Der vierte Teil der Serie über Sportkurse an der Hochschule behandelt das „Cheerleading“. Am Namen erkennbar stammt diese Sportart aus den USA und lautet sinngemäß übersetzt etwa „[das Publikum] zum Beifall führen“. Und genau das ist auch die ursprüngliche Aufgabe eines Cheerleading Squads (Gruppe). Anfeuerungsrufe und Tanzeinlagen sollen dem favorisierten Team zum Sieg verhelfen.
Die meisten Menschen haben ihre Erfahrungen bezüglich Cheerleading wohl aus amerikanischen Filmen und Serien gewonnen. Die „Anführerin“ (gerne blond und vollbusig) des Teams gilt hierbei als angesehenste weibliche Person im ganzen College und ist schon aus hierarchischen Gründen natürlich mit der angesehensten männlichen Person des Colleges zusammen: dem Quarterback des Footballteams (seine Stellung in der Mannschaft gleicht etwa der eines Kapitäns oder eines „10ers“ im Fußball).
Gutes Aussehen scheint dabei das Hauptkriterium zu sein, um in den privilegierten Kreis des Squads aufgenommen zu werden. Dies schließt natürlich hervorragende Fähigkeiten im Schminken, Kleiden, der Maniküre und in Ausnahmefällen auch im Tanz ein. Erfüllt man diese strengen Auflagen, erfolgt nach der Aufnahme nur noch ein leichter Charakterwandel zur Hochnäsigkeit sowie der Selbstverliebtheit und die Transformation zum Cheerleader ist perfekt.
Positionswechsel
Vollzieht man nun den Sprung über den „großen Teich“ in die beschaulichen Hallen der Johannes Gutenberg – Universität in Mainz, ergibt sich dem geneigten Zuschauer ein (fast) gegensätzliches Bild von der hiesigen Cheerleadergruppe. Denn hier trifft keines der oben genannten Kriterien zu.
Wirklich keines? Doch, eines – gutes Aussehen ist auch hier zur Genüge anzutreffen. Aber beschränken lassen sich die Damen der Gruppe „Nikes“ auf dieses Attribut auf keinen Fall. Man(n) wird herzlich empfangen und fühlt auch schon nach wenigen Minuten, dass sich weder hochnäsige noch selbstverliebte Zeitgenossen in die Gruppe verirrt haben. Der Raum ist mit guter Laune und auch, neben den beiden Reportern, mit zwei männlichen Angehörigen der Cheerleadergruppe gefüllt. Ein Akt männlicher Emanzipation in einer von Frauen dominierten Sportart? Eher nicht. Die beiden gut gebauten Herren unterstützen das „schwache“ Geschlecht bei dem Bau von Hebefiguren. In Fachkreisen spricht man hier von einem „Mixed Stunt-Team“.
Training, Training, Training,…
Aktuell bereiten die Damen einen Tanz für einen Wettkampf vor. Dies ist neben dem Anfeuern einer Mannschaft das zweite Aktionsfeld einer Cheerleadergruppe. In Wettkampfmanier gilt es hier einen rund dreiminütigen Auftritt darzubieten, den die Juroren nach Schwierigkeitsgrad und Sicherheit bewerten. Die Aufführung der Nikes besteht grob gesagt aus zwei verschiedenen Elementen: Tanz- und Akrobatikeinlagen. Letztere lassen sich dann nochmals in „Toss-“ (engl. werfen) und Hebefiguren untergliedern. 
Das Training dazu beginnt mit einer „Trockenübung“. Zunächst bekommt jeder Cheerleader die Startposition zugeteilt, bevor der Tanz einmal ohne Musik, in lockerem Tempo und ohne Ausführen der Hebfiguren durchexerziert wird. Dies dient dazu, sich die genauen Bewegungsabläufe nochmals in das Gedächtnis zu rufen. Anschließend erfolgt das im Sport notwendige Warmmachen, bevor es dann an das „Eingemachte“ geht. Der Tanz erfolgt mit Musikuntermalung und Ausführen sämtlicher Wurf- und Hebefiguren. Jetzt bekommt man vorgeführt, warum Aussehen alleine nicht viel hilft. Koordination, Kondition, Taktgefühl und Körperbeherrschung zählen hierbei zu den wichtigsten Fähigkeiten. Großen Respekt haben sich die Damen nicht nur für ihre tänzerischen Fähigkeiten verdient, sondern auch für das fehlerfreie Ausführen von Würfen über mehrere Meter und Figuren bis hoch an die Hallendecke.
Nervenkitzel pur bei solch spannenden und atemberaubenden Kunststücken der Akrobatik. Es bleibt einem gar nichts anderes übrig, als mitzufiebern, während die Damen diese waghalsigen Figuren fehlerfrei mehrmals hintereinander routiniert und professionell abwickeln.
Zugegeben, dies waren die kurzweiligsten und interessantesten 90 Minuten Sportkurs bis dato. Der scherzhaft gemeinten Aufforderung, man solle ja schreiben, dass hier professionell gearbeitet wird, hätte es gar nicht bedurft. Man kann nur den Hut vor diesen Damen und Herren ziehen und getrost alle Vorurteile über Bord werfen.
In diesem Sinne: Let’s go Nikes!
Nützliche Links zum Thema:
- Die Nikes im studiVZ (studiVZ-Account benötigt)