Kommentar: Am Anfang war es nur ein Spiel

By benkash

von Benjamin Kashlan

Seit kurzem gibt am Mainzer Universitätsklinikum deutschlandweit die erste Therapiestelle für Computerspielsucht. In der Ambulanz für Spielsucht sollen künftig bis zu 150 Spielsüchtige pro Jahr ambulant behandelt werden. Ist das notwendig?

Das Phänomen Spielsucht bei Computerspielen wird seit längerer Zeit in den Medien, insbesondere im Kontext so genannter „Killer-Spiele“, thematisiert. Man denke in diesem Zusammenhang an die, mittlerweile sich häufenden, schockierenden Berichte über Amokläufe wie in Erfurt im Jahr 2002 oder unlängst an der amerikanischen Technischen Universität in Virginia, bei denen zahlreiche Tote zu verzeichnen waren. Aber auch Meldungen über, zumeist minderjährige „Zocker“, die sich bis zur totalen Erschöpfung und sogar bis ins Koma spielen, treten immer mehr in den Fokus der Berichterstattung. Die Helden des Internets...

Es zeichnet sich ein Wandel im Bewusstsein ab: Der Computer wird nun nicht mehr als harmloses Unterhaltungsmedium gesehen. Spätestens mit dem Eintritt in das Internetzeitalter und dem Aufkommen erster Studien zum Thema Suchtverhalten im Rahmen von Internet- und Computer(-spiele)-Nutzung beschäftigt sich die Öffentlichkeit zunehmend mit diesen Phänomenen.

Hierzu der Psychiater Dr. Bert te Wildt in einem ARD-Panorama-Interview vom 05.04.2008: „Ich denke schon, dass man im Zusammenhang mit Computerspielen und Internetabhängigkeit bei Kindern und Jugendlichen von einem Massenphänomen im Moment sprechen kann. Wir können noch nicht genau abschätzen, inwieweit das eine wirkliche pathologische Dimension hat, wo es dann überall zu Behandlungen kommen muss. Aber ich glaube, dass da ganz schön was auf uns zukommt.“

Diese Einschätzung macht die Notwendigkeit therapeutischer Institutionen wie der Ambulanz für Spielsucht deutlich. Eine neue Studie des Max-Planck-Insitiutes unterstreicht dies. Diese stellte aufgrund fundierter Forschungsergebnisse klare Parallelen im Suchtverhalten von Computerspielern mit Cannabis- und Alkoholabhängigen heraus.

Trotz diverser Berichte in der internationalen Forschungswelt zu einem immer stärkeren Aufkommen von „digitaler“ Spielsucht sieht die gegenwärtige Bundesregierung noch keinen Handlungsbedarf. So schreibt man in einer Antwort auf die Anfrage von Abgeordneten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu geplanten Novellierungen des Jugendmedienschutzgesetzes, dass „ […] noch keine Untersuchungen vor(liegen), die auf der Basis repräsentativer Daten gesicherte Aussagen über den Umfang der Problematik in Deutschland zulassen. Die Bundesregierung wird die Entwicklung und wissenschaftliche Bewertung des Suchtpotenzials von Video- und Computerspielen weiter verfolgen. Sollten sich Hinweise auf eine Zunahme spielsüchtiger Verhaltensweisen bestätigen, werden von Seiten der Bundesregierung entsprechende Konsequenzen zur Prävention dieses Problemverhaltens eingeleitet.“

Es bleibt trotzdem zu hoffen, dass solcherlei therapeutische Einrichtungen keine Einzelfälle bleiben, sondern eine flächendeckende Betreuung für diese neue gesellschaftliche Suchtform eingerichtet wird. Eine stärkere staatliche Fokussierung auf das problematische Phänomen Spielsucht und eine diesbezügliche Unterstützung wäre in diesem Zusammenhang mehr als angebracht.

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