Täglich nutzen Studierende der Uni Mainz ihr Semesterticket. Doch was genau dahinter steckt, wie das Semesterticket funktioniert und das es regionale Unterschiede gibt, wissen nur wenige. Hier ein kleiner Überblick.
1991 stieg ein Studierender der Universität Darmstadt in ein öffentliches Verkehrsmittel und zeigte bei der Fahrkartenkontrolle das erste Mal sein Semesterticket. Was für uns heute alltäglich und völlig unspektakulär ist, war damals eine Revolution: Endlich bestand für Studierende, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind, eine Möglichkeit dies dank Solidarität der Studierendenschaft kostengünstig und umfassend zu tun. Das Darmstädter Modell – benannt nach dem Geburtsort – breitete sich äußerst erfolgreich an vielen Hochschulen Deutschlands aus und erreichte im Wintersemester 1994/1995 auch Mainz.
Das Solidar-Modell
In Mainz folgt das Semesterticket dem Darmstädter Vorbild: Im Namen der vereinigten Studierendenschaft schließt der AStA mit den ansässigen Verkehrsunternehmen einen Vertrag, in dem die Kosten für das Semesterticket so festgelegt werden, dass die Verkehrsunternehmen den Studierenden eine günstige Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ermöglichen können. Das ganze funktioniert allerdings nur, wenn alle Studierenden solidarisch den Beitrag bezahlen – unabhängig davon, ob sie das Semesterticket nutzen oder nicht. Deshalb kann sich auch nur der von der Beitragszahlung befreien lassen, der entsprechende Gründe nachweisen kann: Wer beispielsweise ein Auslandsemester macht, kann in Rücksprache mit dem AStA die Ausgaben für das Ticket erstattet bekommen. Ähnliches gilt für Schwerbehinderte, die bereits eine Fahrberechtigung besitzen. Mit 118€ ist das Mainzer Ticket vergleichsweise teuer, hat andererseits räumlich eine relativ hohe Ausdehnung.
Dass nicht alle Studierenden mit dem Solidarbeitrag glücklich sind, hat sich in der Vergangenheit schon mehrmals gezeigt: 1999 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht die Solidar-Regelung des Semestertickets, nachdem schon 1992 die Klage eines Duisburger Studierenden eingegangen war. Eine folgende Verfassungsbeschwerde lehnte das Bundesverfassungsgericht ab: Die finanzielle Belastung des Einzelnen sei durchaus zu verkraften im Hinblick auf die individuellen Vorteile und die der gesamten Studierendenschaft.
Das Sockelbetrags-Modell
Jedoch ist das Semesterticket nicht an allen Universitäten und Hochschulen gleich geregelt. Das Solidar-Modell ist zwar weit verbreitet, in Baden-Württemberg und ausgewählten anderen Hochschulen ist das Ticket aber über einen Sockelbetrag organisiert. Wie beim Solidar-Modell muss dabei jeder der Studierenden einen gewissen Beitrag, den Sockelbetrag, zahlen. Dieser berechtigt jedoch noch nicht zur Nutzungen des öffentlichen Verkehrs. Es muss zusätzlich noch das eigentliche Semesterticket
erworben werden. Ein solches Modell lässt jedem Studierenden die Möglichkeit offen, auf das Semesterticket zu verzichten. Ein gewisser Geldbetrag muss aber auch hier bezahlt werden. An bestimmten Hochschulen berechtigt der Sockelbetrag zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu festgelegten Tageszeiten und am Wochenende. Der Sockelbetrag schwankt zwischen 11€ in Albstadt-Sigmaringen und 50€ an der Technischen Fachhochschule Berlin. Ebenso unterschiedlich fallen auch die zugehörigen Ticketpreise aus.
Mainz und Umgebung locken – zu jeder Tages- und Nachtzeit
Wer mit dem Solidar-Betrag hadert, weil er ein Auto besitzt oder lieber auf dem Fahrrad unterwegs ist, sollte das Studiticket trotzdem nicht unterschätzen: Gerade für die Autofahrer bietet sich dank reger Ticketnutzung anderer Studierender eine Entspannung der Parkplatzsituation. Außerdem sollte gerade in Zeiten von Klimadiskussionen und grüner Politik nicht außer Acht gelassen werden, dass der öffentliche Nahverkehr wesentlich umweltfreundlicher ist als das Auto. Für Radfahrer gilt: Fahrrad einpacken, mit dem Zug die Außenbezirke des Tickets ansteuern und dort die Umgebung erkunden. Die (fast) ausnahmslose Möglichkeit der Fahrrad-Mitnahme im gesamten Ticketbereich gestattet Fahrradtouren auch mal außerhalb des Bezirks Mainz-Wiesbaden und lädt im Sommer ein, diverse Badeseen – auch die entfernteren wie der Silbersee in Bobenheim-Roxheim – zu besuchen und dort die Sonne zu genießen.
Wer Fragen zum Thema „Semesterticket“ hat, ist mit der Homepage der MVG gut beraten. Auf http://www.studiticket.de sind alle Einzelheiten zum Mainzer Ticket aufgeführt und leicht zu überblicken.