschreibt der Kunststudent die besondere Atmosphäre. Klar ist, dass man in erster Linie für sich selbst arbeitet, denn man möchte seine eigenen Projekte voranbringen. „Aber es ist immer Zeit für Gespräche unter den Studierenden. Es gibt zum Beispiel Künstlergruppen, in denen man zusammenarbeitet. Also ein angenehmes Arbeitsklima“, schmunzelt er.
Gebäude genügt Ansprüchen nicht
Der Entfaltung der Studierenden sind leider auch Grenzen gesetzt, muss Christoph gestehen. Vor allem denjenigen, die malen und ihre Werke auch präsentieren wollen. Das Gebäude am Taubertsberg ist räumlich einfach nicht mehr ausreichend: „Es ist doch sehr beengt bei uns, trotz der relativ wenigen Studierenden. Doch es gibt ein Projekt namens Luftschloss, in dem Ideen in einer Arbeitsgruppe aus Studierenden gesammelt werden. Dabei geht es um die Verbesserung und Vergrößerung der Akademie“, legt Christoph aus. Was daraus wird, bleibt abzuwarten, aber es zeigt das Engagement der angehenden Künstler.
Generell stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage nach einer stärkeren Förderung des
Kunststudiums. Ist die Akademie eine Art Stiefkind der Johannes Gutenberg-Universität? „Der Stellenwert der Mainzer Akademie ist deutschlandweit gutes Mittelmaß. Es ist natürlich immer eine Geld- und Prestigefrage. Die großen Professoren, die in Berlin oder Düsseldorf lehren, würden selten zu uns kommen. Dennoch ist unsere Auswahl an Professoren toll und was wir machen können, ist nicht schlecht“, argumentiert der angehende Künstler. Die Lehrenden sind nach seiner Einschätzung sehr aufgeschlossen und versuchen, die Studierenden zu fördern. „Wir haben wirklich Qualität an der Akademie, die Professoren sind wirklich sehr gut“, zeigt er sich zufrieden.
Kaum Wegweiser zur Akademie
Doch besteht durchaus noch Potenzial in der Außendarstellung. Hier könnte es besser laufen. „Die Akademie ist leider nicht so präsent in der Öffentlichkeit. Doch es wird nun versucht, dies durch Projekte und eine verbesserte Internetpräsenz zu ändern. Es ist aber immer noch sehr schwierig“, weiß Christoph. Der jedes Jahr stattfindende Tag der offenen Tür, der Rundgang, trägt jedoch dazu bei, dass die Öffentlichkeit die Akademie für Bildende Künste besser wahrnimmt. Und der Kontakt zum Campus? Eher eine Einbahnstraße, findet der Kunststudent: „Die Studierenden wissen wenig von uns, aber da bei uns viele auf Lehramt studieren, gibt es natürlich den Kontakt zum Campus. Doch die wenigsten vom Campus wissen, was wir machen und wo. Da gibts Handlungsbedarf“.
Eine klare Ansage. Dafür gehen eben die Künstler raus, und das mit ihren Projekten. Arbeiten für den öffentlichen Raum sozusagen. Initiatoren sind meist die Lehrenden: „Ein Professor startet ein Projekt, überwiegend klassenintern. Dann ist der Rundgang eine gute Gelegenheit, sich zu präsentieren“, erklärt Christoph. Aber es zieht die Studierenden mit ihren Kreationen auch in Kunsthallen, wo sie ihr Talent zeigen können. „Jeder hat die Möglichkeit, seine Arbeiten bei den Jurys einzureichen und dort zu bestehen. Eine Sache der eigenen Motivation.“
Für Christoph ist die Akademie jedenfalls ein gelungener Ort seiner Ausbildung: „Ich kann so studieren, wie ich es mir vorstelle. Wir in der Metallklasse haben eine sehr große Zentralwerkstatt, wo wir alle Ideen verwirklichen können. Es ginge immer größer, aber es ist auf jeden Fall okay für mich.“ Er selbst hat sich handwerkliche Fähigkeiten wie Fräsen oder Schleifen angeeignet, um seine Projekte umzusetzen. „Ich beschäftige mich vor allem mit Bronzeguss und plastischen Arbeiten. Aber auch sowas wie Photographie ist immer ein Thema. Mich eben als Künstler positionieren“, lautet seine Devise. Faszination Akademie für Bildende Künste in Mainz: Nicht mit ein paar Worten zu erklären und schon gar nicht leicht zu finden, dort, hinter den Bäumen.
Schlagworte: Akademie für Bildende Künste, Ausstellung, Campus, Studium, Universität Mainz
Juli 1, 2009 um 7:02 |
[...] Bleibt noch zu fragen, wie eigentlich die Kunststudierenden selbst zu ihrer Akademie stehen. Ist die „versteckte Lage“ des Gebäudes hinter den Bäumen ein Fluch oder Segen? Ansichten eines Kommilitonen in einem folgenden Interview. [...]