Ein Kommentar von Sara Weber
Auf den ersten Blick scheint die Mainzer Kinobranche eine ausgewogene zu sein. Neben dem Multiplayer CineStar, der auch das Lichtspielhaus Residenz und Prinzess führt, gibt es noch zahlreiche kleine Kinos: Das CinéMayence am Schillerplatz, das KlubKino auf dem Uni-Campus und natürlich das Capitol Programmkino, das nun wieder aufleben soll. Aber wie sieht es bei einem zweiten Blick hinter die Kulissen aus?
Großimperator CineStar
Dominierend auf dem Sektor ist das CineStar, das größte Kino der Stadt, mit ganzen zehn Kinosälen. Hier laufen die Blockbuster, die Filme, die jeder gesehen haben muss, die man schon so gut aus den Werbetrailern kennt, dass es kaum noch nötig scheint, sie sich in voller Länge zu Gemüte zu führen. Spezielle Veranstaltungen wie CineLady oder CineMen sollen alle nur erdenklichen Zielgruppen – und Klischees – bedienen, mit Sekt für die schicken Damen und Bier für die harten Männer. Außerhalb der Kinotage werden Erwachsenen, also allen über zwölf Jahren, hier mindestens 6,50 Euro abverlangt, am Wochenende sogar acht, Logen- und Überlängenzuschlag sowie Extras wie Popcorn und Käsenachos nicht mitberechnet.
Die Preise im Residenz sind ähnlich gesalzen, allerdings gibt es hier erstaunlicherweise Studentenrabatt. Zudem bekommt man die Filme zu sehen, die die „große Schwester“ nicht zeigt, weil sie zu wenig Mainstream, zu wenig massentauglich, vielleicht auch einfach zu anspruchsvoll sind. Statt sich 90 Minuten lang von Action oder Hollywood-Romantik berieseln zu lassen, bleiben die Gedanken bei diesen Filmen auch noch nach dem Abspann hängen.
Kino auf Französisch
Aber was ist mit den Filmen, die es nicht bis auf die großen, kommerziellen Leinwände schaffen? Oder mit den Klassikern, nicht vergessen, aber für die Lichtspielhäuser scheinbar wertlos? Für das kulturelle Kino muss man zum Schillerplatz ins CinéMayence gehen. Hier gibt es sogar Originalfassungen, eine echte Seltenheit in Mainz. Auch der Preis ist selten niedrig – 3,50 Euro, auf allen Plätzen, ein Schnäppchen quasi, vor allem, wenn man den inhaltlichen Wert bedenkt, den man umsonst obendrauf bekommt.
Uni-Flair versus Käsenachos
Auf dem Campus, genauer gesagt in der Muschel, bekommt man Filme im Originalton – mit deutschen Untertiteln – zu sehen. Zwar fehlt hier der übliche Kinoflair mit roten Plüschsesseln und Popcorn, dafür kriegt man Altes und Neues zu sehen, für nur 1,50 Euro, das preisgünstigste Kinoerlebnis der Stadt. Die Idee, einen Hörsaal zum Filmvorführraum umzufunktionieren, ist so einfach wie genial. So ist auch der Student mit dem schmalen Geldbeutel filmisch auf dem Laufenden und kann einen breiten Einblick in das Filmgeschehen gewinnen, ohne die Kinoriesen mitzufinanzieren.
KinoKultur
Das älteste Mainzer Kino: Das Capitol am Neubrunnenplatz. Im letzten Jahr wurde es geschlossen. Nun wollen drei Studenten es auferstehen lassen, ihm die typische Kinoatmosphäre zurückgeben und dem Lichtspielhaus wieder neues Leben einhauchen. Das Kino soll zum Kulturzentrum werden, Programm- und Crossover-Filme zeigen, Filmstudenten eine Chance zur Präsentation ihrer Werke geben – und somit die Mainzer Kinolandschaft, preislich sowie inhaltlich, wieder etwas facettenreicher gestalten.
Konkurrenz für die Ketten?
Die Globalisierung hat selbst in einer Stadt wie Mainz Einzug erhalten – und mit ihr die schwindende Individualisierung. Egal wohin man blickt in Deutschland, die Kinoketten dominieren den Markt und bringen die fortschreitende Vereinheitlichung des Kinowesens mit sich. Überall laufen dieselben Filme, regionale Neulinge oder künstlerische Einzelprojekte haben kaum eine Chance gegen Holly- und Bollywood mit ihren glitzernden Stars. Aber vielleicht schaffen es drei Mainzer Studenten, dieser Entwicklung wenigstens hier entgegenzuwirken. Wir dürfen gespannt sein, wie das Projekt Capitol anläuft und ob es sich gegen die großen, alles verschlingenden Kinoketten durchsetzen kann – es ist zu hoffen!
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