Dracula in weiblichen Körper?
Die Rolle des Draculas kennt fast jeder. Es ist ein Ungeheuer, das in der Geschichte oder dem Film die Angst erregt. Es ist ein Monster, das auf Kosten der anderen lebt. Um zu überleben, muss er töten. Gerade ein Monster, ein Nachtswesen, etwas hässliches und böses wird eher mit einem Mann verbunden. Diese Vorstellung, dass etwas unglaublich negatives und angst- erregendes nur mit einer männlichen Figur dargestellt werden kann, wird in jedem Mensch schon seit Kindheit festgelegt. Diese Tatsache, dass die Rolle des Draculas im Film oder im Theaterstück nur von einem Mann gespielt werden kann, ist selbstverständlich. Und was, wenn eine Frau sich mit der Rolle auseinandersetzt? Dass es nicht nur möglich ist, sondern auch wirklich ein gutes Ergebnis geben kann, hat uns Carolin Haas gezeigt.
Die Studentin der Uni Mainz hat die Hauptrolle im Theaterstück „Dracula“ gespielt. Carolin hat eine nette Ausstrahlung und wenn man die Studentin der Germanistik und Anglistik an dem Flur in Philosophicum sieht, könnte man nicht behaupten, dass sie so überzeugend jemanden mit so negativen Charaktereigenschaften spielen würde. Und doch, schon bei der Prämiere des Stücks, hat sie das Publikum überzeugt, dass eine Frau doch sehr realistisch die Rolle des Bösen zeigen kann. Und wie kam es dazu? Das hat sie uns selber erzählt.
Wie lange habt ihr euch für diese Ausführung vorbereitet?
- Wir haben uns für „Dracula“ vor fünf Wochen entschieden, also nur fünf Wochen.
Warum spielt eine Frau die Rolle des Draculas?
- Wir hatten für diese Rolle erst einen Jungen ausgewählt, der sehr gut in der Rolle des Draculas war. Der Regisseur wollte jedoch ein bisschen experimentieren, etwas Neues und Ungewöhnliches zeigen, deswegen haben wir uns dafür entschieden, dass ich diese Rolle spielen sollte. Wir wollten den Dracula als Nachtwesen zeigen.
Was war besonders schwer für Dich an dieser Rolle?
- Ich glaube, dass schwierigste war die Überwindung bei dem Körperkontakt mit den anderen Schauspieler. Bei der einen Szene musste ich zum Beispiel das Mädchen schon fast in den sexuellen Sinn anfassen. Das war am Anfang nicht so einfach.
Welche andere Rolle würdest du gerne in diesem Theaterstück spielen?
- Ich würde gerne jemanden Gutes, Nettes spielen. Ich spiele meistens jemanden Böses, eine negative Figur.
Inwieweit könntest du selber an der Rolle des Draculas experimentieren und wieweit hast Du dich an den Vorschlägen, bzw. Ideen des Regisseur halten müssen?
- Ich konnte sehr viele meinen Ideen in diesen Stück einbringen. Wir arbeiten gerne zusammen und experimentieren auch viel.
Was hat Dir am meisten Spaß bei der Vorbereitung des „Draculas“ gemacht?
- Mir gefällt am meisten die Gruppe an sich, unsere Zusammenarbeit. Es macht Spaß.
Habt ihr schon eine Idee, was ihr kommendes Semester präsentieren wollt?
- Wir spielen ein Theaterstück im Semester. Wir wissen noch nicht, was wir im nächsten Semester zeigen wollen.
Die Figur des Draculas mit der sich Carolin auseinander gesetzt hat, war auch wegen Erscheinungsbilds der Schauspielerin sehr realistisch. Das Kostüm, die „Monster-Nägel“ und Zähne eines Vampirs spielten hier eine sehr große Rolle. Wichtig war es aber auch, dass die Schauspielerin mit einer ungewöhnlich weiblichen Stimme sehr männlich klingeln konnte. Dies, wie sie selbst sagte, war eine Sache der Übung. Die sehr deutlich, langsam ausgesprochene Wörter haben den größten Effekt bei der Wahrnehmung der Zuschauer erregt. Ein böses Wesen in Körper einer Frau? Es ist doch ein Experiment, welches dieser Theatergruppe recht gut gelungen ist.