Was Bischofsstäbe auf den Sportplatz treibt

By Zapp Brannigan

Der zweite Teil der Serie „Hochschulsport an der Universität Mainz“ widmet sich der Sportart „Lacrosse“. Ziel dieses Sports, welcher in Kanada zum Nationalsport avancierte, ist, den Ball mittels eines Schlägers im Tor des Gegners unterzubringen. Trotz seiner über 400-jährigen Geschichte ist Lacrosse außerhalb des nordamerikanischen und australischen Kontinents zu den Randsportarten zu zählen.

Vom Gottesdienst zur Olympischen Disziplin

Ursprünglich wurde Lacrosse von Indianern an der Ostküste auf dem Gebiet des heutigen Kanadas und der USA gespielt. Es diente unter anderem dazu, den „Schöpfer“ auf Probleme innerhalb des Stammes aufmerksam zu machen oder um Streitigkeiten zwischen Stämmen zu schlichten. Im Gegensatz zur heutigen Spielart, war diese bei den Indianern brutaler ausgelegt, so dass es häufig zu Verletzungen und Knochenbrüchen kam.

Erstmals namentlich erwähnt wurde der Sport um 1636. Ein französischer Missionar beobachte das Spiel der Indianer und nannte es wegen der Ähnlichkeit der benutzten Schläger mit einem Bischofsstab „La Crosse“ (franz. für Bischofsstab).
Rund 200 Jahre später fingen auch Weiße an diese Sportart zu betreiben, was zu einem regelrechten Siegeszug ihrer führte. Von Nordamerika aus wurde sie nach England, Australien, Neuseeland und Schottland exportiert. 1904 und 1908 erreichte Lacrosse bis dato seinen Höhepunkt, als es als olympische Disziplin ausgetragen wurde.

Doch seitdem verschwand der Sport in der Versenkung. Der Ruf als „Eliten-„ und „Upper Class“-Sport, sowie der Mangel an Experten auf dem Gebiet der Anfertigung von Lacrosse-Schlägern sind als Gründe dafür zu nennen.
Erst die Einführung des Kunststoffschlägerkopfes anstelle eines Holzkopfes führte zu einem Revival. Nach Deutschland kam Lacrosse Anfang der 1990er Jahre durch Austauschschüler aus den USA.

Regelkunde für Anfänger

Lacrosse vereint Elemente aus Football, Eishockey, Basketball und Fußball. Dabei ist das Spielfeld ähnlich einem Fußballfeld. Jeder Spieler führt einen Schläger in der Größe von einem Meter oder 1,80 m mit sich, an dessen Kopf mittels eines eingenähten Netzes eine Art „Tasche“ befestigt ist. Als Spielball dient ein Gummiball mit rund 20 cm Umfang. Dieser darf mit dem Schläger gefangen, geworfen, vom Boden aufgenommen und beliebig weit getragen werden. Die Tore (1,80 m x 1,80 m) stehen wie beim Eishockey nicht an den Außenlinien, sondern etwas in das Feld eingerückt. Nun gilt es durch Laufarbeit, Passspiel und guter Taktik den Ball im gegnerischen Tor zu versenken.

Im Gegensatz zu den meisten Sportarten gibt es bei Lacrosse einige Unterschiede zwischen der Männer- und der Frauenvariante. Dies fällt auch schon rein optisch auf. Frauen tragen neben einem Gebissschutz und Handschuhen, welches beides nicht zwingend vorgeschrieben ist, keinerlei weiteren Schutz. Ein Verzicht auf weitere Schutzausrüstung wird durch das Verbot von Körperkontakt ermöglicht. Bei Männern hingegen geht es richtig zur Sache! Die Ausrüstung besteht zusätzlich aus einem Helm sowie Schulter- und Ellenbogenschützern. Dies ist auch von Nöten, denn Bodychecks und Schläge auf den Unterarm sind erlaubt.
Ein weiterer Unterschied ist die Anzahl der eingesetzten Spieler. Frauen starten mit zwölf Feldspielerinnen und haben drei Auswechselspielerinnen. Bei Männern stehen dagegen nur zehn Spieler in der Startformation. Der Kader kann insgesamt aus bis zu 23 Spielern bestehen. Gewechselt wird „fliegend“, so dass ein Spieler nach seiner Auswechslung wieder eingewechselt werden kann. Neben den Spielern nehmen in der Regel noch vier Schiedsrichter teil, welche die Möglichkeit haben, Zeitstrafen oder den Spielausschluss eines Akteurs für Fouls auszusprechen.
Nach 4 x 20 min bei den Herren und 2 x 30 m bei den Damen endet eine Partie Lacrosse.

An der Universität Mainz wird die gemischte Variante von Lacrosse angeboten. Es besteht also die Möglichkeit für beide Geschlechter an dem AHS-Kurs teilzunehmen, wobei natürlich ganz „gentleman-like“ nach den Regeln des Damen-Lacrosse gespielt wird.

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