Interview mit einer Engagierten

By gulletsplitter

Lehrredaktion Online hat sich mit Katharina Binz, der verantwortlichen Organisatorin des „festival contre le racisme„, getroffen und sie zu den Themen Ausländerfeindlichkeit, NeoNazis in Mainz und dem Festival selbst befragt.

Katharina Binz im BildLeOn: Stell dich doch bitte kurz vor, bevor wir zum Festival kommen.

Katharina: Was heißt kurz vorstellen – mein Name ist Katharina Binz und ich bin Studentin der Universität Mainz. Ich war bereits früher im ASTA aktiv, auch auf Bundesebene, und bin in diesem Jahr vom ASTA für die Organisation des Festivals für zuständig erklärt worden.

LeOn: Wird das Festival gut angenommen? Ist es gut besetzt bzw. kommen viele Gäste?

Katharina: Wir sind durchschnittlich besetzt, ähnlich den anderen politischen Veranstaltungen des ASTA. Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass es mehr Resonanz gibt, aber es ist nicht so, als wäre keiner daran interessiert.

LeOn: Viele der Veranstaltungen werden vom „Verein für ein unabhängiges Kommunikationszentrum an der Uni Mainz“ durchgeführt. Worum handelt es sich dabei?

Katharina: Dabei handelt es sich um das Haus Mainusch. Es hat sich wie im letzten Jahr immens am Festival beteiligt. Das Ganze mit Unterstützung des ASTA, der sich darüber natürlich sehr freut. Sie haben ein eigenes Programm auf die Beine gestellt, das einen thematischen Rahmen besitzt. Eine Ausstellung, die die gesamte Woche läuft (auf Nachfrage der Redaktion: Ein „Gerechter der Völker“-Major Karl Plagge) und viele Veranstaltungen die sich um die Ausstellung herum bewegen.
Es ist schön zu sehen, dass ein rundes Konzept auch von anderer Stelle kommt und nicht nur vom ASTA.

LeOn: Das diesjährige Festival ist sehr antifaschistisch ausgerichtet. Warum wird wenig Bezug auf die rein rassistische Ausrichtung des Fremdenhasses, die uns auf breiter gesellschaftlicher Front begegnet (z.B. Herr Koch), genommen?

Das Plakat des FestivalsKatharina: Es ist ein Teilaspekt der Veranstaltungen die wir hier machen, aber kein Fokus in diesem Jahr. Das liegt an dem Motto des diesjährigen Festivals. Jedes Jahr hat das bundesweite Festival ein Motto an das man sich halten kann, aber nicht muss. In diesem Jahr „Tear down all borders“ und wir haben uns überlegt, zu versuchen, die Veranstaltungen danach zu richten. Gestern z.B. gab es eine Veranstaltung zum Thema Globalisierungskritik. Also darüber, was die Rechte für Argumente gegen Globalisierung hat, wo man bezüglich der Argumentation aufpassen muss und wie man entlarven kann, aus welcher Richtung das Argument kommt. Morgen wird es darüber hinaus eine Veranstaltung geben, die in einer Runde aus internationalen Gästen, über Rechtsextremismus in anderen Ländern diskutieren wird. Unter anderem wird dabei auch eine Deutsche Teilnehmerin auf dem Podium sitzen, die sicherlich auch etwas zur Fremdenfeindlichkeit in Deutschland sagen wird.

LeOn: Sind denn die Hürden der Aufnahme ausländischer Studierender an einer deutschen Universität (TestAS, Finanzierungsnachweis in Höhe des BaFöG-Höchstsatzes) bewusst gesetzt? Gerade die Hürden als Symbol für Grenzen, die gegenüber ausländischen bzw. außereuropäischen Studierenden aufgezogen wird.

Katharina: Niemand der Verantwortlichen in der Regierung würde wohl offen rassistisch argumentieren, aber generell ist es schon ein Problem das die deutsche Innenpolitik und Außenpolitik hat. Gerade bei der Frage nach den Motiven. Dieser latente Rassismus liegt teilweise einfach im System, speziell in der Gesetzgebung.

LeOn: Gibt es offenen Rassismus an der Universität? Wo kann man sich hinwenden bei etwaigen Fällen?

