Kendô - “Eintauchen in fremde Welten”
von Stephan Benz
Der japanischer Exportschlager Kendô erfreut sich auch in Deutschland einer wachsenden Zahl an Anhängern. LeOn ist für euch in diese fremd erscheinende Sportart „eingetaucht“.
Wer auf der Suche nach einer Sportart mit vielen Facetten und Herausforderungen ist, sollte sich im Kendô versuchen. Das japanische Gegenstück zum Fechten erfreut sich seit dem Export vor mehr als 50 Jahren einer wachsenden Zahl an deutschen Teilnehmern, so auch im AHS Programm der Johannes Gutenberg Universität in Mainz.
Wer nun erwartet, dass man überschüssige Energie und Frust in Form von Schlägen wahllos auf den Gegenüber einprasseln lassen kann, hat weit gefehlt. Wie auch im Fechten bestimmen feste Regeln einen Kampf. Bevor man schließlich auf die Matte (jap. Shiajjô) geschickt wird, gilt es diese Abläufe bis ins Detail zu erlernen.
In vier verschiedenen Kursen lässt sich dieser „Weg des Schwertes“ (jap. Kendô) langsam beschreiten. Im Mittelpunkt des Trainings steht das Erlernen von Grund-, Konter- und Angriffstechniken. Aber auch der Aufbau von Ausdauer, Geschick, Konzentration, Reaktionsvermögen, Selbstdisziplin, Teamgeist und Verantwortung werden durch den Trainer (jap. Sensei) gelehrt und gehören zur Ausbildung dazu. Als Belohnung wartet am Ende des Weges ein geformter Körper mit gereifter Seele.
Alle Trainingsstunden beginnen, wie in jeder anderen Sportart auch, mit dem Aufwärmen.
Nach kurzem Einlaufen und Dehnen steht „Kata“-Training an. In diesem Teil des Trainings stehen sich zwei Partner, die Lehrer und Schüler repräsentieren sollen, gegenüber. Im Gegensatz zum Wettkampf wird hier ohne Rüstung, dafür mit einem Holzschwert (jap. Bokutô), geübt. Nach der Begrüßung des Partners werden neun fest vorgeschriebene Aktionen bestehend aus Bewegungen und Schlägen mit finalem Aufschrei, ausgeführt, die Koordination und Treffergenauigkeit fördern sollen.
Danach geht es ans Eingemachte. Sobald alle Kendôschüler eine Technikübung von 400 kräftezehrenden Sprüngen samt Hieb und Schrei erledigt haben, wird nach kurzer Ruhe- und Meditationsphase, bei gefühlten 30°C, die Rüstung angelegt.
Neben der „normalen“ Kleidung, bestehend aus Jacke (jap. Keiko-gi) und weiter Hose (jap. Hakama), wird nun ein weißes Kopftuch (jap. Tenugui) angezogen. Darüber wird die Maske (Men) gestülpt, Brustpanzer (jap. Do), Schurz (jap. Tare) und Handschuhe (jap. Kote) komplettieren die Rüstung und stellen gleichzeitig die vier verschiedenen Trefferzonen im Kampf dar (Kopf, Kehle, Handgelenk und Rumpf). Einmal fertig eingekleidet, gibt es kein Entkommen mehr. Die kleine Turnhalle auf dem Campus verwandelt sich in einen Ort, in dem die Schüler, unter strenger Beobachtung des Sensei und Ohren betäubendem Geschrei, in wettkampfähnlichen Situationen mit dem Shinai, einem 115 cm langen Bambusschwert, die Haltbarkeit der Rüstung des Partners testen. Spätestens in diesem Moment fühlt man sich wie in Mitten eines Martial-Art-Films – oder in einem Dojo in Japan.
Kleines Kendô-Lexikon:
- Kendô: „Schwert-Weg“
- Ken: Schwert
- Tao: Lebensweg
- Sensei: Lehrer/Meister
- Shinai: Bambus-Schwert
- Bokutô: Holzschwert
- Keiko-gi: Jacke
- Hakama: weite Hose
- Tenugui: weißes Kopftuch
- Men: Maske
- Do: Brustpanzer
- Tare: Schurz
- Kote: Handschuhe
- Dojo: Trainingsraum
Nützliche Links zum Thema:
Schlagworte: Mainz, Stephan, Uni Mainz, Stephan Benz, Benz, LeOn, AHS Mainz, AHS, Kendô