von Janek Rauhe
Schon mal als Rollstuhlfahrer auf dem Campus unterwegs gewesen? Nein? Eine Erfahrung, die sicherlich die wenigsten von uns machen. Für viele behinderte Studenten an der Uni Mainz gehört sie aber zum Alltag.
Und für sie ist es nicht immer eine schöne Erfahrung, denkt man nur an die Vorlesungsäle, die wie antike Amphitheater aufgebaut sind. Steile, abfallende Treppen sind der Horror für jeden Rollstuhlfahrer, doch an der Uni gibt es kaum einen Vorlesungssaal, der nicht so aufgebaut ist. Von behindertengerechter Gestaltung keine Spur. Barrierefreiheit ein Fremdwort. Eines der Probleme, mit denen sich das autonome Behindertenreferat im AStA beschäftigen muss.
„Theologie und Ethnologie ist als Rollstuhlfahrer in Mainz praktisch nicht studierbar“, meint Ellen Kubica, 24. Sie ist seit zwei Semestern Referentin des Behindertenreferats und sitzt selbst im Rollstuhl. Vor allem das Forum, aber auch viele andere Gebäude seien nicht behindertengerecht gestaltet. „Da geht dann Denkmalschutz vor Behindertenrechte“, empört sich Ellen. Zu ihren Aufgaben als Referentin gehört es, für eine barrierefreie Uni zu sorgen, ein Problem, das sich immer wieder stellt. „Deswegen versuche ich die Bauvorhaben der Uni zu begleiten und auf behindertengerechte Gebäude hinzuwirken.“ Eine weitere Möglichkeit, die ihr bleibt, ist andere Räume für Vorlesungen zu organisieren, damit auch behinderte Studenten teilnehmen können.
Aber nicht nur um eine barrierefreie Gestaltung des Campus kümmert sie sich. Vor allem die persönliche Beratung von Studenten ist ihre zentrale Aufgabe: „Jedes Semester kommen viele behinderte Studenten zu mir, die sich diskriminiert fühlen.“ Die meisten Probleme ergäben sich mit Dozenten, die ihren behinderten Studenten ihre Sonderrechte nicht gewähren: „Zum Beispiel Klausuren finden für behinderte Studenten unter ganz anderen Bedingungen statt. Einige bekommen mehr Zeit oder unterliegen anderen Prüfungsbedingungen, wie das bei blinden Studenten der Fall ist.“ Einige Dozenten würden diese Regelungen ignorieren. Auch würden viele Behinderte bei Seminaren krankheitsbedingt öfter fehlen. Einige Dozenten ließen die Betroffenen dann durchrasseln. Das Referat versucht solche Fälle zu verhindern. Ein weiteres Problem sei, dass viele behinderte Studenten „nicht offensiv genug“ mit ihrer Behinderung umgingen. „Sie haben einfach Angst, dass die Dozenten sie dann schlechter bewerten“, meint sie. Offensives Ansprechen der Behinderung räume viele Probleme aus dem Weg. Diese Erfahrung hat Ellen schon oft gemacht. Daher wolle sie den behinderten Studenten „mehr Selbstbewusstsein“ geben.
Das Referat kann behinderte Studenten in vielen Lebenslagen beraten: „Ich weiß zwar nicht zu jedem Problem gleich eine Antwort, aber das Referat ist so gut vernetzt und verfügt über viele Kontakte, dass ich bisher jede Anfrage beantworten konnte“. Außerdem bietet das Referat eine kleine Bibliothek mit Zeitschriften für behinderte und chronisch kranke Menschen. Dort findet man Tipps zum Leben mit Behinderungen.
Eine der aufwändigsten Aufgaben von Ellen steht jedoch immer zu Semesterbeginn an: Das Semesterticket macht für die meisten Behinderten keinen Sinn, weil sie sowieso kostenlos Bus und Bahn fahren können. So muss sie einen Berg von Anträgen bearbeiten – eine logistische Meisterleistung zum Semesterstart. „Die Studis wollen ihr Geld ja schließlich so schnell wie möglich zurück!“
Aber nicht nur ernste Aufgaben gehören zu ihrem Job. Sie organisiert auch Partys für behinderte und nichtbehinderte Studenten. So veranstaltet das Behindertenreferat zusammen mit dem Kulturreferat des AStA die Party „Rock and Roll“ im Kulturcafé. Die nächste Party ist am 30. Mai um 21 Uhr. Mit dabei ist auch die Rockgruppe ben*jammin aus Mainz, die den BitBurger-Newcomer-Contest für sich entscheiden konnte.
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Der Zentrale Fachschaften Rat (ZeFar) und Die politischen Referat des AStA
Schlagworte: autonome Referate, Behinderte, Behindertenreferat