Von haariger Musik…

By benkash

Seit dem 23. Mai präsentiert die studentische Theaterproduktion Musical Inc. nun schon das Musical „Hair“ und thematisiert damit die stets präsenten Einflüsse von „Love, Peace & Happiness“ der Epoche der 68er. Doch damit nicht genug: In Zusammenarbeit mit dem Studium Generale der Universität Mainz hat das Team eine eigens zu diesem Anlass konzipierte Vortragsreihe organisiert, in der sich Wissenschaftler der Universität mit Themen des Musicals fachlich auseinandersetzen.

Diese Reihe der kurzen Werkseinführungen eröffnete direkt vor der Musical-Premiere der Amerikanist Prof. Dr. Alfred Hornung mit seinem Vortrag „Die 1960er Jahre in den USA und in Deutschland“. Gefolgt von weiteren Rednern an den Folgetagen wurden weitere bedeutende Themen dieser Epoche vom Vietnam-Krieg über die „Babyboomers“ und Rauschdrogen bis hin zur Musikkultur behandelt. Die 68er-Bewegung - Eine Prostestkultur für alternative Lebenswege und \

Den letztgenannten Aspekt präsentierte Prof. Dr. Ludwig Striegel von der Mainzer Hochschule für Musik, die „Musik in den 1960er Jahren“. So mancher mag an dieser Stelle an die heute noch allerorts präsenten musikalischen Werke à la Stones und Beatles denken. Gar nicht so weit gefehlt. Tatsächlich konnten die Hörer des Vortrags zum Ende hin Klangbeispiele der Pop-Ikonen genießen. Zuvor jedoch sollte Exotischeres dargeboten werden: Mit einem musikalisch bewusstseins- erweiternden Bogen präsentierte Striegel klassische Beispiele der 68er. Dies gelang aufgrund der extraordinären selektiven Kompetenzen des Musikwissenschaftlers. Mit Klangbeispielen wie „Atmosphere“, „Threnos den Opfern von Hiroshima“ von Penderecki, „Minimal Music“ und einem Stück von György Ligeti begab sich der Hörer auf eine akustische Abenteuerreise mit der Garantie akustischer Verstörung, hypnotischer Einflussnahme und rhythmischer Verwirrung.

Die Rolling Stones - Pop-Ikonen bis heuteNach diesen dem Ohr unvertrauten Klängen wurden die Hörer jedoch wieder auf altbekanntes Terrain geführt, denn nun folgten zwei Beispiele der Popmusik, natürlich verkörpert durch die Rolling Stones („Ruby Tuesday“) und die Beatles („All you need is love“). Interessant waren hierbei natürlich weniger die Klangbeispiele an sich, sondern die Interpretationen seitens Striegel. So verdeutlichte er anhand konkreter Textstellen die kulturellen Elemente der 68er-Bewegung hinsichtlich alternativer Lebensentwürfe und zeigte den intellektuellen kritisch-satirischen Charakter des Beatles-Textes auf.
Damit wurde die enorme Bandbreite der musikalischen Innovationen der Epoche der 70er Jahre und ihrer enormen Bedeutung für ein Verständnis gegenwärtiger Musikstile deutlich. Striegel sensibilisierte damit für den Charakter der Gegensätzlichkeit und des Protests dieser Zeit und erweiterte, sicherlich auf eine musikalisch halluzinogene Art, das Bewusstsein der Teilnehmer.

Von Benjamin Kashlan

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