Doping für alle!

By romarius

Ein Kommentar von Marius Schwager.

Olympische Spiele, Tour de France, Schulflur, Uni-Mensa, Unternehmensberatung, Krankenhaus, Werbeagentur, heimischer Küchenherd. Doping, das Massenphänomen unserer Zeit. Überall wird gedopt. Ob als Profi im Radrennsport oder als behinderte Gewichtheberin, als gestresste Hausfrau, als Projektleiter einer Werbeagentur, mit einer 80 Stunden-Woche, als Arzt im 48h-Dienst, als nächtelang paukender Student oder überarbeiteter Lehrer. Gehirndoping, Doping im Spitzensport oder der morgendliche Wachmacher-Kaffee. Alle dopen!

Vielleicht nicht wirklich alle. Das Phänomen Doping hat aber die Kreise der Spitzensportler seit langem verlassen. In einer Leistungsgesellschaft muss sich mit Leistung behauptet werden. Und wer kann unter Leistungsdruck schon den kleinen Pillen oder braunen Warmgetränken widerstehen? Bessere Konzentrationsfähigkeit, höhere Aufnahmefähigkeit und längere Ausdauer in allen Lebenslagen. Zum Aufstehen einen Wachmacher-Kaffee, einen zur Frühstückspause mit den Kollegen, am Nachmittag wieder eine Tasse um nicht Abzufallen, und abends noch einen Espresso um das Abendprogramm mit voller Konentration genießen zu können. Alltag für Schreibtisch-Akrobaten. Wenn Kaffee nicht mehr die gewünschte Leistung bringt, ist der Weg zu konzentrationssteigernden Mittel wie Koffeintabletten oder sogar verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Ritalin nicht weit.

Dabei werden die Nebenwirkungen oftmals nicht ernst genommen. Folgeschäden sind vorprogrammiert. Todesfälle im Spitzensport sind keine Seltenheit. Ist Doping daher wirklich sinnvoll? Ich meine nein. Ehrliche Leistung braucht ehrliche Anstrengung. Aber warum dopen wir uns? Radrennprofi Erik Zabel hat dies anlässlich seines nachträglichen Dopinggeständnisses treffend formuliert: „Weil es ging!“

Auf diesen Kommentar trinke ich nun aber erstmal einen Kaffee…

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