Die Vorlesungsreihe „Physik am Samstagmorgen“ an der Uni Mainz bietet Schülern der Oberstufe und Lehrern die Möglichkeit, sich mit aktuellen Forschungsfragen der Physik auseinanderzusetzen. „Vom Quark zum Kosmos“ sollte den Gästen dieses Jahr an sechs Samstagen die Welt erklärt werden – ein ehrgeiziges Ziel.
Drei junge Männer schlendern an einem Samstag um neun Uhr früh über den ungewohnt stillen Campus – alle drei haben sie lange Haare, einer ist mit einem Kettenhemd bekleidet und trägt ein Trinkhorn im Gürtel. Ihr Ziel ist nicht etwa eine Mittelalter-Convention, sondern die Vorlesung Physik am Samstagmorgen. Heute leitet Dr. Matthias Neubert, Professor für theoretische Elementarteilchenphysik, die letzte Veranstaltung der Reihe. „Kosmologie und Quantenphysik“ lautet das Thema.
Der Hobbit, das Spaghettimonster und die dunkle Seite der Macht
Wer einen Schein für den Besuch der Vorlesung erhalten möchte, muss erst einige Anmeldeformalitäten inklusive Herr der Ringe-Referenzen („Du darfst nicht vorbei!!!“) über sich ergehen lassen, bevor er in den gut gefüllten Hörsaal der Physik vorgelassen wird. Bemerkenswert aus der Sicht des Sozialwissenschafts-Studenten ist hier, dass die Technik inklusive Beamer und Kameras einwandfrei funktioniert und sofort in den Vortrag eingestiegen werden kann. In knapp drei Stunden erläutert Professor Neubert anhand von einfachen Experimenten und „so wenigen Gleichungen wie möglich“, wie das ganz Große mit dem ganz Kleinen zusammenhängt.
Dabei wird nicht Halt gemacht vor
Forschungsfeldern wie dem der dunklen Materie, die nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft noch weit mehr Fragen aufwerfen als sie überhaupt beantworten können.
Das junge Publikum zeigt sich in seinen zahlreichen Fragen bemerkenswert fachkundig und obendrein dankbar über alle Anspielungen auf Star Wars oder das Flying Spaghetti Monster, die an mehr oder weniger passenden Stellen in den Vortrag eingebaut sind. Liegt am Ende in der Allianz aus theoretischer Physik und Popkultur der Schlüssel zur Begeisterung der Jugend für die Wissenschaften?
„Die Vorlesung lebt!“ – Physik am Samstagmorgen stößt bei Schülern auf großes Interesse
Die Vorlesung erreicht ihre Zielgruppe in jedem Fall problemlos – mit „eins plus“ bewertet der 17jährige Ramin K. die Veranstaltung: „Ich bin extra aus Frankfurt angereist, aber das macht man gerne, wenn einen das Thema so interessiert, da steht man mit Freude um fünf Uhr auf!“ Er findet, dass die Themen weit besser aufbereitet sind als im Physikunterricht, sogar besser als die Vorlesungen, die er als Schülerstudent bereits an der Uni Frankfurt besucht hat. „Hier entwickeln sich Diskussionen, man kann auch jederzeit Fragen stellen anstatt dass hier Totenstille herrscht – die Vorlesung lebt!“ Ramin findet es schade, dass er aus seinem Physik-Leistungskurs der einzige ist, der die Reise nach Mainz auf sich genommen hat – dafür verschlägt es ihn bald in noch weitere Ferne, denn er ist der Gewinner einer Reise zum Kernforschungszentrum CERN in der Schweiz, das die Veranstalter von Physik am Samstagmorgen unter allen Teilnehmern in einem abschließenden Quiz verlost haben.
Man will keine reine Schülerveranstaltung sein
Aber auch für Lehrer hat Physik am Samstagmorgen einiges zu bieten. „Es ist sehr schwierig, als Lehrer immer auf dem neuesten Stand zu bleiben, gerade bei Themen, die aus der aktuellen Forschung kommen“, meint Professor Neubert. Deshalb sieht er in dem Aktualitätsbezug der Themen von Physik am Samstagmorgen auch eine Chance, diese über die Lehrer in den Schulunterricht einzubringen. Die Aktualität der behandelten Themen zeigt sich nicht zuletzt durch den häufigen Verweis auf Forschungsprojekte des CERN, die in den nächsten Jahren – so die Hoffnung – viel zur Beantwortung der Fragen beitragen werden, die im Laufe des Vortrags aufgeworfen worden sind. Vor diesem Hintergrund wird für die Teilnehmer von Physik am Samstagmorgen auch eine gemeinsame Reise zum CERN angeboten, um das Gelernte zu vertiefen und in den Schülern die Freude an der aktuellen Forschung zu wecken, die auch Professor Neubert selbst zeigt. „Wir leben in spannenden Zeiten“, sagt er in seinem Schlusswort, „und es ist ein Privileg, dass wir an diesen Fragen forschen dürfen, während andere Geld verdienen müssen.“

Das CERN aus der Vogelperspektive. Autor: User Silberstein
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