Ein Meer aus Fahnen

By Annelie

Ein Team, 23 Spieler, 4 Trainer und 26 Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen: Am Sonntag besiegte die deutsche Nationalmannschaft im Rahmen der Europameisterschaft 2008 den Gegner Polen mit 2:0. Mehrere hundert Fans feierten den Sieg am Rheinstrand in Mainz.

Um 17.30 Uhr ist von der großen Fan-Menge noch nicht viel zu sehen. Vereinzelt sichtet man am Rheinufer Menschen in schwarz-weißen Trikots. Einige aalen sich in Liegestühlen und erfrischen sich mit einem kühlen Getränk.

Trotzdem sind die Sitzmöglichkeiten am Rheinstrand bereits erschöpft. Wer eine halbe Stunde vor Anpfiff des 18.00 Uhr-Spiels – Kroatien gegen Österreich – auftaucht, muss stehen oder sich mit einer geliehenen Decke (5€ Pfand) einen geeigneten Platz im feuchten Sand suchen. Die Leinwand steht – entgegen der Ankündigung – nicht im Wasser, sondern auf festem Grund. Dies trübt die Stimmung jedoch keineswegs: Eine Gruppe Kroaten singt aus voller Kehle und schwenkt die weiß-rot-blauen Fahnen. Die deutschen Fans diskutieren über das Spielverhalten der kommenden Gegner.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Während die Kroaten 1:0 gegen Österreich gewinnen, füllt sich die eingezäunte Sandfläche langsam und spätestens um 20.00 Uhr badet man in einem Meer aus schwarz-rot-goldenen Fahnen. Gespannt warten alle auf das Spiel zwischen dem deutschen und dem polnischen Nationalteam.

In der Zwischenzeit schallen Fußball-Lieder aus den Boxen. Comedian Sven Hieronymus verkündet die Aufstellung der deutschen Elf und unterhält das Publikum. Sowohl deutsche, wie auch polnische Fans stärken sich mit Pommes (2,50€), Cocktails (5€), Softdrinks (3,50€) oder Bier (4€). Vom eingefleischten Fußballfan mit Schal und Fahne bis hin zur temporären Fußballbegeisterten mit „Halbzeitschnittchen“-Top ist jeder dabei.

Tor, Tor, Toooor

Um 20.45 Uhr ist es endlich soweit: Anpfiff in Klagenfurt! Nun gibt es auch Ton zum Bild – statt Partymusik. Zunächst erklingt noch die Nationalhymne und die Fangesänge reißen auch den Letzten mit. Gebannt verfolgen die Fans am Rheinstrand wie Lukas „der Prinz“ Podolski zwei Treffer gegen die polnische Mannschaft versenkt. Bei jeder Torchance geht ein Raunen durch die Menge. Es folgt ein kollektives Atemanhalten, das schließlich in lautes Jubelgeschrei übergeht – Gänsehautfeeling pur! Auch ein kurzer Nieselregen kann die Stimmung nicht zerstören. Es wir gesungen, gefachsimpelt und gelacht.

Direkt nach dem Spiel wird wieder auf Partymusik umgestellt. Wer sich die folgenden Interviews und Analysen des ZDF-Trios Kerner, Meier und Klopp anhören möchte, kommt somit nicht auf seine Kosten. Man lässt sich gutgelaunt von der grölenden Menge nach draußen treiben – vorbei an Liegestühlen, T-Shirt-Shop und Torwandschießen.

Ein gelungener Abend, der zeigt: Gemeinsam lässt es sich besser feiern als alleine vor dem Bildschirm! Deshalb auch die Aufforderung von Christina Stürmer in ihrem offiziellen EM-Song: „Wir haben Fieber, komm fieber mit…“

 

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