Fortschritt oder Verrat an unsrem Kulturgut?

By nikro08

An den so genannten E-Books scheiden sich die Geister. Streng genommen an den Lesegeräten, da die eigentlichen E-Books lediglich die darauf lesbaren elektronischen Bücher sind – wie der Name im Grunde schon sagt.

Gehört hatte man von der neuen Erfindung der elektronischen Tinte und den sich damit eröffnenden Möglichkeiten schon vor längerer Zeit. So hatte Professor Dr. Stephan Füssel, Leiter des Institutes für Buchwissenschaft an der Universität Mainz, bereits im Juli des vergangenen Jahres im Rahmen des Tages der Medienintelligenz, davon berichtet.

Heute schon Realität

Was damals noch futuristisch klang und eher an Science-Fiction-Filme erinnerte, ist heute bereits Realität.

E-Book-Lesegerät

E-Book-Lesegerät

 Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wurden die Lesegeräte offiziell präsentiert und ihre Vorteile und Funktionsweisen erläutert. 2009 sollen sie nun auch erstmals verkauft werden.

Electronic ink

Die elektronische Tinte kann man sich, so die Erklärungen für den Normalbürger, wie kleine schwarze Kügelchen vorstellen, die bei entsprechender Ladung entweder “oben” für die Entstehung der schwarzen Zeichen und Buchstaben sorgen oder nach “unten” sinken und den Eindruck von weißem Papier erwecken.  

Funktionsweise der elektronischen Tinte

Funktionsweise der elektronischen Tinte

Heraus kommt dabei ein Standbild, das anders als die LCD Bildschirme von jedem Blickwinkel aus gleich erscheint und im Gegensatz zu Röhrenmonitoren keinerlei augenschädliches Flimmern verursachen kann. Die Anzeige verbraucht nicht einmal Strom, solange der Leser nicht auf eine andere Seite umblättern will.

Viele Vorteile

Die positiven Aspekte dieser Neuentwicklung liegen auf der Hand: keine schweren Taschen und Rucksäcke mehr, kein Schleppen zahlloser gedruckter Bücher, kein langes Querlesen auf der Suche nach einer bestimmten Textstelle mehr, wenn man bequem einen Suchbegriff eingeben kann. Auch das Lagerhaltungsproblem überquellender Bücherregale und verstaubter Archive könnte sich so auf Dauer erledigen, von der Kostenersparnis, die sich durch das Ausbleiben der Material- und Druckkosten ergäbe, ganz zu schweigen. Keine veralteten Schulbücher mehr. Schnelle Updates bei neuen Auflagen. Eine kleine Tafel anstelle von 15 Kg Papier.

Wirklich ein Ersatz?

Man wird abwarten müssen, ob sich das Konzept durchsetzt. Bücher sind Teil unserer Kultur und begleiten uns von Kindesbeinen an. Das Vertrauen in die E-Books muss erst noch hergestellt und die Vorbehalte von Eltern und Buchliebhabern überwunden werden. Gerade im Freizeitbereich und beim Lesen aus Vergnügen wird die elektronische Fassung es schwer haben. Denn welcher überzeugte Bücherwurm stellt sich seine Lieblingsgeschichten nicht gerne ins Regal und streichelt vor dem Lesebeginn eines neuen Buchs über den Einband, um dann zufrieden die erste Seite glatt zu streichen und das eigene Fortschreiten in der Erzählung anhand des wandernden Lesezeichens zu beobachten?

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