Katharina: Es gibt das autonome AusländerInnen Referat im ASTA, von ausländischen Studierenden für ausländische Studierende, wo man sich natürlich jederzeit hinwenden kann, wenn solche Probleme bestehen.

LeOn: Ist der Nationalsozialismus in Mainz ein Thema? Es gab ja schon einige Aktionen, die letzte war wohl die geplante Demonstration der NPD in Mainz Kastel am 31. Mai 2008.

Katharina: Zu sagen, es gibt hier Nazi-Splittergruppen ist etwas untertrieben. Die Stadt Mainz stellt sich zum Beispiel hin und sagt es gibt hier keine aktive Neonaziszene, doch das ist definitiv falsch. In Mainz und dessen Umland gibt es Neonazis, genauso wie es die in anderen Teilen Deutschlands auch gibt. Es wird ja oft versucht das im Westen herunter zu spielen und als ostdeutsches Problem zu deklarieren. Aber das ist Blödsinn, denn es gibt hier genauso viele Übergriffe.
Es gibt sehr aktive Persönlichkeiten, die teilweise auch an dieser Uni schon aufgefallen sind. Sie haben versucht ASTA-Veranstaltungen zu stören, die sich ganz klar gegen Nazis richten, sie haben Studenten bzw. Studentinnen angegriffen, die ihnen womöglich feindlich gesinnt sind.

LeOn: Speziell der Name Mario Matthes tritt in diesem Zusammenhang oft in den Fokus. Gibt es da eine Handhabe?

Katharina: Auf dem Campus ist es bekannt wer Mario Matthes ist und das er hier studiert. Viele Studierenden kennen ihn oder wissen zumindest wer er ist. Meines Erachtens herrscht dafür ein Bewusstsein.

LeOn: Gibt es einen großen Andrang ausländischer Studierenden an der Uni Mainz?

Katharina: In Deutschland ist es in den letzten Jahren auf alle Fälle mehr geworden. Wobei zu beachten ist, dass die Hürden auch immer mehr gewachsen sind, vor allem gegenüber interessierten Studierenden, die nicht aus der EU kommen. Man kann also nicht abschätzen, wie viele ausländische Studierende gern hier studieren würden, wenn von vorn herein die Hürden als Abschreckung dienen.
Für die Universität Mainz speziell weiß ich es leider nicht. Generell sind die technischen Universitäten da gefragter.

LeOn: Das Festival läuft nun schon seit dem 02. Juni. Kann man denn bisher schon von einem Erfolg sprechen?

Katharina: Ja, als Erfolg würde ich es schon werten. Die Aufmerksamkeit ist definitiv geschaffen. Selbst von außerhalb der Universität kamen interessierte Menschen zu den bisherigen Veranstaltungen, was wir natürlich sehr gut finden. Wir können uns damit der Stadt und der Region öffnen und zeigen was wir hier machen. Generell ist es schon ein Erfolg, auch wenn es natürlich schön wäre, wenn noch mehr Leute zu den Veranstaltungen kommen würden.

LeOn: Daraus schließe ich, dass es im nächsten Jahr auch eine solche Veranstaltung geben wird?

Katharina: Ich denke, wenn es nach dem ASTA geht, wie er jetzt existiert, wird es das definitiv geben. Das hängt natürlich von dem ASTA ab, der im nächsten Jahr im Amt ist, aber ich denke die Gruppen, die momentan im ASTA vertreten sind, stehen voll hinter dem Festival und empfinden es für ausgesprochen unterstützungswürdig, sodass die Aussichten gut sind.

LeOn: Gibt es dafür bereits ein Konzept? Vor allem bezüglich Veranstaltungen die man in diesem Jahr nicht geschafft hat, aber im nächsten mit einbringen möchte?

Katharina: Konkret gibt es da noch nichts. Der Ehrgeiz existiert aber natürlich. So wird man sich nach dieser Woche zusammensetzen und diskutieren, was gut gelaufen ist und was nicht.
Darüberhinaus ist unser alljährliches Ziel, so auch für das nächste Jahr, noch mehr Gruppen, die sich auf dem Campus mit diesem Thema auseinandersetzen, mit einzubeziehen. Genauso wie es unser Ziel ist das Festival mit jedem Jahr auf eine breitere Basis zu stellen.

Ich danke dir für das Interview.

Schlagworte: , ,

Eine Antwort schreiben