Es war einmal… einer, der hieß Jürgen. Der lebte in Mainz, rannte hinter Bällen her, umarmte Menschen in roten Hemdchen, jubelte und verzweifelte über Sportergebnisse und feierte am Ende doch immer wieder. Jeder in Mainz kannte Jürgen, jeder freute sich, wenn er ihn traf und jeder nannte ihn liebevoll Kloppo.
Mit 23 kam Kloppo das erste Mal nach Mainz. Es war Liebe auf den ersten Kick. Kloppo schenkte der Fußballtristesse der Landeshauptstadt unglaubliche 325 Zweitligaspiele voller Elan (übrigens ein Vereins-interner Rekord!) und Mainz schenkte ihm dafür mehr als 20.000 jubelnde Fans, die Kloppo zur Seite standen, in guten wie in schlechten Zeiten. Die gab es beide: Die schlechten, in denen der Verein als mittelmäßiger Zweitligist auf dem Feld herum dümpelte, und die guten, in denen er 52 Tore schoss (davon allein 4 in einem Spiel) oder in denen er nach Beendigung seiner aktiven Spielzeit zum Cheftrainer seiner großen Liebe befördert wurde.
Er gehört zu Mainz wie mein Name an der Tür
Als Trainer konnte Kloppo zeigen, was alles in ihm steckte: Innerhalb von drei Jahren erzog er die mittelmäßigen Spielfeld-Dümpler zu einer echten Profi-Mannschaft, die zwei Jahre in Folge nur knapp den Aufstieg verpasste, bis schließlich 2004 das Wunder wahr wurde – Die 05er zogen unter Jubelschreien und der Führung Kloppos in die erste Liga ein. Und nicht nur das, sie verteidigten dort standhaft ihren 11. Platz. Mit einem Spiel im UEFA-Cup-Wettbewerb 2005/06 war Höhepunkt der Beziehung Kloppo – 05 erreicht!
Von nun an war Kloppo in den Herzen nicht mehr zu ersetzen. Kein anderer Mainzer bekam je so viel Zuneigung und so viel Freibier. Was er dem Fußball gegeben hatte, gaben ihm seine Fans zurück. Und wenn er nicht gestorben ist, dann trainiert, feiert und trinkt er noch heute.
Time to say goodbye
Nun ja, leider enden so nicht alle Märchen, jedenfalls nicht die echten. Tatsächlich kam es vor wenigen Monaten zum Super-Größten Anzunehmenden Unfall (auch „Super-GAU“ genannt). Nachdem die 05er ihren Platz in der ersten Liga 2007 wieder verloren hatten, verkündete Kloppo in diesem Frühjahr, – nach 18 Jahren Mainz! – dass er, sollten sie nicht wieder aufsteigen, den Verein verlassen würde. Ein Aufschrei ging durch die Stadt. Trennung? Jetzt? Nach all den Jahren? Hatte man sich auseinandergelebt? Gab es eine andere (Stadt)? Nein, es war lediglich der Umstand, dass sein Vertrag auslaufe und es Zeit für einen Wechsel sei.
Und tatsächlich: Nach einem nervenzerreißenden Spiel, in dem Mainz am letzten Spieltag der Saison nur knapp den Aufstieg verpasste, war das Ende der Beziehung besiegelt. Und so nahmen alle mehr als 20.000 Fans an einem lauen Sommerabend, in rot gewandet, von ihrem „Lieblings-Mainzer“ Abschied. Viele Tränen flossen, viele Stimmbänder wurden überstrapaziert und schweren Herzens sagte man Auf Wiedersehn.
We’ll be missing you
Alles hat eben einmal ein Ende. Und auch wenn von nun an ein anderer – wer eigentlich? – unsere Jungs in Zukunft trainieren wird, auch wenn Kloppo jetzt als fleißiges Bienchen in Dortmund arbeitet, so wissen wir doch alle: Kloppo bleibt in unseren Herzen und in unseren Erinnerungen der beste Mainzer, den es je gab!
PS: Übrigens war Dortmund nicht der einzige Verein, der Kloppo umworben hat. Hier ein Antrag aus dem Gästebuch der offiziellen Jürgen Klopp-Hompage:
„Hallo Herr Klopp, ich würde mich freuen, wenn sie der neue Trainer meiner Mannschaft werden. Ich spiele beim Tus Kappenstedt in der Bezirksliga A. Sie werden alle Freiheiten haben und können ein ganz junges Team neu aufbauen. Außer unsern Kapitän und Libero Jens Oetjen, der mit knapp 38 zwar der Dreh- und Angelpunkt unseres Team ist, aber jedoch seine Blütezeit schon hinter sich hat. Ich und meine Mannschaft würden uns sehr freuen. Wenn nicht können sie auch zum BVB gehen. Mit freundlichem Gruß Ingo Wietenschlecker“