Schneller,höher,weiter-zum Teufel mit der Moral

By deniseha

Ein Kommentar von Denise Hassinger

steroid1Dass auch das olympische Jahr 2008 nicht dopingfrei bleiben würde, war absehbar. Im Vergleich zu den letzten Olympischen Spielen liefen die Sportler schneller, sprangen die Athleten höher und weiter, stellten persönliche Bestzeiten und neue Weltrekorde auf. Dass es hierbei nicht mit rechten Dingen zuging, sollte mittlerweile sogar den Gutgläubigsten klar geworden sein. Die Einnahme von Dopingmitteln wird gerade in Zeiten großer Sportspiele oder Radrennen zum Thema in der Öffentlichkeit. Fast jährlich werden Leistungssportler “überraschenderweise“ des Dopings überführt, die letztlich von Medien und Öffentlichkeit nur noch Verachtung erfahren.

Vergessen wird meist, dass Doping keine saisonale Erscheinung ist, sondern immer aktuell und nur in großen Wettkämpfen wie eine Welle in den Medien aufsteigt, um die Titelseiten für sich zu erobern. Offensichtlich scheinheilig sprechen sich die Beteiligten des Dopingnetzes, häufig Ärzte, Kontrolleure, Trainer, Sportler und Gesellschafter, in den Medien aktiv gegen Dopingmissbrauch aus. Dabei legen sie meist stolz eine Sportmoral an den Tag, nach dem Motto “aus eigener Kraft immer mehr erreichen“. Diese Moral dient lediglich dazu, die Illusion des “sauberen Sports“ weiterhin aufrechtzuerhalten und vorab schon mal zu bekennen “Ich gehöre nicht zu den Betrügern“.  Die traurige Wahrheit über die Einnahme von Doping im Leistungssport: Alle wissen es, die meisten tun es, keiner gibt es zu.

Mit der Sportmoral ist es schon längst zu Ende, aber die Illusion des “sauberen Sports“ rechtfertigt die “durch eigene Dopingmenschliche Leistung“ errungenen Siege und man kann sich reinen Gewissens freuen. Siege bringen Ruhm, Anerkennung, Macht und Geld. An diesen kleinen Nebeneffekten sind nicht nur die Leistungssportler interessiert. Meist sind sie sogar die “armen Schweine“, die überführt werden und allein für die Dopingeinnahme grade stehen müssen. Trainer und Ärzte, die den Dopingmissbrauch angeregt und unterstützt haben, können weiterhin ihren Heiligenschein erhalten.

Dass Doping im Sport ein großes gesellschaftliches Problem ist, haben Leute wie Professor Dr. Werner Franke erkannt und kämpfen dagegen an. Dass Dopingmissbrauch auch tödlich enden, oder zumindest schwerwiegende gesundheitliche Folgen für das weitere Leben haben kann, wird von denjenigen, die sich daran bedienen, häufig unterschätzt. Die Chance, den Kampf gegen Doping zu gewinnen, ist schwer abzuschätzen, scheint aber verschwindend gering, wirft man einen blick auf  die Doping-Statistiken.

Es gilt zukünftig, sich der Herausforderung zu stellen, ein neues Bewusstsein für die Gefahren von Doping zu schaffen und wirklich diejenigen zu bestrafen, die die Einnahme solcher Stoffe fördern. Solange man es nicht geschafft hat, eine gesellschaftliche Anti-Doping-Haltung herbeizuführen, die ehrlich gemeint ist, wird Dopingmissbrauch weiterhin Thema und Bestandteil des Leistungssports bleiben. Doch bis dahin halten wir weiterhin unsere Hände in die Höhe und lassen uns vom Ruhm beflügeln und preisen unseren “ach so sauberen Sport“.

Schlagworte: , , , , , , , ,

Eine Antwort schreiben