von Jonas Vomstein
König Fußball hat uns alle vor zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land in eine ziemlich ausgelassene Partylaune versetzt. Dazu konnten die Deutschen ihr Image aufpolieren, sodass das Klischee-Bild vom durchschnittlichen Deutschen nicht mehr ausschließlich von Leistungsfähigkeit, Arbeitswillen und einer starken Führungshand dominiert wird. Nicht zu vergessen, dass die Vergangenheit nicht mehr sofort bei jeder sichtbaren schwarz-rot-goldenen Fahne angemahnt wird. Und unsere Nachbarn – oder sogar die ganze Welt? – liebt uns. Friede, Freude, Eierkuchen oder „Wiehr thind sssuper“, wie es Bela B., der Schlagzeuger der Band Die Ärzte, in einem Lied schreibt.
Fußball bedeutet also, wenigstens teilweise, Völkerverständigung. Das haben wir ja 2006 im eigenen Land gesehen: Eine bunte Party, von der niemand ausgeschlossen war. Sofort standen auch viele Meinungsmacher bereit – Politikwissenschaftler, Soziologen, sogar Pfarrer und der Kaiser sowieso -, um allen zu erklären, wie viele große Probleme König Fußball lösen kann. Tretet gegen den Ball und alles wird gut! Fröhlicher Patriotismus anstatt sich ständig ans Dritte Reich erinnern zu müssen…
Da ist man wohl ein bisschen ein Spielverderber, wenn man nun darauf hinweist, dass in Klagenfurt 140 deutsche Neonazis festgenommen wurden. Es soll an dieser Stelle gar nicht so getan werden, als wäre es absolut verwerflich, sich über Siege der Nationalmannschaft zu freuen. Aber die Frage, warum diese Patriotismussoße den sich vor Scham verkriechenden Riesen Deutschland irgendwo heraus geweckt haben soll, bleibt für mich unbeantwortet. Ja, ich werde auch ein bisschen nostalgisch, wenn ich im Fernsehen zum x-ten Mal sehe, wie Helmut Rahn das 3:2 gegen Ungarn erzielt, aber die neue deutsche Zeitrechnung hat trotzdem nicht 1954 in Bern begonnen. Und ja, ich hab mich auch über die beiden Kisten von Poldi am letzten Sonntag gefreut. Aber es sollte nicht vergessen werden, dass die ganze Geschichte ebenso zwei negative Seiten hat: Die eine ist hässlich und kahlköpfig, die andere weht meist an Autos oder ist auf mal mehr, mal weniger entzückende Bäckchen gemalt und sieht ein bisschen lächerlich aus (na gut, das tun die Glatzköppe mitunter auch). Jedenfalls soll hier am Ende eine viel zitierte Weisheit von Sepp Herberger stehen: „Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten.“ Sorry Leute, viel mehr isses nich…
Juni 13, 2008 um 12:59 |
Applaus für diesen großartigen Kommentar!!!