Während der Hochschulgruppenvorstellung am 2.12. hat sich meine Meinung über die Stupa-Wahlen radikal verändert. Bisher irritierten mich vor allem die bodenlos schlechte Wahlbeteiligung und das offensichtliche Desinteresse der Studierenden an ihrer Vertretung. Doch nach dem Besuch der Vorstellungsrunde erscheint mir das vermeintliche Desinteresse zumindest teilweise eher als Resignation angesichts eines Politkindergartens erster Klasse.
Falsche Inhalte, unvorbereitetes Auftreten
Während die KriLi als ziemlich planlose, unvorbereitete Gruppe daher kam, glänzte auch die LHG mit ihrem Repräsentanten wenig, der zum Teil inhaltlich einfach falsch lag. Nicht nur bei der Entideal… Entideologo… ach, Entpolitisierung des AStA scheiterte der Sprecher der Gruppe, auch Themen wie das Frauenplenum wurden mehr als holprig formuliert. Beim SDS hingegen fehlte leider an allen Enden der Bezug zur Hochschulpolitik, stattdessen wurden visionäre Ideen für die Bundespolitik vertreten.
Der Neidergang der Sachlichkeit
Als der größte Kindergarten hat sich jedoch der RCDS hervor getan. Ständig pochte die Gruppe auf Fairness unter den Gruppen, wenn sie sich benachteiligt fühlte. Die Tatsache allerdings, dass alle anwesenden RCDS-Mitglieder ununterbrochen über die Meinungen anderer Gruppen lachten, diese mit absolut stumpfen Kommentaren bedachten und versuchten, sie ins lächerliche zu ziehen, halte ich für derart respektlos und kindisch, dass mir die Worte für meine Empörung fehlen. Damit steht der RCDS in Unverschämtheit und Unsachlichkeit dem eVerhalten der Bundestagspolitiker in nichts nach.
Es war ernüchternd, zu erleben, dass fast jede Gruppe für sich warb , indem sie die Anderen und deren Meinungen anprangerten und schlecht redeten. Die eigentlichen Inhalte kamen erst an zweiter Stelle. Und auch diese blieben weitgehend schwammig formuliert, konkrete Ideen fehlten. Traurig war auch die Tatsache, dass die Vollversammlung aller Studierenden von einzelnen Gruppen genutzt wurden, um Grabenkämpfe zu führen. Das verbessert nicht gerade den Eindruck und deutet an, dass das eigene Programm offenbar schwach ist und deshalb die Schwächen der anderen noch signifikanter in Erscheinung treten sollten.
Einziger Trost: CampusGrün
Einzig die Repräsentantin von CampusGrün/Internationals erschien wirklich kompetent. Zu fast jeder Frage kamen klar formulierte Antworten und Positionen, differenziert und begründet. Der schwarze Peter wurde nicht den Anderen zugeschoben, sondern der Bezug blieb immer bei der Gruppe selbst. Zwar gab es auch hier kurze Momente der Unsachlichkeit, doch wusste die CampusGrün-Sprecherin genau, wann die Äußerung zu einem Thema sinnvoll war und wann eine Frage besser unkommentiert blieb.
Insgesamt lieferten die Hochschulgruppen aber ein schwaches Bild ab. Es ist demütigend mit anzusehen, wie sich unsere Vertreter mit kindischem Gehabe und „Ihr seid ja alle viel blöder als wir“-Verhalten vor der – leider viel zu wenig repräsentierten – versammelten Studierendenschaft lächerlich gemacht haben.
Schlagworte: CampusGrün, Kritische Linke, LHG, RCDS, SDS, Studierendenparlament, StuPa, Stupa-Wahlen, Uni Mainz