Jan Klata – eine mysteriöse Persönlichkeit und der Wahnsinn eines Menschen auf den Bühnen Europas.
Vor ein paar Jahren wusste kein Mensch, wer das eigentlich ist. Heute wird der Name des Regisseurs vor allem in seinem Heimatland Polen, aber auch von vielen Theaterbegeisterten in ganz Europa mit einem Regisseur verbunden, der auf sehr ungewöhnliche Art und Weise das Leben auf die Bühnen überträgt. Aber viele Menschen fragen sich: Wer ist das eigentlich?
Er steht dahinten, vor dem Theater. Ein nicht besonders großer Mann mit der Frisur eines Punks. Er grüßt mich und ist eher erleichtert, dass er auf Polnisch angesprochen wird. Er ist freundlich, offen, aber ein wenig distanziert, wie er es bereits angedeutet hat, ist er eher vorsichtig beim Kontakt mit der Presse. Er ist ein Mann für den es wichtig ist, das Publikum zu berühren und durch seine Stücke das Publikum zu belehren. Um bei diesem Prozess teilzunehmen, sitz er oft dazwischen und schaut sich die Reaktionen den Menschen an. Es störte ihm nicht, dass bei einer Vorführung eines Stückes die Hälfte des Publikums die Vorstellung demonstrativ verlassen hat. Seiner Meinung nach, war das ein Zeichen dafür, dass er die Gedanken der Menschen beeinflusst hatte.
Am Anfang hat er die Theaterstücke selber geschrieben und hoffte, dass jemand sie übernehmen würde. Aber es war nicht so einfach den Direktor eines des polnischen Theaters zu überzeugen, dass es ein gutes Projekt sei. Die Art und Weise, wie er an so vielen unterschiedlichen Themen rangeht, bringt ihm vielen Gegner. Es reicht aber auch nur als Publikum an einem Projekt von Jan Klata teilgenommen zu haben, um diesen Namen nie zu vergessen.
„Transfer“ eine ungewöhnliche Art der Abrechnung mit dem schwierigsten Teil der deutsch-polnischen Geschichte.
In Rahmen der Theaterbiennale „ Neue Stücke aus Europa“ dazu gehörte auch ein polnisches Stück des „Punk-Regisseurs“ Jan Klata. Das Stück des „außergewöhnlichen“ Mannes sollte dabei als repräsentatives Werk des polnischen Theaters oder auch der Kultur gesehen werden. Aber Jan Klata hat wie immer das Werk einer deutschen–polnischen Zusammenarbeit „auf den Kopf gestellt“. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass etwas, was vielen Menschen und dem Regisseur persönlich wichtig ist, jungen Menschen am 18. Juni 2008 in Kleinem Haus des Staatstheaters Mainz gezeigt wurde.
Die Hauptrolle spielten auf zwei Ebenen der Bühne deutsche und polnische Zeitzeugen des Krieges und die drei Großen der Geschichte: Churchill, Roosevelt und Stalin, die mit dem Beschlüssen der Jalta Konferenz, das Leben vieler Menschen ohne ihren Zustimmung verändert haben. Dabei werden die drei auf einer hochgehobenen Bühne als eine auf dem Thron gestellte Rockband dargestellt. Der Regisseur sagte, dass es dabei wichtig sei, die drei groteske darzustellen. Es gelte ihre Weltvorstellungen auszulachen, da diese sehr unrealistisch und rücksichtslos gegenüber den drei Nationen seien.
Die wichtigste Rolle bei diesem Projekt spielen jedoch die Zeitzeugen. Die Autoren, unter anderem Jan Klata und die Dramaturgen: Dunja Funke und Sebastian Majewski haben sich wochenlang die persönlichen Geschichten der Kinder des Krieges angehört. Daraus bestand ein Stück der Wahrheit, indem die Akteure oder besser gesagt Menschen, die es erlebt haben, ihre Schicksale erzählen. Auf der Bühne stehen nebenbei Deutsche und Polen, die davon sprechen, was in der Zeit des Zweites Weltkriegs in ihrem Alltag passiert ist. Es gibt dabei das Abenteuer eines Jugendlichen, eine Konspiration, aber auch Sehnsucht nach Familienmitglieder sowie Tod und Ungerechtigkeit.
Verzeihung als Lektion der Toleranz
„Transfer“ von Jan Klata zeigt, dass der Zweite Weltkrieg, oder besser seine Spuren nie vergessen werden sollten. Jedoch wichtig ist hier, dass man nicht mehr verurteilt, sondern tolerant sei. Alleine die Tatsache, dass die älteren Menschen sich überzeugen ließen an solchen Projektenteilzunehmen zeigt, wie wichtig es ist darüber zu sprechen und trotzdem verzeihen zu können. Für viele dieser Menschen waren dies schmerzhafte Erlebnisse, die nie zuvor erzählt wurden. Sie haben sich getraut darüber zu reden und auf einer Bühne zusammen zu stehen. Vielleicht sollte es ein Zeichen sein, dass unsere Vergangenheit viele Seiten hat und aus vielen Perspektiven zu betrachten ist. Und wie der Papst Johannes Paul II sagte: „Wir sollten lernen die Menschen zu lieben. Sie verlassen uns so schnell.“