Warum ich Journalistin werden möchte
„Hier ist das Lisa-und-Kris-Radio, wir haben viertel nach zwölf und jetzt spielen wir wieder unser beliebtes Spiel ‘Welches Geräusch ist das?“ Die Einsamkeit der schwedischen Schären, eine Segelyacht mitten im Hochsommer, im Umkreis von fünfzig Seemeilen nichts als sanft wogendes Blau und es brauchte nicht mehr als einen Kassettenrecorder, um meine großen Ideen einzufangen, sie festzuhalten und mit meinem begeisterten Publikum zu teilen. Auch wenn meinen gelben Kassettenrecorder mittlerweile das Zeitliche gesegnet hat und seit den Sommerferien 1996 einiges anders ist, im Grunde ist meine Motivation, Journalistin zu werden, die gleiche geblieben: Ich erkunde, verdichte und präsentiere für mein Leben gern.
Natürlich bin ich heute, dreizehn Jahre später, nicht mehr zufrieden mit einem zweiköpfigen Hörerkreis, leierndem Tonband und dem „beliebten Spiel ‘Welches Geräusch ist das?“. Ich will Journalistin werden, um hinter die Kulissen schauen zu können, um mittendrin zu sein und den Menschen die Welt ins Haus zu bringen. Zu kommentieren, zu kritisieren oder einfach nur zu zeigen, ‘was da draußen so abgeht’. Neugier ist die Triebfeder meines Berufswunsches. Ich bin neugierig auf Lebensformen, auf Kunstformen, auf Arbeitsformen, die ich noch nicht kenne.
Der Typ, mein privates Umfeld ständig radikal zu ändern, bin ich dabei nicht. Im einen Jahr Punk zu sein und dann noch lieber zur Deutschen Bank zu wechseln, mit dem nächsten Freundeskreis im Bauwagen zu wohnen und mich beim Erasmus-Jahr dann schließlich als Hipster neu zu erfinden, das liegt mir nicht. Darüber zu berichten schon. Denn wissen, wie es als Punk, in der freien Wirtschaft, als Hippie oder Hipster ist, das will ich unbedingt. Ich glaube, dass ich als Journalistin eine Nische finden kann, um mich mit solchen Erscheinungen beschäftigen zu können. Das wird – so denke ich heute – wohl eher nicht beim heute-journal sein und auch nicht im privaten Dudel-Radio. Aber vielleicht ändert sich das noch, mit allem, was ich sehen und womit ich mich beschäftigen möchte. Wer weiß, was kommt? Denn ein bisschen habe ich mein gelbes Plastikmikrofon immer dabei, wenn ich durch die Stadt laufe, ein bisschen sind meine Ohren immer gespitzt und mein Blick geschärft für die Dinge, die um mich herum geschehen und die ich gerne weitersagen würde. Ein bisschen hoffe ich noch immer, dass da drüben, gleich neben unserem Segelboot, eine noch unentdeckte Tierart auftaucht und ich sofort live drauf bin. Den Kassettenrecorder unterm Arm.
Tags: Journalismus, Motivation