Zwischen BiBA und Subway, fünf Meter unter der Römerpassage, versteckt sich ein Stück römischer Geschichte: Die Taberna archaeologica.
„Es ist Abend geworden in Mogontiacum. Euer Kalender nennt diesen Tag den 21. Dezember 69 n. Chr. […]“ So beginnt die Geschichte des Claudius Secundus, der man in der Taberna archaeologica in regelmäßigen Zeitabständen lauschen kann.
Damals, zur Zeit Vespasians, hieß Mainz noch Mogontiacum und die Römerpassage war noch lange nicht erbaut. An ihrer Stelle, nahe der damaligen Hauptstraße, befand sich ein Heiligtum zu Ehren der Göttinnen Isis und Magna Mater.
Der römische Götterkult
Den Vorsitz im damaligen Götterhimmel hatte Jupiter Optimus Maximus, zusammen mit seiner Gemahlin Juno und seiner Tochter Minerva. Dieses Dreiergespann nicht zu ehren, wurde schwer bestraft. Ansonsten stand es jedem frei, seine eigenen Schutzgötter zu wählen. Auch andere, fremdländische Gottheiten waren mit der Zeit Teil der römischen Kultur geworden. So wurde der Magna Mater- Kult anlässlich des Zweiten Punischen Krieges (205 v. Chr.) in Rom eingeführt. Man erhoffte sich von der Fruchtbarkeitsgöttin aus dem kleinasiatischen Raum Hilfe, die man Jupiter nicht zutraute.
Jedes Kaiserhaus hatte zur damaligen Zeit seine eigenen Schutzgötter. Als Vespasian an die Macht kam, wählte er Isis zu seinem persönlichen Schutze. Die Göttin, welche als „Mutter der Pharaonen“ gilt, hatte er zuvor während eines Aufenthalts in Ägypten kennen gelernt.
Ihr und Magna Mater zu Ehren errichtete eine freigelassene Sklavin das Heiligtum – finanziert oder vielleicht sogar im Auftrag von Kaiser Vespasian.
1930 Jahre später: Die Wiederentdeckung
Im Verlauf von Umbauarbeiten an der damaligen Lotharpassage (heutige Römerpassage) stieß man unerwartet auf die Überreste des Heiligtums, sowie auf einen darunterliegenden Bestattungsplatz aus der Hallstattzeit (ca.700 v.Chr.).
Die Ausgrabungen dauerten etwa 17 Monate und endeten Anfang 2001. Ursprünglich war geplant die Funde zu entfernen und an einem anderen Ort auszustellen. Doch aufgrund einer Unterschriftenaktion der Initiative Römisches Mainz e.V. wurde das Heiligtum lediglich um einige Meter versetzt. Es folgte die Umbenennung der Lothar-Passage in „Römerpassage“. Am 30. August 2003 wurde die Taberna archaeologica mit einem großen Fest eröffnet.
Der Eingang befindet sich im Erdgeschoss der Römerpassage. Über einige Stufen gelangt man in einen abgedunkelten Raum, in dessen Zentrum sich die Überreste des Heiligtums befinden. Auf Glasstegen können die Besucher die Mauerreste umrunden. An den Wänden befinden sich mehrere Schaukästen und Vitrinen mit kleineren Fundstücken: Vom Öllämpchen über Weihgaben bis hin zu Tonfiguren gibt es allerhand zu bestaunen.
Das Interesse ziehen vor allem die Fluchtäfelchen auf sich. Es handelt sich um Bleitafeln, die mit Bitten an die Götter beschriftet und anschließend zusammengerollt wurden. So wünschte ein Römer einem seiner Mitmenschen „[…] bösen Sinn, bösen Tod, solange er leben wird damit er sieht, daß er mit dem ganzen Körper stirbt – außer den Augen […]“ Die Verfasser der Schriften wollten generell unbekannt bleiben, da Verwünschungen nach römischem Recht untersagt waren.
Die Präsentation, ein Erlebnis der Sinne
Multimediale Technik ermöglicht den Besuchern des Isis-Heiligtums in das Leben der damaligen Zeit einzutauchen: Ein Hörspiel über die Saturnalien – ein römisches Fest zu Ehren des Gottes Saturn – und eine Filmproduktion über Zauberpuppen, sowie Diaprojektionen der Göttin Isis ermöglichen eine Reise der Phantasie.
Thomas Engelbert besucht das Heiligtum bereits zum zweite Mal: „Es ist toll hier, weil es von der Aufmachung her nicht wie ein normales Museum ist. Durch die verschiedenen Elemente der Präsentation entsteht ein Eindruck, der wirklich ein Gefühl für die Zeit von damals vermittelt.“
Lenkt der Besucher den Blick nach oben, so sieht er den Sternenhimmel aus dem Jahre 69. Mit hunderten von Lämpchen wurde er originalgetreu nachgebildet. Die Informationstafeln, welche im Raum verteilt sind, geben Auskunft über Kulte, Mythen und Riten der damaligen Zeit. Während sich die Älteren mit der römischen Geschichte befassen, können die jüngeren Besucher an einem Computerterminal spielerisch lernen. Unter anderem ist es ihnen möglich die Schwierigkeiten von Ausgrabungsarbeiten mit Hilfe von einigen Klicks nachzuempfinden.
Plötzlich ertönt dann wieder der Monolog des Claudius Secundus, in dem er von den Saturnalien erzählt. Er spricht von den Festlichkeiten und den damit verbunden Opfergaben: „Keiner nimmt an diesem Tage ohne zu geben.“ Und so halten es auch die meisten der rund 100 Besucher am Tag: Sie nehmen viele neue Eindrücke und Informationen mit und geben dafür am Ausgang eine freiwillige Spende – der Eintritt ist kostenlos – für die Initiative Römisches Mainz e.V., um so unter anderem den Erhalt des Heiligtums zu sichern.